Zwei Klavierfragen

von lucjesuistonpere, 18.08.06.

  1. lucjesuistonpere

    lucjesuistonpere Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.08.06   #1
    Vor kurzem hab ich mir mit meiner Schwester zusammen ein Klavier gekauft. Ist kein sehr gutes, aber ziemlich brauchbar, für 600 € + Transport wars n Schnäppchen. Jetzt hab ich da zwei technische Fragen:

    1) Der Anschlag ist normalerweise recht schwer, bei gedrücktem Pedal aber schön butterweich. Ich habe mal reingeguckt und meiner Theorie nach liegt das daran, daß die Dämpferfilze recht fest gespannt sind, die bei nicht-gedrücktem Pedal ja mitbewegt werden müssen. Kann aber auch einen anderen Grund haben. Gibt es eine Möglichkeit, die Anschlagsschwere anzugleichen, also so, daß der Anschlag bei nicht-gedrücktem Pedal ähnlich leicht ist, wie bei gedrücktem?

    2) An einer Stelle ist der Filz über der Tastatur (ihr wißt schon, der rote - gut, bei mir isser grün) abgegangen. Kann man den irgendwie austauschen?
     
  2. stefan64

    stefan64 HCA Tasten HCA

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    Erstellt: 18.08.06   #2
    Bei mir ist er blau :)
    Da dieser Filz am Deckel angeklebt ist, braucht Du nur den Deckel rausheben und kannst ihn dann einfach ersetzen. So ist's jedenfalls bei meinem....
    ciao,
    Stefan
     
  3. mirGef?llts

    mirGef?llts Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.08.06   #3
    Ähnlich leicht wird nicht gehen. Ich schätze, daß 30% - 50% des Tastenwiderstands unsers (noname) Klaviers bei nichtgedrücktem Pedal auf Kosten der Dämpfer gehen.

    Du kannst versuchen, die Mechanik zu schmieren (Grafitfett z.B.) und zwar die Druckflächen von Dämpferfeder und Dämpferlöffel, gutes Bild gibt's bei Klaviermechanik . Allerdings mußt Du dabei die Mechanik ausbauen um von hinten dranzukommen - nicht sehr knifflig aber stressig, weil teuer wenn kaputtgemacht ;-) Ich hab's ein paar mal mit Klavierbauer zusammen und dann allein gemacht. Ach ja, und um an die Druckseite der Dämpferfeder dranzukommen mußt Du die auch noch aushakeln. Dafür gibt's spezielle Geräte, ich benutze eine entsprechend gebogene (mit Haken versehene) große Büroklammer bei Zugang von vorn bzw. mit "Drucknutbogen" (so wie das kleine griechische mü) versehene bei Zugang von hinten.

    Und wenn Du noch mutiger bist, kannst Du die Dämpferfedern etwas entspannen indem Du die Feder um ein geeignetes Maß überdehnst und damit ihre Spannung verminderst. Aber als ich das versuchte und nachmachte, was ich dem Klavierbauer abguckte, habe ich natürlich gleich bei manchen Tönen übertrieben: dann wird der Ton nach Loslassen der Taste zu schwach gedämpft und klingt zu lange nach - also wieder zurückbiegen. Später sah ich mal sogar ein Meßgerät für die Federkraft - ist also wirklich eine knifflige Sache und ich würd's eher lassen und wenn nötig den Klavierstimmer drum bitten, dem geht's genauer und flotter von der Hand.

    Kann es sein, daß euer Klavier sich ganz normal verhält und Du von Keyboards nur etwas anderes gewohnt bist?

    Wenn DU mehr über die Klaviermechanik wissen willst: bei pian e forte - Musizieren mit dem Klavier gibt's eine 55-Seiten PDF-Datei "Das Spielwerk von Flügeln und Klavieren" und dort steht, daß das Niederdruckgewicht aus genau diesem Grund bei getretenem Pedal gemessen wird.

    Viel Spaß mit eurem Klavier!
    Manfred
     
  4. lucjesuistonpere

    lucjesuistonpere Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.08.06   #4
    Hi du!

    Ich bin von Anfang an Klaviere gewöhnt, die Stagepianos sind erst später dazu gekommen. Ja, es stimmt schon, daß es bei jedem Klavier einen Unterschied gibt zwischen Anschlag mit und mitohne Pedal, aber bei unserem Klavier ist es für meinen Geschmack recht extrem. Die Grotrians z.B., die ich kenne, gehen auch bei nicht-gedrücktem Pedal butterweich.
    So schlimm ist es nicht, ich denk halt nur, daß man das ein wenig optimieren könnte. :)

    Alleine würde ich mich eh nicht dranwagen - ich wollte nur wissen, ob es generell ne Möglichkeit gibt, daß da bei der nächsten Stimmung der Stimmer mal dran rumfuckeln kann. Vielleicht würds auch reichen, die Mechanik insgesamt leichter zu machen, anstatt anzugleichen, geht das?
     
  5. andi85

    andi85 Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 21.08.06   #5
    Da wird ein Klavierbauer sicherlich Mittel und Wege kennen :)
     
  6. mirGef?llts

    mirGef?llts Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 22.08.06   #6
    Hm, also, so ein KLavier funktioniert ja ohne Hilfsenergie, weswegen weniger hineingesteckte Arbeit (Kraft x Weg) prinzipiell in geringerem Schalldruck resultiert, wenn da nicht die Reibung wäre...

    Da gibt's diverse Stellen, bei der Reibung auftritt und standardmäßig auch minimiert wird, z.B. mit Graphitlack. Da könnte man, wenn abgenutzt, nachhelfen, z.B. mit Graphitpuder, Talkum (Empfehlung Klavierbauer) geht wohl auch, überzeugt mich als Ing. aber nicht so sehr, weil's weniger Sauerei macht ;-) . Graphitfett wie im vorigem Posting von mir ist so'ne Sache - bei den Federn hat der Klavierstimmer selbst Fett benutzt, weswegen ich's Dir auch bedenkenlos empfahl. Ich hab's aber in ziemlicher Verzweiflung auch beim Hammernußleder (Tangentialbewegung!) benutzt und halte es für möglich, daß dies in einigen Jahren bei Verharzung Ärger macht...
    Wenn eh demnächst ein Klavierstimmer/-bauer kommt, kannst den ja auch fragen. Wenn Du ein bisserl geschickt bist, geben die Dir auch eine Hausaufgabe, was Du an den 88 Hebeleien treiben könntest. Ist meine Erfahrung und Stimmen finde ich eine edlere (qualifiziertere) Aufgabe.

    So, aber nun zum "prinzipiell leichter machen": Da kann ich Dir einen Tip geben, weil Klavierbauer & ich sich mißverstanden: ich bemängelte sporadische Schwergängigkeit (s. "trommelndes Wanderklavier", Teil 2 evtl. nur bei vioworld), er vermutete geringe Seniorenkräfte (vermute ich mal ;-) , jedenfalls - und jetzt kommt's:

    (Nachtrag: "Vorn" heißt Richtung Spieler, so eingebildet sind wir schon!)

    Klavierbauer hat die drei unteren Auflagepunkte der gesamten Mechanik ca. 5mm nach vorn verlegt. Welche Punkte meine ich? In dem Bild von obigem Posting gibt's links unten einen unbenannten Messingzapfen, der - 'tschuldigung - aussieht wie ein hängender Penis. Die Lager für diese drei Teile sind normalerweise festgeleimt (sagte Klavierbauer), bei mir waren sogar die Schrauben locker, äh unserem Klavier. Diese hat er um 5 mm nach vorn versetzt.

    Das bewirkt mechanisch: die Hebelverhältnisse zwischen Hebeglied und Waagebalken/Tasten sind deutlich anders, man braucht weniger Kraft um die Taste hinabzudrücken, allerdings ist die Hammerbewegung langsamer, der Ton am Ende

    1. leiser. Das hat bei meiner Frau den Eindruck erweckt, als spiele sie "mit angezogener Handbremse".
    2. dumpfer (unser beider Eindruck). Ich halte es für möglich, daß dies auch daran lag, daß nun neue, zunächst weichere Hammer-areale auf die Saiten schlugen, denn dieser Eindruck lies nach.

    Der Klavierbaumeister (nicht der von dem Laden, wo wir das noname kauften) meinte, er hätte nun das Klavier an die Raumgröße angepaßt (ist ca. 2 x 4 m und daher geringere Lautstärke schon OK).

    Mir mißfiel der anfangs dumpfe Klang, nach 6 Wo kam Frauchen mit operierter Bandscheibe wieder heim hat's nochmal probiert (die "angezogene Handbremse", aber der Vergleich fehlte) und ich hatte dann den ursprünglichen Zustand wieder hergestellt - Klang (nun nur noch) bisserl brillianter, das Teil schwerer spielbar (logo, Hebelverhältnisse) und ich fand die Lautstärke der Töne schwerer vorzugeben (was letztlich den Ausschlag für den "vorläufig endgültigen" Rückwechsel zur Modifikation ergab :-) -

    - es gibt halt eine Schwelle zwischen keinTon und leisemTon, die liegt beim Instrument (den einzelnen Tasten, die möglichst gleich reagieren sollten) und in Deinen Fingern (der Kraft, mit der Du möglichst absichtlich kontrolliert und reproduzierbar drückst).

    Die "Auflösung" Lautstärke/Kraft(absicht) ist wichtig für Dein Klavierspiel und deswegen haben wir nun wieder die verschobene, leisere Einstellung vom 2. Klavierbaumeister: Saal-Lautstärke brauchen wir wirklich nicht (aber dafür wurde das Instrument konzipiert!), dafür aber einen Gestaltungsspielraum von lauterAlsKlavierbankKnarzen bis dasVerzeihenUnsUnsereVermieterUmDieseZeitNoch (und die sind tolerant! :-).

    Also: wenn diese Lagerpunkte bei Dir nicht verleimt sind, wär's ein (reversibles) Experiment, sie um 5 mm vorzuverlegen. Und wenn Dir der Klang anfangs zu lumpig vorkommt warte ein paar Wochen und versuche dann den Ausgangszustand.

    Würde mich arg interessieren, was Du/andere bei diesem Experiment erleben. Ich trage mich mit dem Gedanken, eine solche Verstellmöglichkeit der Mechanik patentieren zu lassen, aber bin vielleicht zu träge dazu bzw. habe mehr Spaß am Spielen als an sowas ;-)

    LG
     
  7. lucjesuistonpere

    lucjesuistonpere Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 22.08.06   #7
    Danke für den Tip! Ich werd mal den Klavierstimmer beim nächsten mal fragen, was er davon hält. Von der Lautstärke ist das Klavier momentan in Ordnung.

    Der Punkt ist weniger der Kraftaufwand an sich, um die Taste zu bewegen, sondern diese Schwelle zwischen Leiser-Ton und Kein-Ton, die du beschreibst, welche ich bei meinem Klavier als recht groß empfinde.
     
  8. andi85

    andi85 Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 22.08.06   #8
    Jo, ich kann mir gut vorstellen, dass man da was tun kann.
     
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