System der Angst..........Lidl ?

von topo, 06.10.06.

  1. topo

    topo HCA Recording Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 06.10.06   #1
    Ein sehr interssanter Artikel von Spiegel online
    =======================================

    System der Angst
    Von Klaus-Peter Kerbusk

    Mit hohen Startgehältern und der Aussicht auf schnelle Karriere werben Discount-Größen wie Lidl um Uni-Absolventen. Doch der Job ist brutal, das Arbeitspensum des Nachwuchses extrem.

    Das Angebot klingt verlockend: Es gebe "frühzeitig erste Führungs- und Umsatzverantwortung" und "ausgezeichnete Karriereperspektiven" in einer "Branche mit Zukunft". Zudem stellt die Firma einen neutralen Firmenwagen, der privat genutzt werden kann, und zahlt "von Anfang an ein hohes Gehalt".

    Mit solchen und ähnlichen Traumjobbeschreibungen suchen Lebensmitteldiscounter wie Aldi, Lidl oder Plus "ständig qualifizierte Nachwuchskräfte". Einzige Bedingung: ein "überzeugender Studienabschluss".

    Je nach Unternehmen heißt der mit gut 50 000 Euro Jahresgehalt dotierte Einstiegsjob dann Verkaufs-, Bereichs- oder Bezirksleiter. "Der Bedarf ist riesig", sagt Unternehmensberater Ireneusz Kostowski, der selbst eine Zeitlang im Discounthandel gearbeitet hat. Denn anders als die traditionellen Läden verzeichnen die Billighändler weiterhin fast ungebremste Wachstumsraten.

    Besonders groß ist die Nachfrage bei der Neckarsulmer Firmengruppe Lidl. Der Branchenzweite hinter Aldi wächst so schnell wie kein anderer Handelskonzern in Deutschland.

    Mit insgesamt fast 7000 Filialen verfügen die Schwaben bereits über das größte Netz an Discountmärkten in Europa. Da werden nicht nur ständig neue Verkäuferinnen und Marktleiter gesucht, sondern auch Nachwuchsmanager.

    Um die zu ködern, präsentiert sich Lidl neuerdings nicht nur auf Jobmessen, sondern lädt Studenten sogar zu eigenen Wochenendseminaren in noble Hotels ein. "In lockerer Atmosphäre" werden Interessenten da über die Firma und die Karrierechancen informiert. Auf dem flankierenden Unterhaltungsprogramm stehen Besuche von Fußball-Bundesligaspielen oder Ski- und Snowboardtrips. Alles getreu dem Firmenmotto: "Wir achten und fördern uns gegenseitig."

    Der Alltag im Discountgeschäft hat mit dieser anfänglichen Wohlfühlatmosphäre dann allerdings wenig zu tun. Die Nachwuchsmanager beginnen ihre Karriere im Konzern als Verkaufsleiter, nach einer rund halbjährigen Einarbeitungsphase sind sie für bis zu sieben Filialen zuständig.

    "Wer das mehr als zwei Jahre übersteht, gilt in der Branche als harter Hund", sagt Kostowski.

    "Lidl-Jahre zählen wie Hundejahre", glaubt auch Harry ********, der sich nach zweieinhalb Jahren bei Lidl "ausgepresst wie eine Zitrone" fühlte und seine Kündigung einreichte. Damit gehört der Wirtschaftswissenschaftler bereits zu den Hartnäckigen. "Manche schmeißen schon nach einer Woche die Brocken hin", erinnert sich ein früherer Lidl-Manager.

    Das Unternehmen bestreitet das nicht. Das seien aber Einzelfälle, sagt Firmensprecher Thomas Oberle. Von den 250 Verkaufsleitern, die im vergangenen Jahr neu eingestellt wurden, seien heute noch 191 im Unternehmen. Gut ein Viertel der insgesamt 714 Verkaufsleiter seien sogar schon länger als zehn Jahre dabei.

    Die Entzauberung des Traumjobs beginnt indes schnell. "60 bis 70 Stunden an sechs Tagen in der Woche" seien als Arbeitszeit "normal", sagen Insider, "manchmal sind es auch 80".

    Selbst sonntags ist längst nicht immer frei. Dann würden Neulinge gern mit einem "besonders wichtigen Spezialauftrag" bedacht, erinnert sich Ex-Lidlianer ********: Nachwuchsmanager sollen beispielsweise überprüfen, ob die Handzettelverteiler die Lidl-Prospekte auch ordnungsgemäß in alle Briefkästen ihres Bezirks gesteckt haben. ********: "Stichprobenartig muss man bei zwei Haushalten pro Straße nachfragen."

    "Bei einem Monatsgehalt von 4500 Euro" sei es "doch wohl normal, wenn eine Firma hohe Anforderungen stellt", kontert Lidl-Sprecher Oberle. Und wer mit der regulären Arbeitszeit von 40 Stunden nicht auskomme, habe seine "Arbeit eben schlecht organisiert".

    Doch nicht nur die extremen Arbeitszeiten und der raue Umgangston, bei dem Untergebene gern auch mal als "Penner" oder "blöde Zicke" tituliert werden, machen vielen Nachwuchsmanagern zu schaffen. Es sei vor allem die "Mischung aus Willkür, permanentem Misstrauen und dubiosen Kontrollmethoden", sagt ********, die den Job im Discountmanagement zu einer ganz besonderen Erfahrung für die Neuen mache.

    "Die Verkaufsleiter bekommen mächtig Druck von oben, und den geben die meisten nach unten weiter", bestätigt Branchenkenner Kostowski. Sie sollen die Umsätze steigern, die Kosten drücken und Inventurverluste möglichst klein halten.

    Überwachung und Bespitzelung der Mitarbeiter machen deshalb einen beachtlichen Teil der Arbeitszeit aus. Frühkontrollen, Spät- und Schichtwechselkontrollen, Probekäufe und Ehrlichkeitstests mit angeblich im Laden gefundenen Geldbörsen gehören nach Aussage von Lidl-Managern zum Standardrepertoire.

    "Kontrollen im rechtlich vorgegebenen Rahmen" seien "unbedingt notwendig", verteidigt Lidl-Geschäftsführer Klaus Gehrig den Überwachungseifer seines Konzerns. Schließlich summierten sich die jährlichen Inventurverluste bei der Lidl-Gruppe auf rund 250 Millionen Euro - etwa die Hälfte davon geht nach Branchenschätzungen auf das Konto eigener Mitarbeiter.

    Bisweilen bekommen die Nachwuchskräfte deshalb auch den Tipp, so berichten Ehemalige, "zum Einstand immer erst mal ein Exempel zu statuieren und jemanden rauszuschmeißen". Und "wenn man eine Zeitlang keinen rausschmeißt", erinnert sich ********, habe es sofort geheißen: "Wird bei Ihnen nicht mehr geklaut?"


    Gründe, um den Leistungsdruck zu erhöhen und Abmahnungen oder gar Kündigungen auszusprechen, finden sich offenbar selbst bei ehrlichen Mitarbeitern immer und überall: Da ist die Warenpräsentation nicht in Ordnung oder der Fußboden schlecht gewischt, da fehlt das Preisschild, da ist die Haltbarkeitsfrist überschritten, da hängt das falsche Plakat im Fenster, oder es ist zu viel Ware im Lager. "Einmal habe ich sieben Abmahnungen an einem Tag bekommen", erzählt ein ehemaliger Marktleiter bei Lidl.

    "Manche Jungmanager", räumt Konzernsprecher Oberle ein, "sind mit der Verantwortung für bis zu 70 Mitarbeiter überfordert. Wenn uns solche Fälle zu Ohren kommen, ziehen wir aber sofort Konsequenzen." Nach Art des Hauses.

    Ein Ex-Verkaufsleiter erzählt, dass er sich in einem langen Brief an die Konzernspitze den Frust von der Seele schrieb: "Ich persönlich habe in fast zwei Jahren kein anerkennendes Wort vernommen und den Umgang als unmenschlich empfunden", hieß es in dem mit vielen Beispielen gespickten Schreiben. "Anschließend wurden meine beiden damaligen Vorgesetzten entlassen", erzählt der Manager.

    Zumindest bei Absolventen der Wirtschaftsfakultäten scheinen sich solche Versuche, das Betriebsklima von oben zu verbessern, noch nicht herumgesprochen zu haben. Bei einer Umfrage nach den beliebtesten Arbeitgebern nannten Studenten der Betriebswirtschaft zwar auch acht Handelskonzerne. Auf dem letzten Platz aber: Lidl.

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    aus/von:Einzelhandel: System der Angst - Wirtschaft - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten


    Wer will noch was bei Lidl kaufen ?


    Topo :cool:
     
  2. Wolf-107

    Wolf-107 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.10.06   #2
    Sehr interessanter und auch krasser Artikel.
    Aber ehrlich gesagt glaube ich dass es nicht nur bei Lidl so ist. Es ist doch allgemein dass die Leute die Arbeit haben immer mehr ausgebeutet werden al neue Arbeitsplätze zu schaffen.
    Nichtsdestotrotz ist das schon ein Extremes Bsp. Gut dass ich sowieso nicht bei Lidl einkaufen gehe, ich schwöre auf Minimal (jetzt rewe) und ab und zu Kaufland. Wobei ich auch nicht hinter deren Türen schauen möchte.
     
  3. Enza

    Enza Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 06.10.06   #3
    Hm, ich bin der Meinung, dass es grade für intelligente Schulabgänger, ganz besonders wichtig ist, das Leben von seinen harten Seiten kennenzulernen, denn auf welchen Lorbeeren soll sich denn ein Studierter Kopf ausruhen können, wenn er die Härte im Geschäftsleben nicht kennengelernt hat ?
    Wichtig ist es bei solchen Berufen doch, seine Menschlichkeit nicht zu verlieren - und ein Charakter wird bei solchen Ausbildungen immer sehr auf die Probe gestellt.
    Die "Guten" werden eben immer die "Besten" sein. Das hat auch viel mit Flexibilität zu tun.
    Wenn ich nur Geld verdienen will, weil meine DNS mir eine gute Gehirnmasse geschenkt hat, aber ich nicht bereit bin, auch mal den Kaffe zu kochen, dann ist da doch gar nichts, was verdient werden kann.
     
  4. UncleReaper

    UncleReaper Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 06.10.06   #4
    So ist es auch bei NORMA und allen möglichen Läden der REWE Kette.
     
  5. Wolf-107

    Wolf-107 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.10.06   #5

    Nur die haben ihre Mitarbeiter so erzogen, dass keiner von denen and die Öffentlich keit geht damt (noch nicht, vielleicht machts ja jetzt die Runde)
     
  6. Heike

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    Erstellt: 06.10.06   #6
    "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" oder was? :eek:

    Vielleicht wär's ja menschlicher, diese Unterwerfungsscheiße gleich zu lassen.

    Den naiven Optimismus möchte ich haben :( (oder... nein, eher nicht :o).
     
  7. Marc02

    Marc02 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.10.06   #7
    Und "wenn man eine Zeitlang keinen rausschmeißt", erinnert sich ********, habe es sofort geheißen: "Wird bei Ihnen nicht mehr geklaut?"

    Der Spruch ist geil :D:D:D

    Gründe, um den Leistungsdruck zu erhöhen und Abmahnungen oder gar Kündigungen auszusprechen, finden sich offenbar selbst bei ehrlichen Mitarbeitern immer und überall.

    Das ist nicht nur bei Lidl so, sondern überall.

    Sicherlich, korrekt ist was anderes. Aber von nichts kommt nichts.

    Bei der Bundeswehr ist es ähnlich. Man bekommt verhältnismäßig viel Geld für verhältnismäßig wenig Arbeit. Allerdings muß man sich manchmal einiges Gefallen lassen.
     
  8. am_i_jesus?

    am_i_jesus? Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.10.06   #8
    Für das Einstiegsgehalt kann man sich schon mal mies behandeln lassen, oder nicht? Ich meine, 4500€ EINSTIEGSgehalt sind ja der Wahnsinn... Muss man ja nicht bis ans Lebensende machen, aber für ein paar Jahre, wenn man weder Frau noch Kinder hat, ist das doch in Ordnung, oder nicht?
     
  9. Marc02

    Marc02 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.10.06   #9
    Naja, grundsätzlich sollte keiner mies behandelt werden. Egal wieviel Kohle da fließt. Man muß halt gucken was man erwartet und was man bereit ist zu geben bzw. zu ertragen.
     
  10. AX2Andi

    AX2Andi Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.10.06   #10
    Ich hab mal ne Ex-Verkäuferin aus so nem Discounter kennengelernt, die so gemobbt und fertiggemacht wurde, dass sie letztendlich in ner Psychatrie gelandet is... die hatte ne scheißangst davor da wieder hinzumüssen und auch allgemein vo Menschen... Also unter den "niederen" Mitarbeitern scheint auch nen ziemlicher Kampf zu wüten..... Ich blick das nicht... Wir haben hier in Deutschland doc hfür jeden Misst 2000 Gesetzliche Regelungen und Einschränkungen... Wieso dürfen dann solche Unternehmen so ne Tour abziehen?

    Also ich mein etwas harte Bedingungen sind ja kein ding, da geb ich Amöbe recht, das würde so manchem Oberschlaule mal gut tun, aber wenn das auch nur halbwegs stimmt, was meine Bekannte da berichtet hat, dann is das wirklich übel...
     
  11. Cosinus

    Cosinus Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.10.06   #11
    Die (sicher provokante) Frage ist doch:
    Wie sehr würdest Du für 4500 Euro als Vorgesetzter Deine Untergebenen unter Druck setzen, wenn das von Dir erwartet wird?
    Da nämlich liegt m.E. in dieser unserer "freiheitlichen" Gesellschaft der Hase im Pfeffer!

    Sie dürfen nicht - aber sie tun's!
    Und kommen leider meißtens damit durch...

    Ich meine aber trotzdem: Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt.
    Viele wehren sich nicht, vor allem aus Angst, zusätzliche Probleme zu bekommen oder gar Ihren Job zu verlieren und gehen über Jahre immer wieder faule Kompromisse ein, bis ihnen schließlich ihre Gesundheit einen unmißverständlichen Schlußstrich unter ihre Inkonsequenz zieht.

    Aber es ist auch schwer, sich erfolgreich zur Wehr zu setzen, wenn sich die Mitarbeiter untereinander schon nicht einig sind (altes Macht-Prinzip: Teile und herrsche!).
    Auch viele von Unternehmern eingesetzte Betriebsärtze, Arbeitsschutzbeauftragte und mitunter auch Betriebsräte tragen durch Wegsehen oder aktive Unterstützung der offiziellen Linie für vermutlich viel Geld zur Unterdrückung legitimer Arbeitnehmerinteressen z.B. auf körperliche und seelische Unversehrtheit (Fürsorgepflicht) bei, wie ich das selbst erleben durfte.
    Ich habe auf die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers hingewiesen, die meiner Meinung nach immer unzumutbarer werdenden Arbeitsumstände in meinem Arbeitsumfeld beschrieben und deren Verbesserung geforderdert, Unterschriften aller Betroffenen gesammelt und das Ganze bei der Geschäftsleitung eingereicht.
    Im Ergebnis wurde ich in einem Rundschreiben an alle Abteilungsleiter verleumdet und fachlich zu einem einfachen Haushandwerker "degradiert" (ich hatte gerade nebenberuflich meinen staatlich geprüften Techniker Datenverarbeitungstechnik gemacht und hoffte auf ein berufliches Fortkommen).
    Mein nun für alle Beschäftigten erkennbares Scheitern war für so manchen, dem ich nicht genehm war, ein Grund zu verstärktem Mobbing in meiner Richtung, da man ja nun mit Billigung "von oben" rechnen konnte.

    In der Freizeit zufällig mit einer Journalistin ins Gespräch gekommen, die mich nach meinen beruflichen Erfahrungen nach der "Wende" fragte, habe ich ihr (wohl etwas zu naiv) von diesen bitteren Erlebnissen berichtet.
    Einige Wochen später dann fand ich in der "Berliner Morgenpest" einen Artikel über mich.
    Als beruflicher Versager ohne Ehrgeiz, aber mit überzogenen Ansprüchen wurde ich in aller Öffentlichkeit bloßgestellt.
    Natürlich hing dieser Artikel auch mehrfach in der Firma aus.
    Mein Protest wurde vom damaligen Chefredakteur Wessels nicht ohne Schadenfreude labidar an die Rechtsabteilung verwiesen.
    Merke: Nur wer kriecht, der stolpert nicht.
    Damals ohne Rechtsschutz, habe ich mich nicht auf einen Rechtsstreit mit der Springerpresse eingelassen.
    Die Presse als 4. Säule der "Gewaltenteilung" in der Deutschen Demokratie?
    Ich habe meine Zweifel.

    Soviel zu dieser Gesellschaft und der Würde des Menschen darin...
     
  12. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 06.10.06   #12
    Seitdem ich weiß, dass unser hochverehrter Gustav Mahler als wiener operndirektor (mit der musikalischen leitung wollte er sich nicht zufrieden geben) einen spitzeldienst einrichtete, um über jeden garderoben- und orchesterklatsch unterrichtet zu sein und vor allem ältere musiker erbarmungslos feuerte, sehe ich solche auswüchse in supermärkten gelassener. Mich empört aber, dass solche dinge gesellschaftlich geduldet werden, und die in der verfassung verbriefte " würde des menschen" in vielen bereichen straflos angetastet werden darf. Behörden, justitia und verbände sind da sehr blind und schwerhörig. Wieviel steuereintreibungs- und ausnahmegesetze gibt es, und wieviel zum schutz menschlichen anstands?
     
  13. Abyss

    Abyss Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.10.06   #13
    oder einfach mal einen Mitarbeiter so zu entlassen, dem vielleicht so die Lebensgrundlage zu entziehen (sind ja auch nicht reich, die Mitarbeiter) nur um anderen einen Schrecken einzujagen, das es jeden treffen könnte, wenn man keine besondere Leistung (normale Leistung) erbringt, ein paar Überstunden/Eigeninitiativen vielleicht ?
    4500 sind viel, aber dafür muss man kalt und rücksichtslos (ein A****loch) den Mitarbeitern gegenüber sein und 13 Std. (14 €/Std.) sechs mal die Woche arbeiten und Sonntags mal "dreckige Jobs" erledigen.
    Das ist ja wohl nicht nur bei Lidl so, sondern überall :rolleyes: schon Normalität, aus manch einer Ecke als Kapitalismus beschimpft oder halt "Produktivität" (Schließlich summierten sich die jährlichen Inventurverluste bei der Lidl-Gruppe auf rund 250 Millionen Euro - etwa die Hälfte davon geht nach Branchenschätzungen auf das Konto eigener Mitarbeiter)

    OT: Bin ich G?nter Sch. :eek: ? Das Registrierdatum stimmt, die Beiträgezahl fast, auch das Karma unterscheidet sich nur um 2 Pkt. und die Rep-Power um 1 Pkt.
    Schnell umbennnen in Günter Sch. ;), Avatar klauen, Ort: March-Hugstetten, Profil abschreiben und schon bin ich ein Doppelgänger :D
     
  14. am_i_jesus?

    am_i_jesus? Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.10.06   #14
    Gerechtigkeit ist mir wichtig. Nicht für 10000€ würd ich ein Exempel KONSTRUIEREN. Einen Mitarbeiter zu entlassen, der gestohlen hat - das find ich in Ordnung. Die Untergebenen unter Druck zu setzen kann positiv sein, aber auch negativ, dabei kommts nichtmal ausschließlich auf den Druck an, sondern auf die Art, wie man ihn ausübt. Mit meinem kernigen österreichischen Schmäh wär ich da vermutlich perfekt geeignet :D

    Nein, im Ernst: Ich hab vollstes Verständnis dafür, dass ein so großer Konzern nur dann funktionieren kann, wenn keine Fehler erlaubt sind. Sicher ist das hart, besonders für die schlecht ausgebildeten Angestellten, die wenig verdienen aber den Dreck vom Chef auslöffeln können. Aber bitte - wem ist das nicht schon immer klar gewesen? Und dass es Spitzengehälter nicht ohne Haken gibt, muss wohl auch klar sein. Entweder du musst ein Arsch sein, oder du musst 70 Stunden arbeiten oder du musst gut sein. Oder eben alles.

    Ja, das alles ist hart und ungerecht. So what?
     
  15. Cosinus

    Cosinus Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.10.06   #15
    Das Problem ist, dass sich für Geld wohl immer jemand finden wird, der gesellschaftlich zwar nicht bejubeltes, aber doch geduldetes Unrecht vollzieht.
    Alles und jeder hat hier eben seinen Preis.

    Ich muss mir ja auch selbst die Frage stellen, wie weit ich für wieviel Geld gehen würde.
    Ob und inwieweit ich mich für Geld benutzen lasse (im weitesten Sinne).
    Ich habe mich entschieden und werde wohl für so manchen tatsächlich als Versager gelten, weil ich mir selbst etwas versagt habe: Den Erfolg um jeden Preis.
    Viele andere tun das nicht.
    Und halten das für die intelligentere Entscheidung.

    In seinem Job gut zu sein, das war nach meiner Erfahrung keine Garantie für Vorwärtskommen.
    Vielleicht war ich ja nicht gut genug, würden manche wohl sagen, aber ich meinte, gut genug, um Probleme und Mißstände auch selbst anzugehen oder, wenn das nicht möglich war, zumindest zu benennen, damit andere mit mehr Einfluß sie abstellen.
    Das meinte ich, meinem Arbeitgeber und auch mir selbst schuldig zu sein.
    Die Kritiklosigkeit und das Verschweigen von Problemen dem Arbeitgeber gegenüber halte ich nicht für einen Beweis von Loyalität, im Gegenteil: Wer konstruktiv kritisiert, zeigt Engagement. Wer Probleme verschleiert, verhindert eine notwendige Korrektur.
    Das wird natürlich oft falsch verstanden und der Kritiker dann als Querulant gebranntmarkt.
    Das ist zunächst bequemer als sich mit dem Problem auseinanderzusetzen.
    Wie schon im Mittelalter, so auch heute:
    Der Überbringer der schlechten Nachricht ist das Problem und wird bekämpft bzw. bestraft.
    Das unterwürfige Sichein- und Unterordnen in bestehende Hierarchien wird gefördert und belohnt.
    Das spült unfähige, aber willfährige Karrieristen in Entscheidungspositionen, auf denen sie dann verbleiben und entsprechenden Schaden anrichten.
    (Stichwort zum Nachlesen: Das Peterprinzip)

    Was sich gerade bei Airbus mit dem A380 abspielt, scheint mir ein recht passendes Beispiel zu sein.
    Die technischen Probleme dürften den unmittelbar damit befaßten Mitarbeitern sicherlich längst bekannt gewesen sein, wurden aber von ihren Vorgesetzten (mit welchen Mitteln auch immer) wirkungsvoll bemäntelt - bis es zum großen Knall kam.
    Und nun tagt der Kriesenstab und etliche Arbeitsplätze (und sicher auch Investitionen aus Steuergeldern) sind in Gefahr.
     
  16. Lance85

    Lance85 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.10.06   #16
    Toll, im gleichen Monat angemeldet! :screwy:
    Sind wir nicht alle ein bisschen G?nter?

    @Topic:
    Sicher sind das harte Methoden, die zum Teil auch sehr weit gehen. Aber mal Hand aufs Herz: Wer zwingt euch, da zu arbeiten?
    Davon abgesehen halte ich es nicht für verwerflich, seine Mitarbeiter auf Trab zu halten.
    Ein Bekannter von mir hat z.B. eine Club in Hamburg. Dort wird sich in regelmäßigen Abständen über die Mitarbeiter beraten (Tresenpersonal etc.) und dann der unterm Strich Schlechteste entlassen (Mobbing gilt da übrigens auch als Minuspunkt).
    Über dieses System wird jeder bei seiner Einstellung aufgeklärt, und damit sind bisher immer alle ganz gut gefahren...
     
  17. Gast 23432

    Gast 23432 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.10.06   #17
    Die Arbeitslosigkeit?
     
  18. Enza

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    Erstellt: 06.10.06   #18
    Ich glaube, bei COOP ist das noch schlimmer, weil da alte Kräfte übernommen wurden, die nun, (weil "die" ja die meisten kleineren Ketten aufgekauft haben) in ein noch unpersönlicheres System hineingestopft sind - und zwar sind die kleinen Angestellten so lange in dieser Situation, bis sie nicht mehr funktionieren. Als Lehrling wirst Du auf solche Situationen schonmal eingedrillt, denn wenn Du eine Führung übernehmen willst, darft Du kein "Weichei" sein, aber da Du auch mit Menschen zu tun hast, solteste eben auch kein Schwein sein. -
    @Heike :) : Harte Lehrjahre prägen die Persönlichkeit. Wer sich in solch einer Zeit brechen lässt, und sich dennoch zwingt - recht widerwillig - diese Tätigkeit "durchzuziehen", der hat keinen Spass an seinem Tun und ist deshalb "fies".

    - ...oder ist Rewe womöglich schon Coop ? Na, ich bin gespannt, wann sich die ersten Revoluzer melden. :)
     
  19. AlcoholicA

    AlcoholicA Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.10.06   #19
    Mal ehrlich: Wie blöd muss man sein, um für 4500 EUR 60-70h zu arbeiten? Ich finde 4500 EUR eh nicht speziell viel (ist in Deutschland halt ein bisschen anders) aber dann auch noch über 10h am Tag arbeiten, 6 Tage in der Woche?
     
  20. Enza

    Enza Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 06.10.06   #20
    Eigentlich ist es in Germanien doch schon ein totaler Luxus, überhaupt einen Job zu haben, der mit einem neutralen Firmenwagen einhergeht. 4500€uro sind ausserdem immerhin 9000,-DM.
    Sage mir, welcher Azubi solch ein Gehalt bekommt. (oder haben wir uns vertippt? :rolleyes: - egal, ich bin weg :) )