Urheberrechte abtreten?

von HaloInReverse, 05.10.06.

  1. HaloInReverse

    HaloInReverse Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    27.01.06
    Zuletzt hier:
    29.01.07
    Beiträge:
    16
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    10
    Erstellt: 05.10.06   #1
    Ich habe mal eine theoretische Frage zum Thema Urheberrecht, über die ich irgendwie heute schon den halben Tag nachdenke...
    Gesetzt dem Fall, ich hole mir einen Sänger, der einen von mir komponierten Song einsingt... Während der Aufnahmen kommt er auf die Idee die Gesangsmelodie zu ändern, so dass er quasi eine neue Melodie komponiert. Kann er durch eine Künstlerquittung jegliche Kompositionsrechte abtreten, oder ist dies nicht möglich?
     
  2. Hans_3

    Hans_3 High Competence Award HCA

    Im Board seit:
    09.11.03
    Beiträge:
    16.149
    Zustimmungen:
    1.124
    Kekse:
    49.622
    Erstellt: 05.10.06   #2
    Nein, das ist nicht möglich, wenn die Melodie gravierend neu erfunden wird. Zumal die Melodie urheberrechtlich als der Wesentliche BEstandteil er Kompositon angesehen wird.

    Wenn allerdings nur kleine Korrekturen an der Gesanglinie erfolgen, ohne diese im Wesen neu zu gestalten, dürfte der Sänger allerdings keine Ansprüche haben.
     
  3. HaloInReverse

    HaloInReverse Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    27.01.06
    Zuletzt hier:
    29.01.07
    Beiträge:
    16
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    10
    Erstellt: 05.10.06   #3
    Danke für die schnelle Antwort! :)

    Aber "wesentlich" ist ja auch schon wieder sehr relativ. Gibt es da eigentlich irgendwelche "Richtlinien"?
     
  4. LeGato

    LeGato Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

    Im Board seit:
    08.09.04
    Zuletzt hier:
    6.12.16
    Beiträge:
    1.925
    Ort:
    Göttingen
    Zustimmungen:
    188
    Kekse:
    25.151
    Erstellt: 06.10.06   #4
    In Hans' Post bezog sich das "wesentlich" darauf, dass die Melodie der wesentliche Bestandteil einer Komposition ist.

    Wenn also ein Sänger im Großen und Ganzen deine Gesangslinie übernimmt, ist das sicher keine Neugestaltung deines Werkes, auch wenn er vielleicht hier und da 'ne kleine Verzierung einbaut.

    Wenn er allerdings seine ganz eigene Interpretation einsingt, dürfte das Ergebnis sein eigenes Werk sein, an dem er dann auch die Urheberrechte hat.

    Das Urheberrecht lässt sich per se nicht abtreten, es bleibt immer bei dem, der ein Werk erschaffen hat. Da ist nix dran zu rütteln.

    Aber: Sollte dein Sänger tatsächlich eine völlig neue Version deines Songs einsingen, kannst du ja mit ihm vertraglich die zeitlich unbegrenzte freie Nutzung des Werkes vereinbaren. Damit kann er dann schon mal nicht nachträglich die Veröffentlichung verhindern, z.B. wenn ihr euch zerstreitet.

    Denkbar wäre theoretisch sogar ein Vertrag, in dem ihr die Verteilung eventuell anfallender Tantiemen (GEMA u.ä.) regelt. Rein theoretisch (!) könnte man da sogar reinschreiben, dass alle Tantiemen an dich gehen. Ob das dann ein fairer Vertrag wäre, lasse ich mal dahingestellt...

    LeGato
     
  5. Hans_3

    Hans_3 High Competence Award HCA

    Im Board seit:
    09.11.03
    Beiträge:
    16.149
    Zustimmungen:
    1.124
    Kekse:
    49.622
    Erstellt: 09.10.06   #5
    Letztlich ist sowas immer Güterabwägung von beiden Seiten. Ein irgendwann mal umsatzstarke deutsche Country-Band (... dessen Name ich hier nicht nenne) hätte die Kompositionen eines Bekannten von mir auf eine ihrer LPs genommen. Allerdings zu der Bedingung, dass die Komponistenrechte 50:50 angemeldet werden...

    Tja - was nun? Schweinedeal mitmachen und trotzdem recht gut kassieren oder aus Prinzip auf das Angebot verzichten? Mein prinzipientreuer Bekannter wählte letzeres. Andersrum wäre seine Songwriter-Karriere viellicht einen Tick erfolgreicher gelaufen - oder auch nicht. Es gibt keine Branche, die unsicherer zu kalkulieren ist als Musik, Film, Medien. Jeder Drogeriefilialist hat da bessere Karten.
     
  6. rockbuerosued

    rockbuerosued HCA Musik-Praxis/Recht HCA

    Im Board seit:
    30.03.05
    Zuletzt hier:
    14.04.16
    Beiträge:
    685
    Ort:
    Musikakademie Schloss Alteglofsheim
    Zustimmungen:
    59
    Kekse:
    4.793
    Erstellt: 09.10.06   #6
    Dieses Modell der "Controlled Compositions" ist nicht nur eine US-amerikanische Besonderheit sondern auch eine Unart, die hierzulande UNZULÄSSIG ist!!!

    Aber auch die Praxis der "non controlled compositions", also wenn z.B. ein KÜnstler Kosten nach den mechanischen Royalties "verrechnet" bekommen soll, sind in Deutschland unzulässig.

    Dass es doch immer wieder welche versuchen, ist einmal mehr ein Beispiel für die Haifischbranche! Da sollte man durchaus mal überlegen, ob nach vorheriger juristischer Prüfung, in der Öffentlichkeit nicht doch mit Namen agiert werden sollte.

    @ Hans_3
    Aber Dein Bekannter hat richtig gehandelt! Wenn man den Geiern einmal nachgibt, dann wird die Masse der Aasfresser immer größer.

    lg.
     
Die Seite wird geladen...