Tip für schwerbehinderten Star-Anwärter?

von MichiM, 17.03.05.

  1. MichiM

    MichiM Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.03.05   #1
    Hallo zusammen,

    möchte mich einigermaßen kurz fassen:

    Ein Freund von mir ist 27 und schwerbehindert.
    Man versteht ihn akkustisch zunächst ziemlich schlecht, wenn man ihn nicht kennt, man muss also schon bisschen die Ohren spitzen.

    Als wir vor paar Monaten in Florida waren und den ganzen Tag im Auto Radio gehört haben, fiel immer häufiger der Spruch von uns beiden: "Also, so können wir doch auch singen..." Anfangs wars mehr Spaß, doch nach und nach, vor allem so richtig zurück in Deutschland, kam uns der Gedanke, dass wir da u.U. wirklich Chancen hätten und was draus machen könnten.

    Inzwischen sind wir so weit, dass er mal ein Demo auf VHS aufgenommen hat, in dem er Nirvanas "Come as you are" zur Karaoke-Version singt, wobei er nicht zu sehen ist. Er hat die Pflanze vor der Heizung gefilmt und dazu gesungen. Naja, so weit, so gut. :)

    Seine Mutter und ich findens nun klasse, wie er singt und dass er es probiert, er selber jedoch verfällt immer mehr in Selbstzweifel à la "Ich kann definitiv nicht singen", was ich schade finde, zumal er vor Kurzem gedanklich schon so weit war, dass er durch seine Live-Shows ruhig mal deutschlandweit bekannt werden möchte. Auf meinen Vorschlag hin, es doch demnächst mal auf einer offenen Bühne zu probieren, blockt er inzwischen sofort ab: "Nein, das könnte peinlich werden und danach kann er sich nirgends mehr blicken lassen..." usw. Ich kann das zwar in keiner Weise nachvollziehen (gerade durch den vorher genannten Umstand bedingt, dass er ja gern ein Star werden wollte und an sich auch immer noch will, aber eben möglichst, ohne über seinen Schatten zu springen - passt für mich nicht recht zusammen :) ), aber letztenendes ist es ja seine Entscheidung, alles, was ich kann und will, ist ihm vielleicht paar hilfreiche Ratschläge geben und ihn möglichst vor einer mittelgroßen Enttäuschung bewahren, von denen er ja schon einige erlebt hat, was sich auf Dauer auch nicht positiv auf sein Selbstvertrauen auswirkt.

    Sein Plan ist nun, mal ein MP3-Demo aufzunehmen und das an paar Labels zu schicken und erhofft sich dadurch - quasi als Nobody, weil ihn ja von der Bühne runter absolut niemand kennt - den großen Aufstieg...
    M.E. geht er zu vorsichtig und zurückhaltend vor für das, was er anstrebt und halt das ganze unter diesen Voraussetzungen für ziemlich unrealistisch, aber das ist auch nur meine Meinung.

    Haltet Ihr denn das für einen realistischen Plan? Kann er durchs Versenden von MP3s im stillen Kämmerchen an Labels letztendlich ins größere (!) Show-Geschäft reinkommen, kann das klappen? Was für Labels kommen da in Frage? Gibt es hier Leute, die sich im Business bisschen auskennen und ihm da mit einem reifen Rat bzgl. geeigneter Vorgehensweisen und Anlaufstationen weiterhelfen können?

    Ciao!
    Michi
     
  2. Perfect Drug

    Perfect Drug Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.03.05   #2
    Also gleich mal als erstes: Ich bin kein Business- Experte. Aber ich geb trotzdem meinen Senf dazu ab :):
    Ich glaube die Situation muss noch etwas genauer beschrieben werden.
    1) Was meinst du mit schwerbehindert? Sitzt er im Rollstuhl, ist er geistig behindert (was ich nicht annehme) oder wie?
    2) Du sagtest man versteht ihn akustisch ziemlich schlecht. Wenn wir das Ganze mal realistisch sehen hat wohl ein Sänger, den man nicht richtig versteht nicht die größten Chancen ein "Star" zu werden.
    3) MP3s alleine werden nicht reichen. Die Labels werden kaum jemanden unter Vertrag nehmen, von dem sie nur ein paar Demo- Aufnhamen kennen und sonst nichts. Zum Neugierig machen reichts vielleicht wenn sie WIRLICH gut sind!
    4) Wird es an der Intoleranz der Menschen scheitern. Oder wieviele behinderte Stars kennst du? Es kommt natürlich ganz drauf an was du unter Star verstehst! Im klassischen Bereich oder im Jazz (sprich bei der älteren Zielgruppe (Tschuldigung an alle Jazz- und Klassik- Fans:))wird er mit seiner Behinderung sicher weniger Probleme haben als im Pop- Bereich (Beispiel: Andrea Bocelli)
    5) Wichtig ist, dass ihr auf jeden Fall vorher noch andere Meinungen einholt! Dass sein bester Freund und seine Mutter ihn für gut halten muss noch nicht heißen dass er es wirklich ist! Fragt jemanden der ihn nicht kennt!

    Es ist natürlich nur schwer Tipps abzugeben wenn man die Person nicht kennt und noch nie gehört hat, aber vieleicht (hoffentlich) ändert sich das ja bald! :great:
     
  3. MichiM

    MichiM Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.03.05   #3
    Er hat eine schwere Körperbehinderung, sitzt aber nicht im Rollstuhl und hat für meinen Geschmack und auch für den seiner Mutter durchaus Ausstrahlung. Geistig ist er auf jeden Fall sehr beweglich. :)

    Da will ich ein wenig widersprechen - Ich seh das sogar als seine große Chance für ihn als Schwerbehinderten - der sich eben freilich nicht verstecken darf - etwas Größeres zu erreichen, auf das er unheimlich stolz sein kann, gerade, weil er der erste auf dem Gebiet wäre. Natürlich wird es eine andere Art von Klang sein, eben was ganz Neues, in der Form noch nicht Dagewesenes. Entscheidend ist wohl allein, wie er mit seiner Andersartigkeit umgeht, was er draus macht.

    Das seh ich - leider - genauso. Ich erzähl ihm ja auch ständig, dass seine Persönlichkeit, seine Ausstrahlung, seine Show und sein Image heutzutage nicht weniger ausmachen als seine Musik, wenn er wirklich groß rauskommen will, aber ich möchte fast sagen, dass er drauf besteht, dass er und seine Musik dabei getrennt betrachtet werden sollen. Er möchte quasi eine unpersönliche Show machen, zwar schon im Rampenlicht stehen und berühmt werden, aber so, dass man ihn nicht sieht, sondern nur seine Musik oder besser noch so, dass man ihn schon sieht, aber automatisch wegschaut, bevor er einen "Fehler" macht... Er scheut das Risiko, das eigentlich keines ist. Naja, ich denke jedenfalls, diesen Widerspruch in seiner Vorstellung erkannt zu haben, aber wie er sich das dann konkret vorstellt mit dem Berühmtwerden, da bin ich leider noch nicht draufgekommen... :) Vielleicht denkt er ja ans ganz langsame und vorsichtige Nach-oben-Tasten, aber ich bezweifle, dass das auf die Weise funktioniert, da muss er einfach seinen Panzer mal ablegen, wenn er groß rauskommen will.

    Keine, aber eben WEIL er einer der ersten, wenn nicht DER erste wäre, gerade eben deswegen, seh ich das als seine große Chance. Ich denk, ihm gehts da auch so, nur will er die Begeisterung darüber, der erste schwerbehinderte Star sein zu können, nicht so recht raus- bzw. zulassen, weil es ihm halt immer auch irgendwo peinlich ist, anders beurteilt zu werden als Nicht-Behinderte, das ist so ein dauernder innerer Konflikt bei ihm.
    Er möchte es schon gern allen zeigen, dabei aber möglichst nach üblichen Maßstäben beurteilt werden. Ich bin jedoch der Meinung, nach den üblichen Maßstäben geht da nicht viel - nicht, weil er schlechter singt als andere Sänger, sondern anders. Wenn, dann muss er ganz bewusst eine exzentrische Karriere ansteuern, im vollen Bewusstsein darüber, dass ihn der intolerante Teil der Menschheit wegen seiner Behinderung sowieso mal wieder ablehnen wird, ihn der aufgeschlossene jedoch respektieren und seine Show - ohne ihn zu belächeln - schätzen wird. Aber die Angst vor möglicher Ablehnung quält ihn, ich merk das sehr deutlich. Macht er einen Fehler, wenn auch nur paar Leute zuschauen, kann er sich nirgends mehr blicken lassen, denkt er. Das sind so seine Ängste... Er sieht nicht, dass er - wie jeder andere Mensch auch - Fehler machen darf und dass er sich mit diesem Perfektionszwang, dem er sich selbst aussetzt, zugleich auch selbst blockiert und sich seine Chancen verbaut.

    Wir haben da an ein Nirvana-Revival mit "Come as you are", dann an einen Spaß-Song und anschließend ein paar sozialkritische Nummern in deutscher Sprache gedacht, sicherlich kein reiner Pop.

    Das rate ich ihm ja auch, genauso, wie ich ihm rate, mal ein Download-Demo anzubieten.

    Ich werd ihm nochmal den Tip geben, mal ein Demo auf seine Homepage zu laden, damits mal jeder probehören und evtl. seine Meinung dazu abgeben kann, wenn er Lust hat...

    Ich bin guter Hoffnung, dass er sich noch einen Ruck gibt und er am Ende etwas schafft, das ihm sehr gut tut.

    Ciao!
    Michi
     
  4. Perfect Drug

    Perfect Drug Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.03.05   #4
    Ach ja was mir noch eingefallen ist:
    Was will er eigentlich wirklich?
    Ich habe mir das Ganze noch mal überlegt und mir ist aufgefallen dass nur die Rede davon war dass er ein Star werden will. Weil er halt gerne berühmt sein möchte. Und nicht wegen der Musik! Er hat halt mal gesungen und es hat sich nicht so schlecht angehört und jetzt möchte er berühmt sein. Weißt du wieviele Menschen (gesunde Menschen, die es wahrscheinlich leichter haben werden) sich tagtäglich mit Musik beschäftigen seit sie klein sind und an nichts anderes denken und nichts anderes tun wollen und ihr ganzes Leben nur Musik machen wollen und es trotzdem nicht schaffen?! So einer sitzt nämlich an diesem Rechner. Und ich rechne mir nicht sehr große Chancen ein "berühmt" zu werden und damit mein Leben zu finanzieren.
    Was ich damit sagen will:
    Der Wunsch berühmt zu werden ist zu wenig! Den haben viele! Wenn er glaubwürdig rüber kommen will muss er mit ganzem Herzen bei der Sache sein!
    Das was du gerade geschrieben hast hört sich alles so nach einem festen Plan an, der so nicht machbar sein wird.

    PS.: Mir gehts genauso wie deinem Freund. Ich werd bei meinem ersten Bühnenauftritt wahrscheinlich auch nicht kommen.:D
     
  5. MichiM

    MichiM Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.03.05   #5
    Ich sag ja: Es ist so ein Widerspruch in seiner Persönlichkeit. Einerseits möchte er es schon endlich mal allen zeigen, andererseits scheut er, wenns konkret werden soll, jeden noch so lächerlichen Ausrutscher, weil er einfach perfekt sein will.

    Ich (!) versteh Dich voll und ganz... ;)

    Stimmt ja, ich seh das auch so und sag ja, dass er meiner Meinung nach zu vorsichtig rangeht. Aber wie gesagt will ich ihn zu nichts prügeln, die Entscheidung, was er macht und wie ers macht, soll schon seine bleiben.

    Warum tretet Ihr nicht mal zusammen hinter der Bühne auf? :p
     
  6. Perfect Drug

    Perfect Drug Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.03.05   #6
    *LOL*
    Gute Idee!
    Also mein Tipp für deinen Freund:
    Als erstes mal langsam angehen. Er soll sich jetzt mal mit Musik beschäftigen und herausfinden ob das wirklich das Richtige für ihn ist. Wer weiß vielleicht ist er ja der geborene Schauspieler und weiß nur nicht!
    Danach sollte er sein Publikum immer vergrößern. Als erstes vor seinen engsten Freunden und Bekannten. Dann vor der Familie und irgendwann mal vor Fremden. Und an deiner Stelle würde ich mich immer mit den Menschen nach dem Auftritt unterhalten und sie ernsthaft fragen was sie davon halten! Und wenn du merkst er kommt nicht so gut an versuch ihn für was anderes zu begeistern. Denn ich fürchte wenn er dann vor Fremden steht und die buhen ihn alle aus, wird dass wohl ein ziemlich einschneidendes Erlebnis werden und er wird sich noch mehr zurückziehen.
    Aber das hoffen wir ja nicht. Also in diesem Sinne:
    Richt ihm einen schönen Gruß von mir aus und wenn seine erste CD rauskommt kauf ich sie mir! Und er darf auch mal als Support bei meiner Welttour mitkommen!:D
     
  7. Blorgh

    Blorgh Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.03.05   #7
    Sicher wäre es etwas außergewöhnliches, wenn ein Schwerbehinderter ein "Star" werden würde, aber würde er sich dann nicht die Frage stellen müssen, ob er dies durch seine gesanglichen Fähigkeiten erreicht hat, oder allein durch die Tatsache, dass er behindert ist? Es würde mich nicht einmal so sehr wundern, wenn irgendeine Plattenfirma die Möglichkeit wittert Gewinn zu machen, in dem sie die Außergewöhnlichkeit deines Freundes ausnutzt. Der Markt ist überflutet mit allen möglichen Musikern. Am einfachsten ist es deshalb Leute zu vermarkten, die aus dieser Menge hervorstechen. Aber wie lange hält das dann? Wo ist dieser Kübelböck heute?
    Wenn er Spaß an der Musik hat, wieso sucht er sich dann nicht eine Band und lebt es dort aus?

    edit: und mal ehrlich.. wieviele Leute glauben sie könnten gut singen, und wollen Stars werden?
     
  8. animalcracker

    animalcracker Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.03.05   #8
    leider muss ich meinem vorredner teilweise zustimmen!
    berühmt wird man schon lange nicht mehr weil man taleniert musik macht! es gehört viel mehr dazu und auch rückschläge muss man verkraften können!
    das man berühmt wird weil man gerade behindert ist glaub ich jetzt auch nicht und welcher manager würde sich das antun einen behinderten zu betreuen?
    leider sieht so die harte realität des showbiz aus!

    aber ein ganz anderer vorschlag der deinem freund helfen könnte ist es, es so zu machen wie der künstler PETER LICHT! niemand weiß wer das ist und er macht durchaus gut musik! so könnte dein freund mal etwas anonym musik machen und leuten presentieren (was schwer ist) ohne vorurteile! die musik würde beurteilt werden! und wenn das klappt kann er ja überlegen ob er "an die öffentlichkeit geht" ! aber selbst ab da ist es ein langer weg bis zu MTV!

    mfg man
     
  9. MasterMind

    MasterMind Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.03.05   #9
    Also so wie das Musik-Business sich zur Zeit verhält läuft es auf folgendes hinaus um ein "Star" zu werden.

    Man muss entweder
    - sehr gut singen können (+ Ausstrahlung haben)
    - bereits bekannt sein (durch Fernsehen o.ä.)
    - viele gute Ideen haben; ein großes Talent sein beim Komponieren
    - den Erfolg durch (jahrelange) harte Bandarbeit erreichen

    So ziemlich alle neueren Stars kann man da irgendwo zuordnen. D.h. ihr müsst euch die Frage stellen, ob dein Freund irgendetwas davon vorweisen kann oder nicht. Es gibt nämlich sehr viele Leute mit einer guten Stimme und Ausstrahlung. Warum soll also eine Plattenfirma deinen Freund nehmen und nicht einen anderen begabten Sänger?

    Ob die Behinderung nun ein Nachteil ist oder eine Vorteil hängt davon ab, ob er und eine Plattenfirma die Behinderung in den Medien ausschlachten wollen um publicity zu bekommen oder nicht.
     
  10. AlBundy

    AlBundy Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.03.05   #10
    ich find solche Menschen stark, mach ihm weiter Mut. Wenn er singen kann warum soll er also nicht singen? ich finde es schade das man solche Leute oder wenigstens ehrliche Musiker immer weniger sieht stattdessen gibt es immer mehr Playbkac,Tanz tussies die ein auf Tennie traum machen...
     
  11. MichiM

    MichiM Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.03.05   #11
    Das sind alles Fragen, die wir auch schon durchgekaut haben (interessanterweise auch mehrfach das Phänomen "Kübelschreck" :) ).

    Aber ich sehe die meisten Fragen dieser Art als von zu theoretischer Natur an. Was bringt es mir, großartig darüber zu philosophieren, wie es laufen würde, wenn...
    z.B.: Wie würde es ankommen, wenn er nicht schwerbehindert wäre und eine "normale" Stimme hätte? Dann wäre er nicht er. Er ist aber er und für mich zählt nur diese Realität. ;)
    Und das mit den Labels führt ja zur alten Diskussion: Ist es legitim, dass sich Unternehmen in der Marktwirtschaft einen Mehrwert aneignen? Selbst, wenn man damit ein größeres Problem hat - einfach mal ändern kann man es eh nicht, also akzeptiert mans am besten und schaut, dass man das beste aus dieser Tatsache macht. Je nach Ziel eben... Nicht?

    Ich treff mich am Samstag mit einem Gitarristen, erklär ihm das ganze und mach den beiden den Vorschlag, miteinander zu üben. Keyboard spielt meine Alte (die genauso alt ist wie er und ich, Mann, was sind wir alle alt... :D) und Bass und Schlagzeug finden sich dann auch noch.
     
  12. kuB

    kuB Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.03.05   #12
    Also ich würde das mit dem "Star" Getöse ad acta legen, weil wenn du willst, dass er seinen Selbstzweifel "Panzer" ablegt, so lass ihn doch erst einmal in Ruhe musikalisch entwickeln und bestärke ihn dabei seine musikalischen Grenzen anzutesten. Was ist denn mit Gesangsunterricht?
    Jo, gründet mal die eine Band. So erkennt man, neben Arbeit, Disziplin, Zeit, dass Musik auch Spass macht und weitaus mehr dahinter steckt.
    Gebt ihm vor allem Zeit zum Entdecken seines "Talents", wenn er eins hat. Er muss erst etwas Sicherheit in seinem Grundkönnen bekommen, Routine entwickeln, einen eigenen Stil finden usw.. Dann kann er sich nochmal Gedanken über so ein Konserven-Sound mit fiesem Haltbarkeitsdatum machen.
     
  13. Phili

    Phili Mod Emeritus Ex-Moderator

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    Erstellt: 17.03.05   #13
    ...imho gibt es zwei Wege.

    Der erste ist:
    Ihr nehmt eine Demo auf, schickt sie zu den Plattenfirmen und stellt ihnen gleichzeitig dar, dass dein Freund behindert ist. Ich denke, dadurch würden sich seine Chancen wesentlich erhöhen, einen Plattenvertrag zu bekommen, da einige Plattenfirmen sicherlich ein Interesse daran haben, einen behinderten Menschen in die Medien zu bringen. Teils aus einem moralischen Gefühl heraus, dass man auch und gerade Behinderte unterstützen muss und somit zeigt, dass sie trotz ihrer Behinderung alle Möglichkeiten haben, die andere Menschen auch haben.

    Zum anderen aber- und ich denke, das ist wahrscheinlicher- , weil sie hinter deinem Freund Profit vermuten und sich ausrechnen, wie gut sich ein Behinderter verkaufen ließe. Das könnte ihm ja auch egal sein, würde an der Plattenindustrie nicht eine große Imagemache dranhängen. Somit könnte es sein, dass sie auf jedem Bild gezeigt wird, in jedem Pressetext von der Behinderung zu lesen sein wird und die Musik dabei in den Hintergrund rückt. Menschen können sehr hart sein und viele könnten deinem Freund Vorwürfe machen und für seine Behinderung gerade kein Verständnis aufbringen, sondern ihn geradezu ablehnen, weil er auf die Mitleidsmasche versucht, Erfolg zu haben(siehe die blinde Sängerin, welche Ralf Sigel vor geraumer Zeit zum Grand Prix Vorentscheid schickte).

    Nun zum zweiten Weg:
    Ihr nehmt das Demo auf, kocketiert aber nicht mit seiner Behinderung, so dass er sich genauso hocharbeiten muss, wie jeder andere Musiker auch. Dabei kommt es eben lediglich auf seine Musik oder Stimme an und alles andere tritt in den Hintergrund. Wenn er diese ehrliche Anerkennung für seine Musik bekommen möchte, nicht für etwas anderes, dann würde ich über diesen Weg gehen, wenngleich die Chancen damit so gut wie utopisch werden. Es gibt so viele gute Musiker und so wenige kommen groß raus...

    Er muss es also wissen. Wenn er aber den ersten Weg geht, sollte er sich darüber im Klaren sein, dass er am Ende in einer anderen Position stehen könnte, als es ihm eigentlich am Anfang lieb gewesen wäre.

    Edit: @Knüppeltroll: Sorry, du hattest bereits alles gesagt. Ich habe vorher nicht alle Posts gelesen... :o
     
  14. Phili

    Phili Mod Emeritus Ex-Moderator

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    Erstellt: 17.03.05   #14
    Ich glaube eher, dass viele behinderte Menschen es gar nicht erst versuchen, weil sie eben genau das denken, was du sagst.
    Warum kommen sie auf solche Gedanken? Weil die Medienwirtschaft eben oft ein einseitiges, falsches Bild von solchen Menschen wiedergibt.
    Es gibt aber mehrere Beispiele, in denen es selbstbewusste Behinderte geschafft haben, sich einen Namen zu machen, ohne dabei auch nur in irgendeiner Form auf die Tränendrüse zu drücken. Neben Andrea Bocelli denke ich zum Beispiel noch an den kleinwüchsigen deutschen Startenor, dessen Namen ich nicht zu nennen vermag, der sich aber in der Klassik-Szene großer Beliebtheit erfreut- auf Grund seiner überragenden Stimme, wohlgemerkt.
     
  15. Heliklaus

    Heliklaus Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.03.05   #15
    Da muß ich dir voll zustimmen.
    Das Leben ist total grausam und hart. Jeder versucht nur sein bestes zu erzielen für sich (Plattenindustrie)


    Dein behinderter Freund könnte durch so was auch Schaden erleiden wenn er nur benutzt und ausgebeutet wird.

    Gruß
    Heli :cool:
     
  16. Phili

    Phili Mod Emeritus Ex-Moderator

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    Erstellt: 17.03.05   #16
    Das klingt so, als würde der erste von mir beschriebene Weg keine Alternative darstellen. Deshalb würde ich ihm ganz klar dazu raten, einfach selbstbewusst zu sein. An sich zu glauben- und zwar als ganze Person, nicht nur als Stimme.


    Ich finde die Idee Übrigens ausgesprochen gut, dass er etwas Neues hervorbringen könnte. Eben etwas, was auch gut klingt, aber auf eine ganz andere Art und Weise, als gewöhnliche Stimmen bisher. Also wenn seine Stimme wirklich so toll klingt, dann bin ich der erste, der sich eine CD vorbestellt. :great:


    Mir wäre es lieber, ihr würdet direkt mit den sozialkritischen (eigenen) Songs beginnen, denn mal ehrlich: Ein Nirvana-Revival...wer braucht das schon?
     
  17. Antje

    Antje Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 17.03.05   #17
    Hm..., ich denke dein Freund reagiert intuitiv richtig, denn er hat sicher auch schon so seine Erlebnisse und Erfahrungen im Umgang mit anderen Menschen gemacht, die du natürlich logischer Weise als gesunder Mensch nicht nachvollziehen kannst. Er muss doch genau abwägen, was da auf ihn zu kommt, wie Phili es auch schon in seinem ersten Weg gut beschrieben hat. Vielleicht hat er genau davor Angst, ausgenutzt zu werden, das Gefühl vermittelt zu bekommen, nur aus Mitleid groß rauszukommen, immer wieder auf seine Behinderung angesprochen zu werden, immer wieder vor Augen gehalten zu kriegen, dass er nicht so ist wie die anderen. Ich glaube, dass genau aus diesem Grund so viele Behinderte davor zurückschrecken, diesen Schritt zu gehen. Seine Behinderung in die Öffentlichkeit zu tragen, von allen begafft zu werden und dann die mitleidsvollen Blicke oder Spötteleien (Menschen können manchmal sehr grausam sein) für mich wäre das wohl nichts. Du tust ihm kein Gefallen, wenn du ihn dazu überredest, er muss es von alleine wollen, er muss selbst den Mut und das Selbstbewusstsein dazu aufbringen und nur dann gelingt es ihm vielleicht, die Fäden in der Hand zu behalten und mit allem zurechtzukommen, was da auf ihn zukommt.

    Und was seinen Perfektionismus angeht, kann ich ihn gut verstehen, denn er fühlt sich durch seine körperliche Behinderung sicher "fehlerhaft" und "unvollkommen" (schreckliche Ausdrücke in diesem Zusammenhang) und möchte deswegen wenigstens mit seiner Musik perfekt sein und setzt sich deswegen so unter Druck.
     
  18. MichiM

    MichiM Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.03.05   #18
    Mach ich schon seit einer ganzen Weile, aber er sträubt sich, will sich auf keinen Fall blamieren, also müssen wir es wohl langsam und vorsichtig angehen...

    Ich halts für das beste, wenn er mal ein Demo macht und es zum Download anbietet. Durch die Anonymität des Internets kann er sich zu so einer Veröffentlichung sicher eher überwinden als zu einem Test-Live-Auftritt auf einer offenen Bühne und durch das Feedback kann er sein Talent dann besser einschätzen und seinen Weg entsprechend planen, denn zum sorgfältigen Planen neigt er halt nun mal, einfach was probiert wird da nicht. :)

    Er wollte das halt, weil er sich gewissermaßen mit der Stimmung des Songs identifiziert, er meint, die passe zu ihm, wobei er allerdings gleichzeitig den Text als schwachsinnig verurteilt. :D Auf die selbstkomponierten sozialkritischen Sachen freu ich mich auch mehr, wenns dazu kommt.
     
  19. MichiM

    MichiM Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.03.05   #19
    Seine Erfahrungen hat er schon gemacht, und da könnte er nicht nur ein Buch drüber schreiben, sondern er schreibt auch grad ein Buch drüber. :)
    Wir kennen uns ja nun schon einige Jahre und ich kenne auch viele seiner Erfahrungen - Und wenn wir zusammen unterwegs sind... Natürlich wird er meistens doof angeschaut und belächelt, so nach dem Motto "Ach, ein Behinderter, da müssen wir jetzt mal freundlich grinsen, da freut er sich bestimmt". Er sagt dann immer, er sei das gewohnt, er kenne es ja nicht anders und ihm mache es nichts aus. Natürlich machts ihm was aus und ich als gesunder Mensch kanns schon nachvollziehen...

    Wie oben gesagt, will ich ihn ja auch zu nichts drängen, sondern ihm bloß mit Rat und Tat zur Seite stehen und ihn vor Enttäuschung wegen zu illusionischer Pläne bewahren. Die endgültigen Entscheidungen muss er selber treffen.

    Klar hat das mit seiner Behinderung zu tun, aber diesem Druck, dem er sich selber aussetzt, wird er nicht standhalten können, nobody 's perfect. Das ganze geht doch dann automatisch immer mehr ins Zwanghafte statt ins Leidenschaftliche und ich denk, damit tut er sich nichts Gutes?

    Ok, ich meld mich auf jeden Fall wieder, wenn er sein Demo auf seiner Seite hat. ;)

    Ciao!
    Michi
     
  20. freakstyle

    freakstyle Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.03.05   #20
    Hmm wenn es sich gut anhört,und er es wegen der Musik macht ist mir seine behinderung egal, Wenn er es nur macht damit er berümt wird, dann soll er es lassen. Vielleicht ist das Zweifeln auch schon ein Hinweis darauf...

    @ Perfect Durg. Lass uns doch zusammen ne Band gründen und ewig Underground bleiben *gg*