Testbericht: Alesis AirFX (ausführlich)

von silverbeat, 30.05.04.

  1. silverbeat

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    Erstellt: 30.05.04   #1
    mir war heute nachmittag langweilig, da hab ich mich mal hingesetzt und einen ausführlichen testbericht des AirFX geschrieben, mit dem ich nun ein jahr erfahrung habe. am anfang war ich ja total stolz auf das teil, doch jetzt bereue ich den kauf schon irgendwie.


    [​IMG] hier mal alles was ich von dem teil halte in worte gefasst:


    1. verliert den reiz.
    sicher, am anfang is es ganz witzig wenn man da in der luft herumfuchtelt und dadurch den klang der musik verändert, aber auf die dauer sind mir doch drehregler lieber oder etwas anderes wo man was in der hand hat. man müsste sich, um einen effekt mehrmals vorzuführen, die handbewegungen bzw. die position der hand genau merken. bei manchen effekten geht das, bei manchen nicht.

    2. klangqualität: so la la
    die a-d/d-a-wandler arbeiten mit 44,1 kHz bei 16bit. das is cd-qualität, also nicht unbedingt fürs studio geeignet, aber es hat hoffentlich kein studio ein airFX in verwendung. live ist garantiert kein qualitätsverlust zu hören. brummen is mir noch nie aufgefallen (liegt wohl daran, dass das gerät ein externes netzteil hat), und auf rauschen bin ich wirklich sehr allergisch, das teil rauscht aber nicht.
    die qualität vieler effekte überzeugt mich nicht. manche klingen einfach billig und unprofessionell, ich denke, vielleicht 15 effekte oder so lassen sich live verwenden, die meisten von denen sind flanger/phaser (die passen eigentlich immer, sind aber manchmal nicht leicht zu bedienen)
    der scratch-effekt z.b. ist völlig umsonst, und die nummern 1 - 9 ("special fx 1") klingen schlichtweg komisch.

    3. materielle qualität: in ordnung
    ich hatte noch nie irgendwelche technischen probleme mit dem teil, nicht im geringsten, mir is auch noch kein verschleiß aufgefallen. ich denke nicht dass der infrarot-controller bald dem verschleiß zum opfer fallen wird, der is langlebig. und der einzige richtige regler, das PROGRAM-dreh-wheel, funktioniert auch noch immer einwandfrei. bis jetzt is mir nur aufgefallen, dass man es nicht zu schnell drehen darf, da spinnt es ein bisschen. stört des weiteren jedoch nicht, da man sowieso nicht oft so schnell daran dreht.

    4. anschlüsse
    da das AirFX nur ein "kleines" effektgerät ist, hat es auch nur drei anschlüsse: netzstrom, line in, line out. im unterschied zu manchen anderen effektkonsolen sind das cinch-anschlüsse. das ist von vorteil, wenn man - so wie ich - keine send-/return-buchsen am mixer hat. ich konnte es gleich über die mitgelieferten cinch-kabel anschließen und musste nicht noch erst neue kabel kaufen. dann hab ich das teil mal zu einem freund mitgenommen, der hat ein pioneer djm500 zuhause stehen. (*neidischwerd*) wir mussten uns erst kabel besorgen, die am einen ende zwei klinken- und am anderen zwei cinchstecker haben, um das gerät an die send-/return-buchsen anschließen zu können.

    4. vermisse hall, echo, ...
    einige solcher standard-effekte fehlen. reverb, echo, delay, usw. sollten eigentlich immer dabei sein, sind sie aber nicht.

    5. genauigkeit: teilweise übertrieben
    der Axyz-Controller hat auch seine lücken und tücken. bei einigen effekten fällt mir auf, wie unruhig ich meine hand halte. das sehe ich nicht nur sondern höre es auch. manchmal reagiert das gerät einfach zu genau und erkennt kleine bewegungen der hand. deshalb wären mir auch drehregler lieber.

    6. preis/leistung
    ganz zum teufel scheren soll sich dieses teil auch wieder nicht. ich habe damals 179€ bezahlt, das ist meiner meinung nach die höchstgrenze, jetzt gerade habe ich es bei musik-service um 119€ gesehen, das ist absolut in ordnung. preis/leistung erhält von mir 5 sterne.

    7. übersicht
    man muss das teil schon etwas besser kennen, um eine übersicht über die effekte zu haben. wenn man sie passend einbringen will, und das ganze sollte möglichst schnell gehen, muss man die nummer immer auswendig wissen. eine schöne liste aller effekte ist zwar mitgeliefert, die bringt dem ungeübten benutzer des airFX aber wenig. die namen der meisten effekte sind schlecht gewählt, wenn man den namen eines effektes liest, kann man auf anhieb keinen effekt damit verbinden. z.b. nr. 10 heißt "telephone", ist aber ein normaler wah-effekt, funktioniert so ähnlich wie der WAH vom pioneer cdj-100s




    [​IMG]FAZIT: das teil lässt sich verwenden, jedoch nicht wirklich professionell. für anfänger, die sich keinen mixer mit integrierter effektkonsole leisten können, is das teil zu empfehlen, für fortgeschrittene jedoch nicht.



    [​IMG] und hier noch eine liste aller effekte und eine kurze beschreibung:
    • 0 Pitch Out
      pitcht alles in den tieferen bereich, als ob man eine schallplatte anhalten würde. ab und zu ganz gut verwendbar.
    • 1 Lord of the Files
      laut alesis ein vocoder, der zw. noise u. synth tones wechselt. laut mir ein scheißeffekt, klingt mehr nach distortion und lässt sich nie passend einbringen. nicht verwendbar.
    • 2 Vinylizer
      name sagt alles. vorsicht, die y-achse treibt den ausganspegel nach oben. man sollte die hand eher zu sich hin bewegen als von sich weg. mit vorsicht verwendbar.
    • 3 Percolator
      fügt einen luftblasenähnlichen sound als hintergrundgeräusch ein. nichtmal so schlecht, obwohl die luftblasen eher wie aus einem gameboy klingen. verwendbar.
    • 4 Frankenstein's Lab
      fügt variierende pieptöne in einer regelbaren tonhöhe hinzu, klingt wie ein bordcomputer bei startrek. eher nicht verwendbar.
    • 5 Overdrive
      name sagt alles. nicht verwendbar.
    • 6 Kenneth's Frequency
      highpass-filter, der einen lästigen lauten piepton dazu spielt. nicht verwendbar.
    • 7 Horror Show
      vibrato-effekt, der der musik den eigentlichen klang nimmt und nur mehr komisch piepst. nicht verwendbar.
    • 8 Decimator
      distortion und mehreren filter in einem effekt. klingt fast ein bisschen wie ein rauschender flanger. verwendbar.
    • 9 SunSpot
      lowpass mit distortion. in meinen augen sinnlos, aber verwendbar.
    • 10 Telephone
      mein lieblingseffekt. ähnlich wie der WAH-effekt des pioneer cdj 100 s, nur ist es ein bandpass. auf jeden fall verwendbar.
    • 11 Big Bottom
      guter lowpass, jedoch mit vorsicht zu genießen, da die filterresonanz (y-achse) den ausgangspegel in die höhe jagt, also vorsichtig verwendbar.
    • 12 Snake Bite
      highpass, eigentlich wie 11, nur ist der frequenzbereich sehr extrem gewählt und daher ebenfalls vorsichtig zu verwenden
    • 13 Bow Wow
      eine mischung aus 11 und 15, verwendbar.
    • 14 Smoke
      eine mischung aus 12 und 15, verwendbar.
    • 15 AutoWah
      eigentlich kein richtiger wah-effekt, erzeugt nur eine resonanz, deren frequenz automatisch auf und ab variiert. geschwindigkeit is aber auf einen fixen bpm-wert abgestimmt.
    • 16 Formented
      klingt als ob die tonquelle in einer mundhöhle ist und der klang wird durch lippenbewegungen verändert. kommt immer gut.
    • 17 Streetsweeper
      klingt ähnlich wie ein flanger, also ganz gut. verwendbar.
    • 18 Orlyfilter
      variierender lowpass. klingt ganz nett. verwendbar.
    • 19 Killswitch
      notch-filter, verwendbar.
    • 20 - 29 Flanger/Phaser
      lassen sich alle hören, manche erfordern jedoch übung in ihrer bedienung, damit sie richtig zur musik passen.
    • 30 Strobe Gate
      transformer mit seltsamer bedienung. nicht verwendbar, weil man ihn nicht auf anhieb auf die bpm abstimmen kann.
    • 31 Nervous
      guter transformer (nicht verwechseln mit 30 - schlechter transformer!) verwendbar.
    • 32 Psychic Pan
      auto-pan. wechselt zwischem linken und rechten kanal.
    • 33 Kong-Fu Panner
      wie ein normaler balance-regler am mischpult, in meinen augen daher völlig sinnlos. aber verwendbar.
    • 34 Stop It!
      als ob man den fader herunterfährt, irgendwie sinnlos, aber verwendbar.
    • 35 Freq It!
      pitchshifter, der leider NUR bei vocals gut klingt
    • 36 Pitch Transporter und
      [*]37 Gender Bender
      zwei pitchshifter mit leider etwas mieser qualität was bässe betrifft. wenn man sie bei einer "basslosen" stelle der musik einbringt, klingen sie ganz ok
      [*]38 Waterbed
      vibrato-effekt, der den pitch variieren lässt. schwierig, dass es zur musik wirklich dazupasst, aber verwendbar.
      [*]39 Spin the Bottle
      stereo-vibrato-effekt. wie nr. 38 eingeschränkt verwendbar.
      [*]40 Centrifuge
      etwas komisch, auf der linken seite des Axyz-Controllers klingt er wie ein flanger, auf der rechten wie ein vibrato. eingeschränkt verwendbar.
      [*]41 Bottom Feeder
      verstärkt bässe im frequenzbereich eines subwoofers. vorsicht, lässt den ausgangspegel nur so in die höhe schnellen, daher nicht verwendbar.
      [*]42 Skratch!
      billigster ersatz für turntables. klingt als ob man den letzten rest des duschgels aus der tube drücken würde, einfach mies. nicht verwendbar.
      [*]43 Haunted Landscape
      mit etwas übung klingt dieser effekt wie wind, jedoch lässt die qualität zu wünschen übrig da die höheren frequenzen fehlen. kommt aber ganz gut als hintergrund-effekt
      [*]44 Headhunter
      eine trommel, die wieder einmal den ausgangspegel deutlich anhebt. deshalb nicht verwendbar.
      [*]45 Beatbox
      auf der rechten seite ein kick, auf der linken seite ein clap. schwierig, dass man die samples im takt regelt, daher eher nicht verwendbar.
     
  2. silverbeat

    silverbeat Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.05.04   #2
    ------ fortsetzung (beitrag war zu lang, um es mit einem mal zu schreiben) ------

    • 46 Slap Synth
      synth-sound, mehr als instrument zu verwenden. da man nicht sieht, welche tonhöhe man erwischt, und da es schwierig ist, den ton auf einer tonhöhe zu halten, ist er kaum verwendbar.
    • 47 Jungle Rip
      sehr ählicher sound wie nr. 46, nur dass er den pitch nach unten verändert. kaum passend, aber wenn doch, dann ist er verwendbar.
    • 48 War!
      mit übung lassen sich explodierende bomben nachahmen. jagt aber (zur abwechslung :)) den ausgangspegel nach oben.
    • 49 Sci-Fi Theatre
      synth-sound, wie nr 46, nur dass er nicht ausklingt. auch wie nr. 46 kaum verwendbar.



    so, ich hoffe dass dieser testbericht dem einen oder anderen eine hilfe beim kauf eines effektgerätes sein wird.





    dj.silverbeat
     
  3. Mr.Splinter

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    Erstellt: 31.05.04   #3
  4. silverbeat

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    Erstellt: 01.06.04   #4
    danke für den tip. falls ich mir jetzt ein anderes effektgerät zulegen würde, wäre es entweder ein korg kp2 oder das pioneer efx500. nur wird daraus so bald sicher nichts, ich bin (noch) schüler und muss daher auf den finanzbeutel achten. ich brauche einen neuen mixer und neue systeme (und natürlich jede menge platten) viel dringender als ein fx. aber es freut mich dass in diesem board soviel engagement gezeigt wird. dieses dankeschön geht an alle.
     
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