Lynard Skynard politische Haltung

Dieses Thema im Forum "Country, Bluegrass" wurde erstellt von defenderman, 28.06.07.

  1. defenderman

    defenderman Registrierter Benutzer

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    Tach zusammen,
    ich streite gerade in meiner Band ob wir den Song "sweet home alabama" von Lynard Skynard öffentlich dudeln sollen oder nicht.

    Nein sage ich; weil das eine Südstaatenband ist, mit rassistischem Gedankengut, Redneck-Hirnis usw. und gerade in diesem Song geht es doch darum dass das geliebte Alabama-Land eigentlich ausschliesslich in weisse Hände gehören würde.

    Kann das jemand bestätigen der eine Ahnung von der Band hat?

    Wenn ich schon mit Material anderer Bands auf die Bühne geh, möcht ich auch dahinterstehen können...:o

    Grüsse The Fenderman
     
  2. Nashrakh

    Nashrakh Registrierter Benutzer

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    http://en.wikipedia.org/wiki/Sweet_Home_Alabama_(song)#Political_references

    Zitat:
    Mehr kann ich dazu leider nicht beitragen, beschäftige mich mit der Band nicht allzusehr :o
     
  3. Blondel

    Blondel Registrierter Benutzer

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    Bei dem Song “Sweet Home Alabama” muss man ein wenig zwischen den Zeilen lesen. Zwei Passagen aus dem Songtext :
    1. “In Birmingham they love tue governor - Chorus : Buh, Buh Buh” (oder Booh in englisch).
    Die Stadt Birmingham in Alabama erlebte in den 60ern heftige, gewalttätige Rassenkonflikte. Der in der Textzeile gemeinte “governor” George Wallace setzte sich für die Beibehaltung der Rassentrennung ein. Dafür, dass die Menschen in Birmingham diesen George Wallace liebten, werden sie von Lynyrd Skynyrd drei mal ausgebuht. Das ist ein deutliches Zeichen gegen die Rassentrennung und ich denke es gehört eine ordentliche Portion Mut dazu, in den 70ern im Süden der USA so etwas von sich zu geben.:great:
    2. “I hope Neil Young will remember a southern man don´t need him around anyhow”. Die Antwort von LS an Neil Young, der sie einmal als “reaktionäre Waldheinis” bezeichnet hat wurde m.E. überbewertet. Nach dem tragischen Flugzeugunglück der LS spielte Neil Young “Sweet Home Alabama” live auf der Bühne.:cool:
    Wenn Neil Young diesen Song gespielt hat, steckt wohl kein wirklicher Südstaatenpathos dahinter.:great:
     
  4. cyril

    cyril Registrierter Benutzer

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    Meines Wissens nach ist die Antwort von Blondel korrekt. Mr. Lynnott war kein Rassist. Die Iren haben damit ihre eigene Erfahrung!
    Aber, für solche Fälle ein allgemeiner Tip: Was gehen euch eigentlich alte Texte an? Was solltet ihr euch um uraltes Gefasel kümmern? Texte ändern und umschreiben! Ich selbst singe z. B. keinen Text, der mir inhaltlich zu blöd kommt. Solche Sachen werden geändert und es ist allen egal. Denkt mal an die alten Blues Texte, wo der Sänger fast immer aus der Rolle des schmierigen kleinen Vorstadtzuhälters heraus singt und die Frauen grundsätzlich als Nutten dargestellt werden. Hab ich kein Bock drauf.
     
  5. Fingers Freddy

    Fingers Freddy Registrierter Benutzer

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    Lynyrd sind und waren nie Rassisten. Rednecks sind sie allerdings - mit fetten Pickup-Trucks, immer ner Flasche Bier und der Südstaatenflagge im Wohnzimmerfenster. Dass sie dabei nicht in den allgemeinen rassistischen Konsens der 60er und 70er Jahre eingestiegen sind, muss man ihnen hoch anrechnen. Ich liebe die Mucke und find die Jungs einfach symphatisch. :D
     
  6. peter55

    peter55 A-Gitarre, OT, Organix

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    Hi cyril,

    mit dem Argument kannst du natürlich alles spielen und singen. Aber was ist, wenn dein Publikum die Änderung nicht mitbekommt, und dich dann auf Grund der Kenntnis der original Lyrics in eine bestimmte Ecke stellt? Oder sagst du vor jedem Cover an: "bei dem folgenden Song habe ich den Text wie folgt geändert ..."?

    Greetz :)
     
  7. iron_net

    iron_net Registrierter Benutzer

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    In der deutschen Wikipedia wird das ganze wohl recht gut auf den Punkt gebracht:

    P. S. : http://youtube.com/watch?v=c9-23D83FDg :twisted:
     
  8. cyril

    cyril Registrierter Benutzer

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    Hi P55
    "Du schreibst: mit dem Argument kannst du natürlich alles spielen und singen. Aber was ist, wenn dein Publikum die Änderung nicht mitbekommt, und dich dann auf Grund der Kenntnis der original Lyrics in eine bestimmte Ecke stellt? Oder sagst du vor jedem Cover an: "bei dem folgenden Song habe ich den Text wie folgt geändert ..."?"

    Ich sach garnix....

    Zunächst einmal wäre es doch nicht schlimm, wenn man ALLES spielen könnte! Bitte Konjunktiv beachten. Aber ich kann nicht alles spielen und singen, da gibt es klare Grenzen. Nur finde ich, daß die meisten Original-Texte aus der angelsächsischen Welt genau solcher Schrott sind wie deutsche Schlagertexte. Aber, das ist Geschmacksache, da muß jeder für sich mit klarkommen. Für mich persönlich sind alle Melodien, alle Akkordfolgen und alle Texte nur Material, aus denen ich mir dann für mich was zusammenklaue. Wenn ich eine Möglichkeit fände, aus Satisfaction und Suzanne einen Song zu basteln, würde ich das tun.
    Aber, ich sage auch allen, mit denen ich darüber spreche, daß das keine eigenen Lieder sind, sondern zusammengeklaute. Covern ist für mich fast unmöglich. Ich kann zwar gecoverte Lieder spielen und singen, fühle mich aber absolut unwohl dabei.
    Übrigens ist es dem Publikum völlig egal, solange nicht zuviele Musiker anwesend sind. Die Musiker sagen sofort: "Das stimmt ja garnicht so, wie der das spielt". Das Publikum will mitreißende und emotionale Musik, es will genießen. Das Publikum ist definitiv keine (KEINE) Musikerpolizei!!!
    Auch finde ich Coverbands unglaublich langweilig und störend. Am schlimmsten finde ich, wenn ein von mir sehr, sehr hochgeschätzter Gitarrist wie SRV hier in Deutschland kaputtgeschraddelt wird. Es gibt doch wohl kaum etwas übleres als ein elegant vorgetragenes SRV-Gitarrensolo in deutscher Holpermanie ertragen zu müssen.
    Aber zum Allgemeinen: Die besondere Situation hier in Deutschland ist eben, daß vielleicht nur 0,01% aller internationalen Hits hier entstanden sind. So müssen wir uns eben an der internationalen Strömung orientieren. Nur könnte man das auch ohne das ewige Gecovere tun und sich auch mal ein bißchen um eigenen Kram kümmern. Wenn deutsche Gruppen im Ausland Erfolg haben, dann mit eigenen Sachen und mit ihrem eigenen Stil. Auch das hat es schon gegeben. (Wie man weiß...)
     
  9. tantrix

    tantrix Registrierter Benutzer

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    Also, ich finde es verdammt gut, wenn einer sich die Rübe fürs nachdenken bewahrt hat und die Courage aufbringt zu sagen: Ich mach den Scheiß nicht mit!:p

    Musik ist eine Hure, die jedem dient der sich ihrer bedient.

    Mit ein bischen Text ändern und den Rest übernehmen ist immer noch eine Hommage. Wenn, dann komplett in die Tonne.
    Stell dir vor du machst aus J. Cash Ring of fire ein ringumeier (gibt´s schon in der psychobilly Ecke) es wär immer noch Cash.
    Zit. Cyril

    Wäre auch schon was wenn man Regional sich kümmert.

    Ach ja:
    Ist jemandem schon aufgefallen, dass bei Veranstaltungen zu G8 und anderen Benefiz.... . kein Jazzer, Blueser, Folk/Protestsänger (ja wo sind denn die?) etc. aufgetreten/eingeladen ist?
    Ist das vielleicht ne Marketingsache, Präsentationswerbung der Rock/Pop Großverdiener?
    Vielleicht nicht durchgängig, denn hinter Bono steckt Harry Belafonte. Für mich sind diese Veranstaltungen seit New York irgendwie unglaubwürdig.
    Das die Jazzer, Blueser, Folkleute alle unpolitisch sind, dem die gesellschaftlichen Belange am Arsch vorbei gehen, glaube ich nicht und hier ist ein Stück Beweis.:great:
     
  10. cyril

    cyril Registrierter Benutzer

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    Hi Tantrix
    Ich glaube, erstmal müssen wir und beim "Inhaber" dieses Threads entschuldigen, weil wir ihn zu einer ganz anderen Diskussion benutzen.
    Zum Covern
    Es gibt "Covern"
    und es gibt "Kopieren"
    Covern bedeutet: Ich bringe das Material unter meinem Cover heraus. Im angelsächsischen Sprachraum ist damit die stilistische Integration des Stückes in meine eigene Dialektik gemeint. Typisches Beispiel : D. Bowie und M. Jagger haben das Lied "Dancin´in The Streets" von Marsha Reeves gecovert. Sie lassen aber nur das Lied als solches erkennen, singen es aber total auf ihre eigene Art und Weise. Das wohl berühmteste Beispiel für ein überaus erfolgreiches Covern ist "With A Little Help From My Friends" von den Beatles. Joe Cocker hat aus diesem eher etwas unbedarften Liedchen einen absoluten Welthit gemacht. Das ist Covern!!!!
    Was die hier ansässigen Coverbands zumeist tun, ist, Lieder stumpf und dumpf von den erfolgreichen Gruppen zu kopieren. Da werden dann auch Soli auswendig nachgespielt und es klingt, wie soll es auch anders sein, Scheisse.
    So, mehr gibt es zu Coverbands auch nicht zu sagen. Ein Glück, daß diese Leute auch fast immer im Proberaum versauern. Denn auf eine Bühne gehören sie nicht. Das ist meine Meinung.
     
  11. x-Riff

    x-Riff Registrierter Benutzer

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    Also ich finde die Eingangsfrage klar formuliert und finde den Anspruch, nichts selbst auf die Bühne zu bringen, was einem gegen den Strich geht, nachvollziehbar und sympathisch.

    Zum song:
    Ich habe das dereinst auch so empfunden, habe dann aber den Wiki-Text und spätere Reaktionen von Neil Young mitbekommen, die mich doch zu einer anderen Einschätzung gebracht haben. Für mich ist es kein reaktionärer Song.

    Zum Auftritt:
    Ist schon ein Klassiker, der gut in die Beine geht.
    Ich persönlich glaube nicht, dass wenn Eure anderen songs mehr in eine andere Richtung gehen und das Publikum ansonsten okay ist (also nicht zu 40% aus Neo-Nazis oder Reps bestehen), die Leute nicht so auf den Text achten und auch nicht auf die Tische steigen und "Rednecks rules" oder "Knallt die blöden Nigger ab" brüllen.
    Ich persönlich glaube auch nicht, dass ein geänderter Text wahrgenommen wird.

    Eine grundsätzliche Möglichkeit besteht auch darin, bei der Ankündigung des songs ein paar Sätze darüber zu verlieren. Darüber kommt mit Sicherheit am meisten rüber.
    Ob das die Leute nun für wichtig halten, müßt Ihr selbst einschätzen, und ich persönlich stehe auch nicht so auf song-Ankündigungen wie "Also wir spielen jetzt einen song und der hat folgende Geschichte und wir meinen aber was anderes und wollen das jetzt mal sagen" - aber auch das könnt Ihr am besten selbst einschätzen.

    Ob jemand covert oder songs nachspielt oder nachspielen sollte, ist seine eigene Entscheidung und finde ich in Bezug auf die Eingangsfrage eher unerheblich.

    x-Riff
     
  12. tantrix

    tantrix Registrierter Benutzer

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    Hi Cyril
    Ich hoffe auch, dass der Threadsteller und die Anderen uns verzeihen, wenn die Diskussion mal in ein Nebengleis abgleitet. So viel los ist ja hier, und jetzt in der Urlaubszeit, ja nicht.

    so etwas habe ich damit Problemchen. Was machen die Klassiker eigentlich? Ich glaube die würden protestieren. gibt ja welche, die können sagen: Das ist Friedrich Gulda 1974 und das ist von 1984. Ich höre nur Mann am Klavier und das gleiche Stück. Kopiert oder covert sich da einer selbst?
    Die Dixielandbands leben seit 100 Jahren vom Abkupfern.
    Wollte man die mit Copyright- und Covergesetzen rigoros verfolgen, könnte das die radikale Vernichtung eines gesamten Genres, welches zu unserem Kulturkreis gehört, bedeuten. (Wissen das die Politiker?)
    Will eine Band ihr Repertoire zusammenstellen wird man die Songs nehmen die man mag. War immer so. Manchmal besser, meistens schlechter.
    Könnte es nicht einfach so sein, das wir es bei dem Wort Covern mit einem Anglizismus, oder wie man das nennt, zu tun haben?

    Auf diese Beschreibung würde das Wort "Fälschung" auch zutreffen. Ein minderwertiges nachgemachtes Produkt als ein höherwertiges anzubieten. Wie z.B. bei Blüten.
    Zu Fälschungen haben wir ein Gesetz.

    Vorsicht, Satire
    Wie war das bloß noch?
    Wer nachgemachtes fälschlich in den Verkehr bringt
    Nein
    Wer fälschlich nachgemachtes verkehrt
    auch nicht
    wer verkehr nachmacht und verfälscht
    shit
    wer fälschlich verkehr nachmacht
    oh je
    komm,
    gehmichbloßwech mit dem Blödsinn
     
  13. Indy_aner

    Indy_aner Registrierter Benutzer

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    Wenn ich mir das Album Vicious Cycle ansehe - mehr nach Rechts geht es wohl auch in den Staaten nicht :screwy:
     
  14. Blue Gator

    Blue Gator Registrierter Benutzer

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    Oh doch... Hab das Album gerade nochmal "quer gehört". Soo böse "rechts" ist das nun wirklich nicht - erst recht nicht für amerikanische Verhältnisse.

    Lynyrd Skynyrd haben wie immer ihre "der einfache kleine Mann und die da oben"-Pose ("that's how I like it", "all funked up"). Sie sind außerdem bekennende Anhänger des "southern way of life" ("sweet mama", "red, white and blue"). Dazu gibts ein wenig konservatives Männlichkeits-Ideal ("lucky man") und rock'n'roll-typisches Macho-Gehabe ("Pick 'em up").
    Das alles trifft vielleicht nicht unbedingt unseren deutschen Geschmack, ist aber im Rahmen typisch amerikanischer Denkweisen weder besonders "rechts" noch irgendwie ungewöhnlich. Außerdem ist das ganze Rockbusiness voll von coolen, "harten" Männern...

    Die einzige Nummer, die man Skynyrd aus politisch korrekter Sicht wirklich vorwerfen kann, ist "dead man walking". In dem Song wird kritisiert, dass ein Mann, der den Vergewaltiger seiner Freundin erschossen hat, zum Tode verurteilt wird (keine Ahnung, ob das fiktiv oder eine wahre Geschichte ist). So wie ich den Text verstehe sprechen sich Skynyrd hier übrigens nicht direkt für die Todesstrafe aus - sie sagen "nur", dass sie Verständnis für jemand haben, der in so einem Fall selbst zur Waffe greift und möglicherweise genauso handeln würden.
    Selbstjustiz ist natürlich ein heikles Thema und die Todesstrafe sowieso. Ich persönlich halte beides für falsch. Allerdings dürfte die Merheit der Amerikaner - erst recht im Süden - das wohl anders sehen.

    Mir persönlich wäre es auch lieber, wenn Skynyrd eine politische Haltung wie Steve Earle vertreten würden. :cool: Aber der ist für US-Verältnisse absolut "ultralinks" und sicherlich nicht mal bei Demokraten mehrheitsfähig.
     

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