[FAQ] Mono- und Stereo-Verstärker-Setups

von Cadfael, 23.06.07.

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  1. Cadfael

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    Erstellt: 23.06.07   #1
    Hallöli,

    da ich in der FAQ-Ecke keine Threads erstellen kann poste ich das mal hier. Es kommt ja immer wieder zu Fragen, sowie Wirrungen zum Thema mono und stereo. Daher habe ich mir mal die Mühe (5 Stunden Arbeit) gemacht das in Diagrammen und Bildern festzuhalten.

    Einleitung
    Es ist eine sehr berechtigte Frage, ob dieser Beitrag sich einzig an Anfänger wendet. Nach meinen Erfahrungen weiß nämlich mancher Gitarrist selbst nach Jahren noch nicht wirklich den Unterschied zwischen einem mono und einem Stereo Verstärker Setup.
    Immer wieder hört man, dass zwei Verstärker oder Boxen automatisch stereo wären. Das ist falsch. Selbst mit zwanzig Verstärkern und hundert Boxen kann man mono spielen. Mit einem einzigen Combo hingegen stereo.

    Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Mono und Stereo?
    Ein Setup ist mono, wenn das gleiche Signal kommt aus einer oder mehreren Boxen.
    Ein Setup ist stereo, wenn zwei unterschiedliche Signale aus mindestens zwei Lautsprechern kommen.

    99,9% aller Gitarren liefern ein Mono-Signal. Schickt man dieses Mono-Signal jedoch in ein Effektgerät das mit Verzögerungseffekten oder Modulation arbeitet (z.B. Delay, Chorus, Flanger), so erhält man einen Stereo-Effekt.
    Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten. Lasse ich sich Originalsignal und Effektsignal überlagern und schicke es an einen einfachen Verstärker, bleibt das Signal mono; es gibt ja kein zweites Signal, das sich von diesem Signal unterscheidet. Trenne ich jedoch das Originalsignal vom Effektsignal und schicke die beiden an zwei Endstufen, so erhalte ich zwei Signale; also Stereo.

    Welche oder wieviele Effektgeräte zwischen Gitarre und Amp oder in den Einschleifweg gehangen werden ist für mono und stereo unerheblich. Ein Mono-Verstärker bleibt immer mono.

    Mono Setups
    Das klassische Beispiel für ein Mono-Setup ist die Gitarre, die ich in einen einfachen Combo-Verstärker stecke. Wie viel Kanäle dieser Amp hat spielt keine Rolle. Selbst ein Amp mit vier Kanälen kann mono sein (z.B. Hughes & Kettner Matrix). Neben Lautstärke und Verzerrung kann man in der Vorstufe auch den Klang regeln. Die meisten Amps haben auch Effekte oder Einschleifwege. Auch besagter Matrix verfügt über Chorus oder Delay. Wie oben erwähnt, schickt er dieses Signal aber nicht an zwei verschiedene Endstufen, sondern mischt einfach Original- und Effektsignal miteinander. Das Mischsignal wird dann an eine einzige Endstufe geschickt. Die verstärkt das Signal und gibt es an den Lautsprecher weiter. Eine Zusatzbox würde das Signal lediglich zusätzlich wiedergeben. Sie gäbe kein anderes Signal ab. Ein Matrix mit Zusatzbox bleibt also mono.

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    Die meisten Gitarren-Tops haben zwei oder mehr Ausgänge für Lautsprecher. Hat der Verstärker jedoch nur eine Endstufe, ist es egal ob ein, zwei oder hundert Boxen angeschlossen sind. Da aus allen Boxen das gleiche Signal herauskommt, bleibt der Verstärker mono. Dabei spielt auch keine Rolle, ob die Boxen untereinander verbunden werden oder getrennt am Verstärker hängen (beides ist in der Skizze dargestellt).

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    Was ist aber, wenn ich meine Gitarre in einen Splitter stecke, der das Signal an mehrere Verstärker gleichzeitig senden kann? Auch dann bleibt das Signal mono, da ja an beide Verstärker ein identisches Signal geschickt wird. Theoretisch kann ich also eine ganze Verstärkerwand auf der Bühne stehen haben und trotzdem mono fahren.

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    Stereo Setups
    Von verschiedenen Herstellern gibt es seit Jahrzehnten Stereo-Amps zu kaufen. Einer der berühmtesten dürfte der Roland Jazz Chorus 120 sein. Peavey und andere Hersteller brachten aber auch ähnliche Modelle heraus. Alte Stereo-Verstärker arbeiten meist mit Chorus-Effekten. Digitale Delays waren viel zu teuer.
    Was diese Verstärker von normalen Verstärkern unterscheidet, sind die beiden eingebauten Endstufen. Von der Vorstufe geht es zuerst meist in Mono-Effekte. Am Ende der Kette steht dann ein Stereo-Effekt, der zwei unterschiedliche Signale liefert. Diese Signale werden dann getrennt an die beiden internen Endstufen geschickt. Jede Endstufe schickt das verstärkte Signal an (mindestens) einen Lautsprecher weiter.

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    Im Grunde sieht der Aufbau mit einem Stereo-Topteil genauso aus - nur dass sich die Lautsprecher außerhalb des Verstärkers befinden. Nachteil beider Stereo-Setups ist, dass die beiden unterschiedlichen Signale durch die Nähe der Lautsprecher sehr nah aneinander liegen. Trotz Stereo ist ein Stereo-Effekt aus mittlerer Entfernung kaum zu hören.

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    Eine weitere Variante ist es, sein Gitarrensignal an ein Bodeneffektgerät oder Multieffektgerät schicken. Von dort aus geht man in zwei Mono-Verstärker, die wiederum an eine Stereo-Box hängen. Dann gibt z.B. die linke Hälfte der Box das Signal von Verstärker A, die rechte Hälfte das Signal von Verstärker B wieder. Auch hier ist die zu geringe räumliche Trennung der beiden Signale ein Problem.

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    Abhilfe schafft ein Stereo-Topteil mit zwei Boxen. Stellt man die Boxen weit auseinander oder im Winkel voneinander weg, ist der Stereo-Effekt deutlich zu hören.

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    Zuletzt haben wird die Variante das Stereo-Signal erneut mit einem Bodeneffektgerät oder Multieffektgerät zu erzeugen. Von dort aus geht man in zwei Mono-Verstärker, die beide ihre eigene Box haben.

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    Quadro Setups
    Hat man einmal angefangen rumzuspinnen, kann man sich natürlich die verrücktesten Setups ausdenken! Wie wäre es, mit vier Amps zu fahren? Abgesehen davon, dass echte Quadrophonie spätestens am Mischpult endet, sind aber auch mit mehr als zwei Verstärkern nette Effekte zu erzeugen. Meines Wissens erzeugt Brian May von Queen seinen Sound, indem er eine ganze Batterie von VOX AC30 mit leicht unterschiedlichen Signalen füttert.

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    Und noch ein Setup
    Eine weitere Möglichkeit des Setups ist D/W/D-Amping (Dry/Wet/Dry).
    Hierbei wird das Gitarrensignal zuerst in einen normalen Gitarrenverstärker (Dry) geschickt und dort verarbeitet. Dieses Mono-Signal nimmt man mit einem Mikro oder einer DI-Box ab und schickt es über Effektgeräte in eine Stereo-Endstufe (Wet/Dry), die wiederum mit zwei oder mehr Boxen verbunden ist.
    Vorteil dieses Setups ist, dass ein im normalen Amp den Grundsound liefert - sowohl das Vorstufen als auch Endstufensignal. Dieses fertige Signal wird dann räumlich gemacht. Nachteil ist der enorme Aufwand, den man treiben muss.

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    Fullrange, Bi-Amping, Tri-Amping
    Alle bisher vorgestellten Mono- und Stereo-Setups waren Fullrange Setups.
    Das gesamte Signal von tiefsten Bässen bis höchsten Höhen wird also in seiner vollen Bandbreite auf alle Speaker geschickt; es gibt keine Trennung nach Frequenzen. Bei einem Gitarrensignal ist das auch kein Problem. Im Gegensatz zu HiFi-, Bass-, oder PA-Anlagen ist die Aufgabe von Gitarrenanlagen den Sound zu verfälschen. Jeder der eine verzerrte Gitarre direkt in die HiFi-Anlage oder ins Mischpult gespielt hat weiß was ich meine. Bei linearer Wiedergabe kreischen die Höhen und dem Sound fehlt Charakter. Die Bandtauglichen Verstärker haben daher (fast) alle 10" oder 12" Speaker, die zum einen die Höhen abwürgen, zum anderen für einen (relativ) warmen mittigen Sound sorgen.

    Bei Bässen sieht die Sache anders aus. Hier werden - wie der Name bereits sagt - neben den Mitten wesentlich stärkere Bässe erzeugt und auch Höhen sind erwünscht. Daher ist es theoretisch möglich einen (unverzerrten) Bass direkt ins Mischpult zu spielen. Betreibt man eine Bassanlage Fullrange, muss ein Speaker gleichzeitig mit tiefen Bässen als auch spritzigen Höhen fertig werden. Fährt man z.B. eine Anlage mit einem 15er und 4x10ern, schafft der 15er es nicht die Höhen ausreichend wiederzugeben, die 10er die tiefen Bässe. Zusammen gleicht sih das jedoch aus.

    Für die Speaker ist das große Frequenzspektrum natürlich eine Belastung. Daher kam man auf die Idee aktive Frequenzeichen einzusetzen. Bei diesen Frequenzweichen kann man oft die Trennfrequenz, sowie die Flankensteilheit (also wie stark ein Signal ab einer bestimmten Frequenz abfällt) einstellen. Nachdem das Signal nach Frequenzen getrennt wurde, geht es an zwei Endstufen. Die HI-Speaker bekommen keine starken Hübe mehr ab und die LO-Speaker müssen sich nur um die tieferen Frequenzen kümmern. Da man für die Wiedergabe von Bässen wesentlich mehr Leistung braucht als für die Wiedergabe von Höhen (bei gleichem Lautstärkeempfinden) kann die HI-Endstufe wesentlich weniger Watt haben. Wie groß der Unterschied am besten ist, hängt on der Trennfrequenz ab.
    Stellt man die Boxen für HI und LO auseinander haben wir im Grunde ein frequenzabhängiges Stereo-Setup, obwohl das Signal nicht verzögert oder moduliert wird. Besonders gut hörbar wäre das bei einem geslappten Bass.

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    Tri-Amping ist im Grunde das gleiche wie Bi-Amping, nur dass das Signal in Bässe, Mitten und Höhen aufgeteilt wird. Tri-Amping wird normalerweise nicht von Instrumentalisten eingesetzt, sondern findet seinen Einsatz hauptsächlich im PA-Bereich.



    Schlussbemerkung
    Selbstverständlich wäre zum Thema noch mehr zu schreiben. Einige Dinge hätten vielleicht auch noch näher ausgeführt und nicht so sehr simplifiziert werden sollen. Der geneigte Leser dürfte jedoch einen Überblick darüber bekommen haben was denn nun Mono und Stereo sind.

    Vielleicht wird es nach dem lesen nicht mehr ganz so wild durcheinander gewürfelt?

    Gruß
    Andreas
     
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