Keyboard im Musical

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Habe eine Frage zum Keyboard in Musicals, da ich mich das erste Mal mit dem Thema beschäftige.
Wenn man sich die Partitur anguckt:
Key 1 ist meistens die Pianobegleitung, Key2 und 3 haben jeweils eine Menge Parts mit vielen verschiedenen Sounds.
Wird das üblicherweise auch alles live gespielt?
Hat jemand Erfahrung mit Key 2 oder 3.
Ich will mich da eher aufs wesentliche beschränken?
Wir sind sowieso nur 2 Keyboarder gleichzeitig im Musicalprojekt, der "Pianist" spielt dann durchgehend Key 1.

Gruss Gunnar
 
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Ich hab da wenig Erfahrung. Ich glaube @HammondToby spielt bisweilen Musicals. Grundsätzlich wird man danach trachten so viel wie möglich zu spielen. Das heißt Layer-, Split- und Patch Umschaltorgien. Bei großen Musicals sind dann oft mehrere Keyboarder am Start.
 
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Ja, ich habe viel Musicalerfahrung, sowohl als Keyboard 1, 2, musikalische Leitung und Keyboardtechniker.

Wenn ich Key 2 spiele und es gibt noch einen Stimmauszug für Key 3, dann lässt sich das, wenn man selber Noten setzen kann, meistens auch von einem alleine spielen. Je nach Musical mach das Key 2 die Orgeln, Synths und FX, Key 3 die Orchesterandickung (oder umgekehrt).

Heute wird in den professionellen Theatern mit Laptop und Masterkeyboard gearbeitet. Die Devise ist hier, mit zwei Parts auf der Tastatur auszukommen (ein Splitpunkt, Layers so viele Du brauchst) plus evtl. ein oder zwei FX (unterste Tastaturtasten). Im Normalfall hat man pro Song als Key 2 irgendwas zwischen 4 und 30 Setups.

Ich persönlich arbeite dann noch mit einem Kurzweil als Backup, wenn ich das programmieren muss, damit im Zweifel das FOH von Laptop auf Keyboard umschalten kann. Laptopausfälle bisher noch keine, die dort stehenden MacBook Pros werden aber auch für nichts anderes eingesetzt und gehören dem Theater.

Wie getippt: so viel wie möglich spielen, immerhin ist es so vorgegeben, nur was wirklich nicht geht, wird weggelassen.

Bei Jesus Christ Superstar gibt es für Key 2 beispielsweise nur drei Songs als Stimmauszug. Weil das echt wenig ist, habe ich mir die Partitur vom MD geben lassen und frei Schnauze Hammond und ein paar Synths dazu gespielt. Orchestrales hat das Sinfonieorchester übernommen ;)

Bei Rent ist es auch größtenteils Hammond, bei Footloose querbeet, bei Aida eigentlich nur Orchester.
Bei Aida hatte ich im ersten Akt 67 Soundwechsel, im zweiten waren es 43.

Viele Grüße vom HammondToby
 
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Uh, da kommen mir ein paar fragen:
Wo kommen die Sounds, die Programme aufs Macbook? Liefert das Musical schon soundsets mit? Wird
alles in Mainstage verwaltet? Und wie wird die Redundanz gelöst?
 
Wo kommen die Sounds, die Programme aufs Macbook? Liefert das Musical schon soundsets mit?

Wenn ich das als Techniker betreue, kommen die Sounds und die Konfiguration bei mir auf die Rechner. da das Equipment im Idealfall geleast ist (auch die Plugins), habe ich, natürlich in Absprache mit den Herstellern und deren Zusage, die freie Auswahl an Libraries. Programmieren muss das aber in vielen Fällen ein vom Theater beauftragter Dienstleister, d.h. in der Regel werden die Soundsets nicht von der Show mitgeliefert, da gibt es aber auch Ausnahmen. Wenn ich den Programmierer der Originalshow kenne, kann ich ja auch anfragen, ob ich sein System und die Programmierung, natürlich gegen Bezahlung, kopieren darf. Ansonsten muss ich mich an die Noten und Übersichten halten und es selber bauen. Im Anhang gibt's Fotos von "The Addams Family". So sehen die Anweisungen da z.B. für Key 2 aus.

image.jpgimage.jpg

Wird alles in Mainstage verwaltet? Und wie wird die Redundanz gelöst?

Das Programm ist eine Frage der Präferenzen des Programmierers. Das SI-Centrum in Stuttgart arbeitet z.B. mit Mainstage und Fantom G, zumindest als ich das letzte Mal da war, ist aber auch schon zwei Jahre her, obwohl es nun wirklich ums Eck ist. Dave Weiser (ehemals Kurzweilentwickler) arbeitet mit einem anderen Programm, welches ist mir gerade entfallen, und setzt mehr auf Hardware.

Die Redundanz ist mit Absprache vom FOH gelöst. In den meisten Fällen gibt es Soundanpassungsproben, in denen die Levels der einzelnen Sounds abgestimmt werden und es geht Stereo aus dem Rechner nach vorne, parallel gibt es ein Signal von den Keys in Stereo, den Wechsel macht das FOH. Je nach Show liegen da zwischen 32 und 64 Kanäle am Pult an. Manchmal will das FOH aber auch getrennte Signale und auch das wird dann möglich gemacht.

Die PC3K8 macht in meinem Fall dann folgendes: 15 interne Klänge im Setupmodus für das Backup, ein Kanal um MainStage anzusteuern, das diesen Kanal dann intern auf die Sounds aufteilt. Im Prinzip baue ich das Komplette Set für jede Station zwei mal.

Viele Grüße vom HammondToby
 
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Cool und Danke für den Einblick. Das krasseste an redundanz das ich bisher gesehen habe war das hier:

Dagegen ist die Aufteilung MacBook / PC3K8 schon wesentlich sinnvoller und wirtschaftlicher in meinen Augen :)

Gr
 
Den Bericht kenne ich natürlich. Du musst halt bedenken, dass ein Theatersetup nie bewegt und verkabelt werden muss. Das nimmt viele Unwägbarkeiten aus der Rechnung.

Grüße vom HammondToby
 
Hallo Toby,

danke für die Weitergabe der Erfahrungen. Wir sind an Cats dran und sollen uns aus Keyboard 2 und 3 die wichtigsten Sachen raussuchen, da wir das ganze Musical nur mit 2 Keyboardern statt 3 spielen.
Obwohl man aus meiner Sicht mit Keyboard 2 und 3 vier Keyboarder gleichzeitig beschäftigen könnte und die würden sich nicht langweilen, denn da geht schon heftig was ab im Original ;) .
Die Orchesterandickung ist da verteilt über Key2 und 3, neben vielen Sololinien, E-Pianos, Harpsichords, Vibrafonen, Xylophonen und Effekten/Percussionsounds.
Ich hatte mir schon gedacht, das da viel mit programmierten Setups, auch über Rechner gearbeitet wird.

Heute treffe ich mich mal mit dem Keyboarder, mit dem ich mir die Shows teile. Ich muss das mit meinem Setup (Motif XF, Hammond XB-1 und Yamaha MO6) hinbekommen, der Kollege mit einem Tyros.

Erschwerend kommt hinzu, daß die Aufführungen schon im März sind. Ich habe zwar schon einiges an Banderfahrung, aber da spielt man ja selten direkt vom Blatt.
Das ist hier nun angesagt. Zum Glück haben wir etwas Freiheiten, letztlich kommt es darauf an, was machbares anzubieten und die wichtigen Stellen für Ballett und Gesang rauszufinden und zu bringen.
Ansonsten, wie Du schon schreibst, das Orchester anfüllen.

Viele Grüße,
Gunnar
 
Cats bekommt man zu zweit hin. Je nach dem, was alles an Orchester da ist, kann man viele Andickungen einfach weg lassen, vor allem so etwas wie die typischen schnellen Sechzehntelläufe, das wird selten synchron und geil, wenn man nicht wirklich Zeit zum Üben hat. Selbst im Profisektor wird mit der Band einen Monat lang fast Vollzeit geprobt, bevor die Premiere steigt. Vieles lässt sich bei Cats auch einfach durch Layering bewerkstelligen, das ist in den Zeiten, zu denen es geschrieben wurde (1979-1980), ja noch nicht so wirklich technisch drin gewesen und wurde dann an mehrere Tastologen verteilt. Oder spielt ihr ein neuere Arrangement?

Im Prinzip würde ich da die XK-1 raus lassen, die brauchst Du vom Sound her eh nicht. Evtl. kann die der Tyros-Kollege ja als zweites Manual verwenden, dann kann er auch mit zwei Tastaturen arbeiten. Oder Du macht mit dem Motif XF und der XK als Zweitmanual Alarm und trittst ihm den MO6 zusätzlich ab. Mehr als zwei Boards sind beim Notenlesen und Umblättern meistens knifflig.

JCS-Keys.jpg

Grüße vom HammondToby
 
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Genau das hat unsere erste Analyse auch ergeben. Versuchen, viel zu layern. Wir haben das 10er Arrangement, allerdings lebt es noch und die musikalische Leitung ändert fleissig.
Wobei das Orchester ganz gut besetzt ist, speziell die Blasinstrumente. Daher haben wir da dann auch am meisten gestrichen.

Die Orgel werde ich wirklich rauslassen (sniff) und mit dem Motif und dem MO arbeiten. Jetzt geht mir eigentlich nur noch das schnelle Soundumschalten durch den Kopf und
wieviel Zeit ich noch für Effekte verschwenden soll. Da warte ich vielleicht einfach mal ab, was der Dirigent vermisst. Und für schnelle Wechsel habe ich ja 2 Boards.

Danke noch mal für die "Erfahrungsweitergabe", das ist ja ein für mich im Moment spannendes, neues Feld und ein paar Hints bringen Sicherheit.

Viele Grüße,
Gunnar
 

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