Welche Skala/Tonleiter für Jazz-Soli/Melodie

von reacom, 15.01.08.

  1. reacom

    reacom Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.01.08   #1
    Guten Abend!

    Ich versuche mich gerade an der Erweiterung meines musikalischen Könnens. Seit dem Beginn meines Gitarrenspiels mache ich Rock oder Metal. Nun steuer ich hart auf die dreißig zu und merke, dass mir irgendwie mein Können auf der Gitarre dem Genre entsprechend nicht genügt. Nun habe ich mir vor ein paar Tagen den "Guitar Explorer 1.0" gekauft und sehe nun die ganze Bandbreite an Skalen für etwaige Musik vor mir. Da ich mich jetzt gerne etwas mit Jazz auseinandersetzen möchte, bräuchte ich Euren Rat bezüglich der zu verwendenden Skalen und Tonleitern.

    Vielleicht kennt Ihr ja das Buch "Rock Guitar Secrets". Darin ist das Griffbrett in fünf Teile unterteilt um den Betrachter die Fingerübungen verständlich darzustellen. Diese Fünf-Teile-Technik möchte ich auf die Skala für die Jazzigen Sachen anwenden.
    Nun muss ich halt nur wissen, welche Skala für den Jazz angebracht ist. Und wenn Ihr mir dann noch einen Link nennen könnten, der diese Skalen schon in fünf Teile zerlegt hat, wäre das auch nicht schlecht.

    Danke im Voraus!

    Gregor
     
  2. Hans_3

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    Erstellt: 16.01.08   #2
    DA muss ich Dich zunächst von dem Irrtum befreien, dass es eine Jazztonleiter gibt. z.B. die Töne C D E F G A H C der C-Dur/A-Moll Leiter können nach Jazz genauso klingen wie nach Blues, Metal oder Musikantenstadl.

    Mit anderen Worten: Es kommt immer auf den musikalischen und harmoniemäßigen Zusammenhang an, wie Töne klingen. Von daher nützt Dir eine Skalensammlung genauso viel wie ein Taschenrechner beim Autofahren: nämlich überhaupt nichts.

    Auf den Jazz bezogen: Es kommt dort immer ein wesentlich erweiteres Spektrum in der Akkordbildung und dem harmonischen Aufbaue eines Stückes zum Tragen. Dies ist der eigentliche Grund, warum wir das Gefühl haben, etwas "klingt nach Jazz". Dafür sind nicht die verwendeten Skalen verantwortlich, sie folgen lediglich den harmonisschen Mustern.

    Im ersten Schritt solltest Du hier erstmal ganz entspannt,unverbindlich und nach Lust und Laune viel Lesen. Damit verschaffst Dir einen groben Überblick und etwas Hintergrundwissen darüber, wo die Reise hingeht - wenn auch noch nicht konkret für die Praxis.

    http://msjipde.uteedgar-lins.de/index2.html

    Gleichzeitig nimmst Du Dir als Basis die Stufentheorie vor. Wenn Du die überpsringst, hast Du schon verloren ;) Dazu lernst Du den ersten Absatz "Grundlagen" des folgenden Links:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Stufentheorie_(Harmonik)

    ... und spielst die Stufenakkorde C Dm Em F G Am in jeglichen Kombinationen bis Du davon träumst.

    Anschließend erfolgt der erste Schritt Richtung "jazzigem" Klang. Der Jazz hat es nämlich hervorgebracht, dass diesen Stufenakkorden immer noch eine zusätzlich Terz draufgesattelt wird. Daraus entsteht:

    Cmaj7 Dm7 Em7 Fmaj7 G7 Am7 H7/b5

    Spiel hier wiederum alles stundenlang in allen erdenklichen Folgen und verschiedenen Rhyhtmen und präge Dir dabei den Klang der einzelnen Akkordtypen ein.

    Nun wird es Zeit für die erste Impro. Bastle Dir ein Playback mit den Akkorden

    Cmaj7 / Cmaj 7 / Fmaj7 Fmaj7 / Dm7 / Dm7 / G7 / G7 ( / = Taktstrich) und spiele mit der C-Dur-Tonleiter dazu.

    Mach das ganz entspannt mit viel Zeit. Achte dabei darauf, wie sich das "Feel" Deines Tonmaterials (das ja immer gleich bleibt) über den verschiedenen Akkorden unterschiedlich "färbt" und anhört.

    Spiel dabei nicht stur Leiter hoch-runter. Spiel Intervalle, setz Pausen, spiel mal langsamer, mal schneller. UNd hör immer hin, was Du empfindest, was Dir guttut ("will mehr davon...") und was nicht.
     
  3. reacom

    reacom Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.01.08   #3
    @Hans3

    Alter Schwede!
    Ein dickes DANKE, dass Du Dir die Zeit genommen hast mir so ausführlich zu schreiben.
    Im Anbetracht dessen, was ich zu wissen geglaubt habe, ist mein Verwundern ein schrittloser Weg. Ist schon klar, warum ich irgendwann mal Rockgitarrist geworden bin. Weil man in dem Genre mit einem Minimum an Aufwand ein Maximum erreichen kann. Und diese Grenze habe ich erreicht und bin unglücklich mit dem Können, das mir schlicht zu wenig ist. Ich werde mich mal durch die Theorie prügeln und zu lesen beginnen. Vor allem habe ich in einem einen immensen Nachholbedarf;
    Noten! Da habe ich derzeit noch keinen Schimmer von. (wozu auch als Metal-Klampfer?)
    Aber ich werde mich ransetzen.
    Danke nochmals!!!
    Gregor
     
  4. tuzz

    tuzz Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.01.08   #4
    Ich kann dir, wenn du dich in dieser Richtung weiterbilden willst, nur die "Neue Jazz-Harmonielehre" von Frank Sikora empfehlen. Steht ganz wunderbar vieles ganz wunderbar gut drin beschrieben. ;) Außerdem gibt es 2 CDs mit Beispielen und JamTracks. Kannst ja mal im Buchladen reinlesen.
    Ich finde es wichtig viel zu hören. Viele Beispiele aus der Jazzecke, von allen möglichen Instrumenten. Das Ohr muss sich halt erstmal reinhören. Was für mich früher merkwürdig und "falsch" klang ist zu einem musikalischen Sprachraum geworden. Outside-Spiel und dergleichen klingt mitlerweile interessant und spannend, und nicht mehr "falsch". So in die Richtung geht das. Zumindest bei mir. Nimm dir Zeit und machs entspannt. Du hast noch dein ganzes Leben um den Jazz zu meistern ;)
    Lg,
    tuzz

    und viel Spaß auf der Reise.
     
  5. Christof Berlin

    Christof Berlin Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.01.08   #5
    Du findest so Skalen in "Michael Sagmeister - Jazz Gitarre". Da wird Dir zunächst eine Vorlage gegeben, dann musst Du Dir die Skalen selbst rausfummeln. Das Buch kann ich übrigens echt empfehlen. Ebenso wie den Sikora, der schon genannt wurde. Beides sehr umfassende Bücher, die möglicherweise sogar zu viele Informationen enthalten. Was ich auch gut finde, sind die Videos von Joe Pass. Grossartige Linien, Akkorde und Jazz-Bluesgeschichten. Der Typ war der ganz große Meister der Jazzgitarre. Egal was er gespielt hat, es hatte immer den ultimativen Swing. die Videos sind allerdings auf Englisch.

    Und nie vergessen: Skalen und Griffbilder sind lediglich Krücken zur Visualisierung. Es geht am Ende immer nur um die Noten, die Du damit spielst.

    Es ist ein langer Weg, aber trotzdem - oder gerade deswegen - Viel Spaß!
     
  6. reacom

    reacom Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 20.01.08   #6
    Danke Ihr beiden!
    Ich werde mich mal informieren.

    Gregor
     
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