Spock`s Beard / Octane / 2005 / CD

von Jogi`s Rockfabrik, 11.04.05.

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    Erstellt: 11.04.05   #1
    Spock`s Beard - Octane

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    2005

    Nun, um ehrlich zu sein, mit einem Review dieses Albums habe ich mich von Anfang an schwer getan. Warum eigentlich, sind doch Spock`s Beard für viele in der Prog.-Ecke gut aufgehoben und stilistisch recht gut zuzuordnen, und wenn es um eine neue Scheibe geht, dann stellt sich nur die Frage: „Ist sie gelungen oder nicht?“.

    Die Frage ist natürlich, was man erwartet und was nicht. Eines vorweg, dieses Album ist schlichtweg anders, als erwartet. Es ist abwechslungsreich, aber man merkt, dass die Band nicht mehr den alten, bekannten Weg geht. Man muss ihnen attestieren, dass sie mutig waren und in vielen Bereichen für meine Begriffe dem Prog. sogar abgeschworen haben. Dennoch stelle ich die Band weiterhin in die Progressiv-Ecke, da 1. jedermann sie genau hier suchen wird und auch finden soll und zum 2. liegen die Wurzeln und der Ursprung des Erfolges der Band genau hier.

    Spock`s Beard haben nun wohl den Ausstieg von Neal Morse überwunden und mit dem Schlagzeuger Nick DïVirgilio an den Lead-Vocals gehen sie musikalisch eigene Wege. Keine überlangen Songs, sondern durchschnittlich 5 Minuten dauern die einzelnen Stücke an. Dennoch sind sie musikalisch nicht weniger attraktiv. Vor mir liegt die Special Edition mit dem eigentlichen Album und einer Zusatz-CD. Aber der Reihe nach:

    Insgesamt gesehen kommen auf dem Album progressive Fragmente ganz sicher durch, keine Ahnung, ob man so etwas vielleicht als Retro-Progressiv bezeichnen sollte. Ich entscheide mich für ja.

    Mit gegensätzlichen und dadurch dramatischen Klängen eröffnen Spock`s Beard das Album. „The ballet of the impact“ startet ebenso hektisch, um dann Spannung aufzubauen. Nun könnte man meinen, es geht auf „Octane“ gewohnt weiter, dem ist aber nicht so. Es beginnt nun ein Gang durch die musikalische Geschichte, moderne harte Rock-Klänge bis hin zum AOR, also eher untypisch.

    I wouldn`t let it go“, zu meist begleitet von akustischen Gitarren, geht eindeutig in den Rockbereich. Der Song hat balladeske Tempi.

    Bei „Surfing down the avalance“ geht es zeitmäßig erstmals richtig zurück. Orgel-Sounds in einem echten Hard-Rock-Stil, so ein klein wenig Deep Purple aus ihrer Glanzzeit mischt sich dazwischen.

    Das langsame und sehr einfühlsame „She is everything“ ist ein Song, der bei mir bereits beim ersten Durchhören gezündet hat. Dieses Lied ist dazu geeignet, sowohl in positiven als auch negativen Stimmungslagen Einfluss auf das Gemüt zu nehmen. Der Song fängt düster mit seichten Chören im Hintergrund an und geht anschließend absolut ins Ohr. Sehr gut!

    „Climbing up that hill“ bietet erneut Abwechslung, recht flott und schwer geradeaus, hier geht die Tendenz eindeutig mehr in Richtung Rock.

    „Letting go“ versteht sich mehr als ein ca. 2-minütiges Intro, welches mit einem Kirchengeläut endet.

    Was dann folgt, ist in „Off the beauty of it all“ sehr nachdenklich. Einfach zurücklehnen und einen kleinen Abstecher in alte Pink-Floyd-Zeiten wagen ohne eine gewisse Eigenständigkeit zu verlieren. In einigen Passagen wird es wieder progig mit schönen Keyboard-Solo-Parts, wobei das Tempo anzieht und auch angenehme Solo-Gitarren greifen wieder.

    „NWC“ startet instrumental mit heftigen Gitarren-Hard-Rock-Riffs, wobei sich virtuose Einlagen der gesamten Band einstellen. Hier werden meines Erachtens leichte Jazz-Einflüsse hörbar, ähnliche Songs höre ich sonst bei Tony McAlpine und artverwandten Genossen.

    Nach dieser doch etwas heftigeren Kost geht es weiter mit „There was a time“, wesentlich eingängiger. Insgesamt recht fetzig, wobei die prägenden Melodien wohl schon oft dar gewesen sind. Trotz allem: Nicht schlecht!

    Ein Bass-Intro führt in „The planets hum“ und als sich Flötentöne dazu gesellen, wird man erneut absolut hellhörig. Nun, dieses Stück wird zum absoluten Hard-Rock-Song incl. Hammond-Orgel. Und als sich nach hinten raus auch leicht funkige Töne andeuten, ist die Überraschung perfekt.

    Was auf diesem Album auf alle Fälle gelungen ist, sind die verschiedenen Stile, die sich von Song zu Song abwechseln. Und so wundert man sich nicht mehr, als mit „Watching the tide“ nun wieder eine sehr schöne Ballade folgt. So regiert zunächst das Klavier, dem Gitarre und Bass folgen. Auch dieser Song steigert sich bis zum Einsetzen der kompletten Band, wobei der einmal aufgenommene Faden nicht verloren geht.

    Das Hauptalbum schließt mit einem recht einfachen Rock ´n` Roller „As long we ride“.

    Abschließend kann ich sagen, dass man das Album öfter hören muss, um richtigen Zugang zu gewinnen. Die Balladen sind nicht schnulzig, sondern erfordern genaue Konzentration wie die übrigen Songs auch. Spock`s Beard sind nicht auf völlig neuen Wegen, aber sie haben sich aus der Umklammerung eines Neal Morse befreit. Von daher ist die Scheibe sehr gut gelungen.


    Trackliste:

    1. The ballet of the impact 5.34 min
    2. I wouldn`t let it go 4.53 min
    3. Surfing down the avalance 3.43 min
    4. She is everything 6.46 min
    5. Climbing up that hill 3.31 min
    6. Letting go 1.52 min
    7. Of the beauty of it all 4.53 min
    8. NWC 4.16 min
    9. There was a time 4.58 min
    10. The planets hum 4.42 min
    11. Watching the tide 5.07 min
    12. As long as wie ride 5.35 min


    Gesamtlänge: 55.55 min


    Band:

    Nick D`Virgillio: Lead Vocals, Drums, Guitars
    Alan Morse: Guitars
    Ryo Okumoto: Keyboards
    Dave Meros: Bassguitar

    8/10

    Zur Zusatz-CD kann und will ich nur sagen, dass sich die Songs dem Niveau der Hauptplatte anpassen und ein schönes „Making Of“ ist ebenso enthalten. Der Aufpreis für diese Edition lohnt sich.
     
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