Wie krank ist das Gesundheitssystem?

von Paranoid, 13.04.08.

  1. Paranoid

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    Erstellt: 13.04.08   #1
    Lübeck-St.Lorenz Nord, Schleswig-Holstein, Deutschland: Praxis eine Arztes.

    Frau Meier sitzt seit drei Stunden im Wartezimmer und hofft, endlich an die Reihe zu kommen, da sie starke Schmerzen hat. Die Tür der Praxis geht auf, ein junger Mann kommt herein und sie bekommt folgenden Dialog mit:

    "Haben Sie ihre Versichertenkarte dabei, Herr Müller?"
    "Nein, ich bin privat versichert."
    "Achso, na dann gehen Sie schonmal rein, der Doktor ist gleich bei Ihnen."

    Tja, Frau Meier hat Pech: Sie ist Kassenpatientin. Herr Müller dagegen ist privat versichert. Während Frau Meier Monate auf einen Termin warten muss, kriegt ihn Herr Müller nach wenigen Tagen und bei akuten Fällen muss sich Herr Müller nicht lange mit warten aufhalten und wenn, steht ihm das eigens für Privatpatienten bereit stehende Wartezimmer dafür zur Verfügung.


    Nach dieser etwas reißerischen Einleitung noch ein paar Sätze von mir:
    Ich studiere Medizin und neulich dachte ich, ich traue meinen Ohren kaum, als mein Professor in der Vorlesung meinte:

    "Und dann heulen die Kassenpatienten Ihnen die Ohren voll, dass sie länger warten müssten als Privatpatienten ... [Kunstpause] ... natürlich müssen die länger warten!"

    Vor wenigen Jahren wäre eine solche Aussage untragbar gewesen, heute ist sowas allgemein anerkannte Realität und wird fleißig betrieben. In Hamburg wird ein neues Krankenhaus errichtet, was nur für die Belange von Privatpatienten zur Verfügung stehen soll, die zusätzlich zu den Leistungen ihrer Versicherung noch kräftig selbst in die Tasche greifen müssen. Ohne privat erbrachte Zusatzleistungen sind nicht einmal mehr Privatpatienten die Könige, aber im Vergleich zu den Kassenpatienten sind sie immer noch deutlich besser dran.

    Gleichzeitig aber kann kaum ein Arzt ohne Privatpatienten überleben, man sieht es ja an der ärztlichen Versorgung in ländlichen Gegenden vor allem im Osten Deutschlands, wo privat Versicherte ungefähr so häufig sind wie Wale in der japanischen See. Dort gibt es immer weniger Ärzte, kaum ein deutscher Mediziner kann sich noch dafür begeistern, nicht nur von 8-20 Uhr Praxisdienst zu schieben, sondern auch noch Nacht- und Wochenenddienste zu machen, um auf dasselbe Gehalt zu kommen wie ein Arbeiter im VW-Werk - der sich dafür allerdings nicht durch 7 Jahre Studium mit anschließender 5-jähriger Facharztausbildung gequält hat.

    Der Ärztestreik - Sind das wirklich existentielle Nöte, die die entthronten Halbgötter in Weiß in den Ausstand getrieben haben oder können sie den Hals nicht voll genug kriegen?

    Krankenpflegepersonal: Ehemals barmherzige Schwestern, die allem weltlichen Besitz entsagten und sich dem Dienst an Gott und dem Menschen verschrieben, heute chronisch unterbezahlte gelbfingrige Nervenbündel, die alleine mit 40 Patienten klar kommen sollen.

    Quo vadis, Deutschland? Kann sich das Land der sozialen Marktwirtschaft, wo sich die Regierung schon für eine Rentenerhöhung um die Hälfte der jährlichen Inflationsrate selbst feiern will und enttäuscht ist, wenn der Rest der Welt nicht zur Party kommt, eine solche Entwicklung leisten? Die Medizin wird gleichzeitig immer leistungsfähiger, die Menschen werden immer älter - doch wer soll sie noch versorgen? Ärzte gehen nach Schweden, Krankenschwestern in die Schweiz, zurück bleiben Hilfskräfte aus den östlichen Ländern der EU. Der SPIEGEL hatte vor ein paar Monaten eine Satire über Deutschland unter dem Bundeskanzler von Pierer, in dem Altersheime nach Polen ausgelagert werden. Von Pierer ist über sich selbst gestürzt, aber wie unrealistisch ist der Rest des Szenarios?
     
  2. Pleasure Seeker

    Pleasure Seeker Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.04.08   #2
    War eine solche Aussage untragbar? Ich war in den 80er und 90er Jahren komplett Privat versichert, heute nur noch bei Krankenhausaufenthalten, Papa der Beamte machte es möglich, aber war schon böse was damals schon "ausgepresst" oder eher sinnlos herausgeröntgt wurde. Besonders krass war es mit dem rosa Schein beim Zivildienst, du wurdest mit Medikamenten, um die ich heute teils betteln muss, zugeballert und kaputttherapiert, einem Zivikollegen hat ein Allgemeinmediziner jeden Monat Blut abgezapft ohne wirklichen Hintergrund :rolleyes:
    Aber Igelleistungen, Medikamentenbesch... (man schaue sich nur einmal die Probleme mit Generika an), die 10€ pro Quartal und obendrein noch 2-5 Monate "Wartezeit", das alles ist toll wenn man gesetzlich versichert ist, inzwischen bin ich auch schon so weit das ich mit der einen oder anderen Geschichte gar nicht mehr zum Arzt gehe, aus Erfahrung und chronischen Geschichten wird man klug.
    Auch wenn man hinter die weißen Kittel blickt und dort teils merkwürdige Gestalten entdeckt die teils wirklich von der Pharmabranche gekauft sind, die Götter in Weiss gibt's noch immer, die trifft man aber selten in eigenen Praxen, eher bei einer OP. Soviel zum Thema "Eigene Meinungen zu Medizinern" ;)

    Die Presse und Politik nannte es vor kurzem noch öffentlich "Medizinermangel, wir haben zu wenige und viele gehen lieber ins Ausland". Die Wahrheit schilderst du hier gerade ;)

    Siehe oben, ich behaupte: Es gibt viele die so sind, eigentlich zu viele, und als Patient ist man wirklich froh mal auf jemanden zu treffen der einen wirklich wieder auf die Beine stellen will, ohne dabei sein möglichst hohes Einkommen im Sinn zu haben. Ich habe z.B. so einen Facharzt, der verschreibt Medikamente die mir keiner sonst verschreiben will (zu teuer, bleibt für die anderen nichts mehr übrigm die üblichen Ausreden wenn das Budget am Ende ist), als gesetzl. Versicherter kann ich jeden Wochentag einfach so, ohne Termin oder Absprache, morgens zur "Sprechstunde" gehen und komme dann meist noch vor so manchem Privatpatienten dran und auch deutlich schneller als wenn ich selbst einen Termin gemacht hätte. Die negativen Seiten davon: Ich muss mir jedes Mal von ihm anhören was für Sauereien man sich in Berlin ausdenkt um ihn zum armen Mann zu machen und ich muss mir fast jedes Mal gezoffe von einzelnen Patienten, teils auch Privaten (die das auch noch großspurig erwähnen), bei der Sprechstundenhilfe anhören weil sie 3-4 Stunden warten müssen und immer noch nicht dran sind :D
    Er ist übrigens, zu allem Überfluss, auch noch ein Vorsitzender einer Ärztevereinigung, total abgemagert und irrsinnig hektisch, kann einem als Patient allerdings egal sein.

    Schon einmal in einem Altenheim gewesen? :rolleyes: Ich sage dir, Krankenhaus ist Erholung dagegen. Dort wird auch geraucht als gäbe es kein Morgen mehr..

    Die Altersheime werden doch bereits ausgelagert, nicht nach Polen, das ist zu teuer, Thailand ist im Trend. Du solltest auch nicht die Hüft-OP Industrie vergessen, es gibt einen Zusammenhang zwischen Kräftemangel in Altersheimen, Bettlegerigkeit von alten Menschen, Oberschenkelhalsbrüchen und Operationssälen.., gleichfalls auch nicht heilenden Wunden und unmengen an Antibiotika die anschließend noch Zivis so entsorgen müssen, dass es der Müllabfuhr nicht auffällt :D ...alles zu Lasten der Kassen, der Beitragszahler und den wirklich Hilfsbedürftigen.

    Bezüglich der Leistungsfähigkeit der Medizin kann man allerdings viel in Frage stellen, chirurgisch sicherlich, aber ich glaube was die Pharmaindustrie in den letzten Jahren auf den Markt gebracht hat oft nicht einmal die Verpackung verdient, wie generell über 70% aller sog. Arzneimittel. Aber was erzähle ich, Mediziner, Pharmaindustrie und Apotheker wollen eben auch "nur" Gewinnmaximierung, die Mediziner sind nur ein kleiner Teil der Kette, wenn auch der Wichtigste, das Bindeglied zum Verbraucher, was hinten herauskommt ist heute in vielen Fällen mehr als fraglich.
    Beispiele: Vogelgrippewahn, Impfwut gegen Gebärmutterhalskrebs (bzw. dessen merkwürdig schnelles Genehmigungsverfahren), hyperaktive Kinder und vieles andere, was mir so früh am morgen nicht mehr einfallen will. ;)
     
  3. topo

    topo HCA Recording Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 15.04.08   #3
    Das ist in der Tat ein sehr komplexes Thema, wenn man mal an die Ursachen Forschung geht. Das ist auch noch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt.

    Hauptursache ist die Deckelung der Arzt- und Zahnarzt Honorare, wenn bestimmte Fallzahlen und/oder Budgets überschritten sind.
    Überschreitet der Arzt diese Grenze (weil einfach mehr Patienten kommen), erhält er kein Geld für die Behandlung. I.d.R. ist diese Grenze nicht einmal vorher bekannt. Sehr häufig kommt es vor, dass der Arzt/Zahnarzt Monate später plötzlich einige zig tausend Euro zurück zahlen muss.
    Die Konsequenz ist, die Ärzte beginnen die Patienten über die Quartale zu verteilen, um möglichst diese Grenze nicht zu überschreiten.
    Ein Orthopäde hier in FFM sagte mir, wenn er nach Ansturm der Patienen behandlen würde (Notfälle ausgenommen), dann könnte er nach 5 Wochen im Quartal die Praxis dichtmachen, weil er dann alle Grenzen überschritten hätte, bzw. die restlichen 7 Wochen, gegen seine Praxiskosten laufend, umsonst behandeln müsste.

    Das schlimme ist, dass man das (ich nenne es mal sozialdemokratische Gesundheitspolitik) alles schon jahrelang aus z.B. aus England uns Skandinavien kannte, sich aber trotzdem Stückchen für Stückchen in die Richtung bewegt hat.

    Der geplante Gesundheitsfonds wird das noch schlimmer machen. Da kann man nur hoffen, dass ganz schnell mehr Ärtze und Zahnärzte in die SPD eintreten (und die Golfplätze verlassen), um etwas mehr Sachvestand in Partei zu bringen.

    Topo :cool:
     
  4. Pleasure Seeker

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    Erstellt: 15.04.08   #4
    Warum SPD? Ich denke Karl Lauterbach hat mehr Fachkompetenz wie bestimmt 80-90% des Bundestages, zumindest öffentlich ist kein solcher Kopf irgend einer anderen Partei bekannt. Er stimmte auch brav gegen die Reform, weil er einer der Wenigen war, die sie , trotz der "Änderungen über Nacht, vor dem Beschluss", noch verstanden haben. :rolleyes: Auf den hört nur niemand, das ist ein Problem.
     
  5. topo

    topo HCA Recording Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 15.04.08   #5
    Karl Lauterbach ist sicherlich einer der wenigen Leute in der SPD die Sachverstand in punkto Gesundheitspolitik haben. Aber er ist imho total ideologisch eingefärbt.

    Ein Arzt oder Zahnarzt muss ihm mal in der Kindheit sehr weh getan haben.;)


    Topo :cool:
     
  6. michaelausS

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    Erstellt: 15.04.08   #6
    Kuck dir ein 3-Welt Land an. Wer nicht von der Familie versorgt wird der krepiert im Straßengraben. 2m weiter ist die Straße auf denen die Luxuxautos rollen.
    Da geht die Reise hin.
     
  7. Localgroover

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    Erstellt: 15.04.08   #7
    Wirklich schlimm und es ist keine Besserung in Sicht. Bsp. privatisierte Kreiskrankenhäuser.. nachdem ich vor etwa zwei Jahren leider einen fürchterlichen Krankenhausaufenthalt hatte kenne ich das Elend. War/bin Kasseneinzahler/-patient und habe nach einer Woche auf eigene Veratwortung den Laden wieder verlassen.

    Ich will nicht im einzelnen aufführen was sich da zutrug aber grob gesagt habe ich wärhrend dieses Aufenthaltens noch den letzten Rest meines Vertrauens in Ärzte und Krankenhäuser verloren :(

    Das unterbezahlte Personal lässt sich von den Chefärzten "durch den Kakao" ziehen und ist demotiviert. Das fängt bei den Stationsärzten an und hört bei der Putztruppe auf... der Chefarzt "sahnt" ab und der Rest schaut "in die Röhre".

    Leute, die privat versichert sind bzw. eine Zusatzversicherung abgeschlossen haben werden eindeutig wesentlich zuvorkommnder behandelt als Kassen-Patienten. Es kam vor, dass die Playstation in einem"Komfort-Zimmer" nicht richtig funktinierte und gleichzeitig das wimmernde Hilferufen aus einem "Standard 6-Bett Zimmer" auf dem Flur zu hören war... jetzt ratet mal was da Priorität hatte... auch der Umgangston ist krass... ich kam mir vor wie in der Kaserne... und wenn sich ein älterer Mensch nicht mehr so gut ausdrücken kann und sich nicht wehren kann ist er verloren. Wenn da keine Angehörigen von aussen helfen bricht die Hölle auf. Oft hat einer mehr als 15 min. nach dem Personal gerufen ohne dass einer kam gescheige denn geholfen wurde. Bei einfachen Sachen haben wir Patienten dann geholfen.

    Man muss sich das mal vorstellen... nachdem ich einen Brief an die Krankenhausverwaltung geschrieben hatte "heizte" wohl der Chefarzt derart "seine Untergebenen" (ist halt sehr hierarchisch im Krankenhaus) an, dass die selbst total verunsichtert waren und mich behandelten wie einen Fürsten. Die anderen Patienten wurden nach wie vor übel behandelt. Sehr traurig. Die einzigen Leute dort mit positiver Ausstrahlung waren Zivis und Praktikanten.

    Ich könnte einen Roman über diesen Krankenhausaufenthalt schreiben und wahrscheinlich würde dann dieser als Satire veröffentlicht werden.

    lg
     
  8. Paranoid

    Paranoid Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.04.08   #8
    Hm, das war bei mir nicht so. Ich war aber auch während meiner Zivizeit nicht wirklich krank. Die da geschilderte Geschichte war auch nicht unbedingt völlig realitätsfern, ich bin selbst privat versichert (meine Eltern sind Beamte), ein junger Mann, wohne in Lübeck St-Lorenz-Nord und ich komme beim Arzt auch mal etwas schneller dran. Scheisse finde ich das trotzdem.
    Meiner Ansicht nach muss das gesamte Gesundheitssystem in Deutschland umgekrempelt werden. Bei den gesetzlichen Krankenkassen wird weiter herumgespart, weil die nur die chronisch kranken, schlecht verdienenden Patienten haben, während die Privaten aus dem vollen schöpfen können, nur gut verdienende, gesundheitlich nachweislich besser da stehende Patienten haben und dann besitzen die privaten Krankenkassen auch noch die Frechheit, zu behaupten, sie wären für die Sicherung des Gesundheitssystems zuständig ... :screwy:

    Untragbar war die Aussage nicht aufgrund der Realitäten, sondern weil man nicht darüber geredet hat. Dass das mittlerweile anders ist, halte ich für eine ziemlich erschreckende Entwicklung.

    Ich war schon in genug Altersheimen. Jetzt nicht gerade in Thailand, aber die deutschen Altenpfleger, die ich so gesehen habe, fand ich weniger gestresst als ihre Kollegen in den Krankenhäusern. Aber vielleicht habe ich auch nur die entspannten Exemplare erlebt. Ich denke, letztendlich nimmt sich beides nichts: Miese Bezahlung bei schlechten Arbeitszeiten, riesiger Verantwortung und, achtung Wortwitz: beschissenem Tätigkeitsfeld.

    In beiden Ländern liegen die Ärztelöhne mittlerweile weit über deutschem Niveau, in beide Länder emigrieren deutsche Ärzte sehr gerne. Wer weiß, wo die Krankenhausärzte in Deutschland in zwanzig Jahren herkommen. Welche aus den Osteuropäischen Ländern gibt es jetzt schon genug, vielleicht dann aus Thailand? Oder noch besser, Ärzte made in Taiwan!
     
  9. Pleasure Seeker

    Pleasure Seeker Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.04.08   #9
    Ich sag's mal so, es kommt auf den Arzt an, bei dem man als Zivi landet, unser "Allgemeinmed.", vom Chef vorgeschrieben, hatte sehr offensichtlich nicht viel Kundschaft, also wurde zugeschlagen. Er war dabei zwar immer nett, schrieb uns auch ohne Probleme ohne wirkliche Gründe mal ne Woche krank (bei den Arbeitsbedingungen teilweise auch wirklich nötig..) aber was er mir alleine an Medikamenten verschrieb, obwohl z.B. meine Füße nur mal 4 Tage Ruhe brauchten.. unglaublich, solche fragwürdigen Schmerzmittel geben die einem nicht einmal im Krankenhaus, benutzt habe ich sie nicht.
    Da ich einige Organleiden habe musste ich auch zum Facharzt, es wurde gleichsam brav von dessen Frau geröntgt, als wäre ich noch privat versichert :D Seitdem ich gesetzl. bin, weiss ich das bei einer Röntgensession mit Kontrastmittel auch 3-5 Aufnahmen reichen, und 40-80 beileibe keinen tieferen Sinn machen, wenn man danach sowieso zum Radiologen geschickt wird.

    Ich bin noch nicht einmal für totale Umkrempelung, im Grunde funktioniert es noch immer besser als woanders, aber ich wäre mal dafür die faulen Zähne darin zu ziehen, Pharmariesen in die Schranken zu Weisen, Ärzten klare Auflagen zu machen ( z.B. was das behandeln von gesetzl. Versicherten oder den Umgang mit der Pharmaindustrie betrifft, und sie im Gegenzug richtig für gute Leistungen zu entlohnen, ohne den heutigen Papierkram). Beim Patienten und Arzt müsste es ein Bonussystem geben was Prävention belohnt, in welcher Form auch immer, aber ohne die merkwürdige Vetternwirtschaft zwischen KK, Apotheken Pharmariesen und Medizinern des heutigen Bonusmodells.
    Altenheime würde ich ebenso direkt mit einbeziehen, wer Leute in Betten vergammeln lässt sollte als "Dienstleister" entsprechend an Krankenhausaufenthalten und Medikamenten mitzahlen müssen. Das alles müsste über ein Kontrollsystem laufen, eine Anti-Korruptionszentrale für das Gesundheitswesen.. z.B.

    Mal ein treffendes Beispiel, heute stand in der FR ein Artikel über den "Anti -Fett Wahn", was hat uns diesbezüglich die Politik, Lebensmittelindustrie aber auch die Medizin hinters Licht geführt, Milliarden werden wegen des immer dickeren Deutschen verballert und die fehlen anschließend im Gesundheitssystem.

    Warum darf eigentlich die Gesundheitsbranche via APO Umschau (name geändert) die Leute mit Halbwarheiten und von Konzernen finanzierten, nie recht validiertem, Wissen "versorgen" ohne deutlich als Werbung gekennzeichnet zu sein? Hier geht's nicht um Konsumgüter sondern um Gesundheit, dazwischen sollte man klar unterscheiden, per Gesetz.


    Warum? Findest du es falsch das der Sumpf und die Zwei Klassen Medizin wenigstens einmal entdeckt wurden? Oder erschreckt es dich das es überhaupt so ist?

    Wenn du 10 Monate lang jeden Tag in dem Umfeld arbeitest lernst du alles kennen, könnte man Herrn Wallraff vielleicht mal als neues Aufgabenfeld empfehlen ;) Ich war in einem der Besten.., habe auch in anderen zuarbeiten müssen, einer nicht zu kleinen Stadt, und du hast absolut Recht, nur diejenigen die eine ruhige Kugel schieben bleiben dauerhaft in dem Beruf, ohne Spaltung der Wahrnehmung geht das aber nicht wirklich.
    In Thailand kannst du dir für das Geld, was man in Deutschland für einen Heimplatz bezahlt, locker 2-3 Bedienstete, die 24h vor Ort sind, inklusive Haus und Vollpension leisten. Selbst schuld wer sich hier abfertigen lässt, und das noch bei dem Wetter..

    Wir haben zuviele Mediziner in Deutschland, in anbetracht des demographischen Wandels.. zudem sind jene Länder, vielleicht auch noch Irland oder England, inzwischen selbst für normale dt. Handwerker mit Meisterbrief eine wahre Goldgrube, auswandern lohnt, für alle diejenigen die damit klarkommen.
     
  10. Elster79

    Elster79 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.02.09   #10
    Ich grab mal diesen alten Threat wieder aus, aus persönlichem Anlass, ich hoffe ich bin hier auch richtig ;)

    Der Anlass ist folgender: Bei meinem Mann wurde kürzlich (gestern kamen die Ergebnisse, der Verdacht bestand schon länger) Borreliose diagnostiziert. Er hatte unheimliches Glück, wie ich darufhin feststellte, denn häufig wird von den Ärzten, aufgrund von Anweisungen von den Krankenkassen, versucht dieser Diagnose aus dem Weg zu gehen.
    Hier ein Auszug aus dem Borreliosemagazin vom 27.01.2009:

    " Gesundheitspolitik Augsburger Allgemeine Leserbrief am 27. Januar 2009 Artikel: Fehldiagnose „Borreliose“ vom 26.01.2009

    Borreliose-Patienten wegdiskutieren

    Die von Prof. Herzer genannte „Borreliose-Angststörung“ ist genauso eine Verlegenheitsdiagnose wie „Internet-Borreliose“ und „Borreliose-Neurose“. Was lassen sich Ärzte nicht alles einfallen, um sich vor der Auseinandersetzung mit der bakteriellen Zeckeninfektion zu drücken? Merkwürdigerweise ist es nur eine Hand voll von Ärzten, die in einer Art konzertierter Aktion durch Deutschland ziehen, um sich über Borreliose-Patienten lustig zu machen und ihre Arztkollegen zu verunsichern. Wer hat davon einen Vorteil? Die Krankenkassen nur kurzfristig, denn falsch diagnostizierte unbehandelte Patienten erzeugen durch Ärzte-Odyseen ein Vielfaches dessen, was eine adäquate Therapie kosten würde. Auch die Ärzte profitieren davon nicht langfristig, denn Ärzte-Tourismus, wie er bei Borreliose-Patienten auf der Suche nach einer Erklärung für Ihre Beschwerden Gang und Gäbe ist, erzeugt ebenfalls Mehrkosten und schmälert das Gesamtbudget.

    Nutznießer sind die Unfall-Versicherungen, die Berufsgenossenschaften und die Rentenversicherung, denen Patienten mit Chronischer Borreliose als Fass ohne Boden erscheinen mag. Deshalb soll die Chronische Borreliose gar nicht existieren. Weg mit diesen Patienten, die krank und berufsunfähig bald bei Hartz4 landen und aus diesem Loch nie wieder herausfinden. Jedes Jahr vollziehen etliche Patienten Suizid. Ende der Kostenspirale.

    Ähnliche Ereignisse sind auch aus USA zu berichten, wo inzwischen Ärzte und Wissenschaftler entlarvt wurden, dass sie Studien unterschlugen und kritische Kollegen aus ihren Gremien mobbten, um die Chronische Borreliose zu verneinen. Im Staate Connecticut wurde deshalb bereits der Generalstaatsanwalt tätig. Von finanziellen Verflechtungen mit der Versicherungswirtschaft ist die Rede. Ja, so wird ein Schuh daraus.

    Ute Fischer, Geschäftsführerin Borreliose und FSME Bund Deutschland e.V.
    Geschrieben von UteFischer am Dienstag, 27.01.2009 um 20:30"

    Des weiteren wird nicht genügend über die Gefahr informiert, an Borreliose zu erkranken, es wird häufig (zu unrecht) behauptet Chronische Borreliose gibt es nicht, oder es sei unnötig sie zu behandeln:

    "Unrealistisches Bild der Borreliose

    Hier gelangen Sie zur Themenrubrik: Gesundheitspolitik

    Gesundheitspolitik bei Gesundheitspolitikern

    bei den Krankenkassen

    bei den Medien

    12.08.2008. Berlin. Pressekonferenz der Deutschen Borreliose-Gesellschaft e.V. sowie Borreliose und FSME Bund Deutschland e.V. (BFBD) im Haus der Bundespressekonferenz

    1. Die Gesundheitsministerin Ulla Schmidt

    „Wir sind dafür, die Wege zu den Spezialisten zu ebnen“, verkündigte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt im Oktober 2007 im Vorfeld des Kommunalwahlkampfs in Hessen auf Vorhaltungen, dass Borreliosepatienten keine Ärzte fänden. Sie weiß nicht, dass es keine Borreliosespezialisten gibt.

    2. Die Gesetzlichen Krankenkassen

    Sie verweigern ihren Mitgliedern die Kostenübernahme von Borreliosekundigen Privatbehandlern, geben aber offen zu, dass sie auch keine entsprechenden Kassenärzte kennen. (KKH Hanau: “Leider ist es uns auch nicht möglich, Ihnen Vertragsärzte zu benennen, die auf die Behandlung an Borreliose erkrankter Patienten spezialisiert sind.“)

    3. Die BKK (Betriebskrankenkassen Bundesverband)

    Sie präsentierte im Juni 2008 eine Studie, die beweisen sollte, dass Ärzte positiv gegenüber Selbsthilfegruppen und –organisationen eingestellt seien, unter anderem, weil sie sich dadurch eine Weiterempfehlung an Patienten erhofften. Im Fall der Borreliose läuft dies genau umgekehrt. Ärzte warnen Patienten vor Borreliose-Selbsthilfegruppen, weil man „sich da mehr Symptome aneignen würde, als man vorher hätte“. Außerdem: Ärzte bestellen Borreliose-Informationsmaterial häufig in cognito, damit man sie nicht als an Fortbildung interessiert weiterempfehlen kann.

    4. Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung

    Sie schreibt mitfühlende Briefe, beantwortet aber keine Fragen, die der BFBD an Patientenstelle an sie richtet. Auf ein einziges Expertengespräch vor zwei Jahren folgte nichts.

    5. Die Medien

    Die wenigstens machen sich die Mühe, auf Patientenseite zu recherchieren sondern geben sich mit einzelnen Verlautbarungen (meist auch noch verharmlosender Mediziner) zufrieden. So gibt das Robert Koch-Institut eine jährliche Borreliose Fallzahl von 40 000 bis 80 000 heraus, verschweigt aber, dass diese Zahlen 16 Jahre alt sind. Zwar liest man, dass sich die Zahl der Zecken und Infektionen „auf dem Vormarsch“ befänden, aber kaum ein Journalist hinterfragt, warum dann die Zahlen immer gleich bleiben.

    FSME-Risiko-Gebiete werden dargestellt, als ob man nur dort mit Zecken zu rechnen hätte. Der FSME-Atlas wird plakativ dargestellt, so dass der Schnellleser glaubt, die roten Risikogebiete bezögen sich auf Zeckenplage allgemein. Die ganze Bundesrepublik, die gesamte nördliche Erdkugel müssten rot gekennzeichnet werden, weil man flächendeckend mit Zecken und mit Borreliose rechnen muss.

    Patienten werden lediglich als leidvolle Aufmacher benützt. Die gesundheitspolitische Misere interessiert maximal den Rechercheur, sie fällt aber speziell bei den Funk- und Fernsehmedien mangels informierter Studienredakteure der Zeitfalle zum Opfer.
    Geschrieben von UteFischer am Freitag, 03.10.2008 um 22:41"

    Der Link zu der Site: http://www.borreliosemagazin.de/cms/index.php



    In diesem Gesundheitswesen ist einfach der Wurm drin! Von der Politik ist wohl nichts zu erwarten, kaum einer weiss wirklich, wie es mit unserem Gesundheitswesen bestellt ist und die Betroffenen gehen selten genug an die Öffentlichkeit!

    Greetz Maren
     
  11. saitentsauber

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    Erstellt: 07.03.09   #11
    Ich würde die Texte von Frau Fischer nicht als das Evangelium ansehen. Wer in seinen Texten so viele sprachliche Fehler macht, liegt auch sonst oft daneben (soll nicht heißen, dass sprachlich richtige Texte immer stimmen!). Eine kurze Überprüfung ergibt z.B. Folgendes:
    - Konkret behauptet sie (gegen U. Schmidt gerichtet), dass es keine Borreliosespezialisten gibt. Hier lässt sich nachlesen, dass das nicht stimmt. Es sind zwar wenige, aber es gibt sie.
    - Was sie übers Robert-Koch-Institut schreibt, ist wohl schlicht daneben. Das DGK, das sich aufs RKI bezieht, spricht von 100 000 Neuerkrankungen pro Jahr. Im Epidemiologischen Bulletin 32/ 2005 des RKI werden immerhin 60 000 angegeben. Frau Fischers Formulierung "Fallzahl" wird dem in keiner Weise gerecht.
    Ich kann mir vorstellen, dass Eure Situation schlimm genug ist, aber Panikmache, Halbwahrheiten und Verschwörungstheorien helfen wohl kaum wirklich weiter. In diesem Sinn wünsche ich Dir und Deinem Mann alles Gute!
     
  12. Marc02

    Marc02 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.03.09   #12
    Ich habe vor einigen Tagen ein Backenzahnimplantat bekommen. Insgesamt kostet mich und meine private Zusatzversicherung der Spaß 2300 Euro. 1800 davon zahle ich.

    Die gesetzliche Kasse hatte mir EMPFOHLEN eine Brücke zu nehmen. Wie kann "die Gesundheitskasse" einem jungen Mann im Alter von 24 Jahren dazu RATEN sich zwei gesunde Zähne abschleifen zu lassen, darüber ein Stück Plastik kleben zu lassen und sich drüber freuen, dass sich der Kieferknochen unter der Brücke mangels Beanspruchung zurückbildet ??

    Ein Implantat macht auch absolut keinen Sinn wenn ich im hohen Alter mal ein Gebiss benötigen sollte. Schließlich befinden sich die Backenzähne hinten in der Ecke und somit hätte ich schon mal einen "Dreh- und Angelpunkt".

    Nungut, ich war bereit den differenzbetrag zwischen Krone und Implantat zu zahlen. Aber nein, entweder mache ich mir zwei gesunde Zähne kaputt um einen dritten kaputten wieder heile zu machen und bekomme das bezuschusst oder ich bekomme NICHTS. Als Strafe, die sinnvollere und bessere Lösung gewählt zu haben. Ja, es sieht auch besser aus und diesen unschätzbaren Luxus hätte ich ja bezahlt aber entweder mache ich das zu 100% so wie es der Geldgeber verlangt oder ich bin mein eigener Geldgeber. Möglichkeit Nr. 3 lautet : Ich mache es garnicht.

    Aber hey, in Afrika gehts den Leuten schlechter, in Amerika auch. In der Schule war ich auch immer glücklich über`ne 5 wenn es jemanden gab der`ne 6 hatte.
     
  13. AgentOrange

    AgentOrange Mod Emeritus Ex-Moderator

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    Erstellt: 10.03.09   #13
    Krankenhäuser. Brrrr. Da kriegen mich keine zehn Pferde mehr rein.

    Die erste negative Erfahrung: als mein Vater im Krankenhaus war, 3 Wochen lang nach einer Bypass-OP im zimmer mit 5 halbtoten. Er war froh dass er nach 3 Tagen wieder halbwegs laufen konnte um sich so dem ganzen mehr oder weniger zu entziehen und mit mir oder einem anderen Familienmitglied zu reden.

    Die zweite: ich war selbst eine Woche in so ner Barracke. Wegen schlechten Leberwerten. Den ersten Tag war ich mit einem bettlägrigen ca. 90 Jährigen in einem Zimmer. Geistig topfit, aber körperlich am ende der Fahnenstange angekommen. Er konnte nicht mehr selbst aufs klo, der "Schwester, antanzen!"-knopf funktionierte auch nicht. Ich bin rumgerannt wie ein gestörter, da war aber grad notfall oder sowas und ich hab keinen gefunden. Das Ende vom Lied: Ich habe den guten Mann notdürftig mit ein paar entsprechend behandelten Taschentüchern wieder saubergemacht, seine Bettwäsche genommen und demonstrativ vor der Tür unseres Zimmers platziert. Als dann nach einer halben Stunde eine Schwester reinkam und ich ihr mal "höflich" die letzte Stunde geschildert habe, war sie so klein mit Hut. Danach kam ich auf ein anderes Zimmer.
    Hier war ich mit zwei ca. 40 jährigen Kerls auf einem Zimmer. Die waren richtig klar, das Problem: einer von beiden hat "etwas" geschnarcht (der hatte aufgrund bluthochdrucks schlafstörungen und bekam da kleine Helferlein). Laut genug dass mein Handymikrophon übersteuert hat mit welchem ich versuchte, die infernalischen Donnerschläge zu dokumentieren ;) Die ersten paar stunden konnten der dritte mann im bunde und ich nicht mehr vor Lachen, irgendwann hats genervt. Ich hab mich dann demonstrativ mit meiner Decke raus auf den Gang begeben und auf nem Stuhl geratzt. Irgendwann hat sich eine Schwester (die werd ich nie vergessen, das war eine Woche lang mein Engel in der Nachtschicht :) ) meiner erbarmt und mir so ne kleine Tablette gegeben ;)
    Ab dann habe ich meinen schlafrhythmus auf den Tag verlegt, meine Mutter brachte mir Gottseidank einen laptop und u.a. Jagged Alliance 2. Damit habe ich mir dann immer die Nächte um die Ohren geschlagen.

    Das hätte alles nicht sein müssen, aber es waren einfach viel zu wenige Schwestern und Ärzte für ein viel zu großes KH.

    Übrigens, das ende vom Lied war: Ich hatte eine leicht verfettete Leber. Am abend als ich aus dem Krankenhaus rauskam, habe ich erstmal einen sixer Rothaus geköpft, danach einfach konsequent auf mich und meine Ernährung geachtet und so recht schnell 26kg abgenommen. Ich habe meinen Hausarzt im übrigen gewechselt dessen Idee die ganze Sache war, auch wenn ich jetzt n bissl länger warten muss als die privatpatienten.


    Dritte Erfahrung:

    Ich gehe Berufsbedingt des öfteren in Krankenhäuser. Da kam es bereits vor, dass im Zimmer ein extremer Verwesungsgestank vorherrschte. Der zimmernachbar unseres Patienten hatte einfach einen riesigen decubitus, was sich herausstellte nachdem wir eine schwester und einen arzt gerufen hatten. Den Wutausbruch des Chefarztes hat man glaube ich noch in Vladivostok gehört.


    Die Privatpatient-Kassenpatient schere merke ich aber selbst auch im Betrieb. Wenn ein Kunde anruft und fragt "macht ihr einlagen?" lautet meine erste frage: "sind sie diabetiker?" "nein" "wo sind sie versichert?" "aok" "wenden sie sich bitte daunddahin" . . .

    Die Kassen kürzen alles dermaßen zusammen, dass es sich nicht mehr lohnt diverse Sachen für manche Patienten zu machen. Zumindest nicht wenn mans gescheit macht, Gemurkse gibts bei uns halt nicht. Ist nicht so dass man bei Null rauskommt, man zahlt dann einfach noch drauf!
     
  14. Peegee

    Peegee Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 18.03.09   #14
    Bei meiner Frau wurde vor mittlerweile 4 Wochen eine recht umfangreiche Knie-OP durchgeführt. (Oberschenkelknochen durchgesägt; aus dem Beckenkamm ein Keil herausgesägt und diesen dann zwischen die beiden Oberschenkelknochen-Enden eingesetzt. Mit einigen Schienen und Schrauben alles wieder zusammengesetzt... das volle Verwöhnprogramm)

    Diese ganze OP-Maßnahme wurde bereits im letzten Jahr geplant, aber vorher war halt kein Termin mehr frei.
    Leider hatten wir zwischenzeitlich eine sogenannte Gesundheitsreform und nun stellt sich heraus, dass die gesamte Nachsorge nicht abgesichert ist.
    Die vom Krankenhaus-Professor (dem Facharzt im Großraum schlechthin) direkt verschriebene Motor-Bewegungsschiene, die dafür gedacht ist, das Bein wieder beweglich zu bekommen wurde uns nach 9 Tagen von der Techniker Krankenkasse wieder abgenommen. Begründung: der medizinische Nutzen ist wissenschaftlich nicht erwiesen.
    Tatsache: Meine Frau hat bereits nach 2 Tagen im Krankenhaus schon mit einer solchen Motor-Bewegungsschiene täglich gearbeitet. Am Entlassungstag lag der höchstmögliche Winkel bei 45°. Nach weiteren 9 Tagen zu Hause bei 60°. Fünf Tage nachdem uns diese Raubritter das Teil wieder abgenommen haben, waren wir wieder im Krankenhaus: nur noch 40° !
    Sowohl der OP-Arzt, als auch der Chefarzt und der Orthopäde meiner Frau waren sehr erstaunt bis entsetzt über die Entscheidung der TKK.
    Da bereits auch einige Krankengymnastiken verschrieben waren, wurde auch eine Reha abgelehnt, da erst mal "diese Mittel ausgenützt werden müssen".
    Ich war bereits mehrfach persönlich vorstellig und habe dabei mit einer für mich unfassbaren Willensanstrengung die Ruhe und Höflichkeit behalten. Aber mehr als einen schriftlichen Einspruch aufnehmen war nicht möglich.
    Nun besteht die sehr große Wahrscheinlichkeit, dass meine Frau wieder ins Krankenhaus muss, wo man ihr dann unter Narkose und 2 Schmerzkathedern für die nachfolgenden Schmerzen operativ und quasi unter Gewaltanwendung das Knie "gängig" gemacht wird.

    Mein Hinweis beim KH-Arzt, dass dadurch doch wesentlich höhere Kosten entstehen würden, hat er sehr "desillusioniert" abgewunken und gemeint, dass würde in Kauf genommen, da das unterschiedliche Töpfe sind, die das bezahlen müssen. :eek::mad:

    Bei ihrem letzten Besuch mit zwei Stunden Wartezeit unter sehr starken Schmerzen (sie bekommt bereits Opioide - mehr geht nicht) hat ihr Orthopädie ziemlich deutlich zu verstehen gegeben: "Tut mir leid. Sie sind Kassenpatient. ich kann nicht mehr für sie tun." :weird:

    Über die allgemein bekannte Bevorzugung von Privatpatienten rege ich mich schon lange nicht mehr auf, aber wenn die ärztliche Grundversorgung nicht mehr gegeben ist, frage ich mich doch wofür ich diesen Raubrittern monatlich so viel Geld gebe.

    BTW: wir werden eigentlich von Düsseldorf aus betreut. Die Ablehnung der Kostenübernahme kam allerdings aus Duisburg. Vor ein paar Tagen kam dann auch noch ein Brief aus Schwerin, mit Fragebogen bezüglich des "Unfalls". (Es handelte sich um eine angeborene Fehlstellung)
    Wenn da mindestens drei Sachbearbeiter an einem Fall arbeiten, kann ich mir wiederum gut vorstellen, wo das ganze Geld versackt. :mad:
     
  15. elkulk

    elkulk Bass-Mod & HCA Bass/Elektronik Moderator HCA

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    Erstellt: 20.03.09   #15
    Hi Peter,

    wirklich überempfindlich scheinst Du mir nicht zu sein.

    Eher bist Du derzeit offensichtlich der Realität des Gesundheitssystem in Deutschland besonders stark ausgesetzt.

    Eines der Grundprobleme dieses Systems besteht darin, dass auch unter Fachleuten die Erkenntnis bisher nur in Ansätzen vorhanden ist, dass es einerseits für alle Menschen allgemeingültige Grundlagen von Gesundheit und Krankheit gibt, dass aber andererseits die interindividuellen Unterschiede sowohl auf der Seite der Symptome als auch in der Reaktion auf eine Behandlung riesig sein können.

    In der (medizinischen) Wissenschaft entwickelt sich leider erst ganz allmählich die Einsicht, dass es außer dem Geschlecht noch eine immense Anzahl weiterer Faktoren gibt, in denen sich Menschen unterscheiden (können).
    Deshalb beziehen sich die meisten wissenschaftlichen Belege bisher nur auf Mittelwerte und Standardabweichungen (Medikament oder Behandlung A hat sich - im Mittel - um soundsoviel effektiver als B erwiesen).
    Strenggenommen lassen diese wissenschaftlichen Erkenntnisse aber nur Wahrscheinlichkeitsaussagen betreffend eines bestimmten Menschen zu, nach dem Motto:
    "Mit 95%iger Wahrscheinlichkeit wird die Wirkung einer Behandlung C bei Ihnen geringer als mit Behandlung D ausfallen." - Diese Aussage lässt aber den Schluß zu, dass im Einzelfall alles zwischen "Behandlung C wirkt besser als D" bis "Behandlung D wirkt besser als C" möglich ist.

    Aber wenn schon Wissenschaftler das Individuum weitgehend aus dem Auge verloren haben, um wie vieles eher kann das in der öffentlichen "Gesundheitsverwaltung" geschehen.

    Ich kann Dich nur ermutigen, bei Deiner Frau dranzubleiben und zu schauen, was Ihr - notfalls auch unter Einsatz Eures privaten Geldes - für sie erreichen könnt. Das ist zwar mehr als ärgerlich, wird sich aber auf absehbare Zeit nicht grundsätzlich ändern.


    Und noch ein Nachsatz zur privaten Krankenversicherung:
    Es ist eine Tatsache und auch völlig mit den geltenden Regeln unserer Gesellschaft konform, dass Privatpatienten meistens besser behandelt werden als gesetzlich Krankenversicherte.
    Denn: Ärzte sollen auch im Rahmen der gesetzlichen Krankenversorgung wirtschaftlich denken und nach dieser Forderung ist es nur logisch, dass sie Menschen, bei denen sie ein mehrfaches verdienen können, besser behandeln. :eek:

    Allerdings:
    Glaube nur nicht, dass sich die Sachbearbeiter der privaten Versicherungen und der staatlichen Beihilfe im Einzelfall anders verhalten. Wenn bei Ihnen eine Behandlung nicht als effektiv gilt (s. o.), bekommst Du sie auch als Privatpatient nicht erstattet. :mad:
     
  16. Peegee

    Peegee Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 20.03.09   #16
    Hallo Ullrich,

    danke für deinen Zuspruch. :)
    Das Privatpatienten bevorzugt werden, ist halt so.
    Da rege ich mich aber auch gar nicht drüber auf.
    Wirklich ärgerlich empfinde ich es, dass notwendige Behandlungsmaßnahmen, die im letzten Jahr noch problemlos anerkannt wurden (zumindest von der TKK) nun nach dem "großen Wurf" unserer sogenannten Gesundheitsministerin plötzlich nicht mehr bezahlt werden. Selbst der OP-Arzt hat erstmal ganz schön dumm geguckt.
     
  17. elkulk

    elkulk Bass-Mod & HCA Bass/Elektronik Moderator HCA

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    Erstellt: 20.03.09   #17
    Hi,

    hast Du die TK mal gefragt, was jetzt mit der Motor-Bewegungsschiene, bei der "der medizinische Nutzen ... wissenschaftlich nicht erwiesen [sei] ..." gemacht wird? Landet die jetzt auf dem Müll? - Dann würde ich mich der TKK anbieten, Ihnen diesen Müll zu entsorgen! (vllt hilft bei der TKK ja Sarkasmus weiter).

    Gruß
    Ulrich
     
  18. Peegee

    Peegee Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 20.03.09   #18
    Gegen Sarkusmus sind die völlig immun. Schon probiert :D
    Das Teil gehört einem Sanitätshaus und nicht der TKK.
    Die werden das schon an privat versicherte Patienten los.
    Der nette Herr vom Sanitätshaus meinte, dass es meistens auch einfach auf den zuständigen Sachbearbeiter ankomme. Die hätten ganz einfach Quoten zu erfüllen. Wenn die ihre Quote an abgelehnten Kostenübernahmen bereits erfüllt haben, können die auch mal großzügiger werden. :rolleyes:
    Mag man zwar nicht so recht dran glauben, aber wenn in unserem Gesundheitssystem ein Facharzt für den Preis einer Damenfrisur ( genau 30,11 € ) einen Patienten 3 Monate lang behandeln muss, dann halte ich solche Quoten für durchaus wahrscheinlich.
    (Eigentlich bin ich mir sogar ziemlich sicher)
     
  19. Schweinshaxe

    Schweinshaxe Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 20.03.09   #19
    Ich habe den Großteil meines Lebens(hoffentlich) noch vor mir...
    Kennt ihr ein Land mit "besseren" und "gerechterer" Behandlung?
     
  20. DerZauberer

    DerZauberer Registrierter Benutzer

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    "Besser" geht immer, "besser für all" geht aber wirklich nicht viel besser als in D. "Gerechter" geht es meines Wissens evtl. in Norwegen zu - da hat der Staat viel Ölgeld und kann das Sozialsystem insgesamt ganz gut fördern. Hab eine Freundin da, die als deutsche Zahnärztin seit drei Jahren oder so in Norwegen als staatsangestellte Zahnärztin arbeitet und mit allem extremst zufrieden ist.

    Ansonsten habe ich Gesundheitssysteme in USA, Kanada, England, Australien und Spanien erlebt - und mal ehrlich, so schlecht geht's uns in D halt immer noch nicht...