Vintage, das unbekannte Wesen

  • Ersteller 7€nd€r
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Denn das würde ja bedeuten Classic Vibes oder auch ein großer Anteil der Custom Shop Modelle wären für alte Leute auf den Markt gebracht worden ...
Ähm, das habe ich weder geschrieben, noch wollte ich so verstanden werden. Gerade die allerersten Classic Vibe Strats (ich habe hier ein Exemplar aus dem allerersten Produktionsjahr mit einer zweistelligen Seriennummer) sind ja ein gutes Beispiel dafür, wie man neuere Spielergenerationen für das Originaldesign begeistern konnte.

Da sind allerdings Medium Jumbo Bünde verbaut. Das ist wohl das, was Fender meint, wenn sie klassische Designs mit "modernen Features" kombinieren. Wie ja auch die "originalen" Dreiwegeschalter bei den Custom Shop Modellen tlw. nur beiliegen und für den realen Gebrauch ein Fünfwegeschalter verbaut ist. Weil sich die Leute, die die Instrumente nicht nur sammeln, sondern auch spielen, eben an bestimmte Details inzwischen gewöhnt haben.
 
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Dieses alte Röhrengeraffel ist doch im Grunde noch WKII-Technik.
gedruckte Bücher sind im Grunde Mittelaltertechnik ... mir ist nicht ganz klar, ob das eine negative Bewertung sein soll, oder nur eine sachliche Feststellung?
Da sind allerdings Medium Jumbo Bünde verbaut. Das ist wohl das, was Fender meint, wenn sie klassische Designs mit "modernen Features" kombinieren.
...ich muss gestehen, das mit der Bundstärke ist mir glatt entgangen, du scheinst aber Recht zu haben ... ich dachte allerdings eher, der 9,5" Griffbrettradius ist so ein Zugeständnis. Die Bundstärke alleine dürfte niemanden ernstlich davon abhalten, seine auf einer modernen Klampfe erworbenen Spieltechniken anzuwenden, oder?

Meine Bemerkung war ja auch nur etwas provokativ gedacht, denn auf einer alten E-Gitarre mit personalisiertem setup gibt es keine grundsätzlichen Beschränkungen im Spielstil, würde ich mal sagen.
 
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Es geht nur um das Optimum das z.Bsp bei Geigen schon seit langer Zeit existiert aber nicht bei Verstärkern
da sich die Technologie ständig weiterentwickelt.
 
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Das Thema ist sehr vielschichtig und die Antworten werden immer subjektiv sein. So auch meine!

Zunächst ist da mal die (meine) Deutung, was heißt eigentlich “vintage“?
Da gibt es IMO schon mehrere Gesichtspunkt. Ich würde das spontan mit „alt und begehrlich“ übersetzen. Dabei wäre zu definieren, „wie alt“ und warum eigentlich „begehrlich“?
Ersteres ist schon nicht so einfach. „Gebrauchte“ Dinge erleiden für gewöhnlich erst mal einen Wertverlust und wenn etwas dann „vintage“ wird, steigt der Wert allmählich wieder, weil eben eine Begehrlichkeit hinzukommt, die „alte“ Gebrauchtware so nicht hat. Was man dann wann wirklich vintage nennen „darf“, ist IMO oft auch darin motiviert, den Vintage Markt möglichst klein zu halten, um die Begehrlichkeit zu steigern…
Worauf basiert aber nun wieder diese Begehrlichkeit? Da gibt es IMO zwei wesentliche Argumente: „ideelle“ und „praktische“.
Ersteres funktioniert wie bei allen alten Dingen, die die Leute hegen und bewahren, weil sie im Wesentlichen rar/begrenzt verfügbar sind oder eine besondere Geschichte haben.
Das zweite Argument ist bei Musikinstrumenten eine gewisse Besonderheit. Hier glauben viele, viele Musiker daran, dass “alt“, “besser“ ist, bzw. dass in bestimmten Epochen bestimmte Firmen aussergewöhnlich gut klingende Instrumente gebaut haben.
Das führt dann dazu, dass eine Gibson Les Paul aus dem Jahr 1959 heute zwischen 200 und 500 k€ gehandelt werden oder „wert“ sind.
Wie viel da ideeler und wie viel praktischer „Wert“ ist, kann nur der beantworten, der sich so ein Instrument kauft.

Daneben ist „vintage“ aber auch ein Adjektiv, mit dem Klang und Eigenschaften von Gitarren charakterisiert werden.
Das bedeutet, dass versucht wird, die schon zuvor erwähnten „besonderen“ Typen und Jahrgänge nachzubilden und so spricht man häufig von „vintage orientiert“ oder als Gegensatz dazu, von „modern“.

Bis hier her also nur die Begriffsdeutung. Die Frage der Bedeutung von „vintage“, im Sinne von Nutzen, Wert und Beurteilung ist natürlich noch mal subjektiver!
Die Begehrlichkeit von vintage Gitarren aufgrund deren „ideellen“ Wert ist schwerlich zu diskutieren. Ist ein 10€ Schein seine 10€ wert? Ziemlich sicher ja, wenngleich das für so ein kleine Stück Papier auch ne Menge Geld ist… Mit vintage Gitarren kann man spekulieren bzw. sein Geld darin anlegen, dass ist aber nicht meine Baustelle und für mich nicht von Relevanz…
Das mit dem „alt“ klingt besser, will ich überhaupt nicht in Abrede stellen. Es gibt genügend Profi Musiker, die diesen „Mythos“ vielleicht sogar mit geschaffen haben, für die aber eine Burst oder Pre CBS Strat klanglich und haptisch der heilige Grahl ist. Ich habe solche Gitarren aber bisher auch noch nicht in Händen gehabt!! Allerdings habe ich schon eine Reihe Strat, Teles und Gibsons von Ende 60er/Anfang 70er gespielt und da hat mich bisher noch keine (!!) besonders beeindruckt. Für mich waren das häufig nur alte gebrauchte und meist auch abgerockte Instrumente mit garkeligen Mechaniken und krachigen Potis.:nix:
Ich kann mich zwar auch an eine Gibson ES-275 erinnern, die ich mal so richtig gut fand und für die ich so manches in Bewegung gesetzt hätte, was aber vielleicht auch daran lag, dass die eben einfach nur schon immer richtig gut war bzw. dass ich selten vorher ein so hochwertiges Instrument gespielt hatte…

Also, vintage Gitarre haben bei mir (zum Glück) nie so recht gezündet!

Nichtsdestotrotz mag ich schon den typischen Sound „vintage orientierter“ Gitarren! So habe ich da allen voran eine ES 335 RI, aber auch eine R7 und sogar eine Rickenbacker 360. Gerade die ES 335 mit ihrem holzigen Ton möchte ich nicht missen!
Dennoch ist „vintage“ Tone für mich nicht allein selig machend. Gitarren von PRS, Suhr oder Music Man, mit modernen Features wie Locking Tuner, verstimmungsfreien Non-Locking Trems, wo jede Saite, an jedem Bund ausgewogen klingt, bocken mich auch, weil es oft unfassbar gut gemachte, leistungsfähige und unproblematische „Werkzeuge“ sind und stellen für mich als Bühnenmusiker dann sogar im Zweifel die bessere Alternative dar.
 
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Es geht nur um das Optimum
... tut es das? So wie ich das sehe, hat sich der Amp ja von einem Lautstärkeanheber für im Bandzusammenhang zu leisen Gitarrenbeitrag zu etwas ganz anderem entwickelt, das "Optimum" im ursprünglichen Sinne wäre ja einfach, dass wir Gitarren auf Stadionpower bringen können, ohne klangliche Einbußen zu haben ... davon ist ja kaum noch die Rede, im Gegenteil: es werden ursprüngliche Schwächen der WKII-Technik bei der Verstärkung lautstärkereduziert nachgebildet, um sie dann neutral wieder zu verstärken :D
 
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-und haben dann die dicken Effektboards mit massig OP's und Fet's vor ihrem Röhrenamp.
 
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Das mit dem „alt“ klingt besser, will ich überhaupt nicht in Abrede stellen.
...mh, ist nicht genau das der Punkt, der ein eher fragwürdiges Wertesystem beschreibt? Genau diese Heroen haben sich ja seinerzeit auch über gängige Klangstandards hinweggesetzt und mit einer auch damals schon betagten Technologie ihren eigenen Ausdruck gesucht, der vor allem dadurch bestimmt war, dass sie diese Technologie "missbraucht" haben. Das machen auch zeitgenössische "echte" Künstler nach meiner Wahrnehmung, aber ansetzend eben von ganz neuen landmarks.
 
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Mir ging es hier eher um Leute wie z.B. Thomas Blug, denen nichts z.B. über „ihre“ 63er Strat geht. Andy Summers greift auch immer wieder zu „seinen“ alten Schinken; Eric Johnson; Larry Carlton; Robbin Ford;…
Da fallen immer wieder Aussagen wie „… ein vintage Instrument ist dann doch noch mal eine andere Liga…“
Wie gesagt, habe ich dazu selbst eine andere Meinung/Erfahrung, was aber eben nicht bedeutet, dass ich nicht glaube, dass da auch etwas dran sein kann. So ganz doof und verstrahlt sind die alle gewiss auch nicht.
Ob mir diese möglicher Weise 2% Extratoll dann 20-500k€ “wert“ sind, steht ja noch mal auf einem ganz snderen Zettel.
 
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...naja, ein Teil davon dürfte auch einfach eine enge Verbindung zu bestimmten Instrumenten entwickelt haben im Laufe einer langen Karriere. Das trifft ganz sicher bei den beiden erstgenannten zu ... das ist einfach deren Zuhause.
Dazu fällt mir irgendwie ein:
 
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...ich muss gestehen, das mit der Bundstärke ist mir glatt entgangen, du scheinst aber Recht zu haben ... ich dachte allerdings eher, der 9,5" Griffbrettradius ist so ein Zugeständnis. Die Bundstärke alleine dürfte niemanden ernstlich davon abhalten, seine auf einer modernen Klampfe erworbenen Spieltechniken anzuwenden, oder?
Und ich muss zugeben, dass ich das mit dem Radius gerade nicht auf dem Schirm hatte ;). Beides zusammen, Bundeigenschaften und Griffbrettradius, ergeben bei alten Instrumenten im Originalzustand aber schon ein deutlich anderes Spielgefühl als die aktuellen Modelle.

Und das bringt mich auf den Punkt, der mMn oft übersehen wird: Die ursprünglichen Besitzer dieser alten Schätze hießen eben meist nicht Hendrix oder Clapton; an den abgenutzten Stellen der Griffbretter manch alter Instrumente kann man recht deutlich erkennen, dass wohl manche alte Traum-Strat ihr erstes Leben in der Hand eines Rhythmusgitarristen einer Tanzband zugebracht hat, wo dann eher weniger in den oberen Lagen herumsoliert wurde - und trotzdem hat das Instrument, mitunter jahrzehntelang, geholfen, seinen Besitzer zu ernähren, bis es irgendwann vererbt wurde und so auf den Markt gelangte.

Es geht nur um das Optimum das z.Bsp bei Geigen schon seit langer Zeit existiert aber nicht bei Verstärkern
da sich die Technologie ständig weiterentwickelt.
Bei den Geigen, um bei dem hier gern bemühten Beispiel zu bleiben, gibt es aber schon, dem Vernehmen nach, ausgesprochene "Solitsteninstrumente" und andere, die sich eher an den Pulten bewähren. Insofern kann es da nicht nur ein Klangideal oder Optimum geben- es kommt wohl auch auf den Einsatzzweck an. Außerdem wurde der Halswinkel der Geige in der Neuzeit steiler, das Griffbrett länger und viele alte Instrumente damals auf den neuen Standard umgebaut. Entsprechend selten sind heute echte alte Barock- bzw. Kurzhalsgeigen, die schon deutlich anders klingen. Und die Ecken der Zargen, wo die Klötze sitzen, hatte man auch zwischendurch schon weggelassen - was sich aber ebenso wenig durchgesetzt hat wie diverse Verzierungen (Löwenköpfe etc.). Heute wäre es abseits der E-Geigen unternehmerisches Harakiri, etwas anderes zu bauen als das, was die berühmtesten Vorbilder vorschreiben.

Zurück zur Gitarre:

Bei Veranstaltungen, wo Musiker zum Tanz aufspielen (Top 40 Hits und Schlager usw.), wo also mit den Instrumenten real Geld verdient wird, entdecke ich immer solides Markenequipment der gehobenen Mittelklasse - nicht weniger, aber auch nicht mehr. Bei den Verstärkern sticht mir immer wieder derselbe deutsche Hersteller ins Auge, dessen Werbung aber mehr auf Hard- und Heavy zielt. Der aber im Fachhandel gut präsent ist, wo der auftretende Musiker wohl gern einkauft. Wenn man solide Arbeitspferde braucht, sollte man sich auch an diesen Profis orientieren- die werden schon wissen, was sie tun.
 
Zunächst mal vielen Dank für die vielen Antworten, für mich sehr wertvoll Ursachen fürs Auffinden von persönlichen Vorlieben.

Bei den Amps geht es mir vergleichbar wie Spanish Tony. Auch ich habe welche besessen, die mich nicht voran gebracht haben.
Erst bei Fender Tweeds und Blackfaces wurde ein Schalter umgelegt der für mich und mein Spiel essenziell war. Das hängt sowohl mit der Dynamik dieser Amps zusammen, vor allem aber deren gnadenlose Offenlegung von Spielfehlern. Bei denen gibt es nur Schwarz und Weiss, sie klingen himmlisch wenn man es kann, grottig wenn man abloost. Auch hätte ich ohne die niemals gelerrnt vor dem Beat oder Laid Back zu spielen.

Dazu kommt ein weiterer Punkt den Tony erwähnt hat, nämlich dass eben auch Musik eine Kunstform ist. Genau wie in der Wissenschaft oder der Malerei kann/sollte? das mit einer Aufgabenstellung einhergehen. Mit Vintage hat dies insofern zu tun, als dass z.B. ein Tweed Amp ein One Trick Pony ist bei dem man sich schon Gedanken machen muss was man mit dem anstellt um ein befriedigendes Ergebnis zu erzielen. Man muss schon wegen der Limits kreativ in der Nutzung dieses Gears sein, und genau das kann Ergebnisse erzielen die absolut einzigartig sind.

Mein Tweed Amp kann zwar wesentlich mehr, aber ich kann ihn auch so einstellen dass ich wieder genau mit dieser Aufgabenstellung konfrontiert bin. Ein dogmatischer Purist würde mir entgegnen dass ich den Sound eben nicht 1:1 hinbekomme, darum geht es mir aber auch nicht, mir reicht die Annäherung, der Spirit. Jemand, der heute einen Modeler spielt steht nicht vor dieser Herausforderung, würde die vielleicht gar infrage stellen, aber es ist am Ende der gesamte Prozess, der ein bestimmtes Ergebnis erzielt.

Digitalpiano - Fender Super Champ XD

Fragt man einen Klavierlehrer ob es egal ist worauf ein Schüler lernt gibt es zwei Typen. Der eine sagt, geht, der andere rutscht nervös auf dem Stuhl herum, sagt geht, empfielt aber zum Einstieg ein Echtes. Zwar haben Digitalpianos heute gewichtete Tasten mit Hammermechanik und eine fein aufgelöste Anschlagdynamik, trotzdem kommen sie nicht an the real Thing heran. Es ist zum einen nicht nur das Ohr, das Schwingung wahrnimmt, das ganze Instrument fühlt sich anders an, schwingt anders. Etwas darauf Erlerntes lässt sich dann auch auf der digitalen Variante umsetzen, der Lernprozess und die subtilen Feinheiten können damit nicht vermittelt werden. Oder glaubt ernsthaft Jemand, dass auf großen Konzertbühnen Steinways, Schimmels und Bechsteins stehen, die sich eine Weile setzen müssen, anschliessend auch noch gestimmt nur weil Interpreten und Publikum so reaktionär sind nur dies zu akzeptieren?

Vergelichbar geht es mir mit dem Super Champ XD, ein Modeler mit Transitorvorstufe und Röhrenendstufe. Sehr geiler kleiner Amp, der fantastisch klingt, nicht ganz die Dynamik eines nativen Röhrenamps hat, aber alles was ich gelernt habe deshalb gut umsetzen kann weil ich mein Gespieltes so sehr verinnerlicht habe dass ich den Missing Link vernachlässigen kann.

3000 € Gitarren

Sechs meiner sieben an Vintage Spezifikationen angelehnten Gitarren sind in diesem Segment angesiedelt. Allen gemeinsam ist, dass ich nichts, absolut nichts an ihnen verändern musste um komplett zufrieden zu sein. Die Meisten haben zeigenössiche Anpassungen wie einen Treble Bleed Mod, teils andere Bünde als die Originale. Aber sie liefern mir exakt den erwarteten Ton und haben eine grandiose Bespielbarkeit.
Meinen letzten Ausreisser nach ganz unten, eine Fender 60 Classic Player Strat habe ich kürzlich verkauft. Nicht weil sie mir zu schlecht oder billig war, sondern weil ich eigentlich immer zur Tele greifen wenn mir nach Fender SC Sound ist. Einen weiterer Kandidat für übersichtliches Geld ist meine kürzlich erworbene Stanford ES330 Kopie, an der ich nichts vermisse. Auch wenn 3k ne Menge Holz ist, ist es meilenweit von den Mondpreisen für Vintage Gear entfernt, das ich auch dann nicht kaufen würde wenn ich unbegrenzt Geld hätte.

Pferd, vorne, hinten, Flair

Für das Flair einer Aufnahme gilt in Teilen meine Aussage zum Tweed Amp. Nein, ich höre einer Aufnahme nicht zwangsläuf an welche Prozesse und Equipment zu deren schlussendlichem Gesamteindruck geführt haben. Ich weiss nichtmal, ob so wie heute gern umgesetzt die Aufnahme digital erfolgte, um sie dann analog zu mastern. Aber allein dies zeigt, dass im Laufe der technischen Evolution genau die Unzulänglichkeiten, Limits und die Reduktion auf bestimmte Vorausgaben zu Produktionsschritten geführt hat, die noch heute Gültikeit besitzen wenngleich antiquiert.
Warum wird auch heute LoFi als Stilmittel eingesetzt? Weil es sich unberechenbar, organisch und lebendig anfühlt.
Wenn ich mich dann dem Pferd wieder von der anderen Seite nähere wird auch für mich ein Schuh draus, nämlich dass ich in einer DAW wunderbar schnell ausprobieren kann welche Instrumentenkombi mit welchen Mikro(positionen) gut harmoniert. Und die wiederum würde ich im nächsten Schritt dann Hardwareseitig aufstellen weil ich auf die Magie meiner heiss geliebten Amps nicht verzichten will. Das ist unser heutiges Privileg, uns aus beiden Welten bedienen zu können.

Pedale

Ich nehme mal stellvertretend meine drei Lieblinge, viel mehr sind es auch nicht.
Das Vox Duel Overdrive ist ein extrem neutral spielendes Röhrenpedal, das den Ampsound nicht verfälscht. Ich spiele es gern mit meinem T-Rex Replicator Tape Echo. Je länger ich dessen Delayzeit einstelle, desto schlechter wird der Frequenzgang, desto mehr analoge Verschmutzung wird hinzugefügt und in Verbindung mit den Gleichlaufschwankungen des Motors, addieren sich auch noch weitere unerwartete tonale Veränderungen dazu. Das gesamte Obertonspektrum verändert sich in einer Weise, das kein FX bislang so auf die Füße bekommen hätte, auch mein vermeintlicher Antagonist, das DECO nicht.



Das DECO ist mein Schweizer Taschenmesser, ein "großes Kleines Besteck". Das Lick von "I can get no Satisfaction" soll der Legende nach zustande gekommen sein weil die Gitarre direkt in den übersteuerten Eingang einer Bandmaschine gejagt wurde. Eine Funktion dieses Pedals simuliert dies und auch Bandsättigung. Das DECO bildet in der Summe die Interaktion zweier Bandmaschinen nach, bietet also digital aufbereitet die Simulation früher Modulationseffekte, die so ganz anders klingen als Flanger, Chorus und Phaser die im Eimerkettenprinzip aufgebaut sind.
Das DECO ist mein Overdrive mit Extras, das aber auch jedem Studio gut zu Gesicht steht. Obwohl komplett digital aufgebaut spiegelt es in bester Weise wider warum die Limits der Vergangenheit so einzigartig klingen, dass ich sie bis heute als alternativlos empfinde. Die Echos sind auf 500ms limitiert, es wird der zeitliche Versatz der beiden Bänder der Maschinen simuliert. Ich denke am DECO lässt sich am besten festmachen, dass es mir nicht um Preise, Mystifizierung und Voodoo geht sondern um die einzigartigen Errungenschaften bestimmter Dekaden.



So, brauche ne Pause, mache später weiter 😀
 
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Hallo

Die letzte Stunde habe ich mit dem Lesen dieses Threads verbracht.
Vorab, ich möchte mein Sound lieber mit realen Potiknöpfen formen, als vor
dem PC zu sitzen. Vor dem PC sitze ich schon während meiner Arbeit genug.
Mit Simulatonen usw kann ich mich einfach nicht anfreunden.

Ich halte von dem Vintage Gesülze genau so wenig wie von dem Gelaber das die Röhrentechnik tot ist.
Den Weg dazwischen muss jeder für sich selbst finden.
Egal, beides soll dazu dienen um uns das Geld aus der Tasche ziehen zu lassen.

Früher war auch nicht alles gut und heute wird auch viel Mist produziert.
Früher war aber vieles saugeil und kombiniert mit heutigen Möglichkeiten gigamegasuperaffentittenturbogeil.
Der Rocksound hatte seinen Ursprung in den 60er und 70ern und wurde mit damals greifbarer Technik geformt.
Die Frage ist hypothetisch, aber was hätte Herr Jimmy Henrix gemacht, wenn er eine AXE FX gehabt hätte?
Auch gibt es Sachen, die schon über 60 Jahre alt sind, die bei ihrem Erscheinen schon so perfekt waren,
dass es sie heute noch fast genau so ind der ursprünglichen gibt. Ich erinnere einfach mal an die Begriffe wie
Stratocaster, Les Paul und JTM54. Die Aufzählung ließe sich unendlich fortführen.

Für mein Klampfenglück selbst benötige ich nur Stratocasters und bin noch nie auf die
Idee gekommen eine 7 oder 8 Saiter Gitarre anzufassen. Die brauch ich für das was ich will nicht.
Rülpsmetaler mögen das anders sehen.

Ich bin aber nicht Willens, nur weil ein gewisses Baujahr und Firma für die Geburt einer Klampfe
verntwortlich sind, einen überteuerten Preis zu zahlen. Vintage heißt auch nicht immer gut.
Dies gilt auch für Amps, Effekte oder was auch immer. Da wird es bei vielen eng im Kopp.

Ja ich träume auch davon, dass mein Vintage 1964er Vox AC30 ein FX Loop hat, so dass
ich mein Vivtoty V4 Pedal Preamp einschleifen kann.
Dann hätte ich meine ultimativen Sounds die ich gebrauche gefunden.
Getoppt würde das Ganze, well es von Fryette eindlich eine Power Station Stereo geben würde,
damit ich mein Strymon Trio (Mobius, Timeline, Big Sky) einschleifen könnte.

Das würde mir unendliche und ungeahnte Möglichkeiten zur Verfügung stellen.
Es wäre für mich die perfekte Symbiose aus Vintage und Modern.
Best of all worlds.
 
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Auch gibt es Sachen, die schon über 60 Jahre alt sind, die bei ihrem Erscheinen schon so perfekt waren,
dass es sie heute noch fast genau so ind der ursprünglichen gibt. Ich erinnere einfach mal an die Begriffe wie
Stratocaster, Les Paul und JTM54. Die Aufzählung ließe sich unendlich fortführen.
Hihi, Was meinst du mit "perfekt"? Den komischen Blechsteg mit dem doofen, verstimmenden Vibrato, den 3-Wege-Schalter und die rauschenden PUs der Strat oder die Kippelbrücke der frühen Paulas, verbunden mit dem Hang zum Halsbruch?
Die waren nicht "perfekt", sondern gute Leute haben mit den Teilen gute Musik gemacht. Der Rest hat sich verselbständigt, DAS sehen wir heute als "perfekt"an.
 
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Den Weg dazwischen muss jeder für sich selbst finden.
Egal, beides soll dazu dienen um uns das Geld aus der Tasche ziehen zu lassen.
egal, wie man dazu steht, für Gitarre, Amp und Pedale, oder was auch immer, muß man aber schon etwas Geld ausgeben,
da würde ich die Hersteller jetzt nicht pauschal verurteilen wollen. Da steht man vor sich auch selbst in der Verantwortung.
Ansonsten stimme ich dir aber in Vielem, was du schreibst, zu.
 
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Rülpsmetaler mögen das anders sehen.
Das nächste mal bitte Krümelmonstermetaller wenn ich bitten dürfte! Das klingt nicht so herablassend.

Auch bei denen gibt es Stratspieler, die mit 6 Sailen auskommen auf einer Fender Stratocaster. Ich weiß nicht wie die das machen, denn bei schnellen P.M. klemm ich mir auf meiner immer irgendwo zwischen Volumepoti, Brücke und Tonabnehmer den kleinen Finger ein- soviel zu "inzwischen perfekt", aber einige bekommen es hervorragend hin.
 
Gibt es noch mehr Gitarristen im Board, die die Kombination aus Tradition und Moderne zu schätzen wissen und dies austarieren? Welches Handwerkszeug, welche Kombis nutzt ihr? Und wie würdet Ihr Vintage definieren, bzw was bedeutet der Begriff für Euch?
Wie gehe ich mit Tradition und Innovation um?

Für mich gibt es vier wesentliche Aspekte: Bespielbarkeit/Bedienbarkeit, Sound, Optik und Preis. Um Tradition und Innovation geht es mir im Grunde nicht, aber natürlich spielen diese Aspekte eine untergeordnete Rolle. Nach diesen Aspekten betrachtet verhält es sich so:

Bei meiner Fender Classic Player 60s Strat paart sich die Vintage Optik mit dem Sound der 60s mit einer modernen Bespielbarkeit. Das bedeutet für den optischen Aspekt eine Lackierung in Sonic Blue, ein mint-grünes Pick-Guard, synchronisiertes Vintage Style 2-Punkt Tremolo mit gestanzten Stahl-Saitenreitern, Vintage Style Stimmmechaniken, altweiße Schalterkappen und altweiße Drehregler. Für den Sound stehen vor allem die PUs, das sind Fender Custom Shop 69s Single Coils. Für die moderne Bespielbarkeit stehen dagegen die Jumbo Medium Bünde und ein Griffbrettradius von 12", in dem Fall mit einem modernen schlanken C-Profil. Gepimpt habe ich nur die Schaltung, so habe ich 7 anstelle von 5 Soundmöglichkeiten, und den Block für mehr Brillianz im Tone.

Bei meiner Gibson Les Paul Studio paaren sich die eher traditionellen Gibson PUs 490R und 498T und die traditionelle Halsform eines schlanken 60s-Style Profils mit einem new modern weight reliefed Chambered Body, ebenfalls mit einem Griffbrettradius von 12" mit vor allem einem Fretboard aus Granadillo, das nicht nur optisch massiv vom traditionellen Lock abweicht, sondern auch mittenstärker betont und damit einen Einfluss auf den Tone hat. Granadillo ist ein rötliches Holz und passt damit für mich perfekt zur Optik der Paula in Winered mit Goldhardware.

Bei meiner gepimpten Squier Classic Vibe 50s Strat paaren sich ein moderner Hals von Rockinger für die moderne Bespielbarkeit, wie bei der CP60s, ebenfalls mit Jumbo Medium Bünden, einem Griffbrettradius von 12" und einem schlanken C-Profil mit dem 50s Sound der Fender CS Fat 50s PUs, die aber auch in modernen Standard US Strats verbaut sind. Da stellt sich schon die Frage, ob die als Vintage oder Modern zu bewerten sind? Da der Hals von Rockinger ist, trägt die Kopfplatte keinen Markenname. Im Grunde ist meine gepimpte CV 50s eine Annäherung an die Fender Strat #00001, die einst David Gilmour bessen hat und von der er sich am 20. Juni 2019 für 1.815.000 US $ trennte. Mir hat sie knapp 1.000 Euro gekostet und eine Menge Erfahrung beim Pimpen gebracht. Klanglich ist sie Güteklasse 1A+. Hier habe ich erstmals die Gilmour Schaltung seiner Black Strat ausprobiert, und meine Strat #0001 der Güteklasse 1A+ hat 7 anstelle von 5 Sounds.

Mein ES-335 Modell ist eine Epiphone Sheraton II, die durch Pimpen akademische Reife erreichte. Die PUs sind von Wolfetone und nennen sich Dr. Vintage. Jumbo Medium Bünde und ein Griffbrettradius von 12" habe ich auch hier. Die Epiphone sieht für mich um Klassen besser als eine Gibson ES-335 aus, und mit der akademischen Graduierung durch Dr. Vintage ist sie eine kostengünstige Variante zur - für meine Begriffe - völlig überteuerten ES-335 von Gibson.

Ergänzend zu meinen eher Vintage-oriented Gitarren habe ich auch eine eher modern gehaltene Strat. Eher modern schreibe ich wohl deswegen, weil es sich um eine gepimpte Squier Bullet Strat handelt, bei der ich Anlehnung an eine Ernie Ball Music Man Luke I Signature Strat genommen habe. Nachdem Steve Lukather mit Toto schwerpunktmäßig die 80er dominierte frage ich mich gerade, ob man diese Strat noch modern nennen darf, oder ob sie nicht doch auch schon Vintage ist, oder irgendwo dazwischen? Neben dem Steve Lukather EMG SL-20 PU Set (SLV + 85) weist meine "Luke" einen exotische Hals von Warmoth aus, dieser ist aus Ahorn und hat ein Griffbrett aus Satine, auch Bloodwood genannt, mit einem wunderschönen roten Farbton. Wer mitgelesen hat, den wird es nicht wundern, natürlich wieder mit Jumbo Medium Bünde und einem Griffbrettradius von 12". Der Body ist Basswood in Arctic White. Linde eignet sich hervorragend für Zerrsounds und High-Gain, was den klanglichen Aspekt betrifft. Diesen Kontrast benötigt auch das Satine Fretboard. Das Pickguard in Tortoise Shell Parchment habe ich nach optischen Überlegungen zum rötlichen Griffbrett und zum arktisch weißen Korpus gewählt. Auch diese Strat hat keinen Brand auf der Kopfplatte.

Keine meiner Gitarren hat die 1.000 Euro Schwelle überschritten, um die preisliche Komponente nun auch noch zu erwähnen. Meine einzige Gitarre, die über 1.000 Euro gekostet hat, ist meine Ovation Elite Plus C2078AXP-OAB in Olive Ash Burl mit einem Griffbrettradius von - nein diesmal nicht 12" - sondern lediglich 11 13/16’’. Eine traditionelle Steelstring von Ovation, die für nicht traditonelles Gitarrendesign stehen, mit modernen Features und modernem Look.

Bei der Auswahl meiner Amps stehe ich auf Tradition. Ich liebe die Sounds der legendären Verstärker, insbesondere des 1973 Hiwatt DR-103, des Marshall Plexi Super Lead 1959, des Fender '59 Bassman, des VOX AC-30 und des Marshall JCM-800. Damit das ganze preislich erschwinglich und roadtauglich ist, spiele ich nicht traditionel über die Amps, sondern modern über einen Modeler. In meinem Fall ist das Line6, hier schätze ich die Soundqualität zum günstigen Preis und die intuitive Bedieneroberfläche. Bislang hat mich meine Amp-Potpourri im teuersten Fall 500 Euro gekostet. Wobei zu erwähnen ist, dass ich bereits zwei mal investiert habe, um modern zu bleiben. Und derzeit vor dem Wechsel in die 3. Generation stehe. Nach dem POD 2.0 in Kombination mit dem Toneport UX1 kam das POD HD 500. Nun denke ich an den Wechsel auf Helix, damit werden es diesmal doch etwas über 500 Euro werden. Bei mir geht der Gitarrensound sehr modern über meine eigene PA. Steht eigentlich jemand auf Vintage PA? Über die PA röhren auch Modelsounds und so geht soundtechnisch voll die Post ab, egal ob vintage oder modern oriented.

Was bedeutet Vintage für mich?

Vintage
ist für mich ein Marketing-Begriff. Worum es bei solchen Strategien geht ist ein Reframing von Begriffen, die nicht positiv besetzt sind und sich darum nicht zur Verkaufsförderung eignen. Wer will schon ein "altes" Instrument? Alt wird mit "veraltet" assoziiert. Eine "Antiquität" will auch niemand im Zusammenhang mit Instrumenten. Eine Antiquität ist wertvoll, die stellt man aber auf, um sie anzusehen. Einen "Oldtimer" will auch niemand, ein Oldtimer ist langsamer und technisch nicht mehr zeitgemäß, versprüht einen nostalgischen Charme, kann aber leistungsmäßig und vom Komfort her mit zeitgenössischen Modellen nicht mithalten.

Und da kommt "Vintage" ins Spiel der Verkaufsförderung. Vintage ist eine Antiquität, also wertvoll. Vintage hat den Charme des Originals. Was Vintage aber vom Oldtimer unterscheidet ist, Vintage ist brandaktuell, sogar leistungsstärker als die modernen Modelle. Und das ist es, was bei den Konsumtenen zieht.

Leistungsstärker? Klingt also besser? Spielt sich also besser? Was ist an den Vintage Instrumenten nun besser? Hier hat schon Edward Bernays, Godfather of PR, 1928 in seinem Werk Propaganda die Mechanismen zur Manipulation der Massen beschrieben, die heute zum kleinen Einmaleins der Lobbyisten gehören. Die zentrale Message lautet: Es kommt nicht darauf an ob Aussagen wahr sind, man muss sie nur oft genug wiederholen, damit sie geglaubt werden.

Vintage ist eine Begrifflichkeit, die für mich unsauber genug definiert ist, so dass man viel darunter verstehen kann und genug Spielraum für eigene Interpretationen bleibt. Würde man die Definition eines Oldtimers hernehmen, dann wären Instrumente, die älter als 25 Jahre sind, bereits Vintage. Damit wäre jedes Equipment, das vor 1997 produziert wurde, aus heutiger Sicht bereits Vintage.

Vintage muss sich auch von Road Worn abgrenzen. Road Worn Instrumente wären - nach den Gesichtspunkten von Antiquitäten - Fälschungen. Auch hier braucht es ein Reframing, wer will sich schon nachsagen lassen, dass er eine Fälschung spielt?

Da eine gute Marketing-Strategie die Gefühle erreicht, wird ein Image generiert. Nun geht es bei einem Image um das Bild, das sich ein Einzelner oder eine Gruppe von einem Einzelnen, einer Gruppe oder einer Sache macht. Es geht bei einem Image um eine feste Vorstellung vom Charakter oder von der Persönlichkeit, nicht um die "Wahrheit".

Und das Image von Road Worn spiegelt zweierlei Wahrheiten vor: einerseits hat der Spieler mit genau diesem Instrument schon unzählige male gespielt, war damit auf der Bühne und auf Tournee. Er ist demnach ein echter Musiker. Andererseits ist er ein richtiger Draufgänger, der sich nicht viel um Ordnung kümmert, also nicht der Typ Pensionist, der seinen Oldtimer jeden Sonntag aufpoliert und nur bei Schönwetter Ausfahrten macht. Natürlich gibt es auch jene, denen die geschunde Optik gefällt, und die trotzdem nicht verbeulte und verrostet Autos fahren, die sich auch vom Schwarz/Weiß-Fernsehen lösen konnten und deren Möbel und Inneneinrichtung nicht Road Worn ist. Das würde ich dann als modischen Aspekt sehen, ähnlich wie zerrissene Jeans. Das Image aber bleibt, denn Image ist ein etabliertes Vorstellungsbild.

Was ist für mich nun Vintage? Für mich steht Vintage für ein originales, altes Instrument, das seine Zeit überlebt hat, oder für einen Nachbau. Wenn jemand mehr damit verbindet, dann seh ich das als Ausdruck von Nostaglie, aber einen Mehrwert hat Alter und Original für mich nicht.

Mir ging es hier eher um Leute wie z.B. Thomas Blug, denen nichts z.B. über „ihre“ 63er Strat geht. Andy Summers greift auch immer wieder zu „seinen“ alten Schinken; Eric Johnson; Larry Carlton; Robbin Ford;…
Da fallen immer wieder Aussagen wie „… ein vintage Instrument ist dann doch noch mal eine andere Liga…“
Für mich haben solche Aussagen zwei Aspekte. Einerseits greift so ziemlich jeder gerne zu seinen "alten" Instrumenten, die er sich zu Beginn seines Schaffens gekauft hat, und auf denen er Spielen gelernt hat. Und andererseits sind auch Thomas Blug, Andy Summers & Co nicht davon befreit, dem Narrativ der Marketingstrategen aufzusitzen.

Dazu kommt, dass jemand, der viel Geld für etwas ausgibt - das gilt auch für die erhaltenenen Originalinstrumente der 50er und 60er - und dann ein wirklich gutes Gefühl hat, diese Instrumente zu besitzen, diese niemals schlecht reden würde. Das wäre wie zugeben, dass man eine Menge für etwas ausgegeben hat, das diesen Preis nicht rechtfertigt. Da steht man im Licht der Öffentlichkeit dumm da, hat Erklärungsnotstand, und das will niemand. So erklärt sich für mich persönlich diese Aussage: mein Vintage Instrument in eine andere Liga.
 
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Und vielleicht auch der psychologische Aspekt daß das instrument ja so gut sein muß weil es so alt ist und so teuer war.
 
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Um Tradition und Innovation geht es mir im Grunde nicht, aber natürlich spielen diese Aspekte eine untergeordnete Rolle.
Sehr ausführlich, cool!

Trotzdem orientiert sich auch Dein Gear an ikonischen Designs, für mich nachvollziehbar, bin in der Hinsicht genauso unterwegs. Die 60 Classic Player in Sonic Blue habe ich ebenfalls besessen, aber verkauft weil ich kein Stratplayer mehr bin. Trotzdem kann ich sagen, dass sie trotz des überschaubaren Preises die beste Strat war die ich im Laufe der Jahre besessen habe.

Auch ich glaube dass Vintage ein Marketing Begriff ist. Marketing ist aber grundsätzlich eine Abteilung die das Blaue vom Himmel verspricht. Viele Konzepte sind innerhalb der Dekaden die wir heute unter Vintage subsumieren würden ausgereift gewesen. Trotzdem werden darauf aufbauende „moderne“ AddOns als DIE unverzichtbare Innovation angepriesen. Dem Marketing ist egal welches Attribut missbraucht wird.
 
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Vintage?
Der Begriff "Vintage" ist ja unabhängig von Gitarren und Co. schon (mehr oder weniger) definiert. Zumindest dann, wenn man das mal in Wörterbüchern, Wikipedia, etc. nachliest. Hatten wir ja hier auch schon oft.

Ich überlege gerade was für mich überhaupt ein "Vintage-Sound" ist? Schwer zu sagen.
Braucht es ein" Vintage-Instrument" aus einer bestimmten Zeit um einen speziellen "Vintage-Sound" zu haben?

Vielleicht ist es ja so, dass jede Zeit ihren Sound hatte, der wiederum sicher auch etwas mit der jeweils zur Verfügung stehenden Technik zu tun hatte, aber sicherlich auch mit "Trends" innerhalb der damaligen Musik. Ich glaube auch, dass es schon früher für viele Musiker eine Motivation war einen ähnlichen Sound zu finden, der wiederum dem ihrer Vorbildern und/oder Hörgewohnheiten entsprach.

Möglicherweise ist es auch so, dass die alten promineten Haudegen irgendwann einfach aufgehört haben ständig zu suchen, ihren "Wohlfühl-Sound" zumindest für einige Zeit gefunden haben und die Musik ganz auch klar wichtiger war als so manches Equipment. Vielleicht kann man es auch daran festmachen, dass die alten Jungs auch mit modernen Geräten diesen ihnen eigenen Sound nachbilden, beziehungsweise sich neues Equipment kaufen das dem bisherigen zumindest klanglich ähnelt. Ist ja bei einigen auch regelrecht so ein "Trademark-Sound".
Knopfler goes Kemper...und er klingt immer noch als würde er auf irgendwelchen Sahne-Vintage-Schätzchen spielen. ;-)

Ansonsten habe ich durchaus auch eine Begeisterung für in Würde gealterte Instrumente. Das würde ich bei mir selbst allerdings eher als Liebhaberei und etwas "romantisch-emotionales" bezeichnen. Was meine eher neuzeitlichen E-Gitarre betrifft, da hat sich ja im Vergleich zu der Zeit aus der so viele heute als "Vintage" bezeichnete Instrumente stammen ja nicht wirklich so sehr viel geändert? ;-) Zumindest bei vielen Gitarren nicht.

Ich konnte z.B auch schon eine tolle alte Vintage Strat intensiv mit einer meiner neuzeitlichen "Strat-Style" Gitarren verglichen und mein Erkenntnisgewinn dabei war, dass mir die neuere Strat insgesamt sehr viel besser gefiel aber beide Instrumente trotzdem tendenziell sehr, sehr ähnlich klangen.

Mir selbst geht es so, dass ich auch so langsam, "klammheimlich" ;-) und ungewollt mehr und mehr zu den Sounds tendieren, die mich über viele Jahre begleitet haben und die ich einfach mag. Da kauft man z.B. ein bestimmtes Pedal, damit der eigene Röhrenamp ein bisschen mehr nach "altem Bluesbreaker" klingt. Sind das dann meine ganz persönlichen "Vintage-Sounds"? Ja, wahrscheinlich.

Was bilde ich am Kemper und anderen Geräten nach?
Meinen eigenen Röhrenamp, oder auch andere ganz überwiegend alte "Vintage-Schätzchen". Ist auch irgendwie drollig, oder?
Aber es ist halt auch so fürchterlich praktisch und flexibel. Natürlich auch vergleichsweise günstig. Zehn coole echte Vintage-Amps? .....puhh

Mein Fazit:
Wir können heute so ziemlich jeden Soud erzeugen den wir haben wollen. Egal womit und auch egal ob live oder in einem Studio. Gitarren können wir auch so bauen, dass man da im Blindtest wohl kaum treffsicher sagen könnte ob "vintage" oder nicht. Nebenbei bemerkt klangen ja auch nicht alle ollen "Vintage-Gitarre" automatisch "gut". ;-) Den Zuhörer wir das auch alles völlig egal sein.

Für den spielenden Gitarristen ist das sicherlich anders. Da geht es ja auch um Gefühle und auch das "Spielgefühl" .
Oder manchmal vielleicht auch um Sammellleidenschaft, Geldanlange, mein Haus, mein Pferd, meine Yacht...etc.
Letzteres fände ich persönlich schade, aber letztendlich ist es halt wie es ist. Vielleicht muss man ja auch nicht immer alles durch die eigene subjektive Brille bewerten. ;-)

Ich habe z.B. eine alte Armbanduhr. Jede neue gute Uhr könnte diese Uhr rein technisch problemlos ersetzen.
Aber die habe ich mir damals nicht zusammensparen müssen, die ist nicht mit mir an einem Gleitschirm äußerst unsanft zu Boden gegangen, war auf Bergen, im Atlantik und vieles mehr. Manchmal sind es halt einfach Geschichten, spezielle Materialien und viele andere Dinge, die Gegenständen einen besonderen "Wert" verleihen.

Außerdem bin ich auch "vintage"......aber sowas von .... :whistle:
 
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Habe eben grade Cream Live gehört , da ist alles Vintage. Zu diesen Zeiten
gab es auch nicht viel Anderes als Paulas, Strats, ES 335 und ja Klappstuhl spielte
auch eine Firebird.
Heutzutage kann man einen Vintage Sound und Look haben ohne die Nachteile
der alten Schätze auf sich zu nehmen. Meine erste Firebird war eine Reissue , Brücke
mit Rappelfeder, Banjotuner, machte auf die Dauer wenig Spaß, Gitarre mußte gehen.
Nach vielen Jahren kam wieder eine Firebird V ins Haus , keine Banjo Tuner, moderne
Brücke und es ist Alles Gut, sie sieht zwar nach Vintage aus spielt sich aber mit den
modernen Features besser. Warum soll eine Paula immer schwer sein, kann mir denken
daß mir Eine mit gechamberten Body auch liegen würde, Studio, Classic oder Modern.
 
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