Studie zur Liberalisierung von Heroin

von Fastel, 03.06.06.

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  1. Fastel

    Fastel Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 03.06.06   #1
    ich habe mich in einem chat mit jemandem um das theme der liberalisierung von Heroin gestritten. mit liberalisierung ist nicht gemeint dass man sich sein heroin im supermarkt kauft sondern dass die Abhängigkeit von Opiaten als krankheit anerkannt wird und (einige) ärzte die erlaubnis bekommen heroin (an nachweislich süchtige) zu verschreiben.

    jetzt würde ich ganz gerne mal wissen wie ihr so über das thema denkt? wäre das was für deutschland? welche probleme könnten wirklich in ihren ursachen gelöst werden?

    hier ein paar links die ihr euch durchlesen solltet wenn ihr euch dafür interessiert:
    http://www.espace.ch/artikel_219247.html
    http://www.heroinstudie.de/faq.html

    http://www.presseportal.de/story.htx?nr=818231&firmaid=2790

    Heroin ist...

    ich persönlich habe ja lange die sog. "legalisierung" verteufelt. allerdings aus reiner unwissenheit über die sache selbst wie ich zugeben muss. allein das oft von der gegenseite benutze wort "legalisierung" ist eigentlich falsch. richtig wäre entkriminalisierung. auch das argument dass diese sache den einstieg in den heroinkonsum erleichtern oder gar fördern würde gilt für mich nicht mehr. seit ich mir die frage stelle warum ich nicht kiffe (und an das zeug kommt man ja nun wirklich leicht), nicht alkoholabhängig bin (legal) und nicht rauche (legal) ist für mich klar dass ich auch bei Heroin im sonderangebot im ALDI nicht zur spritze greifen würde. und ich glaube dass das nur so ist weil ich um die folgen weiß. meine ersten gedanken zum "umgang" mit heroin ist es mehr darüber zu reden. mehr aufklärung und auch die süchtigen wie kranke und nicht wie unmenschen zu behandeln. ist es nicht so dass wir (unsere gesellschaft) einen heroinsüchtigen nicht als kranken, sondern als versager/kriminellen/monster/sich-selbst-zerstörer sieht? ich vertrete sozusagen das krasse gegenteil von dem CDU vertreter der für die tabuisierung der sache plädierte. ich glaube das uns "schweigen" im kampf gegen die droge und deren anwendung nichts nützt. genausowenig wie eine starrköpfige Nichtakzeptanz und verteufelung von süchtigen und deren sucht.
    überhaupt scheint mir die ganze gegenargumentation des CDU mannes nur auf finanziellen gründen aufzubauen. um die soll es in diesem thread allerdings nicht vordergründig gehen :)

    ein paar fakten die ich (aus relativ zuverlässiger quelle) habe und interessant finde, haben meine bisherige meinung zum "liberalem" heroin ganz schön gekippt.
    so ist Heroin ein Stoff der für den körper selbst gar nicht sooo gefährlich ist. in seiner reinen form (so wie er auch in den, ambulanzen verabreicht wird(siehe links)) ist man nach konsum durchaus zurechnungs- und sogar arbeitsfähig.
    problematisch und wirklich gefährlich wird erst das "straßenheroin" dass die dealer mit den wirklich giftigen stoffen strecken um mehr gewinn zu machen.
    harter alkohol ist schädlicher für den körper als vergleichbare dosen an reinem heroin. der entzug einer alkoholsucht ist körperlich weit gefährlicher und die rückfallquote sehr hoch. das suchtpotential ist zwar geringer aber jährlich sterben 40.000 menschen an den folgen.
    und was ist mit der sagenumwobenen "beschaffungskriminalität"? die sucht treibt den süchtigen an geld aufzutreiben. jeden tag diebstahl, prostitution, raub, dealen...
    würden diese sachen nicht wegfallen wenn der süchtige sein heroin auf rezept frei bekommen darf? und was wäre mit dem ganzen rattenschwanz an organisierter kriminalität der da drann hängt? wäre nicht jeder schmierige drogendealer - ja sogar die ganz großen bosse - sofort und auf einen schlag arbeitslos? ich finde für mich einfach kaum plausible gegenargumente... vielleicht könn ihr mir ja sagen warum heroin weiterhin mit aller macht verboten gehört.

    und wo wir gerade bei euch sind...
    hand aufs herz: stellt euch mal vor ALDI würde ab morgen dauerhaft heroin, mit absegnung der regierung, legal verkaufen. könnte euch das zum testen locken? würdet ihr auch nur drüber nach denken?

    was denkt ihr über süchtige?... versager? selbst schuld? opfer?

    eure meinung zur studie? was glaubt ihr würde die deutsche allgemeinheit vom entkriminalisierten heroin halten? sind sie noch zu konservativ? oder nur vorsichtig? oder unwissend? würden die medien amok laufen und hetzen?

    was haltet ihr davon wenn euch jemand sagt dass alkohol genauso schlimm wie (reines) heroin wäre?

    ich hoffe das wurde hier noch nicht diskutiert... zum stichwort heroin finde ich jedenfalls nichts :o
     
  2. Enza

    Enza Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 03.06.06   #2
    Das Wort Sucht ist abgeleitet von dem Wort "suchen".

    Die Ersatzdrogen für Heroin sind in ihrer Wirkung auf den Organismus ein bisschen schlimmer - die Entzugserscheinungen sind heftiger und dauern länger. Ausserdem bewirken sie keinen Rausch, so dass die meisten Süchtigen dann doch noch zusätzlich zu ihrer Substitutionsdosis wieder Heroin nehmen - und davon mehr nehmen müssen, weil es sonst nicht "anschlägt" bla.... Es ist auf jeden Fall ein fataler Kreislauf, aus dem man wirklich nur rauskommt, wenn man sich ein vollkommen neues Leben organisiert und die Kontakte zu solchen Personen meidet wie die Pest.

    Zu T.H.C kann ich nur sagen, dass es beruhigt. Manche Menschen neigen allerdings zu Psychosen und sollten das Kraut meiden. Es ist ein Unding, dieses Kraut ebenso zu verteufeln, wie die Substanzen, die aus dunklen Laboren stammen !

    edit-> Alkohol ist das Gift, was die Gehirnzellen garantiert auflöst. Der Betroffene merkt es selbst erst nicht - und wenn er es merkt, dann ist es meistens schon zu spät.

    Da frage ich mich doch, wer daran interessiert ist, ein Volk auf diese Weise legal zu vergiften ?
     
  3. Ray

    Ray Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 03.06.06   #3
    Weil Drogenthreads laut Rules eigentlich verboten sind. Besonders heikel sind da natürlich verharmlosende Beiträge bzw. solche, die anwesende Kinder im Forum durchaus dazu verleiten könnten zu denken "is ja gar nicht so schlimm, probier ich mal".

    Das ist halt schon was anderes, als mal in nem Nebensatz einen Joint zu erwähnen, den man irgendwann mal gepafft hat ;)

    Falls die Administration und die Mod-Gemeinde nix dagegen hat, bleibt der Thread offen, solange er sachlich (!!) bleibt. Ansonsten *3-2-1-closed*...
     
  4. am_i_jesus?

    am_i_jesus? Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.06.06   #4
    Hmmm. Mich gehts nichts an, was andere machen. Aber ich hab da eine GANZ klare Einstellung: Alles, was auf Bäumen wächst ist unter Umständen in Ordnung.
    Die "harten" Sachen würd ich niemals anfassen - genau deswegen, weil ich BEFÜRCHTE, dass der Rausch so extrem geil ist, dass ich das wiederholen möchte.
    Das erste Mal probieren ist vermutlich das Verhängnisvollste.
     
  5. Killamangiro*

    Killamangiro* Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.06.06   #5
    das wäre dann der letzte schritt der unternommen wird weil der staat vor den drogen an sich nicht genug schützen kann. prävention ist deutlich billiger und vertretbarer als das
     
  6. Enza

    Enza Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 04.06.06   #6
    Durch teufelhafte Drogen und den zellenserstörenden ALKOHOL ist unser Volk doch so dümmlich geworden, wie es nun nunmal ist. Wenn einer von Euch ein ganz klein wenig darüber nachdenkt und sich auch ein bisschen mit unserer Geschichte befasst, wird er (werdet Ihr) darauf kommen, dass wir nur (geistig und körperlich) gesund sein können, wenn wir uns auch danach verhalten ! Denkt z.B. an die Indianer, deren Glaube und Volk durch den Alkohol systematisch zerstört wurde. Wenn eine Mutter ihren Körper so schädigt, wird das Kind auf keinen Fall vernünftiger und besser werden können ! Naja, und wenn der Vater säuft, hat die Mutter meistens auch ihre persönliche Droge (z.B. das Fressen), die auch nicht grade zu einer positiven Entwicklung förderlich ist...

    edit-> Allein die Idee, (reines) Heroin an Süchtige zu verteilen sollte unter Strafe gesetzt werden. Die Typen haben dann wieder ihren Rausch, sind nicht mehr zu "gebrauchen" und bleiben ignorant und kriminell ! Womöglich werden sie dann den Stoff, den sie von ihren Ärzten bekommen, trotzdem strecken und weiterverkaufen (weil diese Zombies einfach nicht mehr (nach)denken können) !
    Glaubt es mir.

    Wir leben hier nicht in der Schweiz, sondern in einem Deutschland, das verdammt unzufrieden ist. Diese Unzufriedenheit(en) verleiten "die Suchenden" unter uns, den Unsinn zu veranstalten, vor dem wir uns doch eigentlich schützen wollen. Ich denke nicht, dass es hier sinnvoll ist, "die armen "Teufel", die in den Brunnen gefallen sind", noch zu bemitleiden! Wer sich sein Leben so "zurechtgebastelt" hat, dass er das nicht mehr ertragen kann, der muss sich ändern !
     
  7. Fastel

    Fastel Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 04.06.06   #7
    zu gebrauchen sind die auch weiterhin nicht wenn sie den ganzen tag damit zubringen sich das geld für ihren schuss zu besorgen. dann werden sie sogar zu einer gefahr für andere.
    warum bleiben die ignorant und kriminell? wenn die sich (verschriebenes) reines heroin zu besorgen brauchen sie das schmutzige kriminelle straßenheroin nicht mehr. das ist doch (so wie ich das nun sehe) das genaue gegenteil.
    und das strecken und weiterverkaufen.... warum? wer kauft denn noch straßenheroin wenn man (als süchtiger) reines beim arzt bekommen kann?
    außerdem müssen die teilweise (ich bin nicht sicher ob es immer so ist) unter ärztlicher aufsicht drücken.
     
  8. Heike

    Heike HCA Bass Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 04.06.06   #8
    Du zäumst das Pferd von hinten auf. Nicht die Drogen sind "böse", sondern eine Gesellschaftsform, in der etliche Leute das Leben nur noch unter Teilnarkose ertragen können.

    Auch da war es nicht der Alkohol, sondern die Anomie, d.h. die Abwertung bis Zerstörung der eigenen Lebensformen. Das einzige, was die Weißen besser konnten, war gewaltsame Machtausübung, aber ansonsten sind die kulturlose Barbaren, die so respektlos sind, daß sie schon die eigenen Leute wie Scheiße behandeln, sind absolut null vertrauenswürdig, und obendrein auch noch so häßlich, daß einem das reihern kommt. Dagegen sind die Aliens, die in SciFis Mittelwest-Gemeinden etwas belästigen, um sich alsbald ja doch nur mühelos wieder entfernen zu lassen, geradezu putzig.

    Wie kommst Du darauf, die Schweiz sei da so völlig anders gestrickt? Diese ganze Zivilisation ist unerträglicher Unsinn, den schlimmste Psychopathen so hingebastelt haben, und um damit zufrieden zu sein, muß man entweder mit Blindheit geschlagen oder tüchtig korrumpiert sein, was aber auch nur eine tragische Form von Kurzsichtigkeit ist.

    Der einzige Punkt, mit dem Du recht hast, ist, daß die Leute mit Drogen nur sich selbst schädigen, anstatt endlich mal einen Schraubenschlüssel ins System zu werfen.
     
  9. Martin WPunkt

    Martin WPunkt Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 04.06.06   #9
    Jo, "die Gesellschaftsform". Ein dankbarer verbaler Sandsack. In verschiedenen Geschmacksrichtungen als "die Zivilisation" oder "das System" erhältlich. Man kann drauf einschlagen, ohne Feedback befürchten zu müssen. Neben vieler anderer Unbill lässt sich dann natürlich auch der Missbrauch von Narkotika hübsch immer und überall scheinargumentativ "erklären".... :(

    Im Ernst: In allen Zeiten und Räumen gab und gibt es Menschen, die es für sinnvoll eracht(et)en, sich Hirn, Gesundheit oder gleich das ganze Leben mit Drogen, Scheindrogen oder Nichtdrogen nachhaltig zu zerstören. Das allein mit abstrakten Begrifflichkeiten erklären zu wollen, scheint mir etwas sehr wenig tragfähig. Aber eine schöne Polemik gibt das natürlich schon her. Auch wenn derlei Kulturpessimismus wahrlich nichts neues ist....

    Die Liberalisierungspolitik hat m.E. zwei Seiten: die medizinische und die politische. Erstere kann uns sagen, was für mittel- und schwerstabhängige Drogenkonsumenten erfolgversprechende Therapieformen sind. Ob, wie und unter welchen Umständen die dann bekannten Herangehensweisen umgesetzt, gefördert oder verhindert werden, muss dann die Politik entscheiden. Und das eigentliche Problem dabei ist m.E. die Tatsache, dass wohl die wenigsten zuständigen Politiker in diesem Problemfeld theoretische oder gar praktische Erfahrungen mit der Drogenproblematik haben.
     
  10. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 04.06.06   #10
    Die kriminalisierung verhindert eine offene auseinandersetzung, manche narkotika sind legal, andere nicht, bedarf und missbrauch gibt es hüben wie drüben. Vergessen wir nicht die ökonomische seite: von verboten und dunkelzonen für unmoralisch erachtete, menschliche bedürfnisse lebt das organisierte verbrechen mit seinen nirgendwo anders erreichten profitraten. Die moral als fassade einer "non olet"-mentalität ist nichts neues.
    Prostitution bringt gute mieteinnahmen, tabak- und alkoholsteuern füllen das staatssäckel, wo die mafia-gelder bleiben, ist geheim. Der mohn gedeiht prächtig in Afghanistan, die drogenwege über den Balkan sind gesichert, bürgerkriege sind nicht gut fürs geschäft.
    Die folgen des "Betäubungsmittelgesetzes" spürte ich am eigenen leibe: es brauchte 6 stunden, um die schmerzen einer schweren nierenkolik wenigstens zu mildern, "wir wollen die diagnose nicht verschleiern" bei der notaufnahme, "Sie bekommen eine spritze auf der station" bei der aufnahme im krankenhaus, "schweigen" - "tiefes schweigen" - "noch tieferes schweigen" dort, dann "wir sind gerade beim essen" und endlich "wir dachten, Sie hätten schon lange Ihre spritze bekommen!"
    Das problem: eine morphiumspritze ist mit bürokratie verbunden, muss besonders dokumentiert werden, macht arbeit, die einer auf den anderen abschiebt - - - und - - die schmerzen anderer sind leicht zu ertragen. Problem bei der schmerzbehandlung und bei den letzten stündlein, "da könnte sich ja ein gewöhnungseffekt einstellen!"
    "Lasciate ogni speranza!", der gegenwind ist zu stark.
     
  11. Enza

    Enza Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 05.06.06   #11
    Das ist wirklich eine ganz verzwickte Situation.
    Ich kann nur sagen, dass man mit den gängigen Substitutionsdrogen absolut leistungsfähig ist, und dass diese Stoffe die "Suchtrezeptoren" im Gehirn blocken, so dass eine Beschaffungskriminalität nicht mehr gegeben ist.
    Viele, die substituiert werden und das Zeug mit nach Hause nehmen dürfen, nehmen es nicht selbst, sondern verkaufen es weiter und kaufen sich von dem Erlös wieder das dreckige Strassengift. Du siehst also, dass diese Menschen eigentlich gar nicht mehr ernst zu nehmen sind !

    Ich denke da auch wahrscheinlich etwas radikal, denn ich kenne genügend Leute, bei denen das Leben bereits verloren ist. Solange die Leute das Gift (mit seiner vollen Wirkung) nehmen, besteht das Problem, dass auch die Gier nach einer ständigen Steigerung der Dosis besteht. Junkies, die tatsächlich davon weggekommen sind, haben es erst geschafft, wenn sie diese "Höllentortur" durchgemacht haben und sich total von dieser Szene gelöst haben. In allen Bereichen !

    edit-> "Reines" Heroin würde auf gar keinen Fall verschrieben werden :) Es würde mit Substanzen aufgestreckt werden, die nicht schädlich sind. Reines Heroin in kleinsten Mengen kann tödlich sein !
     
  12. Heike

    Heike HCA Bass Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 05.06.06   #12
    Du hättest vielleicht recht, wenn das nicht nur als Erwiderung auf Amöbe schon alles gewesen wäre. Nur wenn ich ihren "armen Teufeln" einerseits nicht wenig gravierende Psychopathologien bescheinigt hätte, allerdings darauf bestanden, daß ein Begriff wie "Verantwortung" hier völlig fehl am Platze ist, die Rolle deren Elterhäuser und sonstiger Umfelder beleuchtet, und dann auch noch ein bißchen was generelleres zum Verhältnis von Individuum von Kollektiv angebracht, dann hätte sie wahrscheinlich nicht mehr davon gehabt und ich hätte umsonst 20 min mit cutting & pasting aus irgendwelchen meiner Dateien auf der Festplatte verbracht.

    Deswegen weigere ich mich auch, Politiker zu beraten, solange die sich weigern, Sachverhalte mal für sich selbst klarzukriegen, sonder nur nervös herzumrutschen, wenn sie mal zuhören sollen, nur um alsbald ärgerlich zu fragen, ob das denn mehrheitsfähig sei :screwy:

    Wo er ja cash crop ist, und zwar eine für die Bauern unverzichtbare Einnahmequelle, für die sie anderes vernachlässigen, was nun auch die Politik einsehen mußte.

    Trotzdem gehört auch hier der Blick über den Tellerrand mit dazu, und sei es nur um bestürzt festzustellen, daß es z.B. diverse Ethnien in SO Asien geschafft haben, jahrtausendelang in Würde mit dem Schlafmohn zu leben. Natürlich kann man auch mal ketzerisch fragen, wie es kommt, daß schon einige andere da nicht, geschweige die Langnasen...
     
  13. Heike

    Heike HCA Bass Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 05.06.06   #13
    Ich muß doch sehr bitten. Natürlich sollte man die ernstnehmen. Allerdings eben richtig. An Deinem Beispiel sieht man ja "lediglich" (auch wenn das noch so bestürzend sein mag), daß unter diesen Bedingungen nichtmal eine palliative (lindernde) Therapie möglich ist. Das ist ja leider beileibe nicht der einzige Fall, wo Mediziner, Psychiater & al. gerne die Rahmenbedingungen einer Therapie festlegen wollen (sogar gerne von "Verträgen" reden, die manchmal sogar auch noch formal geschlossen werden), obschon sie wissen sollten, daß sich manche Patienten in ihrer Not gar nicht darauf einlassen können (oder wenn dann eben nur "zum Schein" bzw. in ihnen sogar fälschlicherweise damit gemachter Hoffnung).
     
  14. Enza

    Enza Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 05.06.06   #14
    Ich bin der Meinung, die Entdeckung des Morphiums ist ein Segen und ein Fluch,
    denn es gibt so viele unheilbare und sehr schmerzhafte Krankheiten, die damit gelindert werden ! Allerdings werden diese Substanzen auch erst eingesetzt, wenn der Patient zwingend sterben wird. Wir sollten da eben den Ge- und den Missbrauch abwägen.
     
  15. Enza

    Enza Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 05.06.06   #15
    Das ist es ja eben ! Die Süchtigen müssten eigentlich behandelt werden, wie kleine Kinder, die man auf "die grosse Welt" vorbereitet, weil sie sich (i.d.R.) selbst gar nicht mehr einschätzen können! Eine Sucht ist so unberechenbar, wie die Person an sich.

    uund edit-> "lindernde Suchttherapie" ist Quatsch mit Sosse ! Wer sich "die Suppe" eingebrockt hat, der muss sie auch wieder auslöffeln! Je mehr ein Patient die Substitution in die Länge zieht, umso länger wird er auch darunter leiden müssen, dass er so krank (ich drücke es so aus) ist. :)
     
  16. Fastel

    Fastel Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 05.06.06   #16
    tatsache ist doch dass der preis für "illegales" heroin in den keller wandern würde nach einer liberalisierung. außerdem wie ich schon sagte: wer braucht noch straßenheroin wenn "besseres" verschrieben werden kann.
    wenn die käufer verschwinden verschwinden auch die anbieter. was imho einen großen schlag gegen die organisierte kriminalität ausmachen würde. man kann (aber) die bedeutung wahrscheinlich gar nicht abschätzen.

    dann bleibt aber der angstfaktor. so wie es auf der einen seite hieß:
    Das Schlimmste am Entzug ist die Angst vor dem Entzug selbst"
    es gehört imho für einen heroinsüchtigen schon einiges dazu einen entzug zu machen. ein "schonender" entzug würde sicherlich mehr leute motivieren... genauso mehr offenheit/verständnis das der sandsack gesellschaft aufbringen muss.
     
  17. Heike

    Heike HCA Bass Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 05.06.06   #17
    Das ist genau die Schuldfrage, bei der man schon verloren hat, und das nicht nur hier. Und ebenso quälerische wie wenig effektive Therapien gibt es auch andernorts in der (Schul,- Komplementär- & Volks- ) Medizin immer noch zuhauf. Dr. Eisenbart grüßt seine Sandsäcke, oder vielleicht eben auch eher umgekehrt :(
     
  18. kuB

    kuB Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.06.06   #18
    Wieso die Panik? Unter ärztlicher Aufzicht muss es direkt eingenommen werden, also nix mit einstecken, strecken und weiterverkaufen.
    Die "Typen" und "Zombies" von denen du so herablassend sprichst, sind immer noch Menschen, auch wenn sie extrem weit unten, kurz, schwerkrank sind. Ein schwerer Alkoholiker macht es keine 20 Jahre mit, ein Heroin Junky durchaus. Das ist ein äußerst langsames, aber stetiges Dahinsiechen, was abrupt enden kann. Und: Die Dosis macht das Gift, wie schon Paracelsus feststellte. Mit reinem, verabreichtem Heroin kann man die körpereigene Dosis und wöchentliche(!) Ration genau kontrollieren und sogar einer geregelten Arbeit nachgehen, wobei auch der synergetische , also verstärkende, Mischkonsum außen vor bleibt. Erst dann beginnt die eigentlich Behandlung, nämlich die psychische/psychosoziale Behandlung. Auf der Straße fällt das alles weg und endet wegen der Unreinheit, steigender Dosis, mangelnder Hygiene etc. meist nach Jahren mit einem unfotogenen Tod typisch auf dem Bahnhofsklo, oder sonstwo in der Öffentlichkeit. Das Modell wie es in der Schweiz, den NL und Testweise in D. betrieben wird, richtet sich soweit an Langzeitkonsumenten (5-10 Jahre+), damit sie mit dieser Methode wenigstens ansatzweise wieder Fuß in die Gesellschaft fassen, weil eben, wie richtig erwähnt, die Substitutionspolitik mit Methadon, Codein und Konsorten nur ein Ausweichen, und Verschlimmern bewirkt. Du pauschalisierst mit "womöglich" auch nur, zeigst dadurch, dass du dich mit dem Thema nicht wirklich auskennst und höchstwahrscheinlich nicht mal Langzeit "User" kennst. Ich habe sie kennengelernt. Leider. Sei es durch meine damalige Zivi Stelle, journalistische Nebentätigkeit und jüngst durch meine Band, wo die "Schore" durch unseren Sänger Einzug hielt.
    Etliche wollen aussteigen, schaffen es aber nicht aus eigener Kraft, und schon gar nicht als Langzeitkonsument mit der Substitutionspolitik, welche nicht umsonst von den Sozialeinrichtungen, Sozialwissenschaftlern und Ärzteverbänden auf kommunalen Ebenen in die Kritik geriet und seit Jahren ohne eine Alternative zäh auf der Stelle tritt.
    Und? Ob Junky in D., der Schweiz, oder Japan, er ist gleichermaßen krank. Wie kann man gerade hier nationale Grenzen ziehen?
    Und Fixerstuben, wo Leute unter humanen Bedingungen konsumieren können, fördern die örtliche Drogenszene richtig? :rolleyes: :o
    Jaha, der Fehler ist, genau hier die Repressionskeule anzusetzen. Man betrachte nur was damals die rigide Vertreibungspolitik in Hamburg unter Ronald Schill den spießigen Vorstädten gebracht hat, die gerade selbigen gewählt hatten. Deine Logik kann ich nicht nachvollziehen: Jemand der von Marijuana, Nikotin, oder Kokain psychisch/psychosomatisch abhängig ist, und auf der anderen Seite von einer anderen Substanz körperlich schwer süchtig ist, der wird bei dir anscheinend gleich bewertet? "Er/Sie hat es sich eingebrockt, also muss man es auch selber wieder aus eigenen Stücken merken und schaffen." Toll, merken tun sie`s, so weggebretzelt sind eigentlich nur Crackheads. Nur was ist, wenn der "Schore Zombie" es eben ab einem Punkt nicht mehr alleine schafft? Diejenigen, die ich kennengelernt habe, haben es in Folge ihrer Beschaffungkriminalität und Strafvollzug, samt Zwangseinweisung/Entgiftung nicht mal einwandfrei, sprich auf Anhieb geregelt bekommen, sondern nur nach mehrmaligen Anläufen über Jahre hinweg. So viel zu eigenem Handlungsvermögen und der Leichtigkeit. Lass dir mal erzählen was Leute auf einem "turkey" für ekelerregende und unmenschliche Sachen gemacht haben und versuche mal Leute kennenzulernen, die davon weggekommen sind. Du erkennst die Person nie im Leben wieder, oder wirst der cleanen Person nie zutrauen was sie gemacht hat. Ein Unterschied wie Tag und Nacht.
    So wehrter Hippie, denkt du mal drüber nach.
    :rolleyes:
     
  19. AlcoholicA

    AlcoholicA Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.06.06   #19
    Diese Heroinabgabe gibts hier in Zürich und ist laut Studien und Experten (denen ich mehr Beachtung schenke als zB unserer Amöbe :D ) absolut sinnvoll. Der Threaderöffner hat in seinem ersten Beitrag eigentlich schon alle Vorteile erwähnt, ich hab deshalb auch nicht das Bedürfnis alles nochmals aufzuzählen...
     
  20. Enza

    Enza Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 05.06.06   #20
    Oh Mann ! :o ...irgendwie habe ich mich gewaltig verändert ! Ja, ich kenne "Fixerstuben". Ja, ich weiss auch, was es bedeutet, einen "Affen" zu schieben ! Ist "lange" her. Ja, auch ich bin (schon lange) suchtkrank, und habe meine absolut ultimative Droge in der Musik gefunden. In meiner Musik. :o Es hat Jahrzehnte gebraucht, bis ich mich sowohl physisch, als auch psychisch und mental vollkommen von den braunen und weissen Pulvern lösen konnte. Ja, ich kenne das. Deshalb kann ich hier vielleicht auch nicht so objektiv sein, aber es juckt mir doch in den Fingern, meine persönliche Meinung, die ich aufgrund meiner Erfahrung mit Sucht gemacht habe, kundzutun ! Ich habe hier aufgeschrieben, was ich selbst erlebt habe - und ich wünsche es niemandem, so etwas auch durchzumachen, deshalb "verteufle" ich das Zeug so sehr !

    Ich bin froh, nicht mehr mit solchen Leuten zu tun zu haben und jetzt so anders zu sein! (Ich war ja selbst ein Zombie - ohje, bin ich spiessig geworden :D ... aber so schütze ich mich auch irgendwie vor eben den Gedanken, die ich nicht mehr zulassen darf.)

    Natürlich sind wir alle Menschen und sollten uns nicht über einen Kamm scheren -
    jeder ist für sich eine Persönlichkeit !

    Ein Tipp noch für Betroffene: Bemitleidet Euch bloss nicht selbst !
     
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