Volumen/Speaker Relation einer Gitarrenbox...Erfahrungen

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Hey,
bin ja alter Boxenbauer in Sachen Gutar Cabs und stehe dahingehend auf hinten halboffene Konstruktionen.
Hat von euch jemand Erfahrungen in Bezug auf Volumen der Box im Verhältnis Membranfläche?
Es handelt sich um eine hinten zu ca. einem Drittel (etwas weniger) 2/12er Box, selbsbstbau. Die hat zwar schön Volumen, aber ich denke ich hab's mit den Maßen doch vielleicht etwas übertrieben.
Meine Erkenntnis wäre: weniger Volumen: mehr Direktheit dafür weniger Bass und andersrum.
Andererseits klingt die großvolumige Box etwas Punch-arm, was daran liegen könnte, dass sie durch ihre Größe einfach zu tief abgestimmt ist und Gitarren Punch ja eher in den Tiefmitten entsteht...
Habt ihr noch Aspekte dahingehend?
Danke,
Gruß,
Bernie
 

Hallo Bernie,

Wenn die Box zu viel Bass ("wummern") hat und es an Klarheit/Direktheit fehlt, dann würde ich (bevor ich eine neue, kleinere Box bauen würde) mal die Wände versteifen.
Also Holzlatten 4x4cm oder Alu L-/U- Profile an die Frontplatte, Rückwand und Seitenwände.
Da kannst du mit relativ wenig Aufwand herumexperimentieren.

Lg
Cirex
 
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Eine hinten offenen Box hat eine „endliche“ Scheidewand.
Das reduziert, der reinen Lehre nach, das untere Übertragungsspektrum, weil eine akustische Auslöschung, des vom Lautsprecher nach vorne und nach hinten, abgegebene Signal möglich ist/passiert.
Je größer das Gehäusevolumen und kleiner die Öffnung hinten ist, desto eher wird aus einer „endlichen“, eine „unendliche“ Scheidewand, mit besserer Vermeidung der Auslöschung.
Kompliziert wird die Betrachtung durch die Aufstellung im Raum, bzw. den Reflexionen durch die Raumwände, die die nach hinten abgestrahlten Schallwellen chaotisch zurückwerfen. In Phase, ausser Phase und alles dazwischen…
Aber neben einer Änderung der Aufstellung, wäre wohl die einfachste Maßnahme, die Box tiefbass-ärmer zu machen, die hintere Öffnung zu vergrößern.
 
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  • #4
Joah...ist schon klar, aber was ist mit dem Volumen an sich?
 
Da würde ich mal an die Herren Thiele und Small verweisen...meine Glaskugel ist da etwas verschwommen.
 
Ich denke, wenn eine Box offen ist, ist das mit dem „Volumen“ nicht so entscheidend. Der Speaker kann eh völlig frei atmen. Im Prinzip würde ja auch eine simple „Wand“ ohne Seitenteile funktionieren,… wenn die nur genug Fläche hat (und natürlich als „Box“ sehr unpraktisch ist…). Daher die Denke, „endliche“ vs. „unendliche“ Scheidewand.
Thiele-Small Parameter Berechnungen machen bei Gitarrenboxen und bei offenen Konstruktionen schon mal gar kein Sinn, weil die für Hifi-Boxen und Subwoofer gedacht sind. Die Berechnungen würden sehr große geschlossene Boxen ergeben, die den üblichen Soundansprüchen von Gitarristen kaum gerecht werden, weil eben viel zu viel Tiefbass resultieren würde.
Für offene 2x12er Boxen, kann man sich wenn man nicht zu viel Try&Error, haben will, an typischen Combo Verstärkern orientieren: Vox-AC30 = 70-80 L Volumen. Das sollte recht mittig und schlank im Bass klingen.
 
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Je größer das Gehäusevolumen und kleiner die Öffnung hinten ist, desto eher wird aus einer „endlichen“, eine „unendliche“ Scheidewand, mit besserer Vermeidung der Auslöschung.
Eine unendliche Schallwand ist etwas anderes, nämlich eine Schallwand, die wesentlich größer ist, als die Wellenlänge der tiefsten wiederzugebenden Frequenz. Ein geschlossenes Gehäuse ist keine unendliche Schallwand, sofern die Schallwand nicht ausreichend groß ist (und das ist bei mehreren Metern Wellenlänge im Tiefton quasi nie der Fall).
Ein hinten offenes Gehäuse ist erst mal ein Dipol. Man kann das auch als Backloaded Horn betrachten. Macht man die Öffnung immer kleiner, kommt man irgendwann beim Bassreflex an, also bei einem Helmholtzresonator. Die Übergänge sind fließend. Eine Impedanzmessung zeigt am besten, was ein Gehäuse tatsächlich macht.

Statt eines Volumens scheint es mir sinnvoller, die Aspekte Schallwandabmessungen und Gehäusetiefe zu betrachten. Schlussendlich werden die Dimensionen bestimmen, ab welcher Frequenz die Auslöschungen im Tiefton beginnen und wie das Abstrahlverhalten aussieht. Ich überlege gerade, ob es am Ende nur die Weglänge von der Vorderseite zur Rückseite der Membran ist, die entscheidet und damit ein schmales Gehäuse mit tiefen Seiten sich gleich verhält wie ein breites mit kurzen Seiten. Es kann sein, dass ich dabei etwas übersehe. Mit Open Baffle habe ich mich noch nicht tiefer beschäftigt. Bei geschlossenen Gehäusen macht es definitiv einen Unterschied, Stichwort Bafflestep.

Auf die Schnelle habe ich hier etwas Futter zur Fortbildung gefunden:
https://www.dipolplus.de/index.html
https://www.linkwitzlab.com/models.htm
https://musicanddesign.speakerdesign.net/Equivalent_Baffles.html

Thiele-Small Parameter Berechnungen machen bei Gitarrenboxen und bei offenen Konstruktionen schon mal gar kein Sinn, weil die für Hifi-Boxen und Subwoofer gedacht sind
Eine Berechnung des Verhaltens macht immer Sinn, solange das Model die Physik abbilden kann. Der Ansatz, aus den TSP ein "richtiges" Gehäusevolumen zu berechnen, ist sowieso fragwürdig, weil er voraussetzt, dass es ein "richtiges" Volumen gibt. Man simuliert das Verhalten unter gegebenen Randbedingungen und Zielen und entscheidet sich dann für eine Lösung. Nur weil ein Ergebnis nicht einem wie auch immer begründeten Ideal entspricht, entwertet das nicht die Berechnung. Berechnungen auf Basis der TSP können das Wiedergabeverhalten im Kleinsignalbetrieb um die Resonanzfrequenz eines Lautsprechers sehr gut vorhersagen.
 
Das „Bild“ mit der unendlichen Schallwand habe ich auch nur aus einen Boxenbaubuch von Tanoy entliehen und fand es sehr sehr einleuchtend.
IMG_0740.jpeg

Ist der Lautsprecher vom Gehäuse komplett umschlossen, (und ideal gesehen, komplett abgedämmt), kann keine nach hinten abgegeben Schallwelle, mit den nach vorne abgegebenen, sich auslöschen => die Scheidewand ist unendlich. Aber wenn das eine missbräuchliche Nutzung feststehender Begriffe ist, so sei es hier vermerkt.

Wir sind aber bei einer offenen 2x12“ Gitarrenbox eben nicht in der Hifi und PA Welt, wo es maßgeblich um Wirkungsgrad, Frequnzbandbreite und Linearität geht.
Die Ansprüche an eine Gitarren Box sind grundsätzlich komplett andere.
Sie soll klangformend sein; ein geringer Wirkungsgrad ist heute eher erwünscht; zu hohe und zu tiefe Frequenzen sollen eben gerade nicht übertragen werden.
Daher ist es daher IMO nicht so zielführend, beim Bau einer Gitarrenbox, mit der „Denke“ und den Modellen eines PA Designer an die Sache zu gehen.
Auf der anderen Seite ist „Gitarren Box“ im Vergleich zu Hifi & Co so eine kleine Nische, dass da entsprechende Modelle für ein optimales Design nie mit dem gleichen Aufwand entwickelt wurden (zumal bei Gitarrenboxen, „Optimum“ nicht durch klare Messgrößen determiniert ist, sondern letztlich im Ohr des Gitarristen liegt.
Es ist für mich dann auch nicht verwunderlich, dass JBL, RCF, … oder gar Seeburg, keine einzige „Gitarren Boxen“ im Programm haben, obgleich die nix besser können, als Kisten zu fertigen, in die Lautsprecher geschraubt werden. Das liegt nicht in deren DNA. Das „entwertet“ natürlich in keiner Weise ihre Kompetenz im Boxen Bau!
 
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Meine Kammler-Cabinets, wahrlich keine schlechten Boxen, sind so dimensioniert (HxBxT):

Mini-Kai mit 10" Speaker: 37x37x22 (ca. 30 ltr.)
Mono-Kai mit 12" Speaker: 48x48x22 (ca. 50 ltr.)
Oversized Mono-Kai mit 12" Speaker: 56x61x22 (ca. 75 ltr.)

Wenn ich Dietmar Kammler richtig verstanden habe, entsteht bei der Oversized mit ihrem verhältnismäßig großen Volumen der Ton bereits in der Box, sie ist damit für kleinere Räume (auch Wohnzimmer!) ideal, bei den kleineren Cabinets entsteht der Ton vor der Box, mit ihnen können auch größere Locations beschallt werden.

Vielleicht trägt dies ja zur Entscheidungsfindung bei.
 
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Hey,
...erst mal riesen Dankeschön für eure Beiträge....und ja, die richtigen Anstösse kamen mit aus den Beiträgen.

Beim Nachmessen meiner Box kam ich auf satte ca.105 Liter Innenvolumen. Eigentlich logisch, dass in so einem großen, tiefen Gehäuse (egal ob hinten offen oder geschlossen) das Verhältnis von Membranfläche zu Boxenvolumen nicht mehr stimmt. Dadurch entsteht der Effekt, dass die Box indirekt klingt und etwas "lahm" wirkt.
Außerdem sieht es so aus, als dass ne Gitarrenbox ab ner gewissen (zu großen) Gehäusegröße für ne normal auf E gestimmte Gitarre zu tief abgestimmt ist und dann drucklos wirkt, da die Frequenzen wo ne Gitarre Druck und Punch erzeugt in den Bereich des (mit zunehmender Größe tiefer rutschenden) Mittenlochs rutschen.

Also: Stichsäge rausgeholt und die Tiefe der Box um 6,5 cm ringsrum verringert, was ca. 22 Liter Volumen weniger bedeutet...immer noch im (knappen) Oversize Bereich für 2/12er Cabs.

Und siehe da: voller Erfolg!
-das Ding rauscht mir nun wieder direkt ins Gesicht...die "Indirektheit" ist weg
-Punch und Druck sind auch deutlich mehr und kommen nun sauber auf den Punkt
-Die Box wirkt schneller und lässt meinen Blackmore Amp wieder gnadenlos "nageln" ohne Verwischungseffekte.

Danke für eure Mithilfe.

Gruß,
Bernie 😉
 
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