Gitarre einstellen, aber richtig

von StrangeDinner, 12.12.10.

  1. StrangeDinner

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    Erstellt: 12.12.10   #1
    Servus und guten Tag, ich hoffe der Workshop hier findet seinen anklang und hilft einigen Usern.


    Es wird immer wieder mal eine Frage zum einstellen der eigenen Gitarre gestellt und als das mal wieder bei den PRS Usern der Fall war, habe ich beschlossen mal einen kleinen Workshop zu machen und im Verlauf von diesem die wichtigsten Schritte zu erklären.
    Im Laufe dieses Workshops werde ich auch auf mehrere Dinge eingehen die im Grunde nichts mit dem Einstellen der eigenen Gitarre zu tun haben, aber vielleicht trotzdem als hilfreich angesehen werden.
    Diese Tipps beruhen auf meinen eigenen Erfahrungen die ich selber gemacht habe oder wurden mir so von anderen gezeigt bzw. erklärt.
    Ich kann zumindest garantieren, dass ich jeden dieser Tipps selber schon getestet habe und auch bei jeder meiner Gitarren anwende.


    Dann legen ich mal los.


    Jeder weiß dass es Unmengen an Brückentypen gibt und dass jedes System seine eigenen Tücken hat und gerade deswegen werde ich mich , fürs erste, nur mit einer Sorte von Stegen beschäftigen. Dem so genannten vintagestyle Vibrato wie es auf einer Fender zu finden ist oder in meinem Fall auf meiner PRS Tremonti II, natürtlich in einer etwas abgeänderten form.
    Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass fast alle Arbeitsschritte auch bei anderen Vibratos wie auch festen Brücken angewendet werden können. Es bleiben im Moment eben nur die Feinheiten aus die es einem noch leichter machen ein FR richtig einzustellen.


    Das war jetzt schon ein weiter Vorstoß, aber nur fürs erste.
    Bevor wir uns mit dem Vibrato beschäftigen können gibt es noch eine Menge Arbeit die wir erledigen müssen. Dabei gehe ich jetzt einfach mal davon aus, dass ihr Saiten aufziehen könnt und auch schon welche auf euren Gitarren sind.
    Auch zum Thema des Saitenwechsels werde ich mich hier nicht auslassen, das hat noch zeit.


    Beginnen wir jetzt mit dem einfachsten und gleichzeitig wohl am wenigsten gemachten.
    Dem anziehen der Muttern die unsere Mechaniken fixieren.


    Durch den gebrauch unserer Gitarre können sich diese mit der Zeit etwas lockern.
    Das muss nicht passieren, aber kann und ein Check und die Arbeit ist in kürzester Zeit erledigt. Bei den meisten Gitarren braucht man dafür einen 10er Gabelschlüssel und bei Bässen ist oft der 15er der richtige.
    Die Schrauben handfest nachziehen und schon ist der erste Schritt in die richtige Richtung getan.


    Jetzt könnt ihr die Gitarre in die Hand nehmen und einfach durchstimmen. Beachtet hierbei nicht die Lage des Vibratos. Jetzt gerade ist es unwichtig ob die Positionierung richtig oder falsch ist. Stimmt erst eure Gitarre und dann gucken wir mal weiter ;)


    Die Gitarre ist also gestimmt und was jetzt.
    JETZT gucken wir uns mal das Vibrato an, aber was ist die richtige Position?
    Das kommt natürlich darauf an welches Vibratosystem auf eurer Gitarre verbaut ist. Pauschal kann man sagen, dass die Grundplatte parallel zur Decke verlaufen sollte. Auf den Bildern könnt ihr die bekanntesten System sehen und dazu eine falsche wie auch eine richtige Position. Da sollte für die meisten das passende Bild dabei sein.


    Vintage Style PRS



    PRS.jpg

    FR

    Kramer.jpg

    Vintage Style Fender

    Fender.jpg

    Pro Edge Ibanez

    Ibanez.jpg

    Aber was tun wenn das eigene Vibratosystem nicht die richtige Position hat ?
    Die Lösung ist eine ganz einfache.
    Man schraubt als erstes das Federfach hinten an der Gitarre auf und das sieht dann meisten so ähnlich aus.
    Die Anzahl der Federn richtet sich dabei nach vielen Faktoren. Der Art des Vibratos, der Saitenstärke und dem eigenen Geschmack. Ich für meinen Teil mag es wenn das Vibrato sehr hart ist und sich nur sehr schwer ziehen lässt.
    Hier mal ein Bild meiner Fender mit einer geraden Federkralle. Das funktioniert bei meiner Fender am besten.

    Federfach.jpg

    Auf dem Bild habe ich auch schon die Richtungen eingezeichnet in welche man die Schrauben der Federkralle reindrehen bzw. herausdrehen muss um zum gewünschten Ergebnis zu kommen.
    Während des drehen verändert sich natürlich auch immer die Stimmung, Drehe ich die Federkralle herein wird der Zug der Feder größer und die Gitarre wird automatisch höher gestimmt. Was wir jetzt suchen ist die richtige Balance aus Federzug und Saitenzug.
    Jeden Anfänger würde ich empfehlen das in kleinen Schritten zu machen. Muss die Viubratoplatte nach unten da diese schräg nach oben zeigt. Dreht also die Schrauben der Federkralle eine halbe Umdrehung herein und stimmt die Gitarre dann durch. Das Stimmen müsste ihr dabei mehrmals machen, da wir wieder die Balance zwischen richtiger Stimmung und dem Federzug erreichen wollen. Das wiederholt ihr jetzt so lange bis die Vibratoplatte die gewünschte Position hat. Nimmt es dabei, fürs erste, aber nicht zu genau da es durchaus passieren kann das wir das wir das ganze später wiederholen müssen.

    Jetzt hat das Vibrato in etwa die richtige Positionierung. Also können wir uns mal an den Hals machen ;)
    Hier bitte sehr vorsichtig arbeiten, mir ist zwar bis heute noch kein einziger Halsstab gerissen oder ähnliches. Trotzdem kann es vorkommen wenn die Gitarre recht billig ist oder unvorsichtig gearbeitet wird. Auch hier stellt sich uns die Frage wie der Hals aus zu sehen hat wenn er richtig eingestellt ist bzw. wie erkenne ich das überhaupt.


    Als erstes checken wir mal den Hals, vielleicht ist dieser ja schon richtig eingestellt. Dazu nehmen wir die Gitarre an uns und greifen einfach den ersten Bund der tiefsten Saite. Während wir das machen drücken wir mit dem Daumen der rechten Hand den letzten Bund der tiefsten Saite und können nun mit dem rechten Zeigefinger die Krümmung vom Hals checken.
    Das gleiche machen wir dann mit dem linken Zeigefinder am ersten Bund und dem rechten Daumen am 12 Bund. Das ganze wiederholt man bei der höchsten Saite.
    Diese Beschreibung ist natürlich etwas fragwürdig und deshalb habe ich euch natürlich auch hiervon ein Bild gemacht. Gerade beim dem Thema das dieser Workshop zum Inhalt hat sagt ein Bild oft mehr als 1000 Worte.

    Halscheck.jpg

    Der Abstand zwischen Bund und Saite sollte beim unteren Bild etwa 0,2 bis 0,4 mm betragen.
    Beim oberen , zwischen Bund 1 und 12, checkt man ob die Saite noch Luft hat.

    Saitenabstand.jpg

    Leider kann ich hier nicht jeden User helfen, da es wirklich einiges an Erfahrung braucht um wirklich das beste aus dem Hals herauszuholen. Hier heißt es üben, üben und üben, genau wie beim Spielen.
    Für das Optimum muss man den Hals noch durchgucken und auf einen ganzen Haufen von Dingen achten die ich euch hier nicht einfach an Hand von Bildern zeigen und erklären kann. Des Weiteren sind Oktavknicke zu beachten die so einige Hälse haben usw usw. das spielt alles aber nur eine Rolle wenn man auf Teufel komm raus das Schnarren nicht weg bekommt. In 90% der Fälle reicht der einfache Saitencheck

    Da ich nur eine bestimmte Anzahl von Bildern in eine Antwort einbinden kann unterbreche ich jetzt hier und mache mit dem zweiten Beitrag weiter.
     
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  2. StrangeDinner

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    Erstellt: 12.12.10   #2
    Jetzt haben wir den Hals gecheckt und es gibt eigentlich nur drei Mögliche Ergebnisse.
    Der Hals ist ok, der Hals ist überhoben oder der Hals hängt durch.
    Natürlich habe ich auch dazu Bilder gemacht.

    Hier hängt der Hals durch
    hals hängt durch.JPG

    Hier ist der Hals optimal eingestellt

    hals ist optimal.JPG

    Hier ist der Hals überhoben

    hals ist überhoben.JPG

    Jetzt wissen wir wie unser Hals eingestellt ist, aber wie ändern wir eine falsche Einstellung.
    Da haben sich die Gitarrenbauer schon vor Jahren den Halsstab einfallen lassen. Dieser ist meistens unter einer Abdeckung an der Kopfplatte zu finden. Es gibt aber die unterschiedlichsten System wie unter einer Holzabdeckung in einem der letzten Bünde oder am anderen Ende des Halses wo man dann den ganzen Hals sogar entfernen muss um an den Halsstab zu kommen. usw. usw. es gibt zu viele um hier alle zu zeigen und ich habe auch hier nur Gitarren bei denen man den Halsstab an der Kopflatte einstellen kann.
    Der Halsstab ist gefunden, aber in welche Richtung soll der gedreht werden ?
    Es ist ganz einfach und bevor ich versuche es zu erklären und daran scheitere, zeige ich euch wieder ein Bild das alles sagt. Verwendet bitten den Schlüssel der bei eurer Gitarre dabei war, hier gibt es auch sehr verschiedene Größen.
    Geht dabei in nur sehr kleinen Schritten vor, ich empfehle da immer eine ¼ Drehung, dann den Hals wieder checken usw usw.


    Ich persönlich gehe in größeren und kleineren Schritten vor, aber ich mache das auch öfters;)
    Wenn ihr echt fit seid, macht ich das was ich hier in Stunden zusammen geschrieben habe, locker in 10 Minuten.
    Hier nun aber das versprochene Bild.
    Auch hier kann man sehr gut sehen was passiert wenn man in die entsprechende Richtung dreht.


    Halsstabrichtung.jpg

    Wenn der Hals stimmt kümmert man sich um die Höhe der Saitenlage. Hier kann ich euch eigentlich keinen Tipp geben wenn es um die Entfernung zu den Bundstäbchen geht.
    Es kommt natürlich auf die Qualität der Gitarre an, meine PRS erlaubt eine sehr tiefe Saitenlage, auf den eigenen Anschlag, auf das was man spielt und was man mag.
    Ein Gitarrist der seine Interessen mehr Richtung Speed ausrichtet wünscht sich meisten eine tiefere Saitenlage als ein richtiger old school Rocker der es auch gerne etwas höher haben kann.
    Das müsst ihr selber entscheiden, aber wie ihr eure Wunscheinstellung hinbekommt werde ich trotzdem versuchen zu erklären.


    Stimmt die Gitarre wieder durch und guckt euch dabei auch gleich wieder das Vibrato an, es sollte noch immer in einer ähnlichen Position sein wie ihr es schon am Anfang grob eingestellt habt. Wobei das Wort grob hier auch nicht ganz richtig ist, damit beziehe ich mich auf Unterschiede im mm Bereich.
    Wenn die Gitarre gestimmt ist überprüft ihr euch ob die Saitenlage passt und spielt mal die tiefe Saite durch ob es irgendwo schnarrt. Passt euch die Saitenlage spielt die anderen Saite auch durch und wenn ihr zufrieden seid, könnt ihr das Vibrato jetzt noch feiner justieren und schon sie dihr fertig. Seid ihr jedoch nicht zufrieden oder es schnarrt und das stört euch, müsst ihr jetzt weiter lesen und das kalte Bier im Kühlschrank lassen.


    Seid ihr zufrieden mit der Saitenlage, aber irgendetwas stört, schnarrt oder macht merkwürdige Geräusche, kann es dafür mehr als einen Grund geben. Wir gehen die anderen erst später an, heute wird wirklich nur die Saitenlage besprochen und eine zu tiefe kann auch ein Grund für schnarrende Saiten sein.
    Bei einer PRS nehmt ihr dann einfach den Inbusschlüssel der mitgeliefert wurde und schraubt dann erst den Saitenreiter der Tiefsten Saite etwas nach oben, stimmt die Gitarre wieder durch und testet noch einmal ob die Saite schnarrt. Das gleiche macht ihr jetzt mit der höchsten Saite und checkt ob diese schnarrt.

    Sollten nun beide ok sein und euch zusagen, müsst ihr nun die anderen Saitenreiter an die neue Höhe anpassen.
    Die Saitenreiter sollten gemeinsam, in etwa, der Wölbung des Griffbretts folgen.

    Saitenreiter.jpg

    Passt bitte darauf auf, dass diese auch immer gerade sind da es durch Schiefstellung Nebengeräusche geben kann. Geht auch bitte alle Madenschrauben noch einmal durch damit ihr sicher gehen könnt, dass diese nicht locker sind. Das kann auch schnell ein Schnarren oder Nebengeräusch verursachen.


    Habt ihr nun alles erledigt, checkt noch einmal ob das Viubratosystem gerade ist und sollte es nicht der Fall sein richtet es bitte wieder richtig aus.


    Jetzt fehlt nur noch die Oktavreinheit, BITTE nicht mit Bundreinheit verwechseln.
    Bundreinheit beutet das was es heißt, das heißt dass die Bünde richtig angebracht und jeder Bund wirklich den entsprechenden Ton liefert den wir wollen.
    sind und sollten eure Gitarren mal wirklich nicht bundrein sein. Könnt ihr diese eigentlich vergessen oder euch einen neuen Hals besorgen.
    In den meisten Fällen sind die Gitarren recht bundrein, wirklich bundrein ist eine normale Gitarre niemals. Auch die beste und teuerste Gitarre ist nichts anderes als ein Kompromiss.
    Das heißt nicht, dass es keine bundreinen Gitarren gibt, diese sehen dann im Bereich des Griffbretts eben nur anders aus als ihr es sonst gewohnt seid und zwar so.


    Bundreine Gitarre.jpg

    Ich bin ein großer Fan von diesem System das sich True Temperament Freting system nennt.
    http://www.truetemperament.com/site/index.php
    Brauchen tut das aber nicht jeder.

    Wir kümmern uns nur um die Oktavreinheit und für diese gibt es eine einfach Eselsbrücke.
    Bevor wir aber anfangen sollte die Gitarre gestimmt, der Hals richtig eingestellt und natürlich das Vibrato korrekt eingestellt sein.
    Jetzt greift man die tiefste Saite am 12 Bund so als ob man diesen Ton auch spielen wollen würde. Bitte nicht überdrücken das machen viele Gitarristen gerne und verziehen damit den noch nach oben.
    Sollte der gespielte Ton im 12 Bund zu hoch sein, zeigt das Stimmgerät nach rechts. Das heißt für uns der entsprechende Saitenreiner muss auch nach rechts ( Richtung Steg ).
    Zeigt das Stimmgerät nach links, also ist der Ton zu tief, muss der Saitenreiter auch nach links (Richtung Hals )
    Das macht man jetzt mit allen Saitenreitern, danach checkt man wieder die Position vom Vibrato und wenn sich diese wieder verändert hat, was passieren kann, muss diese wieder neu einstellen.
    Danach wieder die Oktavreinheit checken usw usw. das ist leider ein Teufelskreis den man erst nach einigen Versuchen durchbrechen kann.
    Dann sollte eure Gitarre aber gut eingestellt sein, wenn ihr dann bei der gleichen Saitenmarke wie auch bei der gleichen Saitenstärke bleibt. Sollte es kaum noch etwas an der Gitarre zu tun geben.


    Das wars fürs erste, ich hoffe dass ich nächsten Sonntag wieder etwas Zeit finde um die Fehler zu suchen die ich heute gemacht habe und natürlich um den Workshop zu erweitern.
    Ich werde euch auch zeigen wie ihr eure Gitarre fit für die Studiosituation machen könnt, damit es kaum noch zu störenden Geräuschen kommt, wie man Saiten richtig aufzieht, seine Gitarre pflegt und sicher noch einiges mehr.


    Solltet ihr Fehler oder Lücken finden bitte mir schreiben und ich werde diese ändern. Es wäre absurd zu behaupten, dass dieser Beitrag hier Fehler frei ist und das ich jeden Tipp genannt habe und auch jeden kenne. Diesen Titel kann wohl keiner für sich in Anspruch nehmen.


    Gruß
    Strange Dinner
     
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