Training / Lippenspannung?

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dostl_ba

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Hi,

ich hab keine Ahnung von Trompete spielen, will aber einen Bekannten überzeugen im Bläsersatz unserer Coverband einzusteigen. Er meint er hat als Teenie bei Jugend musiziert mitgemacht scheinbar auch Recht erfolgreich und hat während des Studiums in Jazzkneipen gespielt.

Nun sagt er er könne nicht mehr spielen, weil er sein Instrument schon ein paar Jahre nicht mehr in der Hand hatte.

Ich kann nicht einordnen ob er sich nur ziert oder ob das wirklich so ist. Vor allem denke ich dass so ein Bläsersatz ja idR Recht einfach ist. Wir spielen ja nicht Tower of Power oder so... auch kein Barock und kein Miles Davis ...

Ist es wirklich so, dass man ohne Übung gar nicht mehr Trompete spielen kann? Was genau klappt denn dann nicht mehr (und was würde noch gehen)???

Danke fürs Aufschlauen eines einfachen Keyboarders

VG, Sebastian.
 

Wenn dein Bekannter seinerzeit bei Jugend Musiziert erfolgreich mit der Trompete teilgenommen hat, wird er damals das Instrument ziemlich gut beherrscht haben.
Töne wird er also sicher noch heraus bekommen wenn er sie heute wieder auspackt.
Aber Spielen wird er vielleicht nur wenige Minuten können, denn der Ansatz hat nach längerer Spielpausen schlicht keine Kondition mehr. Dann kommt nach den wenigen Minuten nur noch Gekiekse oder kaum mehr als warme Luft aus dem Trichter.

Diese Kondition in den Lippen muss sorgfältig wieder aufgebaut werden, was einige Zeit dauert. Und dann muss sie durch regelmäßiges Üben und Spielen beibehalten bzw. fit gehalten werden.

Ich würde vermuten, dass dein Bekannter keine Lust hat, diese Zeit und Geduld wieder aufzubringen. Wahrscheinlich hat er auch einfach kein Interesse mehr an der Trompete.
Deine Frage war sicher nett gemeint, aber wenn er wirklich kein Interesse mehr am Instrument hat, lass ihn in Ruhe. Einen sinnvollen Beitrag zum Bläsersatz wird er ohne Ansatz ohnehin nicht leisten können.
 
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Als Ex-Trompeter sage ich: Super erklärt. Zwei Unterschiede bei mir zu diesem Fall: a) zum Glück hat mich niemand zu Jugend musiziert getrieben - war nie richtig gut; b) ich habe nur das Mundstück behalten, habe das Instrument bald weitergegeben.

Soll heißen: Wenn jemand sein Instrument behalten hat, gibt es ja ein Fünkchen von Chance, dass man ihn noch herauskitzeln kann - du müsstest ihm allerdings mindestens ein paar Wochen Zeit geben, damit er wenigstens probefähig wird. Und für Auftritte reden wir von Monaten.
 
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Was genau klappt denn dann nicht mehr
Wunderkinder außen vor gelassen, verliert man ohne laufendes Training auf der Trompete an Tonumfang und an Kondition, Letzteres ist die Fähigkeit zum wiederholten sicheren Anspielen hoher Töne im Bereich zweigestrichenes g bis c, bei ersten Trompetern geht es deutlich höher bis zum dreigestrichenen g.
Vollkommen üblich ist im Amateurbereich der Tonumfang bis zum zweigestrichenen a, der sicher und belastbar sein sollte, der Standardumfang geht bis c.
Wird längere Zeit nicht geübt, werden die höheren Töne schwer bis gar nicht mehr erreichbar, für den musikalischen Gebrauch fehlt dann Sicherheit und "Ansatz".

Ich würde auch von mehreren Monaten sprechen, bis ein Standardumfang "zweigestrichenen c" wieder aufgebaut ist, wenn das früher vorhanden war.
Das geht auch nur mit Motivation und täglichem Üben, aber nicht jeder Trompeter hat das methodische Wissen, wie man möglichst effektiv einen Ansatz aufbaut.

Was heißt schon "sich zieren"? Der Bekannte hat mit dem Instrument abgeschlossen, angesichts der Absage würde ich mich nach jemand anders umschauen.

Gruß Claus
 
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  • Ersteller
  • #5
Hey,

super das ging ja schnell. Danke für die guten Antworten!

Also geht es um die erreichbare Höhe und den sauberen Ansatz. Und um Wochen bzw. Monate. Und halt tatsächlich um regelmäßiges üben.

Es fiel mir schwer mir das vorzustellen weil mir an den Tasten (ich komme eigentlich vom Akkordeon) wohl die Geläufigkeit flöten geht wenn ich nicht übe, aber für den Hausgebrauch reicht es immer. An der Gitarre ist es auch so.

Und ich bin eher bei dem Fünkchen Chance, dass da noch was ist bei dem Kollegen. Ich find's immer so schade wenn gute Leute als Erwachsene keine Musik mehr machen. Aber das soll hier ja gar nicht Thema sein ...

Danke und Grüße!
 
Sorry, aber musikalisch herausfordernd ist das ja nicht automatisch, was ihr in der Coverband von ihm wollen würdet. Er müsste "einfach" die Einwürfe präzise abliefern, ohne großen interpretatorischen Spielraum. Kostet relativ viel Übung für wenig Originalität. Dass man solche Einwürfe dann später mal auch variieren kann, muss man erst als Gestaltungsraum entdecken.

Fragt man also: Was könnt ihr ihm neben dem Musikalischen bieten? Geselligkeit? Freundschaft? Party? Aufbruch zu neuen Ufern durch das Kennenlernen von interessanten anderen musikalischen Stilen? Wenn er bei Jugend musiziert war, hat er ja eher klassische Musik gespielt, oder?

Kam bei mir als Option erst in Frage, als die Familienphase und berufliches Settlement etwas fortgeschritten waren.
 
Es fiel mir schwer mir das vorzustellen
Bei Trompete funktioniert es ähnlich wie beim Gesang, ohne Üben reicht es nicht zum Musizieren über 2 Stunden mit etlichen Stücken und Belastung des Tonumfangs im Randbereich, die oberen Töne sind ganz frisch dank der Erfahrung und etwas mehr Drücken vielleicht noch verfügbar, aber bald darauf baut man ab.

Gruß Claus
 
Ich staune, was für einen Restansatz du dir vorstellen kannst. Bei mir liegt der (allerdings 30 Jahre nach meiner aktiven Zeit) bei 10 Minuten, wenn es hochkommt.
 
  • Ersteller
  • #9
"einfach" die Einwürfe präzise abliefern, ohne großen interpretatorischen Spielraum. Kostet relativ viel Übung für wenig Originalität.
Genau so ist es. Habe ich mich schon immer gefragt, wie das bei so (richtig guten) Bläsersektionen ist. Richtig Spaß machen kann das ja nicht - gleichzeitig ziemlich schwer (Timing, Tonhöhe)...

Aber nochmal was anderes um das Amateurlager besser zu verstehen. Wie läuft das denn dann bei so Schützenkapellen / Spielmannszügen? Die ueben doch vermutlich auch nicht viel Zuhause / kommen nicht aus klassischer Musikausbildung... Was haben die den für ein Tonumfang / Repertoire/ Einschränkungen ?

Seb.
 
  • #10
Unterschätze mir nicht diese Blaskapellen. Besonders die besseren haben viele sehr engagierte Mitspieler die mindestens im ausreichenden Maße üben dass im Ergebnis deren Konzerte gut klingen. Die Mitglieder von sehr guten Blasorchester üben (die im Übrigen meistens sehr anspruchsvollen Stimmen) alles bis es on top klingt.
Und wenn sie nicht so engagiert sind? Dann ist das folgerichtig auch nicht zu überhören, schmieren dann doch nicht selten Töne in eine ziemlich undefinierte Richtung ab, Einsätze wackeln, und es gibt ein herrliches Gekiekse. Nicht nur bei 33 Grad im Schatten wie aktuell ...
 
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  • #11
Interessanterweise habe ich keine so klare Antwort darauf, warum Blasmusiker in einem Amateurensemble spielen - obwohl ich Keyboarder in einer Bigband bin und nahe dran sein sollte an der Frage. Mir fallen einige verschiedene persönliche Herangehensweisen ein:
- mir macht Musizieren Spaß, und ich komm soweit klar - spätestens zur nächsten Probe nehm ich das Instrument wieder in die Hand, das reicht meistens (funktioniert so nur, wenn du in deiner Stimme nicht allein bist);
- ich bin begeistertes Mitglied der Band und übe fast täglich - schließlich bin ich erste Trompete und will das auch bleiben (oder ich will es werden);
- ich übe für diese Band nicht exzessiv - das ist derzeit meine dritte Band, und zwar auch in der Rangfolge, denn mit den anderen kommt mehr Kohle rum; und Proben habe ich genug, um zumindest dieses Level zu halten;
- irgendwie hat mich der Bandleader am Wiggel gekriegt - er kitzelt meine Fähigkeiten heraus, und es macht Spaß zu entdecken, wie weit ich komme;
- ich habe in den letzten Jahren die Lust etwas verloren und komme nicht mehr regelmäßig - wird sich die Band irgendwann jemand anderen suchen müssen; bis dahin kann man mich zumindest für Auftritte anfragen, die Stücke sind ja weitgehend noch dieselben;
- ich bin kein Mitglied der Band, werde aber gelegentlich für Auftritte angefragt, wenn eine Lücke ist - bekomme dafür dann aber auch eine kleine Antrittsprämie. Ich bin so nett, dafür wenigstens mal eine Probe mitzumachen.

Darüber hinaus gibt es in diesem Milieu ja auch noch die Leistungsabzeichen: Du übst, weil du dich angemeldet hast beim Verband, für eine Urkunde. Find ich interessant, aber gibt es anscheinend öfter. Kann man in einem Ensemble auch kultivieren. Diesen Grund würde ich bereits zu den außermusikalischen Motiven zählen, von denen es ja dann noch wesentlich mehr gibt.
 
  • Ersteller
  • #12
hehe will ja niemand provozieren oder unterschätzen. Ich spiele seit über dreißig Jahren in Akkordeonorchestern und kenne die Spannbreite gut. Nur verliert man da halt seinen Ansatz nicht und muss nur die richtigen Töne zur richtigen Zeit drücken... (Wenn man das "musikalische" mal aussen vor lässt).

Gerade deshalb frage ich mich ja, wie das dann bei so Spielmannszügen mit dem "Training" funktioniert. Kann mir nicht vorstellen dass da jeden Tag geübt wird um den Ansatz zu halten!?

Seb.
 
  • #13
Ich würde behaupten, 2-3x die Woche reicht, wenn du 2. oder 3. Trompete bist. Eins davon ist die "Musikprob" - anderthalb Stunden, mit Pause. Und mehr geht dann eben bei Auftritten auch nicht. Eine Blaskapelle, die allein einen ganzen Abend bestreitet, ist ja auch nicht so häufig. Wir wurden in der Vergangenheit oft für 1,5-2 Stunden angefragt. Da hat dann auch ein kleineres Repertoire ausgereicht.
 
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  • #14
...was für einen Restansatz du dir vorstellen kannst.
So ziemlich gar keinen.
Meine Angabe von 2 Stunden bezog sich auf einen Amateurtrompeter im laufenden Training und Spielen mit der Big Band. Combo kann auch länger werden und die Belastung halte ich der Besetzung geschuldet für höher.

@dostl_ba Spielmannszüge mögen unterschiedliches Niveau haben, ich kannte nur wenige Leute mit diesem Hintergrund, die Lust auf Big Band bekamen. Allerdings wurden das nur Gastspiele, denn es fehlte an Tonumfang, Notenlesen und Rhythmik. Das könnte man alles lernen, aber es gibt halt Trompeter, die ihr Instrument nur zur Probe aus dem Koffer nehmen, was Fortschritt ziemlich behindert.

Bei Trompete würde ich Otto Normaltrompeter immer zur Musikschulausbildung, qualifizierter Ausbildung im Musikverein (in Bayern verbreitet) oder eben Einzelunterricht raten. Ansonsten sehe ich kaum Chancen, mit dem Instrument auf Dauer voranzukommen.

Gruß Claus
 
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