VIG-Paula

von Eclipseman, 23.05.08.

  1. Eclipseman

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    Erstellt: 23.05.08   #1
    Hallo zusammen,

    möchte nochmal auf das Thema VIG zurückkommen, hoffe, es ist für Euch noch von Interesse.
    Habe letzte Woche ne VIG-Paula in Trans-Blue ausgepackt, (266,- € / Liste: 299,- / "Straßenpreis":
    279,-).

    Erstmal was Allgemeines:

    Bei allem, was ich hier schreibe, berücksichtigt bitte den Preis; von der Verarbeitungsqualität
    kann und will ich die Gitarre nicht mit meinen anderen vergleichen, die zwischen dem 5- und 15fachen
    der VIG gekostet haben. Aber vorab soviel: Für knapp 300,- bekommt man mit der VIG ne wirklich
    gute (und schöne!) Gitarre für kleines Geld! Wenn ich anschließend bei Vergleichen Dinge als besser
    bewerte als bei anderen Gitarrenmarken, dann ist das 1. meine persönliche Meinung und 2. auf keinen
    Fall Miesmacherei - ich besitze selbst Gitarren der angesprochen Marken. In 37 Jahren habe ich
    reichlich gute Instrumente, aber auch ausgesprochene "Gurken" in die Finger bekommen, und die gibt
    es - leider - auch in teuren Preiskategorien... Ich selbst kaufe meine Pfannen nicht nach dem Preis,
    sondern nach Gefallen, darunter fällt Spielbarkeit, Sound, Aussehen und Verarbeitung; in meinem
    Fuhrpark von z. Zt. 11 Gitarren ist in den Preisklassen von 100 bis 4000 € alles mögliche vorhanden.

    So, genug gesülzt, jetzt Butter bei de Fisch und erstmal 'n paar Daten:

    - Halsbreite am Sattel 43,2 mm
    - am 12. Bund 52 mm
    - Zargenhöhe 46 mm (+/- 1 mm)
    - Gewicht auf Küchenwaage 3920 Gramm
    - Übergang Hals/Kopfplatte: Kleiner "Höcker"
    - Übergang Hals/Korpus: Typisch Paula, also am Halsfuß ein kleiner Absatz bis zum Korpus
    - Farbe: DUNKEL (!) blau transparent, und zwar SEHR viel dunkler als auf den Fotos im Internet
    - Decke in schöner quilted Maple Optik (ich tippe in dieser Preisklasse auf Furnier oder Foto)

    An dieser Stelle noch ne Anmerkung:

    Ich bin der Meinung, daß der Klanganteil einer massiven Ahorndecke am Klang stark überbewertet
    wird. Ich hatte eine Les Paul Custom älteren Datums mit massivem Mahagonikorpus, und der
    Klangunterschied zu einer Standard mit Ahorndecke war marginal. Dieselbe Erfahrung habe ich knapp
    20 Jahre später mit ner PRS Custom ("Mit") und ner PRS Standard ("Ohne") gemacht - der
    Unterschied in der Brillianz war so gering, das man das mit der entsprechen minimale Einstellung am
    Amp mühelos ausgleichen konnte. Von daher interessiert mich eigentlich wenig, ob die Decke massiv,
    furniert oder fotografiert ist.

    Details wie div. Bindings usw könnt Ihr den Fotos im Internet entnehmen, daß ist aufschlußreicher,
    als wenn ich dazu jetzt hier rumsabbele.

    Zum Sound:

    - Trocken schon neu relativ laut, ich denke, nach ner Einschwingzeit von 6 bis 12 Monaten dürfte sie
    noch ne ganze Ecke lauter werden. Im Vergleich zu ner G....n finde ich sie vom Klang brillianter,
    ich habe ne GCL-58H Paula von Grass Roots/ESP, auch mit Lindenkorpus und (allerdings
    geschraubten) Ahornhals, die klingt ähnlich, aber perkussiver und nicht ganz so brilliant. Meine
    ESP-Eclipse mit Mahagonikorpus kommt einen Tick weicher im Klang.

    - Über nen Amp (Spider III 75, muß noch über andere Amps testen) bestätigt sich der Trockensound,
    auch hier mehr Brillianz als bei der Gibson (die mir vom Klang zu weich sind). Mit der
    entsprechenden Einstellung am Amp sind in allen 3 Schalterstellungen schöne Cleansounds zu
    bekommen, nicht stratmäßig, das erwartet auch niemand, aber durchaus brauchbar.
    Verzerrt kommt dann das Brett, auch hier wieder in allen 3 Schalterstellungen brauchbare Sounds,
    Pfeifen hält sich sehr in Grenzen. Gewollte Feedbacks a la Santana / Gary Moore kommen relativ
    willig, genauso wie Kippen in Harmonics.

    - Wie durchsetzungsfähig der Sound in der Band ist, kann ich erst nach der Probe heute abend sagen,
    aber was ich bis jetzt im stillen Kämmerlein gehört habe, läßt schon hoffen.

    Zur Verarbeitung:

    Kleinigkeiten (jedenfalls sind sie das in DIESER Preisklasse für mich) habe ich gefunden, aber nichts,
    was die Spielbarkeit, den Klang oder in unverhältnismäßiger Weise die Optik beeinträchtigt - bitte
    berücksichtigt auch hier wieder den Preis!

    - Beim Montieren der DUNLOP-STRAPLOCKS überraschte mich beim Entfernen des unteren Gurtpins
    ein zusätzliches Bohrloch - da hatte beim Bohren wohl jemand das Montagmorgen-Augenmaß ;-)
    Ist aber nach dem Anschrauben des Gurtpins nicht sichtbar, wird voll abgedeckt.

    - Die seitlichen Dots im Griffbrettbinding sitzen nicht alle zentral, wie schon gesagt, Montagmorgen...

    - Mit der Ausrichtung der Pickuprähmchen war ich nicht ganz glücklich - da ich aber sowieso erstmal
    den aufgezogenen 10er Saitensatz (D'Addario) gegen nen 9er auswechseln mußte (nein, ich mag
    mich nach über 30 Jahren nicht mehr umgewöhnen), schnell ein paar abgebrochene Zahnstocher
    mit nem Tröpfchen PONAL in die alten Bohrlöcher, dann neu ausrichten und festschrauben, keine
    große Aktion, die alten Löcher verschwinden unterm Rahmen.

    - Die Bundstäbchen haben die erste Woche ganz schön gekratzt, ne Politur ist wohl dem Rotstift zum
    Opfer gefallen - allerdings hatte ich auch DAS schonm bei wesentlich teureren Gitarren. Wen's
    stört, der greift zur Politur, oder, wer so faul ist wie ich, spielt auf dem Teil einfach so lange, bis
    sich das Kratzen durch ausreichendes Saitenziehen von selbst gelegt hat - bei mir ist nach ner
    Woche schon nicht mehr viel zu hören.

    - An der Abdeckung für's Elektrikfach und für die Halsstababdeckung hab ich an den Kanten noch kurz
    mit feinem Schleifpapier Hand angelegt

    Zur Hardware:

    Alle Metallteile sind in mattem Silber ("Satin Chrome") gehalten, sowas kannte ich früher schon von
    Carvin. Sogar der Knopf auf dem Toggle-Switch ist aus Metall, und man hat extra Pickuprahmen (die
    allerdings aus Plastik) in passendem mattsilber besorgt (anfertigen lassen? Hab ich jedenfalls bis jetzt
    noch auf keiner Gitarre gesehen).

    Fazit:

    Wer viel Gitarre für wenig Geld sucht und mit den aufgeführten "Mängeln" leben kann, dem kann ich
    die Gitarre guten Gewissens weiterempfehlen.

    Hoffe, ich konnte denjenigen unter Euch, die sich für die VIG interessieren, mit dem Artikel
    weiterhelfen.

    Gruß an alle

    Uwe
     
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