Zugangsvoraussetzungen zum Chor für potentielle Chorsänger

  • Ersteller Zuckerfee
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Als jemand der nicht dabei war kann ich es natürlich nicht beurteilen.
Darfst es mir trotzdem glauben, denn ich war dabei! ;) Und die vernichtende Kritik nach dem Konzert, die sie erstaunlicherweise dann noch auf die Website stellten, bestätigte meinen Eindruck aus nur einer Schnupperprobe. Sie hatten ihre Probleme scheinbar bis zur Aufführung nicht in den Griff bekommen! Aber vielleicht hat es sich inzwischen ja gebessert, immerhin haben sie mittlerweile Stimmbildung im Angebot (wobei eine Website ist geduldig, schreiben kann man dort viel...)

Aber wenn ich einen Chor leiten würde, dann wäre es nicht in meinem Sinne die Stimmen kaputt zu machen.
Sollte eigentlich das Credo jedes Chorleiters sein, und in der Theorie wird das wohl auch jeder CL vehement bestätigen, in der Praxis sieht es leider manchmal etwas anders aus!

Kein Mensch (zumindest in unserem Chor oder in den Chören, die ich aus persönlicher Erfahrung kenne) interessiert sich für Stimmbildung,
In meinem Chor sind wirklich ambitionierte Sängerinnen und Sänger. Aber wenn ich explizit Stimmbildung, Gehörbildung etc. machen möchte, dann gibt´s fast einen Aufstand.
Kenne ich auch! Nicht vom gesamten Chor, aber von einem Teil der Sänger bestimmt! :) V.a. wenn Stimmbildung neu eingeführt werden soll: "Ich singe jetzt seit 20 Jahren im Chor (oder 30, oder 40 oder ...) so was gab es noch nie, braucht es nicht, Punkt!" "Singen kann man doch einfach so, das muss man nicht extra lernen!" "Wir sind doch hier ein Chor und kein Turnverein! (wenn der Stimmbildner zu Beginn ein paar Körperübungen machen will) usw. usw.
Da ich in meinem Chor aber auch schon etwas Stimmbildung gemacht habe, weiss ich: es gibt schon Mittel und Wege, um zumindest einen Teil der Sturköpfe zu überzeugen oder zu überlisten :D

Vielleicht sollten wir mal einen Thread starten zu verschiedenen Chorstimmbildungsübungen :gruebel:
Fände ich auch noch interessant! Und nicht nur konkrete Übungen, sondern auch, aber ganz praxisorientiert: Aufbau und Entwicklung der chorischen Stimmbildung, oder so in der Art.
 
Kein Mensch (zumindest in unserem Chor oder in den Chören, die ich aus persönlicher Erfahrung kenne) interessiert sich für Stimmbildung, genauso, wie sich kein Mensch für ein Vertiefendes Studium der Harmonielehre (ohnehin nur Basics) im Chor interessiert.
"Kein" ist glaube ich etwas übertrieben, aber ich kenne diese Abneigungen auch. Schade eigentlich. Beim Klavier oder anderen Instrumenten muckt "kein" Mensch, wenn Harmonielehre mit vermittelt wird, es gehört einfach mit dazu.
Ich habe in meinen - mittlerweile - Jahrzehnten der Chorerfahrung noch keinen Menschen kennengelernt, der sich durch das Chorsingen die Stimme
ruiniert hätte.
Da wäre ich vorsichtig. Stimmbandknötchen wüsste ich jetzt auch nicht, aber dass dass Leute zumindest zeitweise aus dem Chor gezogen wurden vom Arzt habe ich schon mitbekommen.
Noch zum Kinderchor: bei uns werden die Kinder ab dem Grundschulalter in Kleinstgruppen von 2 oder 3 Kindern etwa alle 2 Wochen zu einem extra Stimmbildungstermin gebeten.
Luxuriös! Finde ich spitze, wenn das, am besten noch mit Spaß an der Freud, vermittelt wird.
"Wir sind doch hier ein Chor und kein Turnverein! (wenn der Stimmbildner zu Beginn ein paar Körperübungen machen will)
Die Aussage kenne habe ich doch auch schon gehört 😂
 
Da wäre ich vorsichtig. Stimmbandknötchen wüsste ich jetzt auch nicht, aber dass dass Leute zumindest zeitweise aus dem Chor gezogen wurden vom Arzt habe ich schon mitbekommen.
Dem stimme ich zu. Natürlich kann man sich die Stimmorgane schädigen durch Überlastung und so weiter. Auch bei uns Bläser ist dieses Phänomen anzutreffen. Dort nutzt man nur die Lippen um den Ton zu erzeugen. Nicht selten passiert es dass ein motivierter Einsteiger zu schnell an die hohen Töne geht und nach einiger Zeit nicht mehr spielen kann und es quasi neu lernen muss.

Davon abgesehen eine Stimmbandentzündung will nun wirklich keiner, egal ob Sänger oder nicht...
 
Schade eigentlich. Beim Klavier oder anderen Instrumenten muckt "kein" Mensch, wenn Harmonielehre mit vermittelt wird, es gehört einfach mit dazu.
Oh doch !
Bei Instrumentalisten ist eine Aversion gegenüber z. B. Gehörschulung mit Sicherheit genauso groß. Da sehe ich keine Unterschiede.

Thomas
 
Bei Instrumentalisten ist eine Aversion gegenüber z. B. Gehörschulung mit Sicherheit genauso groß.
Ernsthaft? Ich hätte damals nicht gewagt, gegen meine Lehrer aufzumucken, die Harmonielehre war mit im Heft und basta. Gehörschulung gab es weniger, da ja eh festgenagelt bei meinen Instrumenten.
 
Aber auch wenn es keine explizite Gehörbildung gibt, wenn du ein Instrument spielst, dann verfügst du ja auch die Fähigkeit dir Töne vorstellen zu können. Man muss ja nun nicht unbedingt genau sagen können welcher Ton es ist, aber Abstände hört man nach einiger Zeit gut und eine kleine Terz ist nun einmal der gleiche Abstand von jedem Grundton aus. Außerdem bekommt man von ganz alleine eine musikalische Vorstellungskraft. Zumindest wenn man auch mal abseits fertiger Notenblätter experimentiert. Man bekommt es einfach ins Gefühl welche Töne nun ein logischer Schritt wären ohne überhaupt Theorie zu kennen.

Darüber kann man ja breit diskutieren. Harmonielehre ist ja quasi nur ein Regelwerk mit dem man arbeiten kann um sicher ein nicht ganz schreckliches Ergebnis zu erzielen. Unsere Harmonielehre die in unseren Ohren schön klingt (vermutlich weil wir es gewöhnt sind) verursacht am anderen Ende der Erde eher Kopfschütteln was wir da treiben :) und auch Atonale Stücke (bevorzuge ich) haben ihren Reiz abseits jeder Ordnung und das Chaos erzeugt eine eigene Ordnung.
 
Aber auch wenn es keine explizite Gehörbildung gibt, wenn du ein Instrument spielst, dann verfügst du ja auch die Fähigkeit dir Töne vorstellen zu können.
Das ja (auch in der Variante: wenn der Chorleiter unangekündigt transponiert fliege ich bei größeren Sprüngen in den Ton, der in meinen Noten steht), aber…

Abstände hört man nach einiger Zeit gut und eine kleine Terz ist nun einmal der gleiche Abstand von jedem Grundton aus.
… das leider nicht. Ich habe zwar von 7–14 durchgängig Instrumentalunterricht gehabt (Sopranflöte, Altflöte, (leider nur knapp über ein Jahr) Heim-E-Orgel), aber Gehörbildung ist da ganz gehörig was schiefgelaufen (letztens mal Dur‑ vs. Mollakkorde unterscheiden gespielt in so ’ner Äpp und ~50% Trefferquote, also nicht besser als geraten). Ich hab’ mich schon als Kind in der Flötengruppe rausgehört, und auch ganz gute Tonvorstellungen (manchmal erst nach dem Startton, oft aber auch so), aber Akkorde? Harmoniën? Ne. Irgendwie bin ich starker Melodiehörer, und auch kein Obertönhörer (gab da so Tests auf Webseiten). Naja, nicht so schlimm, ich kann passabel singen und Flöte spielen und habe mich in Notensatz reingearbeitet zum Rumnerden, Berufsmusiker werde ich in diesem Leben nicht mehr.

Also leider kein „hört man nach einiger Zeit“ verallgemeinerbar ☹

die in unseren Ohren schön klingt
Im Mittelalter waren ja wohl nur Oktaven und Quinten/Quarten akzeptabel, die Terz klang für die damals schief, und bei Pythagoras wohl auch. An die mußte sich das Ohr der Hörer erst gewöhnen (bzw. sie damit, idealerweise früh, sozialisiert werden).

atonale Stücke (bevorzuge ich) haben ihren Reiz abseits jeder Ordnung und das Chaos erzeugt eine eigene Ordnung.
*schauder…* Als der Kantor mal eins der Liebesliederwalzer von Brahms vorspielte zum „so hört sich das idealerweise an“ tat mir ein Akkord so richtig weh im Kopf. Und Maurice Durufle, Notre Pere, machen wir gerade, klingt für mich auch einfach falsch. Aber, okay, Sozialisation und Geschmack.
 
Zuletzt bearbeitet:
Im Mittelalter waren ja wohl nur Oktaven und Quinten/Quarten akzeptabel, die Terz klang für die damals schief
Man muss da aber auch bedenken dass man andere Tonleitern genutzt hat und der Liederaufbau war auch ein ganz anderer als heute. Die Technik von heute auf eine Melodie aus 1550 angewendet wirkt genau so schief wie eine Quintharmonisierung eines Modernen Stücks. Wenn du eine Melodie z.B von Luther nimmst, dann kannst du ganz stupide unter dem Meldodieton eine Quinte spielen. Das passt richtig gut. Bei einem modernen Stück hört es sich hingegen falsch an.

Ich persönlich bin ein Quinten-Fetischist, ich mag den Klang und nutze sie gerne. Der Klang einer Quinte ist einfach über alles andere erhaben. Aber ich bin allgemein bei den Stücken aus 1400 - 1600 Zuhause. Jeder eben so wie es ihm gefällt.

das leider nicht. Ich habe zwar von 7–14 durchgängig Instrumentalunterricht gehabt (Sopranflöte, Altflöte, (leider nur knapp über ein Jahr) Heim-E-Orgel), aber Gehörbildung ist da ganz gehörig was schiefgelaufen (letztens mal Dur‑ vs. Mollakkorde unterscheiden gespielt in so ’ner Äpp und ~50% Trefferquote, also nicht besser als geraten).
Natürlich ist jeder anders. Ich habe früh mit der Improvisation angefangen und schon einige eigene Stücke geschrieben. Vielleicht hilft einen das auch etwas mehr dabei sich die Musik vorstellen zu können. Im Notensatz kommt man ja nicht sehr weit wenn man eine Idee nicht vorhören kann im Kopf und dann die Abstände einschätzen kann. Aber natürlich waren das bestimmt 5 Jahre Übung. Im Grunde sitze ich seitdem ich angefangen habe zu musizieren jeden Tag 1-2 Stunden an einer Orgel und spiele.
 
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Ich komme zwar hintendrein wie die alte Fasnacht, aber ich habe diesen Thread erst jetzt gefunden und hoffe, dass ich da mit meinen Beiträgen nicht zu spät bin.

Sie hatten ihre Probleme scheinbar bis zur Aufführung nicht in den Griff bekommen!
Ich habe vor Jahrzehnten in einem Chor mitgesungen, der Beethovens Missa solemnis auf dem Programm hatte und wo der Dirigent drei Wochen vor dem Konzert die ganze Übung abblies weil wir es zu wenig konnten. Die Grösse, das einzusehen und die Konsequenzen daraus zu ziehen, hatte dieser Chorleiter!
Etwas weiss ich allerdings nicht: wieviel die Anullierung der Verträge für Saal, Orchester und Solisten kostete...
Wir haben dann in der für die Messe vorgesehenen Chorwoche statt dessen Bach-Motetten (die zum Chor-Repertoire gehörten) vorbereitet und an einem Konzert gesungen.
Zusammengefasst: es geht auch so!
35 Jahre später hatte ich die Gelegenheit, diese Messe endlich aufzuführen! (y)
Kein Mensch (zumindest in unserem Chor oder in den Chören, die ich aus persönlicher Erfahrung kenne) interessiert sich für Stimmbildung
In einigen Chören, bei denen ich mitgesungen habe und im jetzigen Chor gehört es einfach dazu, ob Interesse oder nicht - und niemand hat da je einmal gemurrt!
Bei Sänger-Chordirigenten singt es sich nach der Stimmbildung von allein, bei Pianisten/Organisten habe ich mehr Mühe, in die Stimme hineinzukommen.
Ich habe einen Chordirigenten (Sänger) erlebt, der in der Stimmbildung nach der ersten Vokalise sagte: "Wozu soll ich euch jetzt noch einsingen?"
Offenbar war schon alles in Ordnung... sonst dauerte es üblicherweise eine Viertelstunde.

Zu den Zuslassungsbedingungen: in drei Chören (alles Konzert- und Oratorienchöre) musste ich jeweils nach der Probe vorsingen, das geschah in der Regel unter vier Augen, manchmal war(en) auch andere Kandidaten dabei, weil der Dirigent die letzte Chor-Viertelstunde dafür opferte.
Aber so, vor dem ganzen Chor, musste ich nie vorsingen. Mir hätten sonst die Knie geschlottert und mein Herz wäre in die Hose gerutscht...
Notenkenntnisse wurden vorausgesetzt, aber nur in einem Chor musste ich im Rahmen des Vorsingens auch etwas vom Blatt singen (das war in einem Konzertchor).

P.S. Ich bin Chorsängerin mit jahrzehntelanger Erfahrung und vom Chorgesang immer noch so angefressen wie am ersten Tag. :)
(vom Akkordeonspiel auch)
 
In 20 km Umkreis sollte das richtige zu finden sein.

Hier in Wolfsburg fallen mir mehrere Pop- bzw Gospelchöre ein, bei dem denen man ohne Aufnahmeprüfung mitmachen kann.

Klassik / Kirchenmusik mag elitärer sein.

Das Niveau im Braunschweiger Unichor war / ist hoch.
 

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