Wie aussagefähig sind Mikrofontests überhautpt

von engineer, 21.07.04.

  1. engineer

    engineer HCA Recording HCA

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    Erstellt: 21.07.04   #1
    Ich habe so mein Problem mit Mikrotests! Zum einen liegen viele Ergebnisse im MP3-Format vor, was mich fragen lässt, in wieweit Unterschiede überhaupt den Kompressionsvorgang überleben. Verzerrungen kann man da kaum übermitteln, da Oberwellen durch den Kompressionsalgorithmus wegnormiert werden. IN mp3-Tests ist dieser Umstand oft beobachtbar, daß sich manche Instrumente spitzer anhören, als im wav während spitze Klänge abstumpfen. Das mp3-Fomra ttaugt nicht um Oberwellen korrekt abzubilden- aber genau hier unterscheiden sich Mikros gewalig: Gewollte, wie ungewollte Verzerrungen machen genau den klang des mikros aus. Mindestens 16Bit-Waves müssen es bei Tests also schon sein. :rolleyes:

    Zum anderen erklärt sich ein Mikro auch nicht nur durch den Frequenzgang in der Hauptachse, sondern auch von dem aus den Restrichtungen! Nur einen Monitor davorsteller reicht also nicht aus. Es reicht auch nichtmal aus, um die Hauptachse zu vermessen, denn das Distanzempfinden der mikros variiert auch: Manche reagieren bei Annäherung mehr oder weniger bass- b.z.w höhenreich.

    Daher braucht es also eine 3D-Schallfeldvermessung mit den Parametern Frequenz, Abstand und hirzontalem Winkel. Genaugenommen müsste auch der vertiakle Achswinkel hinzugenommen werden, um die Homogenität des Mikros gegen Drehungen angeben zu können. (Bei dem neuen stabförmigen Gefell hätte man da z.B: eine Abhängigkeit, denn es ist NICHT rotationssymmetrisch :cool: )

    Leider rücken selbst die Hersteller nicht mit solchen Daten raus und bringen bestenfalls horizontale Polardiagramme mit der Dämpfung über dem Achswinkel mit diskreten Frequenzen. Was den detaillierten Frequenzgang angeht, gibt es meist nur eine Grafik für die Hauptahse und da sind bekanntlich alle linear :rolleyes:

    Was mich mal interessieren würde, wären Angaben über die circuumpolare Homogenität von Kugelmikros, als dem Vermögen tatsächlich über alle 3D-Raumwinkel mit exakt demselben Frequenzgang zu reagieren (und natürlich auch mit WELCHEM) Da würden sich sicher rasch Abgründe auftun, zwischen Qualitätsmikros und Billigmikros :mad:

    Bei den realen Hörtests voort kann man zwar theoretisch mehr testen, aber genau genommen ist man auch nur "die kleine Hilde im Wald": Der Raum spielt immer mit und das eingespeiste Signal ist meist wenig repräsentativ - besonders, wenn man es nicht selber einspeisen darf.

    Ich denke, wir werden noch weiter lange im Trüben fischen müssen :(
     
  2. Jürgen Schwörer

    Jürgen Schwörer Offizieller Produkt-Spezialist SHURE

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    Erstellt: 21.07.04   #2
    Hallo engineer,

    generell gesehen hast Du schon recht. Insbesondere der Mikrofonvergleich mit mp3-files macht wenig Sinn - insbesondere wenn das Ganze dann noch über Rechner-Lautsprecher (die ja alle bekanntermassen weit weg vom akustischen Ideal sind) abgehört werden.

    Darüber hinaus - wie Du auch schon erwähnt hast - sind solche Ausfzeichnungen oft irreführend - weil der Abstand nicht genau eingehalten wird, weil Mikrofone nicht genau "in Achse" platziert wurden, weil eine Aufnahme durchgeführt wurde, bei dem die Mikros nebeneinander platziert wurden ...

    Aber für den ersten Anhaltspunkt mögen diese Vergliche schon mal dienen. Sicherlich sollten diese Vergleich nicht als Grundlage des Kaufentscheides dienen.

    Die Angaben/Messungen, die Du von den Herstellern forderst, wie die Frequenzgänge von verschiedenen Raumrichtungen ist sicherlich sinnvoll für Messmikrofone. Für realistische Messungen brauche ich wirklich ein Mikrofon, das von allen Raumrichtungen her linear arbeitet.

    Für einen Musiker - und wir befinden uns hier ja in einem Musiker Forum - sind diese Messungen sinnfrei. Ob nun Live oder auch im Studio. Das Ergebnis zählt. Wenn es im Live-Einsatz auf Durchsetzungskraft und Rückkopplungsfestigkeit ankommt, so im Studio meist auf eine Linearität und Detailtreuheit. Und gerade der Punkt Detailtreuheit kann nicht mit der Messung des Frequenzganges gemessn werden. Viel mehr wäre da eine Impulsmessung mit Zerfallsspektrum sinnvoll. Bei Messungen des Frequenzganges wird immer nur in "eingeschwungennem" Zustand gemessen - das sagt nichts über die Impulstreue (Transienten) aus.

    Fazit: Allein technische Daten (und seien sie noch so umfangreich) sagen recht wenig über den Klang aus. Es zählt immer noch: Gut ist, was gefällt. Also führt nichts an einem persönlichen Mikfofonvergleich vorbei.

    Sonnigen Gruß
     
  3. engineer

    engineer Threadersteller HCA Recording HCA

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    Erstellt: 21.07.04   #3
    Die Aussgagen zur impulsbetrachtung sind interessant. Damit wird ja indirekt ausgesagt, daß Mikros generell zu ausgeprägten nichtlinearen Verzerrungen neigen. Handelte es sich um ein völlig lineares System, so liesse sich das Verhalten ja anhand des vollständigen Spektrums charakterisieren. :cool:

    Daß dies in der Praxis dann nicht so ist (speziell wenn Mechanik und Magnetik ins SPiel kommen) ist bekannt und daraus definieren sich wahrscheinlich die stärksten Unterschiede zwsichen den miks. Schade, daß ghenau dies im Dunkeln liegt, denn objektive Messwerte sind da eben schon aussagefähiger, als Begriffe wie "durchsetzungsfähig"- wenngleich die musikalsich eher verständlich sind. :rolleyes:

    Ich warte also nunmehr auf die impuls-response eines guten dynamischen SHURE-Mikros im Vergleich zu einen klassischen GM-Kondensatormikros von Neumann. :D
     
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