Was ist das Geheimnis von Songs wie "Dreamer" (Ozzy Osbourne)?

Likuh
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Es gibt Songs ("Dreamer"), bei denen passt einfach alles und die Gesangsstimme kommt und man hat das Gefühl, genau so muss sie sein, anders würde es gar nicht gehen und alles ergibt ein wunderbares Gesamtbild, wie zum Beispiel Dreamer von Ozzy Osbourne. Und es gibt andere Lieder, (das sind die meisten) bei denen gibt es eine Begleitung und eine Gesangsstimme, und sie passen zwar zueinander, sie klingen nicht schief, aber sie sind auch gut getrennt voneinander vorstellbar, oder gar ausgetauscht mit anderen Begleitungen. Oder es gibt Songs, wo manche Parts zwar so sind wie ich es am Anfang beschrieben habe, und andere Parts "normal", fast schon langweilig klingen.

Ich weiß nicht, vielleicht ist diese Frage überflüssig, blöd gestellt, nicht zu beantworten... aber wo liegt das Geheimnis dieser Songs, wo einfach alles genauso zu passen scheint? Liegt das daran, dass sie in einer bestimmten Tonart geschrieben sind, bestimmte Harmonien haben, die Gesangsmelodie an sich einfach so überzeugend ist...?

Ein anderes Beispiel wäre "I'll see you in my dreams" von Giant, hier aber nur der Refrain. Da vermute ich, dass es nur an der Gesangsmelodie liegt, aber ich bin mir auch nicht sicher...

Mir fällt gerade kein weiteres Beispiel ein, aber es gibt ein paar solcher Songs...:gruebel:
 
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an sich könnte dir die Frage nur Ozzy beantworten. Da ich davon ausgehe, dass Ozzy nicht in dieses Forum kukt, versuche ich, dir eine Antwort zu geben, auch wenn ich im Gegensatz zu Ozzy ein völlig unbekannter Songwriter bin, der aber ein wenig was bei sog. Profis in Songwriter-Kursen gelernt, zumindest einiges von denen gehört hat: Es gibt ja bekanntlich mehrere Methoden, Lieder zu schreiben. Die schwierigste aber zugleich effektvollste ist die, dass man eine Melodie gefunden hat, von der man behaupten kann, die iss es. Lennon und McCartney (der McCartney hat`s geradewegs heraus gesagt) finden bzw. fanden irgendwo und irgendwann eine Melodie, ohne dass sie sofort wussten, wie sie die bearbeiten, arrangieren oder mit Text versehen. Ist die Melodie da, dann wird erst der Stil festgelegt, also ruhiges, meditatives Lied, ein anheizender Rocksong (z.B. für den Auftakt eines Albums) oder beispielsweise ein Song für Bigbandcharakter. Ist man sich des Stils bewusst, beginnt jetzt die Arbeit des Arrangements (wobei die evtl. Bigband-Arrangements sowieso von anderen gemacht wurden). Grob gesagt, ein wahrlich guter Song ist durchkonzipiert und hat deswegen einen, aus einem Guss gemachten roten Faden. Das hat z.B. der sog. "Liedermacher" eben nicht, weil es dem um eine textl. Botschaft geht, die er "nur" musikalisch verpacken will (3 Duren, 1 Moll, banal ausgedrückt). Diese Begleitung lässt sich für zig andere Lieder austauschen. Der hat möglicherweise eine gute Botschaft, aber musikalisch gesehen, den nullachtfünfzehn Song. Der weiß aber auch, dass wenn seine textliche Botschaft erst steht, er am selben Tag noch seine Melodie und sein Arrangement hat und das hatte Lennon od McCartney am selben Tag eben nicht. Warum ich dir das erzähle? Wie du weißt, ist Ozzy ein richtiger Lennon-Verehrer. Er hat in "Dreamer" viele Lennon-Elemente (ja auch McCartney Elemente) eingearbeitet. Ozzy weiß nämlich auch, wie und wann ein Song gut wird. Und noch was Wichtiges. Diese Herren legen die Tonart erst fest, nachdem der Song komplett harmonisch und rhythmisch steht. Denn: Je höher der die Vokalparts zu Klavier und Gitarre sind, umso brillanter wird der Gesamtsound, weil es zwischen Stimme und Musik keine Frequenzauslöschungen gibt. Würdest du zu tief singen treffen die Vokaltöne mit Keyb. oder Git. zusammen und dann klingts eben nicht mehr so transparent. Also erst Melodie entwickeln, dann an alles Weitere denken, auch wenn Wochen dazwischen liegen mögen.
 
Vielen Dank für deine ausführliche Antwort, hilft mir sehr!
Die Meisten sagen ja, man soll erst den Text schreiben und dann die Melodie... du würdest sagen, man sollte es umgekehrt machen? Wie "findet" man denn so eine Melodie?
Und wofür braucht man eigentlich noch eine Tonart, wenn man alles harmonische und rhythmische schon hat? Ist das nur was formelles oder braucht man die dann noch für irgendwas?
 
Likuh, du weisst schon was eine Tonart an sich ist oder? Vllt ist das scheiße formuliert aber sie legt fest in welcher Höhe sich die einzelnen Stimmen bewegen.

Die Tonart wird häufig völlig intuitiv gewählt, früher wurde auch stark nach Stimmungen gegangen die man damit erzeugen will. Z.b. wurde für alles was mit Tod und Jenseits verbunden war häufig D-moll/H-moll genommen und für alles was "einfach" ist C-Dur. Für besonders festliche Sachen wurde häufig D-Dur genommen etc.
Das ist allerdings alles stark subjektiv und heute auch eher nicht mehr so wichtig. Bei der Wahl der Tonart geht man heute auch häufig danach wo die Instrumente am besten zusammen harmonieren....ich würde fast sagen jedes Stück hat seine ideale Tonart die man oft erstmal "finden" muss....

Übrigens auch sehr wichtig in der Popmusik ist Modulation/Rückung, also die Veränderung der Tonart. Das wird hier häufig im späteren Verlauf eines Stückes gemacht um eine psychische Steigerungswirkung zu erreichen.

Z.b. hier bei 2:29 (allerdings geht man hier wieder in die Ausgangstonart zurück) http://www.youtube.com/watch?v=AuJrEBtmM1Q
 
Zuletzt bearbeitet:
Prinzipiell läßt sich die Tonart eines Songs beliebig ändern, ohne daß die Grundcharakteristik verloren geht, wie schon gesagt ändert sich aber der Klang in Abhängigkeit von der Instrumentierung. Ein Hauptkriterium ist sicher die Stimmlage von Sängern, eine Verschiebung um den einen oder anderen Halbton kann schon deutlich anders klingen. Auch die Instrumente haben ihre Grenzen; wer offene Akkorde auf Gitarren nutzen will, wird Kreuztonarten bevorzugen, während die im Jazz gebräuchlichen Blasinstrumente auf b-Tonarten optimiert sind. Die Bevorzugung von D-Dur/H-Moll für pompöse Barockwerke war wohl auch auf die verwendeten Trompeten zurückzuführen.
 
Und wofür braucht man eigentlich noch eine Tonart, wenn man alles harmonische und rhythmische schon hat? Ist das nur was formelles oder braucht man die dann noch für irgendwas?

Die Tonart BRAUCHT man nicht, sondern die ERGIBT sich dann zwangsläufig, wenn man die oben schon erwähnten Kriterien berücksichtigt (Tonumfang des Gesanges, Tonumfang einzelner Instrumente, ...). Und spätestens beim Niederschreiben des Songs sorgt die richtige Tonart für eine "korrekte" Niederschrift und Verewigung des akkustischen Materials.

Natürlich interessieren jeden Instrumentalisten Tonarten, weil auf jedem Instrument bestimmte Tonarten besser als andere spielbar sind. Oft auch wegen der Übungs-Traditionen der betreffenden Musiker ...

Aber als Song-SCHREIBER sollte Dich (mMn) primär der Singkomfort des Sängers interessieren, ... ob die Melodie in seiner Stimmlage überhaupt darstellbar ist ...
um diese Dinge einander anzunähern, wählst Du die Tonart entsprechend.

Natürlich kommen dann noch Aspekte dazu wie die, daß bestimmten Tonarten bestimme Charakteristiken nachgesagt werden ... aber ich weiß nicht, ob DIESES Thema in der Popularmusik wirklich vorrangig zu behandeln/berücksichtigen ist ...

LG, Thomas
 
Vielen Dank für deine ausführliche Antwort, hilft mir sehr!
Die Meisten sagen ja, man soll erst den Text schreiben und dann die Melodie... du würdest sagen, man sollte es umgekehrt machen? Wie "findet" man denn so eine Melodie?
Und wofür braucht man eigentlich noch eine Tonart, wenn man alles harmonische und rhythmische schon hat? Ist das nur was formelles oder braucht man die dann noch für irgendwas?

Es kommt immer drauf an, was man will: Will man eine wichtige Botschaft musikalisch verpacken, jemandem mitteilen, so würde ich sagen, erst den Text. Willst du aber als Musiker dich präsentieren, dann würde ich sagen, die Musik hat den Vorrang. Denn primär ist die Musik in erster Linie ein akustisches Ereignis und eigentlich kein literarisches (wobei es schon Stile gibt, in denen beides wichtig ist, z.B. Musicals). Ich gehe davon aus, dass du kein Musical schreibst, sondern einen guten Rock- Popsong. Und für diesen spielt m.M. nach die Musik die erste Geige. Melodien finden ist natürlich eine zutiefst kreative Angelegenheit. Du wirst immer irgendwelche Fragmente im Kopf herumschwirren haben. Die musst du irgendwie festhalten, weil kreative Prozesse nicht kalkulierbar sind. Die fangen an, wenn du die richtige Inspiration hast und gerade in diesem Augenblick, musst du diese Ideen festhalten (auch wenn du sie später wieder verwirfst). Aber denke dran: Die Melodie, die du gerade nicht aufzeichnen kannst, weil du nichts bereitliegen hast dazu, könnte deine beste sein. Wie ich schon sagte, Melodien kommen nicht auf Befehl. Sie kommen wie der Blitz aus heiterem Himmel, zumindest bei allen guten Songs, die bleibenden Eindruck hinterließen. Jeder, der mit einer Melodie berühmt wurde (ich meine jetzt keine Dieter Bohlen-Melodien!!!), sagte in den zahlreichen Biografien "plötzlich war die Melodie da, und ich wusste, genau, das ist sie!" Viel Kreativität!!!
 

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