Unter Gitarristen gibt es die tollsten Horrorgeschichten über den Shim, die meisten Bassisten stehen dem Shim eher gelassen gegenüber. Dieser Beitrag soll beleuchten was Shims sind, was sie machen, wie man sie einsetzt und nicht zuletzt ob sie wirklich so schlimm sind.

1. Was ist ein Shim?

Das Wort kommt aus dem Englischen und bedeutet soviel wie "Abstandsstück", "Ausgleichsblech" oder "Distanzstück". Manche schreiben das Wort auch "Shimm", die korrekte englische Schreibweise lautet aber "Shim".
Im Instrumentenbau werden Shims aus dünnen Streifen Furnierholz hergestellt. Ein Shim besteht in der Regel aus dem gleichen Material wie der Hals - also aus Ahornfurnier. Ein Shim muss aber nicht unbedingt aus dem gleichen Material wie der Hals bestehen. Man kann auch Furnier einer anderen Holzsorte verwenden. Es ist sogar möglich statt Holz Papp- oder Metallstreifen zu verwenden. Ich habe sogar von einem Fall gehört, bei dem bei einer Fender Telecaster Unterlegscheiben aus Metall zum Einsatz kamen.
Die Dicke (Höhe) eines Shims beträgt meistens zwischen 0,2 und 0,7 mm.



2. Warum gibt es Shim?

Würden alle deutschen Musiker ähnlich hohe Ansprüche an ihre eigene Arbeit in Schule oder Beruf stellen wie sie es an die Fertigungsqualität ihrer Instrumente tun, wäre Deutschland über Jahrhunderte hinweg unschlagbar und unerreichbar für andere Nationen. Wir wären ein Volk von Strebern und pingeligen Perfektionisten.
Doch selbst wenn dies so wäre könnten Shim nötig sein!

Wer keine praktische Ausbildung in Handwerk oder Industrie gemacht hat muss wissen, dass sich in allen Bereichen der Montage Toleranzen ausgleichen, aber auch "negativ addieren" können. Das ist wie ein "Naturgesetz".
Eine Fertigung ohne Toleranzen gibt es grundsätzlich nicht - besonders nicht bei der Fertigung von Teilen aus Holz werden immer Abweichungen vom Idealmaß entstehen. Daher kann es notwendig sein einen Shim einzusetzen um sich "negativ addierende" Fertigungstoleranzen bei der Montage auszugleichen.

Es kann sein, dass der Hals nicht dick / hoch genug ist oder die Halstasche etwas zu tief ausgearbeitet wurde. Winzige Winkelabweichungen beim Fräsen der Auflagefläche am Halsfuß oder der Halstasche im Body können ebenfalls den Einsatz eines Shims notwendig machen.




3. Wie wirkt ein Shim?

In Abbildung 3 sehen wir einen montierten Bass (oder eine montierte Gitarre) im Querschnitt. Wie man sieht (rote Linie) sitzt der Hals so in der Halstasche, dass das Ende des Griffbretts parallel zur Bodyoberkante liegt. Das hat zur Folge, dass der Saitenreiter extrem weit heruntergeschraubt werden muss, damit der Abstand zwischen Saite und Griffbrett nicht zu groß wird. Gleichzeitig muss der Pickup extrem weit hineingeschraubt werden.



In Abbildung 4 wurde ein Shim am Ende der Halstasche eingelegt (vergleiche Abb. 2). Hebt sich der Hals in der Tasche nur um wenige Zehntel Millimeter, kann der Unterschied an der Brücke einen Millimeter und mehr betragen (siehe rote Linie).
Nun kann der Saitenreiter auf die optimale Höhe eingestellt werden. Dadurch vergrößert sich auch der Winkel zwischen Saitenauflage und Saitenbefestigung, was zu mehr Anpressdruck der Saite führt.
Gleichzeitig kann der Pickup etwas weiter herausgeschraubt werden.


4. Wie kann ein dünner Shim solch eine Wirkung haben?

Um die Wirkung eines Shim zu verstehen müssen wir unser Schulwissen der Mittelstufe bemühen. Auch Hauptschüler dürften dieses Thema behandelt haben.
Schauen wir uns eine Halstasche mit Shim an sehen wir, dass der Hals an Punkt (bzw. dreidimensional gesehen Gerade) A aufliegt. Gleichzeitig liegt er an Punkt (Gerade) C auf. Zusammen mit Punkt (Gerade) B ergibt sich ein rechtwinkliges Dreieck (ein Keil). Die Entfernung zwischen A und B nennen wir Länge l1. Die Höhe des Shims (B - C) nennen wir die Höhe h1.



Nehmen wir an, der Shim liegt 80 mm von der Außenkante des Bodys entfernt (l1 = 80 mm) und die Höhe des Shim beträgt 0,4 mm (h1 = 0,4 mm), dann ist das Steigungsverhältnis 200:1. Auf einer Länge von 200 mm steigt der Höhenunterschied also bereits auf einen Millimeter an.

In Skizze 6 und 7 habe ich die Länge vom Auflagepunkt des Halses bis zum Auflagepunkt der Saite auf dem Saitenreiter als l2 bezeichnet. Die Länge vom Beginn der Halstasche (erster Auflagepunkt) bis zum Saitenreiter ist l3.



Beträgt die Länge l3 360 mm und haben wir eine Steigung von 200:1 ergibt ein 0,4 mm Shim also einen Höhenzugewinn von 1,8 mm am Saitenreiter. L3 ist 4,5-mal so lang wie l1. Daher ist h3 auch 4,5-mal so hoch wie die Höhe des Shim.
Grob gerechnet wird der Höhengewinn bei Bässen ungefähr bei Faktor 4 bis 5 liegen. Man kann es sich leicht selbst mit Dreisatz ausrechnen.



5. Der Shim in der Praxis

Wie bereits am Anfang erwähnt, besteht der Shim im Instrumentenbau meist aus Ahornfurnier. Da für die Halstasche einer Gitarre oder eines Basses ein kleines Stück ausreicht, dürfte man so ein Ahornfurnier kostenlos aus der Abfalltonne eines Schreiners / Tischlers bekommen. Wer keinen Schreiner oder Tischler in der Nähe hat, kann aber zur Not auch zu einem Streifen Metall oder sogar Pappe greifen. Besser / fachgerechter wäre jedoch Holzfurnier.

Den ca. 0,2 bis 0,7 mm dicken Shim kann man sich so zurechtschneiden und anrunden, dass er perfekt am hinteren Ende der Halstasche anliegt. Man kann ihn mit etwas Alleskleber in die Tasche fixieren, muss es aber nicht. Von Holzleim würde ich eher abraten, da der Klebstoff lediglich als Verrutschschutz dient. Entfernt man den Hals später wieder, kann man einen perfekt sitzenden Shim aber auch mit Holzleim festkleben.

Nachdem der Shim positioniert ist setzt man den Hals in die Tasche des Bodys und verschraubt alles. Der Anpressdruck der Halsschrauben sorgt dafür, dass Hals und Shim bombenfest sitzen. Den winzigen Spalt der durch die Halskippung entsteht sieht man nicht / kaum.
Hat man die Dicke des Shims vorher richtig berechnet (oder stimmte die Daumenrechnung mit Faktor 4 bis 5) sollte der Steg nun optimal in der Höhe einstellbar sein.

Am besten sollte man die Dicke des Shim vorher ausrechnen, da das Schraubgewinde im Hals bei jedem Lösen und Festziehen leidet. Bei zu häufiger Demontage besteht die Gefahr, dass das Gewinde im Hals irgendwann "ausnudelt".


6. Wie schlimm sind Shim?

Gerade unter Gitarristen werden Horrorgeschichten über den Shim und seine Auswirkungen erzählt. Entdeckt jemand einen Shim in der Halstasche seiner Gitarre, wird der Shim für alles Mögliche und Unmögliche verantwortlich gemacht. Dem Shim wird besonders nachgesagt ein "Sustain-Killer" zu sein.
Anhand meiner Erfahrungen stimme ich mit der Firma Rockinger und anderen Gitarrenbauern überein, dass dies Aberglauben ist. Ein Shim hat keinen negativen Einfluss auf das Schwingungsverhalten einer Gitarre oder eines Basses.
Die Firma Fender kam in den 1970er Jahren sogar auf die Idee von außen verstellbare Shims in ihre Gitarren einzubauen. Nichts anderes ist die berühmte 3-Punkt-Halsjustierung. Wäre der Shim ein "Sustain-Killer", würde dies auf Fender Gitarren und Bässe ganzer Jahrgänge zutreffen. Der legendäre Fender Jazz Bass von 1975 hatte aber gerade diesen Mechanismus.

Um eine bessere Höhe der Saitenreiter zu erhalten habe ich an meinem Johnson Billigbass sogar einen 0,5 mm Pappstreifen als Shim in die Halstasche gelegt. Das Sustain des Basses hat sich dadurch eindeutig nicht negativ verändert. Hals und Body schwingen weiterhin sehr gut zusammen.
Ich gebe zu, dass das Schwingungsverhalten eines Instruments auch für mich mehr Mysterium als leicht erklärbar ist. Ich kann die Faktoren die zu einem gut schwingenden Instrument führen nicht eindeutig benennen. Soviel weiß ich aber: Schwingt ein Instrument ohne Shim gut, wird es das auch mit Shim tun. Das ist zumindest meine Erfahrung und Meinung.

Gruß
Andreas