Workshop: Fader flicken

von RaumKlang, 03.08.08.

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. RaumKlang

    RaumKlang Gesperrter Benutzer

    Im Board seit:
    25.11.06
    Zuletzt hier:
    30.01.14
    Beiträge:
    5.210
    Zustimmungen:
    380
    Kekse:
    21.306
    Erstellt: 03.08.08   #1
    Moin moin!

    Wie schon an anderer Stelle angedroht, hier nun der erste der "Tips&Tools" Beiträge.

    Worum gehts?
    Es kommt vor, dass Fader und Potis nach längerem Gebrauch kratzig werden oder einfach nicht mehr sauber laufen. Besonders bei älteren Pulten ist das ein Ärgernis, weil es die passenden Fader unter Umständen einfach nicht mehr als Ersatzteil gibt.
    Auch Getränkeschäden sind oft der Grund für Faderprobleme. Cola und Bier sind wohl so ziemlich das Schlimmste, was man einem Fader antun kann.

    Im hier gezeigten Fall handelt es sich übrigens um ein Allen&Heath SD12-2, das Teil meines persönlichen "Museums" werden soll.
    Das Pult kam vor ca. einem Jahr mit diversen Macken zu mir und wurde an diesem Wochenende komplett aufgearbeitet.
    U.a. hatte sich in den letzten ~30 Jahren einiges an Schmodder und Siff in den Fadern abgelagert, so dass kaum einer davon noch richtig funktionieren konnte.
    Haare, Brötchenkrümel und der ein oder andere Getränkerest gaben dann den Rest.


    Also, los geht's!

    Was wir brauchen

    [​IMG]

    Wie auf dem Bild zu sehen, brauchen wir:
    - Schlitzschraubendreher
    - Pinzette
    - Pinsel
    - Zahnbürste
    - Wattestäbchen
    - Küchenpapier
    - Eine Kunststoffschale
    - Kontaktspray (hier: DeoxIT 5%)
    - Faderlube 100%
    - Potifett (hier: DeoxIT FaderGrease)
    - Druckluft (hier aus der Dose)

    Zuerst mal müssen die Fader natürlich ausgebaut werden.

    An dieser Stelle mal wieder der Hinweis:
    Geräte vor dem Öffnen ausstecken, nicht unter Spannung arbeiten.
    Netzspannung in Elektrogeräten ist gefährlich! U.U. sind auch nach dem Ausschalten noch gefährliche Spannungen vorhanden (Netzteil-Elkos...).



    Öffnen:

    Zum Öffnen der Fader reicht in den meisten Fällen ein Schlitzschraubendreher, um die "Nasen" am Gehäuse aufzudrücken.
    Hierzu legt man den Fader auf die Seite, setzt den Schraubendreher an der ersten Lasche an und drückt sie sanft nach vorne/unten.

    [​IMG]

    Mit etwas Übung geht das ganz fix und zerstörungsfrei :-)
    Eine harte Unterlage (Hartholz) verhindert dabei, dass das Gehäuse nach außen gedrückt wird.

    Bitte merken oder aufzeichnen wie rum das Teil zusammen gehört!
    Normalerweise ist das schon durch die Position der Nasen und der entsprechenden Ausbrüche im Unterteil vorgegeben, aber man weiß ja nie...

    Als nächstes entnimmt man den Schleifer bzw. den kompletten Schlitten.
    Wir haben jetzt 3 Teile: Gehäuseoberteil, Gehäuseunterteil (Platine) und den Schleifer.


    Reinigung

    Alle drei Teile werden jetzt kurz mit Kontaktspray eingesprüht, um Oxide, Siff und Schmand sowie altes verharztes Fett zu lösen.
    Idealerweise legt man die Teile dazu in eine Kunststoffwanne (ich nehme so ein Sortimo-Kästchen) und lässt das Spray eine Weile (ca. 15 Minuten) einwirken.
    Wenn man mehre Fader hat, ist es sinnvoll, die unterschiedlichen Teile jeweils gruppenweise zu "baden".

    Nach der Einwirkzeit werden Schmutz und gelöste Oxidreste mittels Pinsel und - in härteren Fällen - Zahnbürste abgeschrubbt und alle Teile nochmals mit frischem Kontaktspray abgespült.
    Abschließend bläst man die Teile mit Druckluft trocken und legt sie bis zum Zusammenbau auf einem Stück Küchenpapier beiseite.


    Schmieren

    Damit alles wieder glatt läuft und Schleifbahnen, Schleifer und Führungen nicht gleich wieder oxidieren, müssen alle aufeinander reibenden Teile nach der Reinigung neu geschmiert werden. Hier eignet sich besonders gut DeoxIT FaderGrease (oder jedes andere Potifett).
    Wir fangen bei den Gehäuseoberteilen an:

    [​IMG]

    Die Bereiche, auf denen der Schleifer läuft (Seitenteile und Oberseite) werden mittels Wattestäbchen dünn aber flächendeckend mit FaderGrease bestrichen.
    Eine Menge in der Größe zweier Reiskörner sollte ausreichen.

    Weiter geht es mit den Schleifbahnen:

    [​IMG]

    Beide Bahnen werden ebenfalls flächendeckend eingeschmiert, die Randbereiche der Platine nicht vergessen, denn hier sitzt der Schleifer mit seinem Kunststoffteil auf!
    Auch die Enden der Schleifbahnen werden zum Schutz vor Oxidation behandelt.


    Zum Schluß geht es an den Schleifer:

    [​IMG]

    Hier werden die Seiten, die Schleifkontakte selbst, das Gleitplättchen (im Bild links) sowie die Kunststoff-Füßchen (rechts) behandelt.
    Alle diese Teile sind Gleitflächen.


    Zusammenbau

    Wenn alle Teile geschmiert sind, bauen wir den Fader wieder zusammen.
    Dazu setzen wir den Schleifer wieder ins Gehäuseoberteil ein:

    [​IMG]

    Hierbei ist darauf zu achten, dass der Schleifer richtig herum eingebaut wird, damit nachher der richtige Kontakt auf der richtigen Schleifbahn läuft.
    Wie herum das gehört, kann man leicht herausfinden, wenn man das Unterteil passend zum Oberteil hält (Nasen/Nocken) und einfach schaut, auf welcher Seite die Kohlebahn zu liegen kommt. Auf diese Seite gehören die zwei dünneren Schleifkontakte.

    Zum Einsetzen ist eine Pinzette sehr hilfreich, weil das geschmierte Teil ansonsten eher unter dem Tisch als im Gehäuse landet.

    Ist der Schleifer eingesetzt, setzt man das Gehäuseunterteil wieder (richtig herum) auf, legt den Fader wieder auf die Seite und drückt mit dem Schraubendreher die Nasen wieder passend zu:

    [​IMG]

    [​IMG]

    Wenn man den Fader anschließend kopfüber auf die Tischkante legt, kann man die Nasen nochmal nachdrücken, falls sie nicht ganz geschlossen sein sollten.
    Übrigens: Abrutschen tut weh! Also vorsichtig und keine Gewalt anwenden!


    Finale

    Nachdem wir nun alle Fader gereinigt und neu geschmiert haben, bauen wir sie wieder (richtig herum...) ein, löten die Kontakte an der richtigen Stelle an und probieren mal, ob alles satt und sauber läuft.
    In manchen Fällen (so auch beim SD12-2) kann es vorkommen, dass die Fader noch an einigen Stellen krachen. Immerhin sind die hier gezeigten Teile ca. 30 Jahre alt!
    Meistens hilft es dann, einfach einen Spritzer FaderLube 100% von oben durch den Schlitz an die passende Stelle im Fader zu geben und den Schleifer ein paar mal über die krachende Stelle zu schieben.

    In ganz schlimmen Fällen sind die Bahnen einfach mechanisch defekt und absolut ausgelutscht. Damit muß man entweder leben oder den betroffenen Fader austauschen, so fern es Ersatz gibt. Im Falle dieses Pultes habe ich mich entschlossen, mit den zwei irreparablen Stellen einfach zu leben und mich an einem ansonsten wie neu funktionierenden Veteranen zu freuen.

    Die gleiche Behandlung funktioniert übrigens auch für Drehpotis.

    Ich hoffe, das ist vielleicht für einige hilfreich.
     

    Anhänge:

    gefällt mir nicht mehr 8 Person(en) gefällt das
Die Seite wird geladen...

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
mapping