Zusammenspiel Drums / Schlagzeug - Congas

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Liebe Kollegen,

das Zusammenspiel zwischen Congas und Drums in einer Band ist oftmals heikel. Insbesondere die verschiedenen Akzente (Slap/Snare) überlagern sich oft und machen aufgrund der Dynamikaspekte i.d.R. den Congueros zu schaffen.

Ist jemand in dieser Thematik durch Auftrittserfahrung versiert und möchte mal Tipps geben? Es wäre zum Beispiel besonders interessant, welche Congapatterns wie Tumbao, Mozambique, Songo usw am besten zu bestimmten Drumthemen passen und welche nicht. Vielleicht kann jemand von Erfahrungen berichten.

Ein Buch, dass dieses Thema behandelt, ist mir unbekannt. Die von David Garibaldi existierenden Werke (TalkingDrums / TimbaFunk) beschränken sich auf die Herleitung und Verknüpfung traditioneller Rhythmen auf Drums.

Aber was ist mit der Popularmusik? Wie läuft es in Pop, Rock, Funk, Bossa bzw. im Jazz? Kennt jemand passende Literatur dazu? Mir ist lediglich ein Beitrag "Zusammenspiel Congas Schlagzeug" von Ralf Schneider in STICKS 4/1990 Seite 74 bekannt, der aber auch in dieser Frage nicht wirklich hilfreich ist und sich auf ein Batapattern bezieht.

es grüßt

Sonoero
 
Eigenschaft
 
Gutes und interessantes Thema!:great:

AUf die Schnelle nur die Faustregel:
Als conguero eher zwischen den backbeats des Schlagzeugers ("2" u. "4") spielen,
da kommt sonst nix durch.
Wenn ich Zeit habe, schreibe ich mal ein paar Funk-Patterns für Conga auf,
die gut grooven mit dem entsprechenden Drumset-Beat.
 
Perc./Drumset: am einfachsten ist es, sich aus dem Weg zu gehen - bei zwei Egomanen eine Unmöglichkeit...
Bei zwei, die sich mögen, eine Herausforderung! Es kann schon unheimlich grooven, Pattern teils unisono, teils konträr zu spielen, sich die Bälle hin + her zu spielen - das bedeutet aber in der Regel ARBEIT, weil eine gemeinsame Sprache, Rhythmik, Phrasierung gesucht, gefunden und gespielt werden muß. Am besten noch den Bassisten mit ins Boot nehmen.

Es gibt Drummer, die spielen einfach schon ALLES selber, da wird einem an den Perc. die Luft zum Atmen genommen, dann gibt es Minimalisten, die einem gewaltige Freiräume eröffnen, bei erfahrenen Musikern wirds in der Regel irgendwo dazwischen liegen.
Alles andere ist entweder Absprache oder Intuition.
So spannend es ist, mit neuen Drummern zu spielen, entspannter ist es, wenn man weiß, was auf einen zukommt, wie der Andere reagiert.

Ich bin schon viele Jahre mit einem Schlagwerker befreundet und habe unheimlich gerne mit ihm klass. Schlagwerk gespielt, er am Drumset, ich an den Perc. - das ging einfach nicht, wir waren uns immer im Wege, haben oft keinen gemeinsamen Groove gefunden. Nicht so, daß es das Publikum gemerkt hätte, aber Musikern ist das schon aufgefallen.
Die letzten 10 Jahre Perc. in der Big Band habe ich mit einem Minimalisten gespielt, der dazu auch noch ein Timingwunder war - das war eine intuitive Traumbesetzung.

...fast wie im richtigen Leben...:D


noch was zur Dynamik, ich spiele immer so akustisch wie möglich, aber in der Big Band macht das keinen Sinn, man hat ohne Mikrofonierung keinerlein Dynamikmöglichkeiten, keinerlei Reserven. Ähnlich wird es wohl auch bei Pop, Rock, Funk, etc. sein...
ABER: Perc. zu mikrofonieren, das ist ein abendfüllendes Thema und immer irgendwie unbefriedigend.
 
Das kann ich uneingeschränkt genau so bestätigen! Ich spiele zur Zeit in 2 Bands. Eine Funkband, eine Jazzband. Ich habe das Glück, dass in beiden Bands die Drummer mit einem Percussionisten spielen wollen! Das war nicht immer so. In der Jazzband war früher ein Drummer, der sicherlich gut war (in seiner Eigenschaft als Jazzdrummer) aber kein Teamplayer. Der hat alles zugetrommelt was ging. Da war keine Interaktion möglich. Das ging z.T. so weit, dass auch der Rest der Rhythmusgruppe darunter gelitten hat. Von der ersten Probe an mit dem neuen Drummer (der technisch nicht besser ist), war das wie ausgewechselt: schlankeres Spiel, mehr Dynamik, mehr Raum auch für kleine Effekte, kreativeres Spiel, mehr Interpretations- und Improvisationsspielraum und die Rhythmusgruppe fluppt wie ne Eins.

Es ist wichtig, dass beide Seiten aufeinander eingehen und zuhören! Oft ist es so, dass sich der Percussionist nach dem Drummer richten muss, unterordnen muss. So kommt aber nichts Gutes zustande. Wenn es intuitiv nicht klappt, dann muss man sich absprechen.
 
Wenn ich Zeit habe, schreibe ich mal ein paar Funk-Patterns für Conga auf,
die gut grooven mit dem entsprechenden Drumset-Beat.

Wann er wohl Zeit hat? :gruebel:

Congaman, ich bin sehr gespannt auf Deine Grooves... schaufel doch bei Gelegenheit mal was rüber :D



sonoman
 
:gutenmorgen:
Rüberschaufeln?
Auf meiner Schüppe ist zur Zeit eklig viel Arbeit, aber at your service...
Der frühe Vogel fängt den Funk oder so ähnlich.:D
Hier ist mal ne Aufnahme von einem Groove, der universell einsetzbar ist.
Handyaufnahme aus dem Probenraum, im Jammodus ;)

Ist natürlich nix weltbewegend Neues, aber als Sessionrhythmus prima, finde ich.
Aufgeschrieben sähe das Grundpattern ungefähr so aus:
Funkpattern für 2 Congas.jpg

Grundsätzlich passen die Mozambique-Rhythmen auch gut als Funkpatterns.
Aus irgendeinem Lehrwerk kommt dieser (Quelle weiß ich nicht mehr):

Funk a la Mozambique.jpg

Viel Spaß damit und ein schönes Wochenende!
 
Zuletzt bearbeitet:
Schöne Grooves, Congaman, Danke :great:

Ich probiere mal etwas davon zu den Drums aus... wenn Zeit ist... ach ja, Sofortrente wäre gut :cool:

sono
 
Und mal noch eine Anregung: Nate Werth, der Percussionist von SNARKY PUPPY
im Zusammenspiel mit dem 1A-Schlagzeuger(Robert "Sput" Searight) überzeugt mich hier sehr
- die Groove-Maschine, ohne dass sie sich gegenseitig was wegnehmen:



Mal abgesehen davon, dass der Rest dieser Band auch top ist...
 
Geil, der hat ja ganz schön viele Bells dran (ich sehe 3 Cowbells und 1 Agogo, wenn ich mich nicht täusche). Spielt der mit dem Schlagzeuger ne zweite Snare? :eek:

Von den dort verlinkten Videos fand ich die hier vom Zusammenspiel Conga + Schlagzeug noch interessant:



Der konzentriert sich auch mehr auf die Congas (später, nachdem er auf den Batas anfängt).
 
Zuletzt bearbeitet:
Geil, der hat ja ganz schön viele Bells dran (ich sehe 3 Cowbells und 1 Agogo, wenn ich nicht täusche). Spielt der mit dem Schlagzeuger ne zweite Snare? :eek:
Jawohl, das tut er. Schlagzeuger haben ja mitunter auch gerne eine zweite Snare zur Seite.
 
Ja, ist mir bisher nur noch nie bei nem Percussionisten aufgefallen.
 
Außer bei Sambistas, die auf der Caixa (entspricht Snare) spielen,
sieht man es eher selten, das stimmt.
 
Mein erster Beitrag hier im Forum. Mal sehen, ob's klappt.


Ich formuliere meinen Gedanken zu diesem Thema mal als Fragen: Wer findet auch, dass (beinahe) jede populäre Stilrichtung auf der Basis rhythmischer Patterns entstanden ist? Falls ja, warum wird Perkussion zumeist als Applikation gesehen? Ist das vielleicht schon ins Selbstverständnis vieler Perkussionisten, die nicht in Afrika, in der Karibik oder in Brasilien beheimatet sind, übergegangen?
 
Willkommen Zambamba :)

Wer findet auch, dass (beinahe) jede populäre Stilrichtung auf der Basis rhythmischer Patterns entstanden ist?

Der Frage kann man sich kaum durch ein "nein, finde ich nicht" entziehen, sondern das ist wohl so.
Wobei: Was ist populäre Musik? Ein Menuett zu Bachs Zeiten war auch ebenso populär wie der Jive im Swing der 1940er Jahre...
Sei´s drum, mit POP(ulärer)-Musik meint man ja meist eher die Masse an Zuhörern weltweit in einer globalisierten Zeit .

Schwieriger wird es im zweiten Teil:
Falls ja, warum wird Perkussion zumeist als Applikation gesehen?
Weil andere Instrumente im Laufe der Zeit in den Vordergrund gerückt sind?
Weil Musikkulturen verschmolzen sind?
Stichwort Bo Diddley-Rhythmus = 3 - 2 Clave...!
Oder auch, weil man heutzutage in vielen Situationen einfach keine Percussionisten
mehr braucht.. Etc. etc., da gibt es viele Gründe, denke ich.

Ist das vielleicht schon ins Selbstverständnis vieler Perkussionisten, die nicht in Afrika, in der Karibik oder in Brasilien beheimatet sind, übergegangen?
Weiß ich nicht, kann sein. Oder es liegt daran, dass viele Drummer, die einfach gar nicht die Grundlage der "klassischen"
Percussionsinstrumente wie Conga-Bongo-Timbales etc. aus Afrika/Brasilien/Cuba gelernt haben , munter drauflos trommeln,
und dann über schmückendes Beiwerk nicht hinauskommen, um es mal böse zu sagen. Ein Beispiel:
Ich habe mal einen am Drumset begnadeten jungen Mann hoffnungslos scheitern sehen an Bongos (geschweige denn Congas),
er meinte aber das sei doch prima gespielt zu einer Big Band incl. anderem Schlagzeuger.
Nee danke..
 
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Danke fürs Willkommen.

Ich finde ja, dass uns im Vergleich zu den meisten Rhythmuskulturen der Tanz (als herausforderndes oder verpflichtendes Gegenüber) fehlt. Vielem getrommelten Zeugs fehlt das Körperliche. Ich weiß nicht, wie ichs anders ausdrücken könnte.
 
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Meinst Du jetzt einen kulturell gewachsenen Tanz? Hier wird ja durchaus auch zu Musik getanzt, allerdings gibt es keine eigene Tanzkultur und viele Leute haben auch einfach Angst zu tanzen, weil durch Fernsehen, Youtube, usw. gezeigte einstudierte Choreographien einschüchternd wirken und sich kaum jemand traut einfach so frei nach Gefühl zu tanzen ohne einen Tanz stundenlang einstudiert und vorher geprobt zu haben.
 
Vielem getrommelten Zeugs* fehlt das Körperliche.

Hmm... :gruebel:
Das versteh ich nun nicht, den Trommeln IST was Körperliches.

Und ich verstehe nur bedingt, was DU mit Tanz als "herausforderndes oder verpflichtendes Gegenüber" meinst?
Kommunikation mit Hilfe von Bewegung?
Oder vermisst Du die Einheit von Musik und Tanz hierzulande?

_______________
* man sollte es schon Musik nennen, oder? ;)
_______________


Auf jeden Fall driftet das ganz schön vom Thema ab jetzt.:redface:t:
Und wird mir auch etwas zu larmoyant...
 
Ich finde ja, dass uns im Vergleich zu den meisten Rhythmuskulturen der Tanz (als herausforderndes oder verpflichtendes Gegenüber) fehlt. Vielem getrommelten Zeugs fehlt das Körperliche.


Egal ob man es im afrikanischen Kulturkreis oder oder im daraus abgeleiteten karibischen betrachtet, ist es ein wesentliches Merkmal des Trommelns, dass es die Tänzer supporten soll. Die Aufgabe der Quinto auf Kuba ist u.a. speziell... Tänzer zu umspielen oder den Göttern zu dienen. Bei uns wird halt anders getanzt und musiziert. Alles ein Frage des kulturellen Backrounds, oder? Percussion hat sich bei uns (und anderswo) anders entwickelt und es ist auch ok, wenn es z. B. in der Popularmusik einfach nur zum grooven gespielt wird... z.B. zusammen mit nem Drummer.

LG Sono
 
Hey Sono,
das sehe ich auch ähnlich (entspannt) wie Du, es hat sich halt einfach bei "uns" anders entwickelt.
Man nennt es Akkulturation.

Übrigens: Da hast Du ja in Deinem letzten Satz wirklich gut die Kurve gekriegt, sonoero,
und wieder zum Thema zurückgeführt.
 
...Das versteh ich nun nicht, den Trommeln IST was Körperliches ...
bei vielen von uns sicherlich, aber schau Dir doch die vielen junger Drummer an - das ist doch eher Hochleistungssport ohne jeden musikalischen Sinn und Zweck..., vor allem fast ohne Kommunikation.

oder schau Dir die Kinder an, die in der ersten Klasse beim Klatschen die Hände nicht treffen, die LRS-Kinder, die hohe motorische Defizite haben und mühsam lernen müssen, rhythmisch einen Fuß vor den anderen zu setzen.

Ich seh eigentlich auch, daß den Musikern zunehmend das körperliche verloren geht, parallel zu Unfähigkeit überhaupt zu kommunizieren.
 
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