Über die Vor- und Nachteile des Gebrauchtkaufs

Dieses Thema im Forum "FAQ and Workshop" wurde erstellt von DrummerinMR, 30.10.10.

  1. DrummerinMR

    DrummerinMR Helpful & Friendly User

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    Da immer wieder Fragen diesbezüglich kommen, habe ich jetzt mal spontan eine kleine Liste angefertigt, die beim Gebrauchtkauf helfen soll. Diese ist sicherlich noch nicht vollständig, sodass Ihr alle eingeladen seid, sie noch weiter aufzufüllen!



    Grundsätzlich gilt ca 50% des Neupreises (Nicht des UVPs, sondern des tatsächlichen Ladenpreises) ist der Gebrauchtpreis eines Drumartikels. Dies gilt weitestgehend, bis auf bestimmte Raritäten und "gehypte" Artikel (momentane Beispiele wären hierzu Paiste 602 oder Paiste 2002, gibt natürlich noch einige mehr).


    Beachten muss man hierbei natürlich noch den jeweiligen Zustand des Artikels. Hierfür eine kleine Checkliste (die natürlich noch erweiterbar ist)



    • Erster Gesamteindruck:
    Hat das Set große Macken/Kratzer oder gar Risse?
    Sind diese Macken nur oberflächlich oder reichen sie bis aufs Holz, ist gar eine Holzlage zerstört oder droht ein Riss? (dann lieber Abstand vom Kauf nehmen, sofern es sich nicht nur um kosmetische Macken/Kratzer handelt)


    Ist das Set vollständig? Fehlen bspw. Böckchen (oder sind kaputt)? Diese sind bei älteren Sets oft schwer zu ersetzen und wirken sich (durch ihr Fehlen) auf die Stimmbarkeit aus.


    Wie sieht die Hardware aus? Flugrost? (Lässt sich bis zu einem gewissen Maße recht leicht entfernen, drück den Kaufpreis aber in der Regel nach unten, sodass man ihn ruhig in kauf nehmen kann, sofern die Funktionalität der Hardware nicht beeinträchtig ist/wird) Hakelt sie? (Das muss die Funktionalität nicht unbedingt zwingend einschränken, nervt auf Dauer aber gewaltig beim Auf- und Abbau) Stehen alle Stative stabil? (Es ist ärgerlich, wenn ein Ständer plötzlich schlapp macht und ein Becken, Snare etc. dann zu Fall kommt)


    Wie ist der Zustand der Felle? Sind sie (arg) verbeult bzw. runtergespielt, steht ein Fellwechsel an, der – je nach Umfang – ca 50 bis 100 euro (lediglich für die Schlagfellseite bei einem 3 Tom, Snare, BD Set) in Anspruch nehmen wird.



    • Näher nachgeforscht:
        • Felle abmontieren und sich die Gratungen (die Spitze der Holzkessel, auf denen das Fell aufliegt) genau ansehen. In der Regel sollte diese mängelfrei sein, kleinere Kerben sind in der Regel auch tolerierbar, sofern sie sich nicht auf die Stimmbarkeit ausüben. Gröbere Macken (alles über 2-3mm) sollte man lieber aus dem Weg gehen, da auch hier die Gefahr besteht, dass sie sich auf den Sound des jeweiligen Kessels ausüben könnten. Wahlweise kann man diese Seite von einem Fachmann neu graten lassen, das kostet um die 15-20 Euro und wäre dann vom Verhandlungspreis abzuziehen.

        • Ebenfalls wichtig für den Sound ist, dass die Kessel rund sind. Natürlich sind Schlagzeugkessel an und für sich bereits rund, jedoch verziehen sich einige mit der Zeit, beispielsweise durch Witterungseinflüsse oder schlechte Lagerung. D.h. Die Kessel werden unrund, man hat Probleme ein Fell ordentlich aufzuziehen und zu stimmen. Es ist schwierig dies in einer Verkaufssituation zu überprüfen, jedoch kann man, wenn man eh schon die Gratung überprüft, einfach mal das Fell des Kessels nehmen und einmal um 360° auf dem Kessel drehen, liegt es immer überall gleich auf, dann sollte der Kessel in der Regel rund sein.
          Hardware, falls nicht im Gesamteindruck schon geschehen, nicht nur optisch prüfen, sondern auch auf- und abbauen, um zu sehen, ob alle Funktionen gegeben sind. Bei der Hihatmaschine bspw. darauf achten, dass die Feder noch stark genug ist, um das Hihat Top-Becken ohne Verzögerung zu bewegen. An der Snare die Abhebung ausprobieren, ob diese den Snareteppich sicher und fest verschließt. Gehen alle Gewinde/Schrauben an den Böckchen? (Austesten, wenn man die Felle abnimmt).




    Weitere Reflektionen in Stichworten:



    • Problem bei Umfangserweiterung: In der Regel ist es schwer Zusatzkessel des gebraucht gekauften Drumsets zu finden, d.h. Wenn man bereits weiß, dass man 4 Toms will, sollte man entweder ein Set direkt so gebraucht kaufen oder darauf achten, dass die Farbe nicht allzu ausgefallen ist. In schwarz und weiß bekommt man in aller Regel immer Zusatztoms, ggf. auch von einem anderen Hersteller, ohne, dass man sofort sieht, dass es zusätzlich gekauft wurde.
    • Hat der Vorbesitzer „Innovationen“ nachgerüstet? Bspw. Freischwingende Tomhalterungen? So etwas ist ein Plus!
    • Verbastelte Sets, bspw. durch Neufolierung (nicht professionell!), eigene Lackierung etc. verlieren deutlich mehr an Wert, d.h. hier sind in der Regel nur 35-45% des Neupreises anzusetzen, eben „Bastlerware“.
    • Kaputte Becken führen ebenso zu einem Wertverlust des Sets. Ein hochklassiges Crash (im 200 Euro Bereich) ist mit einem Riss nur noch ca 10-15% des Neupreises wert. Es kommt auch auf die Größe des Risses an, bei kleineren Rissen (bis 4-5cm) muss der Klang nicht unbedingt leiden, jedoch neigen diese dazu noch weiter einzureißen, sodass das Becken wirklich irgendwann unspielbar ist. Risse, die mit den Abdrehrillen verlaufen, weisen eher auf einen Materialfehler hin, Risse, die senkrecht dazu verlaufen sind Handhabungsfehler. Geht ein Verkäufer schon so mit seinen Becken um, ist Vorsicht geboten und man sollte das komplette Set genau begutachten. Ein sogenanntes Keyhole, also ein unrundes Loch, dort, wo man das Becken in den Ständer einhängt, ist nicht unbedingt schlimm, solang es noch nicht zu stark ausgeprägt ist. Hat ein Becken nur ein leichtes Keyhole, ist es immernoch annähernd die Hälfte (eher 40%) des Neupreises wert.
    • Bei älteren Sets (z.B. Sonor Champion) nicht wundern, wenn die Gratung als solche nicht erkennbar ist, es war eine zeitlang Mode, den Kessel eine "runde" Gratung zu verpassen.
    • Käufermeinung und Verkäufermeinung gehen oft weit auseinander. Was ein Verkäufer als „Top“ anpreist, muss nicht wirklich „top“ sein. Doch anhand dieser Checkliste kannst du den größten Problemen aus dem Weg gehen
    • Zu guter Letzt: Wichtig ist das Preis/Leistungsverhältnis. Man kann über optische Mängel, über ne kaputte Snareabhebung etc. hinwegsehen... „wenn der Preis stimmt“! Um das herauszubekommen kannst Du einfach in der Plauderecke im „Wertschätzungsthread“ nachfragen, sofern Du Dir unsicher sein solltest.




    Ansonsten gilt:
    Ruhe bewahren! Im Vorfeld gut informieren! Hol Dir Infos über das künftige Set ein, versuch' zu eruieren, was es neu einmal gekostet hat. Lass Dir den genauen Umfang, die genaue Typenbeschreibung (auch der Becken) mitteilen und schau einfach mal quer, ob diese Sets öfter gehandelt werden und für welche Preise. Lass Dich nicht mit Argumenten wie „das ist aus Ahorn, ganz super“ ködern, sondern versuch Dir vorher bereits einen Überblick zu verschaffen, denn ein 300 Euro Ahorn Set (Neupreis) ist bei weitem nicht so super, wie ein 3000 Euro Ahornset ;)
    Versucht nicht von heute auf morgen Euer Traumset zu schießen, sondern lasst Euch 3-4 Woche Zeit, um Informationen zu sammeln, die Lage/den Markt zu sondieren und dann zuzuschlagen.


    Ab ca 350 Euro geht es mit dem Gebrauchtkauf los. Von 350-650 Euro bekommst du gute, taugliche, langfristige Einsteigersets mit oft auch passablen Becken.
    Pearl Export, Sonor 200x/300x, Yamaha Stage Custom, Basix Custom, Tama Rockstar, Mapex M Birch, PDP FX/FS/BX ist eine Auswahl an gängigen Sets, die recht häufig verkauft werden. Je nach Umfang und Zustand sind sie in dieser Preisklasse zu haben und bieten Dir einen guten Einstieg.
    Zuletzt bearbeitet: 30.10.10
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  2. pingpongdong

    pingpongdong Registrierter Benutzer

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    Hallo DrummerinMR, bin soeben erst als absolutes greenhorn hier gelandet. Meine Tochter (11) will jetzt endlich uuunbedingt anfangen, Schlagzeug zu spielen und ich freu mich schon auf den ganzen Krach im Haus ;-)
    Seit Tagen/Nächten schaue ich im Netz nach einen passenden Einsteigerschlagzeug, da unser Budget de facto gar nicht existiert. Immer wieder bist Du mir bei Kommentaren zu den diversen Modellen aufgefallen und darum mag ich mich mit meiner Frage an Dich wenden.
    Wir haben heute ein Schlagzeug entdeckt, in das wir uns alle beide "verguckt" haben, das aber offensichtlich jenseits des mainstreams zuhause ist und weshalb ich eigentlich keine Infos oder Kommentare im Netz gefunden habe.
    Es handelt sich um ein altes Schlagzeug der Schweizer Firma MONTANA (aus der dann die Firma Swiss Custom wurde:

    http://kleinanzeigen.ebay.de/anzeig...g-!!!-selten-!!!/124830069-74-8080?ref=search

    Kannst/magst du mir dazu was sagen????
    Herzliche Grüße mit vielen Fragezeichen....
  3. hgdrums

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    Hallo ich bin zwar nicht gefragt worden , aber : Das Set ist mir nicht bekannt , die Infos aus der Anzeige auch "mehr als bescheiden" .Die Becken konnte ich nicht identifizieren , Kesselmaterial nicht angegeben, etc. Da wird es schwierig eine ordentliche Meinung dazu abzugeben. Alternativ schau mal im drummerforum . Zum Bleistift :http://www.drummerforum.de/forum/72091-basix-custom-set-dw-pdp-und-tama-hardware.html Gruß hg
  4. pingpongdong

    pingpongdong Registrierter Benutzer

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    Hallo hgdrums, danke für Deine Antwort! Klasse, dass Du Dir die Mühe gemacht hast, obwohl "Du nicht gefragt worden bist!!!! ;-)

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