Gerngeschen
Meistens das kniffligste, und auch sehr wichtiges im Mix, ist das Zusammenspiel von Kick und Bass.
Das mach ich nach Gehör, sieht am Ende jedoch oft so ähnlich aus, wie da wo ich in deinem Mix gelandet bin:
Bei den anderen Instrument geh ich so ähnlich vor, und immer nach Gehör. Die Frequenzen und Stärke der Boosts/Absenkungen sind vom Ausgangsmaterial abhängig.
Drum, bzw Kick:
Bass:
Versteh ich Dich richtig, um diese Bereiche zu schaffen cuttest du aber nicht, sondern hebst oder senkst nur die rivalisierenden Spuren gegeneinander, ja?
Kommt drauf an. Oft mache ich Lowcuts, wie zB hier bei den Gitarren. Mitten in den Frequenzen Cutte ich selten was weg. Höchstens ne heftige Resonanz oder sowas. Dann aber ziemlich schmalbandig. Das kam hier aber nicht vor.
Bei dem gelben Frequenzband um die 150Hz siehst du einen Pfeil nach oben. Das ist ein dynamischer EQ. Der Boostet nur, wenn Palmmutes gespielt werden, ansonsten bleibt der flach. Die Absenkung bei so 350Hz verschafft der Stimme Freiraum, und gleichzeitig sind die Gitarren in dem Bereich oft etwas mulmig. Von da her: Zwei Fliegen mit einer Klappe

Dann die breite Anhebung um die 800Hz ist für die Gitarre selbst, um sie dort zu dominieren. Der 1,8kHz Boost für die Präsenz, und die genannte Absenkung bei knapp 5kHz, um sie etwas zu "entgiften"
Wenn die Instrumente so klar getrennt sind, bewerte ich natürlich plötzlich die Sounds ganz neu ... und mein unaufgeräumter Vocal Track liegt plötzlich peinlich brach

In dem Zusammenhang bin ich auch überrascht, ein Anliegen war mir eigentlich immer, die Vocals "in den Mix einzubetten". Mit dieser klaren Trennung werden sie ziemlich exponiert (und offenbaren dabei so ein paar Unsauberkeiten

)
Wie würde man ein "besser einbetten" grundsätzlich angehen, einfach mehr Überlagerung zulassen?
Ich hör nur paar Nebengeräusche, die Performance finde ich super. Solche Nebengeräusche sind kaum zu vermeiden, wenn die Stimme wie hier durch ein Verzerrer gelaufen ist. Diese Nebengeräusche sind jedoch nur in den Pausen zu hören, wenn niemand singt. Diese Zwischenräume würde ich in der Spur einfach wegschneiden, und mit sehr kurzen Fade-In/Outs versehen. Atmer die nicht stören, würde ich drin lassen, oder ein "schönen Atmer" ggf mit Copy/Paste auch mal an einer Stelle einfügen, wo man sonst den Eindruck bekommen könnte, dass was fehlt.
"In den Mix einbetten" da gehört mehreres dazu. Das mit den Frequenzen hab ich oben beschrieben.
Die Dynamik ist auch ein wichtiger Aspekt. Hattest du auch schon den Eindruck, dass die Stimme zu laut und zu leise gleichzeitig ist?

Ein Anzeichen dafür, dass sie zu dynamisch ist. Leise Stellen zu leise, laute Stellen zu laut. Die Stimme ist naturgemäss sehr dynamisch. Normalerweise kriegt man das nicht einfach mit einem Kompressor in den Griff. Normalerweise nutze ich zwei in Serie. Einer der die Spitzen abfängt, mit sehr schnellen Regelzeiten, und ein zweiten mit sehr langsamen Regelzeiten um länger anhaltende Pegelunterschiede auszugleichen. Will man das perfektionieren, kann man Pre und Postfader zusätzlich nochmal mit Automationen arbeiten. Ist viel Aufwand, klar, aber wenns mal wirklich "mitten in die Fresse" sein soll, ist das ein guter Ansatz
Und das dritte, um die Vocals, oder ganz allgemein Instrumente in den Mix einzubetten ist die Tiefenstaffelung. Also ob etwas sehr nah oder weit weg klingt.
Grundsätzlich, wenn etwas sehr nah ist: Es ist lauter, es hat mehr Höhenanteile, es hat wenig Raumanteile. Wenn etwas weit weg ist, ist es leiser, dumpfer Klang, schmales Stereopanorama, nie hart Rechts links. Viel Raumanteil.
Das würde jetzt den Rahmen sprengen, zu tief in Detail zu gehen.
Die wichtigsten Aspekte der Tiefenstaffelung zusammengefasst:
Lautstärkeverhältnisse der Instrumente untereinander und die Raumanteile dessen.
Im Hall die zwei wichtigsten Regler: Wet/Dry bzw Raumanteil, und das Predelay. Die Zeit die vergeht, vom trockenen Signal, bis der Hall einsetzt. (Wenn der Sänger ganz vorne in Mix stehen soll, braucht der Schall zeitlich nur sehr kurz bis zum Zuhörer. Die Raumantwort lässt aber auf sich warten, da der Schall zuerstmal an die Rückwand des Raum gelangen muss, und dan zurück zum Zuhörer. Für den Gesang nutze ich oft Werte zwischen so 60-200ms.
Bei den Drums hingegen, die will ich weit weg, stehen also quasi an der Rückwand des Raums. Der Direktschall kommt verzögert beim Zuhörer an, da er zuerst den Raum durchlaufen muss. (Kann jedoch bei Mischen vernachlässigt werden, da der Zuhörer keine Referenz hat. Der Drummer könnte auch einfach minimalst schleppen. Diesen Unterschied wird der Zuhörer nicht feststellen können). Was Der Zuhörer aber feststellen kann, dass in die Raumantwort praktisch gleichzeitig mit dem Direktschall erreicht, das das Schlagzeug ja unmittelbar vor der reflektierenden Rückwand steht. Als Predelay bei den Drums gerne so 0-10ms. Instrumente wie Gitarre irgendwo dazwischen.
Ich weiss jetzt nicht was du genau für Predelys auf dem Vocal-Hall hast. Ich vermute zu kurz, gegenüber den Drums. Versuch dort mal hochzugehen, ich denke die Stimme kommt nach vorn, und es wird sich nach mehr Hall anhören als jetzt, obwohl er nicht lauter ist, nur wegen des zeitlichen Versatzes zwischen Stimme und Raumantwort.
In meinem Mix hab ich nur den Drums einen zusätzlichen Raum gegönnt. (0ms Predelay). Der Stimme konnte ich kein weiteren Hall hinzufügen, den Hall der bereits da ist kann ich damit jedenfalls nicht übertönen, sonst wärs nur noch Brei. Und wenn ich mein Mix jetzt nochmal anhöre, dann hätte ich den Gesang besser so 2dB leiser gemacht. Der springt tatsächlich noch was aus dem Mix
