Hoch singen wie bei pierce the veil/sleeping with sirens

  • Ersteller FallenStone
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Wie schon gesagt wurde: Hoch singen und hoch belten sind zwei ganz verschiedene Paar Schuhe. Chester beltet verhältnismäßig hoch (in einigen Songs bis a' oder h'). Leute wie Bryan Adams singen diese Noten in einer leichteren Koordination ("Mix"), Power-Metal-Sänger in einer noch leichteren. Da ist dann auch ein f'' nichts besonderes mehr. Ein f'' im Belt ist so ziemlich unmöglich (zumindest für Männer). Wobei es, wie wir in dem anderen Thread gelernt haben, ja auch auf die Definition von "Belt" ankommt.

Die Singweise von Chester ist sehr "brustig" und in gewisser Hinsicht unökonomisch. Aber genau diese "verwegene" Art zu singen macht ihn halt auch zu einer Stil-Ikone, was das angeht. Hier eine ganz schöne Studie dazu: Chris Cornell mit Chester Bennington.

http://www.youtube.com/watch?v=F_v1SLIt01Q

Chris Cornell singt wesentlich ökonomischer, sieht man alleine schon wenn man die Körperhaltung und -spannung der beiden vergleicht. Bei Chester hat man ja fast den Eindruck, dass er gleich explodiert vor Spannung. Schöne Einzelnotenstudie ist die high-Note vor dem Refrain, bei Chester 2:38, bei Chris 3:32.

Bei Chester merkt man deutlich, dass er die Note keine paar Sekunden länger halten könnte, bei Chris hat man den Eindruck, dass er das noch locker 10 Sekunden halten kann, und Chris ist sogar noch tiefer vom Stimmfach her (Tenor vs. Bariton).
 
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Hier wurde nach meinem Empfinden halt Chester Bennington als Paradebeispiel für "krass-hoch-Singen" herangezogen, und da gibt es einfach noch zahlreiche andere berühmte Sänger, die von der Höhe her zwischen Chester und dem Typen von Pierce the Veil liegen. Höher als Chester Bennington singen nämlich auch Leute wie Bryan Adams, wo man das erstmal vielleicht nicht vermuten würde.
Ja, es gibt Sänger, die höher singen. Ändert aber nichts daran, dass Chesters Beltpassagen dennoch im Schnitt höher sind als die einer Menge anderer Rockpop-Sänger und es daher schon gerechtfertigt ist, ihn als "Benchmark" heranzuziehen. Ich sehe da wie gesagt keinerlei Glorifizierung.

Die würde ich nicht unbedingt alle in einen Topf werfen. Bei Freddie Mercury habe ich noch nie was von wirklich physiologischen Stimmproblemen gehört, zumindest auf keinen Fall in dem Maß, in dem Bonnie Tyler und Joe Cocker das hatten.
Dann hör Dir mal einige Livemitschnitte an, er hat seinen Stimmbändern durchaus einiges zugemutet und eben nicht ökonomisch gesungen. Dass seine Stimme das einigermaßen über die Jahre ausgehalten hat, steht ja auf einem anderen Blatt.


Bei Bonnie Tyler und Joe Cocker hingegen hört man den Vorher-Nachher-Unterschied ja deutlich. ;) Natürlich kann einem diese Klangfarbe gefallen, man muss sich nur bewusst sein, dass - wenn man versucht, sie auf die selbe Art und Weise zu erreichen wie Tyler oder cocker - man dann höchstwahrscheinlich auch nicht mehr von dieser Klangfarbe wegkommt.
Sicher. Macht aber die beiden ja nicht zu schlechten Sängern - im Gegenteil, Tyler hat dadurch überhaupt erst ein Markenzeichen geschaffen.

Natürlich ist es pures Glück, wenn ein Stimmschaden die Stimme nicht so weit ruiniert, dass man eben noch jahrelang weitermachen kann und dadurch sogar die Karriere Fahrt aufnimmt.
Die ersten drei Summanden reichen bestimmt für viele Leute, um einen "großartigen Sänger" auszumachen. Aber wenn seine Technik nicht nachhaltig ist, dann behält er diese 3 Komponenten, bzw. vor allem die ersten beiden, u.U. nicht besonders lange (es sei denn, er hat halt von der Veranlagung her Stimmbänder aus Stahl ^^).
Jo, aber das ist ja eines jeden eigene Sache. Und "nachhaltig" ist auch relativ. Selbst sauber ausgeführtes Belting kann empfindliche Stimmen schon belasten. Umgekehrt singt Chad Kroeger seit Jahren so, dass ich vom Zuhören Halsweh kriege, und seine Stimme macht es mit.

Das zum Kriterium zu machen, reduziert mir Singen zu sehr aufs Handwerk statt auf die Ausdruckskraft. Eine Person wie Janis Joplin hat mit ihrem krassen Gesang vermutlich ihr Innerstes eingebracht, ich bin sicher, wenn man der gesagt hätte "Du, das ist nicht gesund, was Du da machst" hätte sie nur gelacht.


Ich würde mir jedenfalls niemals auf der Bühne darüber Gedanken machen, ob auch alles gesund ist, was ich gerade tue. Ich singe dann genauso, wie es in diesem Moment sein muss.

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http://www.youtube.com/watch?v=F_v1SLIt01Q

Chris Cornell singt wesentlich ökonomischer, sieht man alleine schon wenn man die Körperhaltung und -spannung der beiden vergleicht. Bei Chester hat man ja fast den Eindruck, dass er gleich explodiert vor Spannung.

Hehe, schöner Vergleich. :) Wobei ich umgekehrt immer baff bin, wie wenig Körperspannung Cornell hat, der steht echt immer wie so ein Schluck Wasser auf der Bühne und haut trotzdem ordentlich was raus. :D Hier z.B. auch: http://www.youtube.com/watch?v=VJ-Ec_3qiOE

Wobei zumindest er sich zumindest bei der von dir erwähnten High Note gegen Ende hin dann doch "reinhängt", im wahrsten Sinne des Wortes.
 
Ich würde mir jedenfalls niemals auf der Bühne darüber Gedanken machen, ob auch alles gesund ist, was ich gerade tue. Ich singe dann genauso, wie es in diesem Moment sein muss.

Auf der Bühne sowieso nicht, da kommt es, wie es kommt, und wenn's mal schief geht, dann geht's eben auch mal schief. ;) Nur beim Üben kann man ja versuchen, drauf Rücksicht zu nehmen. Wenn man dann mal merkt, dass einem mit fortschreitender Dauer des Liveauftritts die Puste etwas ausgeht, kann man sich darauf zurück besinnen und sich die Kräfte einteilen. Und wenn's der letzte Song ist, kann man dann ja gerne wieder Gas geben und auch mal die "dummen" Sachen machen zum Wohle des besseren Klangs.

Alleine aufs Handwerk will ich es damit ja nicht reduzieren. Wenn ich "gut singen" = Töne treffen + geile Klangfarbe + Emotion des Sängers + Nachhaltigkeit definiere, dann heißt das ja nicht, das alles zu exakt 1/4 gewichtet werden muss; natürlich gibt's da Komponenten, die mehr zum Endergebnis beisteuern als andere.

Dass letztendlich jeder selbst merken muss, was er seiner individuellen Stimme zutrauen kann und was nicht, ist sowieso klar. Neben wirklich deftigen Stimmbandschäden à la Tyler und Cocker gibt es aber auch genug Leute, die einfach mit dem Alter die Höhe verlieren - andere wiederum verlieren sie nicht oder nur kaum (Bryan Adams und Meat Loaf spielen heutzutage einige ihrer Songs gerade einmal einen Halbton tiefer, was auch viele andere, weitaus jüngere Bands live gerne mal machen). Mein Abschreck-Beispiel sind da immer Uriah Heep, wie sie den Klassiker "Lady in Black" heute singen:

http://www.youtube.com/watch?v=PZ2MGb5CpHM

Der Background-Sänger singt noch problemlos rauf bis g' und a', aber der Leadsänger bekommt die charakteristische zweite Hälfte der Melodie (e-d-c-d e-d-c) nicht mehr hin, und damit geht dem Lied enorm was verloren. :( Alternative ist natürlich, alle Lieder dann irgendwann herunter zu transponieren, aber auch das ändert viel an der Stimmung des Songs.
 
Dass letztendlich jeder selbst merken muss, was er seiner individuellen Stimme zutrauen kann und was nicht, ist sowieso klar. Neben wirklich deftigen Stimmbandschäden à la Tyler und Cocker gibt es aber auch genug Leute, die einfach mit dem Alter die Höhe verlieren - andere wiederum verlieren sie nicht oder nur kaum (Bryan Adams und Meat Loaf spielen heutzutage einige ihrer Songs gerade einmal einen Halbton tiefer, was auch viele andere, weitaus jüngere Bands live gerne mal machen). Mein Abschreck-Beispiel sind da immer Uriah Heep, wie sie den Klassiker "Lady in Black" heute singen:

Dabei muss man aber auch immer dran denken, dass neben der reinen Technik viele Faktoren eine Rolle spielen. Auch z.B. Geoff Tate oder Rob Halford, die gemeinhin als sehr ökonomischer Sänger gelten, weil sie sehr leichtmassig singen und wenig anzerren, haben Stimmprobleme bekommen (ok, bei Tate mag es mit seinem Zigaretten-Konsum zusammenhängen). Umgekehrt ist etwa Bruce Dickinson, der deutlich mehr beltet und anzerrt, ein Paradebeispiel für Stimmgesundheit im "hohen" Alter. Chris Cornell hat ebenfalls Stimmprobleme gehabt, wobei der auch relativ viel angezerrt hat in seiner "wilden Jugend".

Bei einigen Sängern (z.B. bei Adele und Steve Perry galt es als der Grund) ist es schlicht und einfach ein zu hohes Auftrittspensum mit zu wenig Stimmerholung.

Gerade bei Rock-Bands wird im Übrigen live teilweise tiefer gespielt, damit der Sound "fetter" wird, weil man live eben nicht die Möglichkeiten einer CD-Produktion hat, und 20 Gitarren-Spuren übereinander legen kann. Auch Power-Metal Bands wie Stratovarius mit sehr leichtmassigen Sängern spielen dann live einen Ton tiefer.

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Hehe, schöner Vergleich. :) Wobei ich umgekehrt immer baff bin, wie wenig Körperspannung Cornell hat, der steht echt immer wie so ein Schluck Wasser auf der Bühne und haut trotzdem ordentlich was raus. :D Hier z.B. auch: http://www.youtube.com/watch?v=VJ-Ec_3qiOE

Wobei zumindest er sich zumindest bei der von dir erwähnten High Note gegen Ende hin dann doch "reinhängt", im wahrsten Sinne des Wortes.
Ja, seine lässige Attitüde macht den Unterschied nochmal größer als er eh schon ist. Cornell singt schon mit Spannung, aber eben nur da wo es nötig ist.
 
Kleine Anmerkung am Rande: Freddie Mercury ist im Alter von 42 Jahren zuletzt live aufgetreten. Wer weiß, was seine Stimme in späteren Jahren noch erlitten hätte... Gut, Bonnie Tyler hat sich das markante Timbre ja wohl in recht jungen Jahren und selbstverschuldet zu gezogen....
 
Das seine Probleme vor allem mit dem Gezerre zu tun haben, war mir klar. Das er seine Technik verbessert hat, war mir neu. Schließlich ist er ja schon seit über 20 Jahren unterwegs und hat genauso auch schon zu frühen Soundgarden-Zeiten gesungen.
 
Das seine Probleme vor allem mit dem Gezerre zu tun haben, war mir klar. Das er seine Technik verbessert hat, war mir neu. Schließlich ist er ja schon seit über 20 Jahren unterwegs und hat genauso auch schon zu frühen Soundgarden-Zeiten gesungen.

Ich glaube wir meinen unterschiedliche Zeitpunkte. Das Video, das du gepostet hast, ist ja schon bei Audioslave. Er hat sicher mehrmals Stimmprobleme gehabt. Seine Technik verbessert hat er irgendwo in der Mitte seiner Soundgarden-Zeit, das ist tatsächlich schon um die 20 Jahre her.
 

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