Wissenschaftsgeschichtslosigkeit

von Heike, 24.07.08.

  1. Heike

    Heike HCA Bass Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 24.07.08   #1
    Humanities and its discontents -? :( Ein unleckerer Magenbitter für alle dem Bildungssystem und akademischen Betrieb gegenüber ohnehin schon kritisch eingestellten: The Chronicle über WiSo ohne Marx, Psychologie ohne Freud, Philosophie ohne Hegel...
     
  2. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 24.07.08   #2
    Nicht nur schulen, sondern auch universitäten können nicht alles lehren, sie müssen eine auswahl treffen, sollten aber zumindest anregungen geben für eigenes forschen. Herausragende persönlichkeiten wie Leonardo da Vinci, Galilei, Mendel, Darwin, Freud haben am rad unseres wissens gedreht, aber die euphorie, der glaube, die rätsel seien gelöst, haben sich verflüchtigt, ihre erkenntnisse müssen verfeinert und die seinerzeit verständliche überschätzung (oder anfeindung) muss maßstabsgerecht neu bewertet werden.
    In den USA und anderswo sieht die weltkarte anders aus, die erwähnten deutschen wissenschaftler und philosophen sind weit weg, und - im vertrauen gesagt - welcher deutsche versteht Hegel oder Heidegger, und wenn noch die sprachbarriere dazukommt - - - -
    Keine lehrender ist frei von ideologie, sei es eigene oder die durch den brotgeber vorgegebene, wo religion im spiel ist, haben Darwin und die rigorosen enzyklopädisten (wer denkt noch an die?) schlechte karten, wo kapitalismus trumpf ist, wird es finster um Marx. Aber es ist ein irrglaube, wissen und bildung erlange man in einer schule oder universität, dafür ist jeder selbst verantwortlich, auch wenn es kein prüfungsfach ist.
    Wenn ich heute all die after-wissenschaftler höre, die politik- und wirtschaftsprofessoren, die immer das herausbekommen und verkünden, was ihr geldgeber hören möchte, höre ich die nachtigall laut trapsen.
    Künftig wird sich die politik rat holen von der "Leopoldina", der deutschen akademie der naturforscher in Halle, wer glaubt's?
    Vieles könnte (mit wissenschaftlichen methoden) optimiert werden, hörte man zu, aber was ist in einem parlament von berufspolitikern, advokaten und beamten und deren partikularinteressen "mehrheitsfähig"?
    Wer die sendung gesehen hat "Wie US-amerikanische präsidenten lügen", oder es auch so wusste, lässt jede hoffnung fahren.
     
  3. Heike

    Heike Threadersteller HCA Bass Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 24.07.08   #3
    Das hab' ich so ähnlich auch in 3D von einer MdB auf einem Symposium gehört, auf das man mich aus irgendeinem unerfindlichen Grunde gleich mit dazu gesetzt hatte :(

    Auch entschiedenes Ja dazu, die Bildung in die eigene Hand zu nehmen. Hab' ich nicht anders gehalten, teils aus Überzeugung, teils weil's gar nicht anders ging...
     
  4. EDE-WOLF

    EDE-WOLF HCA Bass/PA/Boxenbau HCA

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    Erstellt: 25.07.08   #4
    ich finde günters post sagt so gut wie alles....


    ich finde es erschreckend, dass wirtschaftsstudiengänge inzwischen frei von ejder moralischen bewertung sind...

    es geht nur noch ums rein deskriptive und nicht mehr darum kritisch mit zuständen und prozessen umzugehen...
    gerade deshalb sind die leute die da rauskommen ja absolute lachnummern.

    Daher bin ich auch ABSOLUT ÜBERZEUGTER gegner von Hochschulsponsoring durch die wirtschaft. Das würde nur unweigerlich dazu führen, dass noch unkritischer mit unserem system umgegangen wird...
     
  5. pablovschby

    pablovschby Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.07.08   #5
    Es ist ja nur schon lachhaft, dass so etwas überhaupt gelehrt wird.
    Ich hatte Philosophie und es schreckte mich wirklich ab. Das, was man mir versuchte, zu lehren, war reine Mathe, Physik, Chemie... Man lernt Grundregeln kennen, die man anwendet. Völlig paradox. Wer mehr übt, kriegt bessere Noten. Wer wenig übt, kriegt die Schlechteren. Philosophie, wie es an der Uni gelehrt wird, ist praktisch nur noch Mathe. Jeder Trottel kann das. Üben und immer schön machen, was der Lehrer sagt wie er es sagt und gut ist. Das Schwierigste fand ich immer, meine eigene Meinung hinten anstehen zu lassen... aber das war dann auch schnell eingeübt. In Mathe macht mans halt automatisch...

    Aber die Philosophie findet eben im Leben statt. Und da kackt mal gleich mehr als 50% aller Studierten, Professoren und Doktoren heftigst ab.

    Was soll mir ein Philosophielehrer über Platon´s Mässigung erzählen, wenn der bis zu seinem 50.Lebensjahr immer noch nicht gecheckt hat, dass man solche Dinge im eigenen Leben anwenden sollte... denn nirgens sonst ist es dir wichtig, kommt es dir besser. Aber nein, der Lehrer, der hat einfach Philosophie studiert und lehrt das seit 25 Jahren. Der hinterfragt das doch nicht, nein. Gehts noch? Der ist ja nur Lehrer....

    ...ja, sogar ein Philosophielehrer. Himmeltraurig.

    Sokrates lehrte Armen auf der Strasse. Er schrieb nix auf (laut Platon) und letztlich wurde er getötet (Entscheid der Polis Athen...). Was sagt uns das? Hmm... Oder, wenn wir bedenken, dass das eine oder andere Jahr mittlerweile vergangen ist, seitdem Platon über ihn berichtet hatte: Was könnte uns das sagen?

    Those who die are justified.
    Rage against the machine


    Richtig gesagt:

    "Man hörte zu..."

    Ich erweitere mal:

    "Man tolerierte andere Meinungen, man machte Kompromisse mit Andersdenkenden. Man diskutierte mit Anderen...usw...".


    Oder auch ganz aktuell:

    "Man liesse sich nicht von persönlichen Emotionen zu Entscheidungen drängen..."
    "Man entschiede unvoreingenommen....oder eben, da wir ja alle Menschen sind: möglichst unvoreingenommen..."


    MUAH MUAH :great::cool:


    Geht doch studieren, I live and learn :D


    Nur so nebenbei: IMHO sind alle Wissenschaften an eine Zeit und damit an die Geschichte gebunden. Sogar Mathe, auch wenn es mir bisher noch nicht gelang, dies zu beweisen ;) . Ist auch nicht sooooo einfach (die Axiome funktionierten bisher immer). Aber auch der grösste Mathematiker sollte sich vom philosophischen Standpunkt her stets bewusst sein, dass auch Mathematik nur ein Modell ist, das es uns erleichtert, Phänomene zu erklären. Dies drückt implizit aus, dass die Wissenschaft an etwas gebunden ist. Dieses Etwas sind hier unsere Sinne (oder: wir hinter unseren Sinnen) und wir orientieren uns nunmal u.a. an der Zeit.
     
  6. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 25.07.08   #6
    Es ist mit der philosophie wie mit dem lehrfach komposition: dir wird gezeigt, was andere gedacht oder gemacht haben, und dann musst du selber denken oder deine ideen realisieren.
     
  7. MatthiasT

    MatthiasT Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.07.08   #7
    Ich frag mich gerade wie Mathematikunterricht aussieht, dass jeder Trottel es mit üben schaffen kann. Scheint in dem Fall wirklich nur Auswendiglernen und wenig Kreativität zu sein... ;)
    Nebenbei legt die Beschäftigung mit Mathe und Informatik (im Sinne von Lehre der Informationen, nicht unbedingt programmieren) eine sehr gute Basis für alles, was in irgendeiner Weise mit Logik zu tun hat.

    Nebenbei halte ich die Drittmittelförderung für recht gut. Es gibt durchaus Studiengänge die nicht völlig in der leeren Luft agieren, sondern auch einen Praxisbezug anstreben. Und da sind Kooperationen unabdingbar. Nicht jede Uni kann beispielsweise sich einen eigenen Reinraum anschaffen (soweit ich weiß sogar keine) um die Prozessoren die sie entwickeln auch zu braten.
    Viele Dinge gehen halt nur wenn sie mit dem realen Leben verbunden sind, und da sind Verbindungen mit den Menschen die das anwenden was man an der Uni lernt nicht verkehrt.
    Das mag so mancher Philosoph anders sehen, aber bei denen wundere ich mich sowieso in welchen Spähren sie herumschweben. Vielleicht sind die auch nur angepisst, weil sich niemand so recht für das interessiert was die tun. ;)
     
  8. Quir

    Quir Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.07.08   #8
    Ich denke nicht, dass gerade du die Autorität hast, zu entscheiden, welche Akademiker "Lachnummern" zu seien habe... :rolleyes:
     
  9. EDE-WOLF

    EDE-WOLF HCA Bass/PA/Boxenbau HCA

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    Erstellt: 25.07.08   #9
    :):).....

    ohh da haste aber nochmal editiert...

    nee stimmt das hab ich im grunde nicht allgemeingültig zu entscheiden...


    also quir. obwohl du das jetzt gelöscht hast möchte ich ganz kurz auf ein paar vpn gs. these hinweisen:

    ich behaupte mal er geht dassvon aus dass hier der kapitalismus trumpf ist...


    die tendenz dieser aussage geht in meine richtung, in der ich behaupte, dass wirtschaftsfinanzierte universitäten sehr schnell "marionetten" heranziehen...


    günter sagt das nicht expliziet.. aber das ist MEINE erweiterung hinter der ich auch stehe


    dass mein erster teil natürlich ein rundumschlag ist, ist mir bewusst... dennoch halte ich die tendenz für gegeben nicht 100% aller wirtschaftsstudenten/professoren sind lachnummern....

    aber ich habe inzwischen leider gottes 4 freunde, die im bereich wirtschaft studieren, und auf die fragen welchen stellen wert ethik und dergleichen haben antworten 3 von ihnen: "einen sehr geringen stellenwert, aber darum gehts doch auch nicht oder" und einer sagt:
    "DIe professoren sind weitestgehend zum kotzen, die leute sind zum kotzen und die frage des "sollte es so sein" oder "wie macht man es systematisch besser" wird gar nicht erst gestellt!"
     
  10. pablovschby

    pablovschby Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.07.08   #10
    Ich weiss, siehe mein obenstehender Post, steht ja alles drin.

    Es ist halt ein Schulfach. Man kann hingehen, machen, was der Lehrer sagt und man bekommt gute Noten. Nichts Besonderes. Wäre das wirklich Philosophie, wäre es tatsächlich ein Armutszeugnis. Aber man merkt im Leben jeden Tag, dass eben das Andere, dass eigentlich auch noch Philosophie (oder je nach Auslegung die einzige Philosophie) ist, für viele Philosophiestudenten und generell für alle etwas Wichtiges wäre.
    Nennen wir es Logik. Uni-Philosophie basiert auf ihr und es ist wie Mathe. Man lernt etwas und macht, was einem gesagt wird. Man übt mehr und die Noten werden besser. Man übt weniger und die Noten werden schlechter. Ganz normal und eigentlich überall gleich. Auch in der Philosophie imho.

    Kann man sich auch einreden, geht auch. Der Mensch geht immer den einfachsten Weg. Viel Spass dabei :D

    (Oder andere Möglichkeit: Quellen, Zitate vorbringen, Interpretationen kommunizieren, Gespräche führen, öffnen und irgendwann verstehen.... aber eben: Da müsste man sich anstrengen, Da müsste man dann Philosophiebücher lesen, Da müsste man sich im Grossen und Ganzen mit dem Thema befassen. Das wäre dir zu anstrengend, oder? Dann eben, viel Spass mit Punkt 1: Einfach sich selbst Ungewisses einreden ein Leben lang. Geht auch, machen viele... funktioniert für die Meisten sogar bis zum Tod...)

    Und dies wäre gar nicht so schlimm, denn ich mache es manchmal auch mit Themen, von denen ich einfach keine Ahnnung haben will. ABER: Ich halte mich dann raus und sage: "Es ist nicht mein Gebiet, ich weiss zu wenig davon, um hier zu urteilen.".

    Doch wer sich nicht mit Philosophie befasst und dann gross anzutraben kommt und meint: "Das sind doch alles...." oder "Die sind doch..." oder "Kranke Leute, diese Philosophen, ..."... usw...

    DAS ist dann ein Armutszeugnis.

    Es braucht manchmal etliche Versuche, Interpretationen und Deutungen vorzunehmen. Das sollte man immer sehr sachte angehen. Also erstmal nicht so wie der da: :bang:
    Dann, ok, vlt. bischen beten, wenns dir hilft: :hail:
    Lesen: :rulez: (hatte kein passenden Smiley...nur die Bücher)
    Nichts checken: :bang: (ab und an wird es vorkommen, auch wenn nicht sehr effizient)
    Wieder Lesen :rulez: (hatte kein passenden Smiley...nur die Bücher)
    Und IRGENDWANN... : :great: :cool:

    Na? Schonmal Nietzsche gelesen?
    Nein, die hat er nicht, aber nicht nur er hat die nicht. Die hat eigentlich niemand... . Und trotzdem ist etwas Wahres an dieser Behauptung. Ich habe es ja schon in meinem Post oben beschrieben. Es ist ein Witz. Ich war ja selbst an der Uni und was da für Leute Philosophie abgeschlossen haben. Es ist einfach ein Esel-Dasein. Ein Ich-Tu-Was-Man-Mir-Sagt. Das kann doch jeder, der ein bischen Denken kann. Je mehr geübt wird, umso höher die Noten.

    Aber das Hinterfragen kann man nicht lernen. Und das Sinnieren auch nicht. Gewisse Menschen brauchen ihr Leben lang alles zuerst vorgekaut, bevor sie wagen, dies zu denken. Und andere Menschen denken endlos lang, ohne dass man sie aufmerksam macht auf Umstände und co. .

    Und denen muss man dann weniger erklären. Das ist ein Vorteil. :D

    Ach, ihr seid doch. Schreibt mal was in meinem Hooligan-Thread, BÜDDE :rolleyes:
     
  11. Cornholio

    Cornholio Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.07.08   #11
    Schopenhauer meinte, seit Kant trete die deutsche Philosophie an der Stelle - und damit war Hegel gemeint. :)
    Was meine Meinung angeht, würde ich ihn auch nicht "vermissen", wenn ich denn schon über meine Überzeugung ein Fach studieren würde, wo meine Meinung kollidieren kann und würde. In etwa streng reduktionistischen Naturwissenschaftlichen muss man kein Rückgrat zum brechen zeigen, oder irgendwelche Unterdrückungszustände haben.
    Wenn es darum geht, dass etwa wie von Ede-Wolf im universitären Bereich Wirtschaft Ethik keinen Stellenwert hat, oder generell um die Tendenz, dass Studienfächer frei von Moral und ohne/ mit verfallendem historischen Background unterrichtet werden - nun, Studenten sind vergleichshalber nicht die unaktivsten, wenn es darum geht, außerhalb des Hörsaals eine Meinung zu haben, oder gar zu vertreten. Und draußen sind es meistens sowieso eher Vorzeigelinke.
    Ich glaube, aus Nietzsche schöpft man wie von ihm gewollt am Ende genauso kreativ, wie aus dem alten Testament - Ich finde, was ich suche,
    das hier ist eher Kunst und nicht Wissenschaft, meiner Meinung ein guter Schritt Richtung lebensnah. :)
     
  12. De-loused

    De-loused Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.07.08   #12
    Also ich, der Philosophie studiert (jetzt im vorletztem Semester), dem Fach gegenüber aber mitnichten unkritisch gegenübersteht, muss dir deutlich widersprechen. Ich nehme mal an du hast nicht Philosophie studiert und deine Meinung aus oberflächlichen Vorurteilen zusammengebastelt. Ich kann natürlich nur von meinen (sicherlich beschränkten) Erfahrungen berichten, aber in der Philosophie kann man eine Menge lernen, was allerdings in großem Maße von einem selbst abhängt, wie es aber überall ist (auch in der Schule z.B.). Zu dem Esel-Dasein: die Grundfrage ist doch, was eine Universität den Leuten beibringen soll. Man kann sich zweifelsohne durch die Philosophie recht unreflektiert und mit möglichst geringem Aufwand durchmogeln, aber das ist kein Problem der Philosophie, sondern der Organisation der Universität, denn in jedem Fach geht das. Außerdem stimmt deine Aussage in zweierlei Hinsicht nicht:
    1. baut die angelsächsische Analytische Philosophie, die heute auf dem Vormarsch ist, zwar auf der Sprachphilosophie bzw. der Logik auf, aber in kaum einem anderen Fach ist es den Studenten in dem Maße freigestellt sich thematisch mit dem zu befassen was sie interessiert, und so kann man auch Deutsche , Französische Philosophie oder die antiken Klassiker studieren, ohne mehr als 1-2 Kurse Logik zu machen.
    2. geht es in kaum einem anderem Studiengang so wenig um stures Lernen wie in der Philosophie. Ich habe Physik studiert, da wurden jede Woche Tests geschrieben. Ich kenne Leute die hoch angesehene Fächer wie Medizin oder Wirtschaftspsychologie studieren, und die kriegen zum Studiumsbeginn völlig sinnfreie Lernklausuren im Wochentakt am Ende des Semesters, wo 500-Seiten-Bücher gepaukt werden müssen. Das wird nur gemacht, um die Motivation zu testen und Studenten auszusieben, also Fachlich nahezu unrelevant, da man fasst alles nach einer Wocher wieder vergessen hat. Das kann wirklich jeder, der die Motivation dafür hat. In der Philosophie gibt es das jedoch überhaupt nicht (was man auch bemängeln könnte;)), von daher verstehe ich deinen Punkt nicht. Und Übung soll (so habe ichs gehört) bei der Herausbildung von Fähigkeiten, die man nicht hat, aber noch erwerben möchte, durchaus ein probates Mittel sein. Was schlägst du denn als Alternative vor?
     
  13. walking gills

    walking gills Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.07.08   #13
    [edit]: zu viel ot
     
  14. MatthiasT

    MatthiasT Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.07.08   #14
    Sag mal, dein Ironiesensoren laufen heute auch eher auf Sparflamme, oder. ;)


    Du scheinst ja sehr genau zu wissen was ich lese und wie ich denke. Herzlichen Glückwunsch zu deinen Hellseherischen Fähigkeiten. Das ist übrigens genau die Einstellung, die ich bei einigen angehenden Philosophie-Knalltüten (ich kenne im großen und ganzen nur die, will das nicht auf alle verallgemeinern) kennen gelernt hab. Diese arrogante Einstellung, dass man nur selber die Ahnung von der Welt hat, dass alle anderen nur von der Wirtschaft gesteuerten Marionetten sind und dumm und unwissend sterben werden - aber dabei nicht beachten dass andere Menschen auch ... Menschen sind und sich auch ihre Gedanken machen.

    Versuch es wirklich mal die Dinge mit ein wenig mehr Humor und Ironie aufzufassen - nur ein laienhafter Rat der in wenigen Philosophiebüchern steht (es sei denn man fasst Terry Prachett als Philosoph auf).;)
    Hab ich da irgendeine Empfindlichkeit getroffen dass ich so einen verbalen Rundumschlag proviziert hab? Wenn, dann tut es mir wirklich leid.

    Ich denke, mit "der da" bin ich gemeint, also antworte ich mal
    Nö danke, bin Atheist.
    Hab ich schon probiert - und eine vierstellige Anzahl von Büchern später hab ich dann gemerkt das Lesen nicht alles ist. Nur ein Medium. So gerne und viel ich selber lese, ich verstehe nicht warum Büchern so eine magische Sonderstellung in der Informationsvermittlung haben, es ist doch nur eine Darbietungsform. Dazu gibt es Wissen, das findet man nicht Büchern, und zudem ist es mit dem Lesen nicht getan.
    Doch hab ich. Insgesammt sehr widersprüchlich, ist halt für jede Meinung der passende Beleg vorhanden. Aber sehr unterhaltsam ist der Kerl allemal. Das war für eine Zeitlang meine Klolektüre.
     
  15. Abyss

    Abyss Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.07.08   #15
    Das habe ich auch in der Schule erfahren, aber ein Gutes hat es ja egal wie sehr ich mich für Philosophie, Literatur, Geschichte und Biologie intressiere, studieren werde ich es nicht. Allgemeinbildung ist Eigenintiative, das hat mit der Schule auch selten korreliert.
    Dass eine Psychologie-Studentin mit der ich mich unterhielt kein C.G. Jung kannte und meine ehemalige frisch aus der Uni kommende Biologielehrerin häufig mit der Antwort kam "Das muss ich nachschlagen", haben mich schon sehr früh fragen lassen lernt man sowas nicht auf der Uni :confused:
    Naja ich bin glücklich, dass ich was elementar Naturwissenschaftliches studieren darf :)

    Die Widersprüchlichkeit ist aber wohl kein Vorwurf ;) und ich bezweifel ob ein guter Christmensch seine Meinung in Nietzsches Schriften belegt findet :D
    Wo wir bei Klolektüre sind noch ein guter Nietzsche zum Abgang:
    Ich misstraue allen Systematikern und gehe ihnen aus dem Weg. Der Wille zum System ist ein Mangel an Rechtschaffenheit
     
  16. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 26.07.08   #16
    Alle systeme vergewaltigen die realität, was nicht passt, wird passend gemacht, und damit der unredlichkeit, zumindest jeder spitzfindigkeit tür und tor geöffnet.
    Als Galilei die monde des Jupiter entdeckte, konnte das nicht sein, denn das von Ptolomäus adoptierte system beruhte auf der zahl sieben, ebensoviel tage, wie Gott einschließlich ruhetag gebraucht hatte. Die bahnen der planeten mussten auch kreisförmig sein, aus ästhetischen gründen, kugelgestalt und kreis waren "schön".
    Wer in klassifikationssystemen keine ausnahmen zulässt, kommt bei zwischenstufen und randerscheinungen in schwierigkeiten, schubfächer gibt es nur in menschlichen hirnen, meist zu pädagogisch/vereinfachenden zwecken.
     
  17. Heike

    Heike Threadersteller HCA Bass Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 26.07.08   #17
    Das mit dem Nachschlagen finde ich nicht so schlimm, wenn man wenigstens weiß, wo man's am besten nachschlägt. Eine Riesenmenge an Details sich ins Hirn zu schaufeln und da auch zu behalten, ist was für Spezialisten, die eben ständig damit arbeiten. Mit sowas mag man Studenten auch nicht überfordern. Hat ja keiner was davon, wenn die sich damit stressen, was nur für die Prüfung zu lernen, und dann vergessen sie's weil sie's doch nicht brauchen.

    Ja, das mit der Psychologie war einer der Ausgangspunkte des Threads. Das finde ich schon bitter. Klar paßt auch mir manches an der Psychoanalyse nicht, etwa sind so viele Vergreifungen an Anthropologica schlichtweg erbärmlich, manchmal werden nur repressive Konventionen analytisch verbrämt wiedergekäut, und in der Praxis stacheln manche Therapeuten auch noch zum agieren (oft delegativ für sich selbst) statt reflektieren an, so daß man sich fragt, wer die aus der Lehranalyse hinaus auf die Menschehit losgelassen hat. Aber dann anzukommen und Verhaltenstherapie, Biochemie oder gar Genetik als bessere Alternative darstellen zu wollen, hat was von maligner Regression :eek: Wenn ich nach Genen für Depression, Schizophrenie etc. suche statt mich darum zu kümmern, warum es meinen Klienten sauschlecht geht, dann sind doch die Patienten besser dran, zuhausezubleiben statt sich auch noch für solche fragwürdigen Forschungen mißbrauchen zu lassen.
     
  18. MatthiasT

    MatthiasT Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.07.08   #18
    Ich sehe das Problem nicht in Systematiken, ich finde es legitim jede nur denkbare Vereinfachung zu treffen - es wäre sogar sehr unpraktikabel und manchmal schlicht und ergreifend falsch unnötige Komplexitätsstufen zu betrachten.

    Beschreibst du jede Oberschwingung und jede Resonanz wenn du ein Stück schreibst? Sicher nicht, denn dann würde man in seinem Leben nie ein Stück fertig bekommen - und selbst dann wäre es noch grob vereinfacht, da noch nicht mal die Bewegung des Mediums Luft ausreichend beschrieben wäre. Noten wären demnach die größte Vergewaltigung der Musik. Es ist trotzdem legitim sie zu nutzen da sie zur Beschreibung ausreichen, auch wenn sie einem gespielten Stück nicht gerecht werden.
    Wenn ich einen Verstärker baue betrachte ich keinen Vorgang auf Quantenebene, auch wenn ich es könnte und sie eine große Rolle spielen. Der Grund: Der ungenaue Ansatz wird der Wirklichkeit soweit gerecht, dass es für meine Zwecke ausreicht.

    Das Problem was du beschreibst liegt nicht an Systematiken an sich, sondern in ihrer falschen Anwendung. Die Kunst besteht darin die richtigen Vereinfachungen zu finden, wohlwissend dass man die Realität nicht abbildet, sondern nur hinreichend beschreibt.
    Auch Galilei hat die Wirklichkeit nur vergewaltigt, wie könnte die simple, mathematische Beschreibung von Ellipsen der Bewegung von solch unvorstellbar großen Massen und der Wechselwirkung der Gravitation (die man bis heute nicht richtig verstanden hat) nur ansatzweise gerecht werden?
    Trotzdem reicht das Modell für viele Anwendungen aus.
    Niemand hat die Realität wirklich erfasst, erst dadurch dass man Systematiken entwirft öffnet man überhaupt erst die Tür um irgendetwas zu verstehen.

    Jeder kommt ins Schleuern wenn er mit Dingen konfrontiert wird, die der eigenen Weltordnung widersprechen. Die Frage ist wie schnell man alte Vorurteile ablegen und neue bilden und wie schnell man andere, ebenfalls unzureichende Modelle, aber ein klein wenig bessere akzeptieren kann. Jemand der die Welt ohne Filter, ohne Vereinfachung und ohne Schubladen betrachtet könnte wäre allerhöchstens wahnsinnig und alles andere als Lebensfähig.
     
  19. Benno _8)

    Benno _8) Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.07.08   #19
    Jeder Naturwissenschaftler lernt schon im Grundstudium, die Fehlerhaftigkeit seiner Erkenntnisse festzustellen. Wahrheit kann pragmatisch oder idealistisch definiert sein, hinterfragbar muß sie immer bleiben.

    Was ist wissenschaftlich unumstößlich? War Nietzsche eher ein Dichter? C. G. Jung ein Esoteriker? Marx ein Utopist? Eigentlich sind sie zu schade, um in Schubladen zu vergammeln.
     
  20. Abyss

    Abyss Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.07.08   #20
    @Günter Sch.: Dein Beitrag hat im Zusammenhang mit den Zitat und dem Thema den Nagel auf den Punkt getroffen :o
    Ich dachte das Zitat geht verloren, aber die Intention wurde besser, als ich sie mit dem Aphorismsus im Kopf hatte, aufgegriffen.
    Ja, es ist durchaus sinnvoll nachzuschlagen, nur sollte man zumindest schon vorher die Dinge eingrenzen und nicht nach einer besonderen Frage, die nicht unbedingt zu den Lerninhalten der Oberstufe gehört, fragend in die Runde schauen und dann nur mit der (zumindest ehrlichen :) ) Antwort ausweichen: Entschuldige, aber das weiß ich nicht, das muss ich nachschlagen.
    Aber um die Lehrerin zu verteidigen, sie ist recht jung und hat weder die Erfahrung und noch Routine, die erlauben könnten vorauszusehen auf was die Frage des Schülers hinaus will (auch ein intressantes Thema: Wie Lehrer Schülerfragen- oder antworten, vor allem wenn sie abstrakter Natur sind, je nach Schüler interpretieren^^).
    Wenn man aber sowas zu oft macht, büßt man als Lehrerin schnell seine Kompentenz ein, weil viele Fragen auch aus zeitlichen Gründen auf der Strecke bleiben.
    Der springende Punkt, aber ist: Ich hatte so kurz einen Einblick in die Methode des Biologiestudiums, vieles wird auswendig gelernt, vieles vielleicht auch wichtiges vergisst man dann wieder, der große Zusammenhang wird oft außer Acht gelassen. Übrigens habe ich den Eindruck nicht nur von der Lehrerin gewonnen, keinne auch paar Biolgiestudenten.
    Mir ist aber klar, dass es bei der hohen Zahl an Interdisziplinarität (vieles davon auch in den naturwissenschaftlichen Fächern anzutreffen) unmöglich ist den Überblick zu behalten, Generalisten kann es unmöglich geben. Aber man sollte schon eine eigenständinge Natur besitzen um sich kritisch hinterfragen zu können, das vermisse ich oftmals und sowas derartiges wissenschaftlich Elemanters geht unter an der Unzahl an Lenrstoff und bleibt "Zeitverschwendung".

    Ja, genau das ist die oft unverstandene Kunst, Systematiken als Vereinfachung, als solche anzusehen was sie ist und sich im Klaren sein, das man vorab (un-)gewisse willkürliche Voraussetzungen getroffen hat.
    In der Naturwissenschaft merkt man sowas mal schneller an der Realität, als in den Realitäten der Geisteswissenschaften ;)