Wie geht ihr mit Selbstzweifel um? (eigenes musikalisches Schaffen)

von tomy boy, 24.03.16.

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  1. tomy boy

    tomy boy Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.03.16   #1
    Hey Community! :)

    Mich beschäftigt eine Sache und ich wollte mal hören, wie eure Sicht auf die Dinge ist.


    Ich spiele seit über 10 Jahren Gitarre, war in verschiedenen Bands und bin aktuell "solo" unterwegs. Das heißt ich habe mir vorgenommen, Singer/Songwriter-mäßig einiges zu probieren. Aus Lied-Ideen sollen gute Songs entstehen, aufgenommen werden und als großes Ziel wird eine eigene CD angepeilt!
    Ich habe diese "Idee" schon ne ganze Weile in meinem Kopf, habe es immer irgendwie aufgeschoben ("erstmal Uni/Arbeit/blabla...") und bin nun an dem Punkt wo ich sage jetzt oder nie!
    Doch wenn ich an einem Song arbeite, frage ich mich ständig "ist der gut?", "kann ich das überhaupt?", "ist es mir überhaupt möglich solche Musik zu erschaffen, wie ich sie gern von XYZ höre?", "würde mein Lieblingskünstler XYZ mit dieser Melodie über die Akkorde singen wie ich es tue, oder es ganz anders machen?" usw...
    Musik machen bedeutet mir unbeschreiblich viel und bereitet mir einen riesen Spaß und ich weiß, dass das auch das wichtigste ist. Trotz allem will man ja irgendwo hin. Man will irgendwas erreichen mit seiner Musik.

    Für mich ist da diese große Grenze, an der ich jemanden einen Song von mir zeigen würde und nicht nur "das ist echt toll/gefällt mir sehr gut!" (worüber ich mich natürlich auch mega freue) zu hören bekomme, sondern darüber hinaus diese Person den Song dann wieder und wieder hören will. Von sich aus. Weil diese Person denkt "Mensch..das ist ein geiles Lied..das will ich noch einmal hören!". Und am nächsten Tag wieder. Ich hoffe ihr versteht was ich meine :D.
    Es gibt da irgendwie eine magische Grenze zwischen "ich zeig es jemanden, der findets gut. Fertig." und "ich zeig es jemanden, er liebt den Song. Er will ihn wieder hören." Ich denke ihr kennt das.

    Naja und wie ich das so in meinem Kopf habe, frage ich mich permanent, ob ich dazu überhaupt in der Lage bin. Selbstzweifel halt. Kann man gut singen? Kann man gut sein Instrument spielen? Such 2 Minuten auf Youtube und egal was du denkst ganz gut zu können...wenn du siehst was es da draußen für Talente gibt, fühlst du dich wieder wie ein Anfänger..
    Nun ist es in der Musik denke ich so, dass Kreativität Talent übersteigt. In einem Interview mit Max Buskohl was ich irgendwann mal gesehen habe (der Typ, der vor vielen Jahren mal bei DSDS war^^...fragt nicht nach wie ich bei diesem Video gelandet bin, aber ich glaube er ist ein ganz guter/erfahrener Musiker), hat er eines immer gesagt, was in meinem Kopf hängen geblieben ist: Der beste Song gewinnt immer.
    Und damit gebe ich ihm recht. Welche Songs höre ich mir selbst am liebsten immer und immer wieder an? Die mit dem besten Sänger? Die mit dem abgefahrendsten Gitarren-Lick?
    Nein.
    Ich weiß nicht was es ist, aber es ist immer der Song an sich, der einen so begeistert, dass man ihn sich ständig wieder anhören will. Klar hört man auch mal einen Lied, weil da ein Ausnahme-Talent was tolles macht, oder weil man sich in eine Stimme verliebt hat. Aber am Ende gewinnt eben der beste Song. Denn wenn die Stimme/die Instrument-Beherrschung einem gefallen, aber der Stil oder das Stück an sich überhaupt nicht, wird man es sich nicht auf den MP3-Player machen und beim Spaziergang durch die Stadt hören. Das macht man gewöhnlich nur mit SONGS die einen begeistern.
    So.
    Also muss man nicht zur mega Elite gehören, wenn man selbst Musik macht und diese magische Grenze mal überschreiten möchte und sich irgendjemand mal einen eigenen Song anhört, weil er diesen tatsächlich so mega gut findet. Ok...
    Aber wie kommt man dort hin? Ist man selbst in der Lage, solche tollen Stücke zu schreiben? Was macht einen "Hit" denn aus und warum sind bisherige eigene Songs vielleicht ganz ok und gefallen der eigenen Mama oder den Kumpels, aber schaffen es nicht diese "ich will genau diesen Song jetzt hören"- Grenze zu überspringen? Nicht weil man den Musiker kennt, sondern weil man das Stück richtig geil findet.


    Langes vorgeplänkel, um euch meine Gedankengänge zu erklären. Jetzt also die Frage:
    Teilt ihr diese Gefühle? Wie eght ihr damit um? Einfach machen und Songs schreiben und drauf "hoffen" das man gut genug ist?

    Ich weiß es ist vielleicht etwas verwirrend geschrieben. Aber so sind meine Gedankengänge und es ist wirklich etwas, was mich sehr beschäftigt und mich in manchen Momenten schon hat zweifeln lassen, ob ich nun wirklich diese ganze Zeit und Energie in so ein Projekt wie einer eigenen CD stecken soll, wenn ich am Ende damit nicht zufrieden bin, sie in der Ecke verschwindet, keiner sie mal hören will, etc...


    Naja..tat gut sich das mal von der Seele zu schreiben. Wenn ihr eure Gedanken dazu mit mir teilt, umso besser :).

    So weit erstmal von mir ;),
    Tom
     
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  2. exoslime

    exoslime Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 24.03.16   #2
    Hallo Tom,

    Super geschrieben und schön in Worte gefasste, ich teile auch sehr viele deiner Gedanken, und habe das Gefühl das gerade diese Selbstzeifel und übermässig hohe Kritik an sich selbst gehört leider einfach dazu zum "Künstlerdasein" dazu, man baut sich dadurch aber selber soviel Druck auf, das man eigentlich schon gar nicht mehr richtig frei kreativ sein kann, und das ist dann das grösste Hinderniss überhaupt, weil damit blockiert man sich schon im vorhinein die Möglichkeit was ganz tolles, einzigartiges zu schaffen.

    Du sprichst auch musikalisches Können, an, das ist natürlich auch ein ganz wesentlicher Punkt, aber auch nur eine Ebene von vielen.. man braucht auch eine Gefühl und Gespür für Songwriting und Arrangment, das muß man sich aufbauen, und so wie du schreibst, liesst sich das für mich auch so als ob du dich damit auch sehr viel beschäftigst.. was natürlich sehr gut ist.
    Man ist ständig am beobachten und analyisieren, bekommt eindrücke, das wichtigste ist dabei denke ich, das man diese Eindrücke verinnerlicht, sie zu einem selbst werden, und man dann alles notierte beiseite lässt, und durch diesen Erfahrungsschatz gereift, seine eigene Musik erschafft.

    Des weiteren würde ich den Songschaffungsprozess strikt und ganz klar von dem wie dann der fertige Song zu klingen, trennen.
    Zum einen erstmal in ruhe den Song komponieren und arrangieren das er pfeift, und dann im nächsten Schritt, wenn diese Arbeit gemacht ist, den Song richtig gut und mit viele zum Detail aufnehmen..
    Wenn man diese beiden Punkte vermischt kann das auch funtkionieren, ist aber, meiner Erfahrung nach viel zu viel Arbeit das man sich dabei aufhalst und man wird schnell überfordert und auch demotiviert, man verliert sich in zuviele Details und steht am Ende an.

    Es bringt dir also in deiner Situation nicht viel, wenn du der supertalentiertes Gitarrist wärst, aber keine guten Texte schreiben kannst, die Leute ansprechen, mit denen sie sich zb identifizieren könnem, , oder überhaupt im Songs arrangieren nicht gut bist, eher bringt es dich weiter, wenn du aufmerksam alle Bereiche abdecken kannst, und dich so durchschlägst.. eine guter Song braucht nicht ein megaschnell technisch superschweres shredding solo. ein simpler 3 Akkorde Song kann schon Gänsehaut erzeugen wenn man die richtige Emotion und Stimmung damit schafft :-)

    Wenn du einen Song im Radio hörst der dir gefällt, oder auf CD oder MP3, hörst du immer nur das fertige Produkt, aber hast niemals auch nur eine Spur eine Ahnung davon wieviel Arbeit und Herzblut vom Künstler notwendig war um das zu erreichen, viele machen das auch nicht alleine, es gibt in der Songwriter, es gibt Produzenten und dann noch die Studiomusiker und die Interpreten die das ganze dann Singen, hier wird die Arbeit aufgeteilt und es arbeiten sehr viele Profis zusammen, das ist einfach eine ganz andere Liga, was nicht heisst das man das alleine auch nicht stemmen kann, aber es ist einfach sehr viel Arbeit und damit auch Geduld nötig. ich behaute mal ganz sallop, das viele Bands und Künstler gar nicht so gut klingen würden, hätten sie nicht auch ihren Produzenten gehabt die das ganze Material in Form gebrach, die Talentierten Studiotechniker und Mix-engineers die das ganze dann bei der Aufnahme mit ihrem Können veredelt haben.

    Trotzdem, wichtig ist, diszipliniert zu sein, den Fokus nicht zu verlieren, Spass und Freude daran zu haben, aber vorallem immer weitermachen und dabeiblieben und sich nicht verunsichern lassen.

    Um auf deine letzte Frage zu antworten, das kannst nur du wissen ob es DIR Wert ist?
    Vielleicht ist dein Denkansatz dazu einfach auch ein wenig verkehrt?
    Was ist wenn du dir sagst, ich setze mich jetzt dran und mache die geilste CD die ich mir vorstellen kann? anstelle das du zweifelst.. ich meine, wenn du schon am Anfang das Feuer und die Begeisterung dafür nicht hast, woher soll die dann noch kommen?

    In diesem Schaffungsprozess wirst du vorallem sehr viele Erfahrungen machen, du wirst als Künstler und Songwriter wachsen, und das hilft dir auf deinem Weg, und die zweite CD wird dann eben noch geiler :-)

    Da kann man noch viel ins Detail gehen denke ich mal, aber das war halt mal was mir spontan dazu eingefallen ist.

    und voerest abschliessend bleibt noch zu sagen: der Weg ist das Ziel :-)

    lg
    Chris
     
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  3. DrScythe

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    Erstellt: 24.03.16   #3
    Und getreu diesem Motto habe ich letzten November angefangen meine Songs zu veröffentlichen. Ich spiele etwas länger Gitarre, als ich hier angemeldet bin und schon früh habe ich mich weniger für das technische Spiel interessiert, als für's Songschreiben. Nach vielen Bands inkl. Stilwechseln, zwischendurch angefangen zu singen, wollte ich eben meine angesammelten Werke nicht verkommen lassen. Und nun gibt es nächste Woche schon Song Nr. 6. Ich habe mich dann auch dazu entschieden, das Ganze monatlich auf YouTube zu releasen, inkl. Videos. Das ist aber jetzt einfach eine persönliche Sache.

    Bei jeder einzelnen Spur, bei jedem Wort frage ich mich: ist das gut? Ist das schlechter als der Song vorher? Besser? Was man bis jetzt vielleicht nicht so ganz hört: stilistisch ist das ganze Projekt sehr breit gefächert. D.h. teilweise sind die Songs gar nicht direkt miteinander vergleichbar. Was ich mich nie frage: würde XYZ das so machen? Das interessiert mich nicht die Bohne, denn nach den ganzen Fehlschlägen will ich mich einfach austoben, mein Ding machen. Dazu gehört bei mir dann eben auch die Video-Geschichte und dass ich beim Mischen nicht auf 100% am Limiter hantiere und alles künstlich aufblase. Bei mir ist es so: es muss mir gefallen, niemandem sonst. Ich freue mich extrem, wenn es jemand anderem gefällt (ich freue mich extrem, dass es anderen sogar gut genug gefallen hat, als dass ich in die Endauswahl des Endorsement-Spiels hier kam (Siehe D'Angelico sucht Endorser)). Natürlich nehme ich mir auch Kritik zu Herzen (wenn ich nicht feststelle, dass der Kritiker eigentlich ausschließlich Flamenco spielt und hört...), aber ich würde nie irgendetwas ändern, nur damit es jemandem besser gefällt.

    Es bleibt also die Frage: Willst du eine ganze CD produzieren? Erst mal nur ein paar Songs? Immer als Solo-Ding (gut, Singer-Songwriter ist ja prädestiniert für solo)? Nur Aufnahmen oder auch live?

    Mein Projekt ist da mehr auf den "Weg" ausgelegt. Monat für Monat ein neuer Song (ich habe ja reichlich Vorrat). Monat für Monat etwas besser werden beim Mischen (um dann nach 13 Songs die ersten 13 zu remixen und als Album (ohne CD)). Monat für Monat einfach nur Spaß haben. Und ein bisschen hoffen, dass andere auch Spaß haben.

    Die Selbstzweifel sind halt für jeden etwas anders schätze ich. Wenn du dich fragst, ob der Song anderen gefällt oder ob er nach Künstler XYZ klingt, frage ich mich, ob der Song so wird, wie ich mir das vorstelle und ob ich meiner eigenen Idee und Vorstellung gerecht werde (und ob er stilistisch vielleicht bisher gewonnene Fans verschreckt - das aber aus Neugier, nicht um es zu ändern). Wieder andere versuchen einer Art technischen Anspruch zu genügen, eine gewisse Komplexität als Mindestmaß zu erreichen. Und ganz verzweifelte Naturen legen Wert auf das Geschwafel von Fachmagazinen und wollen gute Reviews...

    Ich persönlich kann dir nur empfehlen: mach einfach. Mit der ganzen (kostenlosen) Software, die es so gibt mal 2-3 Songs aufnehmen und anhören, mal vorzeigen um zu erfahren, was so geht. Dann kannst du selbst auch immer noch schauen, wohin du gehen willst. Für mich waren die ersten Testsongs (Weihnachts-Satiren) einfach nur eine Bestätigung, das mit den richtigen Songs durchzuziehen. Und es macht mir richtig Spaß (bis auf technische Querelen...). Ich mache erstmal weiter - was sich noch ergibt, sehe ich im Verlauf.
     
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  4. mjmueller

    mjmueller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.03.16   #4
    Hallo,

    das ist jetzt sehr banal, aber: die Frage, ob gut oder schlecht, besser oder weniger gut, oder oder oder ... stelle ich mir erst gar nicht.
    Keine Ahnung, ob das bei Dir auch so geht (?) Ob ein Song gut ist oder super-gut oder grottig, kann ich (!) erst sagen, wenn er fertig ist.
    Wie oft schon ist es mir passiert, dass ich eine mäßige Songidee hatte und im Prozess des Ausarbeitens mit der einen oder anderen Idee, ein Detail hier, ein Detail dort oder auch einer Gesangslinie, die ich noch gar nicht im Kopf hatte, auf ein Mal merke: "Hey, korrrääkt!".
    So Momente (Aha-Erlebnis-ähnlich) finde ich richtig gut und das ist es, was ich am Songwriting mag. Ich glaube, man/frau nennt das narrativ.
    Was mich allerdings nicht von gelegentlichen Selbstzweifeln berfreit. Aber so Selbstzweifel sind ein suuuuper Thema für einen Song :D

    Und gar nicht produktiv bzw. gut für Kreativität ist das hier:
    Ja, das verstehe ich, allerdings meine ich damit in eine echt blöde Position zu kommen. Eine "Sei-spontan-Paradoxie": Du kannst nicht spontan sein, wenn Du es willst. Ich (!!!) kann keinen super Song schreiben, weil ich das möchte. Der Song sucht mich (wenn er/sie/es es möchte). Oder, wie Keith Richards mal sagte (sinngemäß): Die Ideen sind alle vorhanden, Du musst nur die richtigen Antennen haben.

    Und auch mal ganz nüchtern bertachtet: Wie viele Songs kennst Du, die Du echt immer wieder so richtig gerne anhörst? Ich höre wirklich schon seeeeeehr lange Musik, aber bei mir sind es vielleicht 50 Songs (habe es nie gezählt). Und ich kenne ... keine Ahnung. Millionen?

    Literarische Idee aus einem Büchlein, das sicher viele kennen: Die neuen Leiden des jungen W. von U. Plenzdorf. Da äussert der Ich-Erzähler den Gedanken, dass jeder, der ein Buch geschrieben hat, davor ganz viele andere Bücher gelesen hat. Also stecken in jedem Buch, was man/frau schreibt, all die Bücher, die es bereits gibt ;)

    Viele Grüße
    Markus
     
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  5. tomy boy

    tomy boy Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.03.16   #5
    Vielen Dank euch, für eure Gedanken dazu! :)
    Hilft mir echt auch weiter und ist interessant zu lesen, wie ihr das seht.

    Ich muss sagen, für mich ist zum einen wie schon gesagt das Ziel, dass man (und andere bestenfalls auch) den Song hören will/wollen, weil er einem selbst/ihnen total gut gefällt. Das Person XY morgens aufsteht und sagt: "Ich will jetzt genau den Song hören!"
    Zum anderen habe ich bei bisherigen Versuchen einen eigenen Song zu kreiren festgestellt, dass ich Anfangs überzeugt von einer Idee war, diese umgesetzt habe, aber ich den Song dann nie wirklich gerne mal gespielt habe. Das heißt, dass ich lieber wieder meine Lieblings-Coversongs zum besten gebe, wenn ich mich mit meiner Gitarre hinsetze. Die Songs die mich berühren und die ich feier. Die selbstkomponierten Stücke zählten dann bisher nie wirklich dazu..Sie haben nicht diese "Magie", oder auch nicht diese tollen Melodien oder was weiß ich..
    Und da habe ich mir gesagt, wenn ich einen Song aufnehmen will, soll er erstmal die Bedingung erfüllen, dass ich mich gerne hinsetz und genau diesen Song spiele!
    Allerdings weiß ich auch nicht, wie realistisch das ist, da es ja nunmal auch Songs gibt, die "live" alleine mit Gitarre als "Lagerfeuersong" quasi nicht so funktionieren, wie vielleicht beim Recording, wo man mehrere Stimmen einbringen kann.
    Also auch das stellt sich in Frage bei mir...

    Im Endeffekt ist es wirklich richtig, dass man einfach machen muss, wie DrScythe schon geschrieben hat! :great:
    Habe mich gestern dann auch hingesetzt und 2 Songideen aufgenommen und mich mit ihnen näher außeinander gesetzt. Und nachdem mir das Ergebnis echt gut gefallen hat, war/bin ich auch richtig euphorisch, aus diesen Songs wirklich etwas zu machen.

    Nur ist es halt so, dass man in einen Song in der Entwicklung, der Verbesserung, dem Texten, der musikalischen Umsetzung, dem Recorden, den Mixen usw. so viel Zeit, Energie und auch Hoffnung rein steckt.. und am Ende hat man 3 Minuten Musik, die einem doch nicht mehr gefallen, einen nicht umhauen, oder doch nicht den erhofften "Zauber" mit sich bringen.

    Aber ja...das gehört wohl dazu..

    Aber ich persönlich frage mich dann halt, ob man diesen "Zauber" auch wirklich erschaffen kann.
    Mal ein blödes Beispiel, aber diese eine Tante, die mit ihrer Gitarre in 1 Std. ihren Song "Die immer lacht" erschaffen hat und gerade durch diesen Electro-Remix mega Erfolge feiert...
    Ja, der Song ist nicht sehr kompliziert und gefällt mir auch nicht besonders gut muss ich sagen. Aber Fakt ist, sie hat es geschafft etwas zu kreieren, was (ob gewollt oder nicht) im Kopf bleibt und vielen Menschen sogar gefällt.
    Hab wie gesagt irgendwo gehört, dass das Ding in 1 Std. fertig war. Also nichts mit Blut und Schweiß. Sie hat einfach nur die richtige Melodie über die richtigen Akkorde gesungen. Und da ist die Magie. Und dann setzt man sich selbst halt hin und steckt Stunden über Stunden in ein Arrangement, um es am Ende selbst nciht mehr gut zu finden/sich nie wieder anzuhören/es nie auf der Gitarre zu spielen.
    Deswegen komme ich da auch zu diesen Selbstzweifeln. Konnte diese Frau was erschaffen, was ich gar nicht hinbekomem? Wie hat die das geschafft? Dabei gehts hier ja jetzt nur um das Songwriting. Dass es mit dem Gesang und dem spielen an sich ähnlich aussieht, ist ja klar.. Aber da denke ich halt immer noch, wie auch exoslime mit der Gänsehaut bei einfachen Songs geschrieben hat, dass es nicht von der Komplexität, der super Technik oder der unnachahmbaren Stimme abhängt, ob ein Song "funktioniert" und etwas magisches hat.
     
  6. Hotspot

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    Erstellt: 26.03.16   #6
    Interessant. Selbstzweifel scheinen ja recht verbreitet zu sein.
    Uff, das ist aber ein ziemlich hoher Anspruch. Würde ich ein wenig zurück schrauben. Weil...man hat es einfach nicht in der Hand. Das liegt alles ausschließlich im Auge des Betrachters.
    Ich weiß gar nicht, bei welchem Song mir das überhaupt mal so ging, dass ich morgens aufstehe und genau den hören will. Sehr selten. Und sehr fluktuierend.

    Selbstzweifel? Klar, andauernd :-)
    Hab mich dran gewöhnt, gehört wohl dazu. Wenn du selbst Songs schreibst und alles in der Hand hältst, ist es schwierig zu sagen "jetzt ist gut".
    Was wirklich hilft: klare Termine setzen. In 2 Tagen ist der Song fertig und aus. Dann kommt der nächste.
     
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  7. mjmueller

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    Erstellt: 26.03.16   #7
    Hallo,
    ich noch mal.
    Nee, ich glaube eben, dass dies nicht geht. Entweder es klappt oder eben nicht. Erzwingen kann man/frau das glaube ich nicht. Es sei denn Du machst so ein Zeug, wie Bohlen. Das ist aber derart austauschbar und eben "konfektioniert" ... das braucht kein Mensch :)

    Wer mag, mal ein kleines Experiment dazu ??? :D
    (Unbedingt zuerst das erste Beipiel hören, sonst geht der Effekt verloren, finde ich)

    Weil ich gerade ganz aktuell daran sitze. Hör doch mal hier rein. Warnung: Die Aufnahmen sind eigentlich nur für mich gemacht. Um die Idee mal festzuhalten. Also ganz schlechte Performance und Qualität. Sorry dafür! Ich nehme den zweiten Schnipsel auch bald wieder raus).
    https://soundcloud.com/mjmueler/scos-p8-2-v01
    Das ist definitiv NICHT sonderlich genial oder von grandioser Kreativität getragen. Aber ich mag es. Jedoch fehlt da noch was. Oder?
    Und dann mal hier rein hören
    https://soundcloud.com/mjmueler/scos-p8-12-v01
    Wie gesagt, das ist nur um die Idee mal festzuhalten. Daher ist der Gesang auch shice, der Text noch naja, peinlich, aber die Kombi der beiden Parts finde ich jetzt echt interessant. Ist noch nicht das "Gelbe von Ei".
    Der gezupfte Anfang ist lässig schon so 5 Jahre in meinem Kopf, hat sich aber bislang noch nie irgendwo einfügen lassen. Der zweite Teil ist noch keine Woche so als Idee vorhanden.

    Was ich damit etwas verdeutlichen möchte ist, dass eine Idee, die im Moment noch nicht zu Dir "spricht", die Grundlage für Deinen ersten Hit sein kann
    (das da oben von mir wird kein Hit - ich habe von DIR gesprochen :) )

    Viele Grüße
    Markus
     
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  8. MOB

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    Erstellt: 28.03.16   #8
    ich habe das bei mir so "geregelt", daß ich einen selbstgeschriebenen song erst dann anderen zeige, wenn ich so weit davon überzeugt bin, daß ich ihn mir selbst kaufen würde, oder eben mein eigener größter davon fan bin. bei auch nur kleinstem zweifel verwerfe ich eine idee wieder als aus meiner eigenen sicht nicht gut genug. auch kann ich es z.b. gar nicht leiden, wenn mir jemand seine songs zeigt, und dabei permanent am kommentieren ist. ist der song nicht gut genug, daß er für sich alleine steht, ist er auch nicht gut genug ihn anderen zu zeigen.

    zu erreichen, daß andere einen eigenen song regelrecht lieben halte ich für nicht planbar. dafür sind einfach die geschmäcker und ansichten über gut und schlecht zu weit gestreut, um da verlässlich darauf hinarbeiten zu können. wirklich nur das machen, wovon man selber überzeugt ist, ehrlich zu sich selber sein, so sehe ich die chancen das zu erreichen noch am höchsten an. erzwingen geht auf alle fälle nicht.

    persönlich hatte ich auch schon das ein oder andere erfolgserlebnis, das mich in meiner art und weise das zu handhaben bestätigt hat. z.b. hat sich bei mir mal ein amerikaner gemeldet, der mir geschrieben hat, daß er einen meiner songs rauf und runter hören würde, weil er ihn einfach innerlich berührt (ja, sowas geht auch bei einem thrash metal song :D). oder der typ, der sich mal bei mir gemeldet hat, weil er einen meiner songs raushören wollte, und bei einem part nicht weitergekommen ist. er hat mich dann gefragt, ob ich ihm sagen könnte, wie ich das spiele. nachdem ich meine kinnlade wieder vom boden aufgesammelt habe, habe ich ihm natürlich sehr gerne weiter geholfen. oder eines der für mich schönsten kommentare, welches nun schon mehrmals in ähnlicher form gekommen ist, ist sinngemäß "deine soli hören sich an, als ob einer zu einem reden würde" oder "ich hab noch nie so schnelle und dabei so gefühlvolle soli gehört".

    egal wie das andere sehen mögen, aber sowas gibt mir doch ungemein selbstvertrauen und zeigt mir, daß ich so falsch mit meiner herangehensweise nicht liegen kann.

    dabei war gerade das veröffentlichen meiner eigenen songs als praktisch solokünstler (in einer band hab ich das nie so extrem empfunden) für mich schon ein verflucht großer stein, den es zu bewegen galt. hab mich auch lange nicht getraut. irgendwann hat dann aber so eine art "scheiß drauf" haltung überhandgenommen, und ich habe einen teil meiner songs im internet veröffentlicht. im nachhinein hat es sich als bereicherung meines lenbens herausgestellt. es ist einfach ein sehr, sehr schönes gefühl annerkennung für etwas zu bekommen, das man mit seinen eigenen händen erschaffen hat.

    auch eine aus meiner sicht wunderschöne geschichte, die sich daraus ergeben hat, und die ich mein leben lang nicht mehr vergessen werde, ist die von dieser soul/bluessängerin aus england. sie hat sich nach hören meiner songs bei mir gemeldet und mich gefragt, ob ich sie für drei monate auf eine tour durch england begleiten möchte. ich mein, ich mach metal. oft sehr thrashig, meist eher schnell und wild. hab sie dann auch gefragt, wie sie auf die idee kommen würde, daß das passen würde. sie meinte dann, daß ihr einfach mein gitarrenspiel und mein vermitteltes feeling unglaublich gut gefallen würde, und sie da überhaupt keine bedenken hat, ob das passen würde. leider konte ich es damals zeitlich nicht einrichten, was ich, auch noch im nachhinein, als sehr schade empfinde. wäre sicherlich eine wunderbare erfahrung geworden, aber ging halt nicht.

    man sieht aber, daß es geht, was der TE sich wünscht. erreicht habe ich diese für mich persönlichen erfolge eben, wie schon beschrieben, durch eine art ehrlichkeit zu mir selbst, nur das zu verwenden, das mich selbst zu 100% überzeugt. aus meiner sicht gibt mir der erfolg recht, daß es der richtige weg war bzw. immer noch ist.

    das soll jetzt wirklich nicht angeberisch oder überheblich rüberkommen (was ich mir durchaus vorstellen könnte). entsteht dieser eindruck, tut es mir leid, weil dem in keinster weise so ist. aber nach lesen des eingangspostes, sind das nunmal die gedanken, die mir dazu durch den kopf sind. es dann auch so hinzuschreiben ist auch nur ne form von ehrlichkeit... ;)

    gruß
     
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  9. Bierpirat

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    Erstellt: 02.04.16   #9
    Tja, schwieriges Thema. Selbstzweifel gehören sicher auch irgendwie dazu. Das muss ja nicht mal was schlechtes sein, sondern eher eine Art Selbstreflektion.

    Ich habe Dutzende Songs, die ich vor Jahren aufgenommen habe, die ich heute schrecklich finde. Damals war es super. Aber einige Sachen gefallen mir auch und bieten sich an, daran zu arbeiten.

    Da steckt auch ein wenig mein "Geheimnis" dahinter: Das Marerial einfach mal eine ganze Weile liegen lassen und dann nochmal objektiv darauf blicken. Da trennt sich, zumindest bei mir, oft die Spreu vom Weizen.


    Feedback von anderen, angefangen vom Bandmitglied bis zum Fremden, ist auch ganz wichtig. Manches pusht einen, manches wirft einen etwas zurück. Aber bei allem gilt: man kann nur daraus lernen.