Wieviel für Klavierunterricht verlangen (Stundensatz, Honorarregelung)?

Letztlich ist es immer eine Abwägung zwischen den beiden Vertragsparteien.
Unter Freunden würde ich auch einen Freundschaftspreis akzeptieren, oder noch besser man hilft sich gegenseitig.

Wenn man "normal" am Markt ist, muss man eben sehen, was akzeptiert wird und wo man sich noch gut fühlt.
Leider leider ist es so, dass es für manche Leute nicht bezahlbar ist. Bei denen kann man ja etwas weniger nehmen als gute Tat, dafür können andere mehr bezahlen und finden das völlig ok. Ein Erwachsener, der gut verdient, kann und soll meiner Meinung nach auch mehr bezahlen als ein Schüler mit alleinstehender Mutter oder ein Student.

Wenn man den Leuten mal vorrechnet, was man von dem Stundensatz außer den Lebenshaltungskosten alles bezahlen muss - Instrument, Reparaturen, Raummiete, Fahrzeug, Versicherung usw - und das vergleicht mit den Stundensätzen anderer Handwerker oder Studierter, oder mit einem Abendessen, sind aus meiner Erfahrung die meisten dann auch ok mit dem gewünschten Stundensatz.

Ich zahle bei meinem Guru übrigens 30 die Dreiviertelstunde, wobei ich meistens länger da bin und dann entsprechend mehr zahle. Dafür kriege ich aber auch ordentlich Input jedesmal.
 
Hallo!

Da kenne ich auch andere Zahlen (aus Berlin z.B.). Dazu werden dann noch Konferenzen vergütet und ein Anteil (18,1% des Honorars) an Sozialversicherung bezahlt.

Großstadt eben. Hier auf dem Land wird nicht so viel bezahlt.
Ich bin regelmäßig als Dozent bei der VHS tätig.

Das muss preislich einfach irgendwie passen bei Musikunterricht.
Bei so hohen Preisen wird dann mit Sicherheit viel unter der Hand gemacht.
Das kann sich kaum noch jemand leisten.

Ich hatte ne kurze Zeit als Kind Gitarrenunterricht bei der Musikschule.
War ne Katastrophe. 20min Unterricht, Sehr teuer (leider weiß nicht nicht mehr was meine Eltern damals zahlten) und nix gelernt.
Von 20min jedesmal mindestens 15min Noten-Schwarzer-Peter gespielt.
Also sehr schnell weg dort und dann Unterricht bei nem Studenten gehabt. Der nahm 20DM für 60min und ich habe richtig was gelernt.

Gruß
sven
 
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Ist halt die Frage ob du den Musiker als Sklaven halten willst oder nicht^^
Von den persönlichen Fertigkeiten des Lehrers/Dozenten (Gitarre Gesang, Klavier etc.) mal abgesehen, sollte klar sein, dass der/die von seinem Job leben muss, auch wenn er/sie in Rente/Ruhestand ist. Wenn du ihm, sagen wir, 20 Euro die Stunde zahlen willst, entspricht das vielleicht deinem Nettolohn pro Stunde ( ungefähr...) - aber er/ sie muss wie gesagt eine Menge an Kosten (Miete, Material, Noten kaufen etc.) bestreiten, Krankenversicherung selbst stemmen (KEIN hälftiger Arbeitgeberanteil) und an die Altersvorsorge denken (KEIN hälftiger Arbeitgeberanteil) mit mindestens ein paar hundert Euro im Monat.
Alles unter 45 Euro pro Stunde ist eigentlich wirtschaftlicher Selbstmord oder zumindest massive Selbstausbeutung mit enormen Risiko für Altersarmut.
Ich zahle meinem Gitarrenlehrer 55 Euro/Stunde und ich weiß dass das viel Geld ist, aber auch nicht zuviel, denn als Selbständiger mit einigermassen schlanker Kostenstruktur weiss ich auch, dass davon weniger als die Hälfte bei ihm ankommt... denn er/sie bekommt nicht 40 Stunden die Woche voll mit "Teuerzahlern" wie mir, wenn überhaupt 40 Stunden ... wer nimmt schon morgens um neun Unterricht?? Ich schmeisse mein Geld auch nicht zum Fenster raus, aber...
Studenten haben eine deutlich andere Kostenstruktur. Aber das als "Frame" für alle Lehrer zu verwenden halte ich für vollkommen verfehlt, sorry.

Edit: Was ich eigentlich damit meine ist, dass ich fair in Vertragsbeziehungen sein will. Wenn mir jemand GUTES den Unterricht für die Hälfte anbietet, sage ich auch nicht nein, aber ich WEISS, dass das Leben nicht nur für mich immer teurer wird ^^ und würde sogar mehr bezahlen wollen. (Trittbrettfahrer: Keine Chance :D )
 
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Man kann es von beiden Seiten betrachten. Familie mit drei Kindern, monatlich 80 Euro macht 240 Euro pro Monat, im Jahr 2800 Euro. Das ist ne Menge Geld.

Ich finde, für Kinder muss es günstiger sein, also vom Staat / Kommune unterstützt werden. Dafür sollten die Kinder auch ordentlich üben, auch wenn das natürlich schwer zu bewerten ist, aber wenn die nur rumsitzen, weil Mami es will, ist es auch schade ums Geld.

Erwachsene mit eigenem Verdienst sollten das locker zahlen können.
 
Ich finde, für Kinder muss es günstiger sein, also vom Staat / Kommune unterstützt werden.
Das Problem daran ist, daß die städtischen Musikschulen (bei uns zumindest) lange Wartelisten haben, und deshalb überall private Musikschulen entstehen, die die große Anfrage auffangen. Dabei machen sie die gleiche Arbeit wie die städtischen Musikschulen, werden aber nicht subventioniert.

Familie mit drei Kindern, monatlich 80 Euro macht 240 Euro pro Monat, im Jahr 2800 Euro. Das ist ne Menge Geld.
Das ist bei mir auch so, nur umgekehrt: 4-köpfige Familie, und ich bin Alleinverdiener als Musiker und Musiklehrer ...

Viele Grüße,
McCoy
 
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Hallo!

Das ist alles verständlich und klar.
Das das meiste ans Finanzamt geht weiß auch jeder.

Wenn ich als IT-Dienstleister (mache ich als Nebengewerbe) von Oma Erna und Opa Karl-Heinz 50 Euro / Stunde nehmen würde, zeigen die mir nen Vogel. Das kann sich schlicht keiner leisten.

Das Beispiel mit den 3 Kindern und 240 Euro / Monat für Musikunterricht trifft es sehr gut.
Wer bitte kann das heute noch aufbringen? Dazu kommen ja noch die Fahrtkosten. Das Leben kostet so schon so viel und nicht jeder hat ein Spitzengehalt.
Jede Woche Musikunterricht wird dann nicht mehr gehen, also nur noch 1-2x pro Monat vielleicht.
Musikschulen arbeiten ja mittlerweile auch mit so Guthabenkarten. So kann man quasi nach Bedarf Stunden buchen.

Was passiert also letztendlich?
Richtig, da wird dann Musikunterricht bei jemandem genommen der es „schwarz“ macht.

Ich bin der Meinung das an den Steuern was gemacht werden muss. Die Menschen arbeiten fast nur noch fürs Finanzamt.

Ich denke das es immer weniger hauptberufliche Musiklehrer geben wird.
Das wird immer mehr ein Geschäft für ein Nebengewerbe.

Gruß
sven
 
Vorwort, ich möchte keinem zu nahe treten, wenn ich mich "auskotze", ich kenne die Denkweisen und verstehe sie.

Es geht nicht das meiste ans Finanzamt.
Betriebskosten, Vorsorge, Kranken, Renten- Pflegeversicherung sind der Hauptposten.


Familie mit drei Kindern, 240 EUR pro Monat...

Das ist auch viel Gegenleistung.

Aber an der kommunalen Musikschule gibt es Familienrabatt.

Ja, Kinder kosten Geld. Sie bekommen für die Unterrichtgebühr ja auch etwas.

Der Lehrer bzw die Eltern des Lehrers haben das früher auch gezahlt und zwar 10 Jahre lang oder mehr.

Es gibt ja Kindergeld bzw den Kinderfreibetrag. Das "reicht nicht"? Das muss aber nicht der Musiklehrer kompensieren. Gutverdiener wählen den Freibetrag und haben mehr im Monat als ein Schlechtverdiener Kindergeld hat, ist das gerecht?

Und wenn das alles zu teuer Ist muss man halt den Studenten aus der Nachbarschaft oder aus dem Inserat fragen. Ich kenne einen mit VW " Gehalt plus," der ist der größte Sparfuchs.
Der sagt ständig "ganz schön teuer."

Wenn er auf ner Lesung ist die 10 EUR Eintritt kostet, rechnet er gleich vor was der Vorleser verdient an einem Abend.

Oder Weizenbier in der Kneipe 5 EUR, sagt er mir, was das bei Edeka kostet. Sehr sinnig.

Kranken- Renten- und Pflegeversicherung werden allerdings beim freiberuflichen Musiklehrer hälftig von der Künstlersozialkasse getragen.

Aber es kommt hin, das vom Bruttohonorar 65 bis 50 Prozent übrig bleiben.

Ich bin umsatzsteuerbefreit, zahle Einkommensteuer.

Ich merke gar nichts davon, dass ich zu teuer bin. Zum Glück alleinstehend und irgendwann erbe ich mal ein Haus.
 
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Ja, das Leben wird teurer, man muss sparen!

In allen anderen Lebensbereichen heißt dass, man kann weniger konsumieren. Nur wenns um Musik geht ist das scheinbar anders: Jeder will das Selbe bekommen, also sollen halt die Musiker/Komponisten/Künstler mit weniger auskommen. Die sind doch eh gewohnt am Hungertuch zu nagen oder sich mit Nebenjobs über Wasser zu halten.

Ich verdiene meine Brötchen in einer anderen Branche und Musik ist "nur" mein Hobby. Wenns eng wird muss ich halt mehr verdienen (also mehr arbeiten) oder eben mein Hobby ein wenig einschränken. Aber ich kann doch nicht sagen "die Butter ist 10% teurer geworden also bekommt meine Gesangslehrerin ein bisserl weniger für ihren Unterricht".
 
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Hallo!
Aber ich kann doch nicht sagen "die Butter ist 10% teurer geworden also bekommt meine Gesangslehrerin ein bisserl weniger für ihren Unterricht".
Das nicht, aber der Unterricht kann gekündigt werden und der Musiklehrer bekommt nix mehr.

Heutzutage Musik hauptberuflich, davon kann ich nur abraten.

Gruß
sven
 
Heutzutage Musik hauptberuflich, davon kann ich nur abraten.

Ich nicht, trotz allem war es die beste Entscheidung meines Lebens.

Allerdings sind es bei mir zwei Chöre, die das Musik schaffen neu bereichert haben und die mich durchhalten lassen.

Der Wechsel zwischen Einzel-, Gruppen- und Chorarbeit ist das schöne.
 
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Das nicht, aber der Unterricht kann gekündigt werden und der Musiklehrer bekommt nix mehr
Dann bekommt halt jemand anderes eine Stunde, oder der Musiklehrer hat eine Stunde Freizeit!
Sag in der Autowerkstatt mal, die € 110,- pro Stunde sind zuviel, du zahlst nur € 70,-. Und sie sollen froh sein, sonst hätten sie ja garnichts ...
 
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Hallo!

Viele können letztendlich nehmen was sie wollen, die Leute zahlen es.
Autowerkstatt ist gutes Beispiel. 110 Euro / Stunde wird oft genommen. Es macht sich niemand Gedanken wie lange manch einer dafür arbeiten muss.
Mindestlohn ist 12,41 Euro.
Heißt also für die 110 Euro muss jemand der Mindestlohn bekommt über 1 Tag arbeiten.
Selbst bei nem Stundenlohn von 20 Euro sind es über 5h.

Das steht alles in Keinem Verhältnis mehr.
Die Löhne müssen kräftig steigen.

Gruß
sven
 
Der Ausgangspunkt der Fragestellerin war/ ist, was denn so üblich ist in dem von ihr genannten Rahmen. Bei Studenten würde ich auch sagen, alles zwischen 15 und 25 ist in Ordnung.

Mea culpa dass ich den Aspekt der angemessenen Bezahlung erwähnt hatte - ich möchte hier keine gesellschaftliche Teilhabediskussion starten, das ist OT. Aber @svenyeng , du bist doch sonst der Verfechter von Qualitätsmaterial - warum willst du dann Musiklehrer nicht angemessen bezahlen? Ist es das Kind nicht wert 50 Euro/Stunde oder 80 /Monat auszugeben weil ja nur Kind bzw. "Luxus"? Hat ja nicht jeder drei Kinder ^^ eigentlich die wenigsten wenn man sich die Geburtenstatistik so anschaut ... Deine Beispiele sind aus der Mottenkiste der Opferrollen - die kinderreiche arme Familie, der verarmte Rentner ... aber alle können die Löhne von Handwerkern für dies oder das zahlen oder sind vielleicht selbst welche?? Warum ausgerechnet sollen Musiklehrer weniger bekommen? Das will mir nicht den Kopf. Wenn kein Geld da ist, unterrichtet man halt selbst wenn man kann oder sucht sich tatsächlich eine subventionierte Musikschule und wartet ggf. ein Jahr bis zur Aufnahme oder geht in einen Musikverein nachdem man abgeklärt hat ob Filius oder Filia dort auch etwas Unterricht bekommen könnte usw.

Aber der Ausgangspnkt der Diskussion ist hier ein anderer :)
 
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Hallo!

Ich habe nicht gesagt das ich das nicht zahlen will.
Lediglich wollte ich darstellen, das viele sich das ganz einfach nicht mehr leisten können.
Da ist Musikunterricht purer Luxus.
Ich glaube vielen ist einfach nicht bewusst wie es vielen finanziell geht. Es haben nicht alle ein Ibgeneursgejalt.
Die gesunde Mittelschicht gibt an sich gar nicht mehr. Nur noch die steinreichen und die, die grade so über die Runden kommen.

Gruß
sven
 
Man kann ja pro Tag einen Sozialfall unterrichten, wenn ehrlich dargelegt wird, was leistbar ist.


Aber nicht für alle Dumpingpreise.
 
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Aber mit den Vorschlägen vom DTKV hat man eine gute Argumentationshilfe
vielleicht ein wenig OT, aber eine "gute Argumentationshilfe" berücksichtigt da ein paar Faktoren mehr und präsentiert sich plausibler, denke ich ... als Vater von 4 musikinteressierten Kindern fällt mir da auf: "Einzel-Coaching in der Wirtschaft" dürfte wohl in einem Umfeld stattfinden, in dem solche Beträge steuerlich von einem Unternehmen absetzbar und Teil eines gravierend anderen Finanzrahmens sind ... Genau deshalb gehen solche Beträge da ja durch (ich habe mal eine Zeitlang in so einem Coaching Team gearbeitet, schon verblüffend, was Unternehmen da so rausblasen können ...) ... schon ein wenig anders, als wenn eine Familie ihrem Kind ohne profitorientierte Absicht Bildung zukommen lässt.
 
Oder so: Sagense was se zahlen können, ich sag, wie viele Minuten se dafür bekommen.
 
Wieviel kann ich verlangen?
Zwei Möglichkeiten:
  • einmal andere Musikunterrichtende in Deiner Region abfragen (wo liegt HIER die Verteilung?)
  • Staffeln nach Vermögen (der Familie des Schützlings)
 
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Lediglich wollte ich darstellen, dass viele sich das ganz einfach nicht mehr leisten können.
Da ist Musikunterricht purer Luxus.
Ich glaube, vielen ist einfach nicht bewusst, wie es vielen finanziell geht. Es haben nicht alle ein Ingenieursgehalt.
Dafür gibt es Stiftungen und Sozialfonds, die so etwas auffangen und auch interessierten Kindern und Jugendlichen aus Familien, die sich das sonst nicht leisten können, den Musikunterricht finanzieren. Beim Bund der Freien Musikschulen z.B. gibt es den Sozialfonds "Kids Love Music", mit dem wir sehr gute Erfahrungen gemacht haben: https://www.freie-musikschulen.de/projekte/sozialfonds-kids-love-music/ Daneben kenne ich bei uns in der Region auch regionale Stiftungen, die soziale Teilnahme ermöglichen. Privat ist das dann auch bei mir so, daß der ein oder andere etwas weniger zahlt, wenn es gar nicht anders geht, und dafür ein anderer etwas mehr. Das ist dann so eine Art Quersubventionierung.

Andererseits bin ich der Auffassung, daß künstlerische und musikalische Bildung kein Luxus ist, sondern maßgeblich zu Zusammenhalt und friedlichem Miteinander in der Gesellschaft beiträgt.

Viele Grüße,
McCoy
 
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