Was ist besser Knochensattel oder Kunststoffsattel ?

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Hi,
ich bins wieder von der "hör-das-Gras-wachsen-Fraktion". Was mich interessiert ist, wie Eure Erfahrungen mit dem Sattelmateraial ist. Knochen galt ja bisher als das Nonplusultra ..... was die Tonübertragung aufs Holz betrifft. Knochen ist allerdings teuer. Zwar nicht der "Rohstoff" Knochen, sondern der passende Einbau, da eben viel Handarbeit erforderlich ist und außerem Knochen nicht leicht zu bearbeiten ist. Nun gibt es wohl zwischen Kunststoffsättel auch große qualitative Unterschiede. Es gibt da wohl auch sehr hochwertige Kunststoffe wie z.B. diese Graphitsättel. Nun werden Kunststoffsättel auch in Gitarren verbaut, die kein Jammerhaken haben und die außerdem auch in die Hochpreisliga einzustufen sind. Z.B (einige oder alle ?) Musicman-Gitarren, Gibson ES 335 habe ich schon gesehen etc. .... Das irritiert mich ein wenig, da ich bisher glaubte, Knochen wäre das Beste Material. Beim Vibrato kann ich das verstehen, da man eben weniger Reibung in den Sattelkerben haben will, wenn man da einen schmierenden Graphitsatel einbaut. Mich würden Eure Meinungen und Erfahrungen dazu interessieren.
 
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Bluesmaker schrieb:
Das irritiert mich ein wenig, da ich bisher glaubte, Knochen wäre das Beste Material. Beim Vibrato kann ich das verstehen, da man eben weniger Reibung in den Sattelkerben haben will, wenn man da einen schmierenden Graphitsatel einbaut. Mich würden Eure Meinungen und Erfahrungen dazu interessieren.

Es gibt kein "bestes" Material.

Knochen ist hart, aber TUSQ (guter Kunststoff) ist auch nicht viel weicher und absolut top. Beide sind schwerer zu bearbeiten als z.B. Graphit oder Delrin, aber dafür offiziell weniger dämpfend. Sowohl Knochen als auch TUSQ können allerdings splittern. Wenn also mal was bricht, dann bricht meist gleich ne ganze Ecke oder so ab.

Graphit (v.a. dieses Graphtechzeug) und Delrin sind dafür sehr gängig. Wenn man ne graphtech-Tremnut ordentlich anrauht, kriegt die ne Oberfläche wie Schmierseife. Die saite liegt da auf lauter kleinen mikrofeinen Kugeln auf. Und laut Werbung sind sogar die Klangeigenschaften noch besser als bei Messing, obwohl das Material an sich ja recht weich ist. Für Tremologitarren mag ich diese Tremnuts am liebsten. Sahnig. Bei mir eindeutig schmieriger als Knochen, selbst wenn der noch fett drin hat.

Messing ist auch cool, hat bei Leersaiten wirklich nen volleren Klang (ich hatte längere Zeit Messing auf der Strat), allerdings ist es schwer zu bearbeiten und zudem nicht so gängig, v.a. die Webstersättel. Wenn Messing + Tremolo, dann am besten so ein fixer Sattel wie in der Malmsteen-Strat.

Rollernuts sind ebenfalls sehr leichtgängig, top für Tremolo-Gitarren, sind aber, wenn gute Qualität, teuer. Zudem kann man sie selber schlecht bearbeiten, mit Kerben-tiefer-feilen ist da erst mal nix. Wenn, dann muss man komplett Holz unten drunter wegnehmen.

Was man nun nimmt, ist Ansichtssache. Und hängt eben auch vom Einsatzzweck ab. Bei Gitarren ohne Trem braucht man auf Leichtgängigkeit schon mal nicht sonderlich achten.

Ich hab bislang alles benzutzt, und alles hatte sein Vor- und Nachteile. Wirklich mist sind nur billich-Plaste-Sättel aus PVC oder so. Die haben nur Nachteile :)


Ich hab heut in Gitarren ohne Trem TUSQ oder Knochen, in Gitarren mit Trem dagegen Graphtech. Messing hab ich gekickt.

PS: Earvana Nuts sind noch sehr zu empfehlen. Zumindest für tremlose Gitarren. Aber halt teuer.
 
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Ray schrieb:
Es gibt kein "bestes" Material.

Knochen ist hart, aber TUSQ (guter Kunststoff) ist auch nicht viel weicher und absolut top. Beide sind schwerer zu bearbeiten als z.B. Graphit oder Delrin, aber dafür offiziell weniger dämpfend ...

...
Was man nun nimmt, ist Ansichtssache. Und hängt eben auch vom Einsatzzweck ab. Bei Gitarren ohne Trem braucht man auf Leichtgängigkeit schon mal nicht sonderlich achten.

Ich hab bislang alles benzutzt, und alles hatte sein Vor- und Nachteile. Wirklich mist sind nur billich-Plaste-Sättel aus PVC oder so. Die haben nur Nachteile :)


Ich hab heut in Gitarren ohne Trem TUSQ oder Knochen, in Gitarren mit Trem dagegen Graphtech. Messing hab ich gekickt. .

Hi Ray,
danke für Deine wieder so toll informative Antwort :great: Hast Du oder irgendjemand hier eine Ahnung, welchen Kunststoff Framus in seine Gitarren als Sattelmaterial verbaut ? Es heißt unter den Features, "low friction Nut" .... wird das ...Graphit... sein, oder ?
 
Bluesmaker schrieb:
danke für Deine wieder so toll informative Antwort :great: Hast Du oder irgendjemand hier eine Ahnung, welchen Kunststoff Framus in seine Gitarren als Sattelmaterial verbaut ? Es heißt unter den Features, "low friction Nut" .... wird das ...Graphit... sein, oder ?

Keine Ahnung. Bei framus nachfragen :)

Es gibt heute soviel Materialien, dass man kaum noch mitkommt. Die von mir oben genannten waren auch nur die Klassiker. Knochen....klar. TUSQ -> Fender Material. Graphtech -> ziemlich bekannt.

Es gibt aber z.B. auch noch Bonoid, so ein Pseudo-Kunstknochen. Oder Ebonol. Oder bei älteren Gitarren Elefenbein.

Bei Graphit gibts dann wiederum verschiedene "Legierungen". Die Graphtech-Teile z.B. sind nicht einfach Graphit, sondern irgendein Spezialzeug.

Holz gibts auch noch, bei Akustikgitarren gelegenlich. V.a. Harthölzer (Ebenholz und Co) können sehr gut (und v.a. schön) sein.

Und dann noch die Liga der Klemmsättel, Von Rockinger True Tone bis Floyd Rose......

Und überstülpbare Slidesättel :D


[ ] <- weitere Sättel bitte hier eintragen :)


EDIT: bei Rockinger haben sie nette Beschreibungen und Bilder der gängisten Typen.

http://www.rockinger.com/ArticleListPage_2.htm?cat=WG051
 
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Ohne nun wieder die alte Diskussion aufkommen zu lassen was besser ist... Ich hatte auf meiner Western (wie nich nun feststellen durfte ;)) nen Tusq Sattel drauf und ich würde nicht behaupten wollen das der nun genauso hart wie der jetzige Knochensattel ist oder in die nähe des Knochensattels kommt.

MfG
 
FarinU schrieb:
Ohne nun wieder die alte Diskussion aufkommen zu lassen was besser ist... Ich hatte auf meiner Western (wie nich nun feststellen durfte ;)) nen Tusq Sattel drauf und ich würde nicht behaupten wollen das der nun genauso hart wie der jetzige Knochensattel ist

Deshalb schrob™ ich ja auch, er sei weicher, wenn auch nicht so viel.

Ich kann mich da auch nur auf die Herstellerbeschreibungen und auf meine relativ subjektiven sensorischen Erfahrungen beim Feilen verlassen.

Die Knochensättel sind schon härter, keine Frage. Da muss man ganz schön rumschleifen. (Nachteil: stinkt :)).

Tusq ist bei der Bearbeitung aber auch ganz schön widerstandsfähig. Mein Fender-USA-Sattel hat sich ganz schön gewehrt.....v.a. im vergleich mit Billig-Plastik-Sätteln (typisch: Squier) oder gar Delrin oder Graphit (feilt sich zack zack).

Für ne wirklich gültige Analyse müsste man jetzt wohl Messgeräte auffahren. Härte, Elastizität, Dichte....spielt ja alles ne Rolle. Ein hartes Material kann trotzdem elastisch sein, ein weiches trotzdem unelastisch. So von wegen Dämpfung.....

PS: ist eh nur was für Freaks. Selbst mit nem Stück gepolsterten Doppelklebeband unterm Sattel meiner Western (Prophylaktisch zum Erhöhen) konnte ich eigentlich keinen eindeutig meinem Ohr auffallenden Sustainverlust feststellen. Dabei ist gepolstertes Klebeband doch wohl wirklich ein sehr schwingungsschluckendes Material.

Ob man also nun Knochen oder Tusq drin hat, ich glaube, das ist höchstens was fürs Oszilloskop....da würde ich ja eher noch über hörbare Unterschiede bei Ahorn- und Palisandergriffbrettern diskutieren :)
 
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Ray schrieb:
PS: ist eh nur was für Freaks. Selbst mit nem Stück gepolsterten Doppelklebeband unterm Sattel meiner Western (Prophylaktisch zum Erhöhen) konnte ich eigentlich keinen eindeutig meinem Ohr auffallenden Sustainverlust feststellen. Dabei ist gepolstertes Klebeband doch wohl wirklich ein sehr schwingungsschluckendes Material.

Ob man also nun Knochen oder Tusq drin hat, ich glaube, das ist höchstens was fürs Oszilloskop....da würde ich ja eher noch über hörbare Unterschiede bei Ahorn- und Palisandergriffbrettern diskutieren :)

Hätte ich nicht gedacht mit dem Klebeband und so ... dass der Einfluß sooo gering bzw. nicht hörbar ist. Ich vermute mal, dass es von Instrument zu Instrument unterschiedlich ist. Mein Kumpel hat eine E-Gitarre (ich schreibe mit Absicht nicht welches Modell, sonst trete ich irgendjemandem auf den Schlips) und die klang definitiv tot. Die hohe e-Saite machte beim Anschlagen nur noch "plopp" ... Der Sattel war aus billigem Kunststoff und relativ weich. Da hat der Knochensattel "Wunder" bewirkt. Ich habe mit einem Gitarrenbauer telefoniert und der meinte, dass es aber durchaus sehr hochwertige Kunststoffe gibt die z.B. auch bei Taylor und Martin (akustik Klampfen) verwendet werden und die sogar (angeblich ?) bessere Klangeigenschaften haben sollen. Naja, ich gebs mal so weiter. Jedenfalls "schließe ich meine Schlüsse" aus den hier für mich interessanten Informationen und verdamme nicht von vornherein alle Kunststoffsättel und gebe ihnen eine Chance ;)
 
Bluesmaker schrieb:
Die hohe e-Saite machte beim Anschlagen nur noch "plopp" ...

Kann schon sein, wobei aber auch noch in betracht gezogen werden muss, wie sauber der Sattel gefeilt war. Unabhängig vom Material kann ne falsche Kerbe immensen Schaden anrichten. Und grade Billiggitarren sind oft mangelhaft gefeilt. Wenn ne Kerbe zu weit ist und dazu keinen sauberen Auflagepunkt, sondern über 3 oder 4 mm einfach gleich ist, dann liegt die Saite da auf 3 oder 4 mm auf. Und schlingert evtl. auch noch rum. Dat klaut natürlich Energie....

Da hat der Knochensattel "Wunder" bewirkt. Ich habe mit einem Gitarrenbauer telefoniert und der meinte, dass es aber durchaus sehr hochwertige Kunststoffe gibt die z.B. auch bei Taylor und Martin (akustik Klampfen) verwendet werden und die sogar (angeblich ?) bessere Klangeigenschaften haben sollen.

Kunststoff - schlecht, Knochen - gut, das ist mit Sicherheit nicht haltbar. Aber diesen Kleinkrieg zwischen Knöchlern und Kunststöfflern wird es genauso weiterhin geben wie den Krieg zwischen Röhren-Freaks und Modellern...
 
Ray schrieb:
Kunststoff - schlecht, Knochen - gut, das ist mit Sicherheit nicht haltbar. Aber diesen Kleinkrieg zwischen Knöchlern und Kunststöfflern wird es genauso weiterhin geben wie den Krieg zwischen Röhren-Freaks und Modellern...

Seh ich inzwischen auch so und will diesen Thread nun auch nicht mehr "künstlich aufblähen" und erkläre ihn für "geschlossen" (falls ich das überhaupt darf ???).
 
....Oder bei älteren Gitarren Elefenbein.

Oh geil, toter Elefant oder totes Walross an der Gitarre. Kommt gut, der WWF freut sich ....

Bei Graphit gibts dann wiederum verschiedene "Legierungen". Die Graphtech-Teile z.B. sind nicht einfach Graphit, sondern irgendein Spezialzeug.

Dieter Nuhr zitiere ich besser nicht, des lieben Friedens willen.

Es gibt keine Gitarrensättel aus reinem Graphit, denn das wäre viel zu weich.
Alle Graphitsättel sind "nur" ein Kunststoff, der einen gewissen Graphitanteil hat.

Wenn ich eine Sattel austausche, dann benutze ich vorgekerbte Graphtechs. Erspart den Kauf von Sattelfeilen (und eine Menge Arbeit, bei der man viel versemmeln kann), klingt gut, funktioniert gut, die Vorkerbung passt gut für 010er und 011er-Saiten, und sie sind preislich eher günstig (verglichen mit Knochen oder Earvanas).
Dass Tusq splittert, habe ich noch nicht erlebt.#
Wenn einer nicht 100% passt, feile ich den zurecht, und dabei splittert nix. Man darf halt den Sattel nicht zu klein kaufen. Wenn er etwas zu hoch/zu dick/zu breit ist, kann man ihn zurechtfeilen, wenn er zu klein ist, nicht. Einfach beim Kauf von vorgekerbten Tusqs auf die Breite zwischen hoher und tiefer E-Saite achten ...

Band-O-Lero
 
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Und ich freu mich, dass du einen 4 Jahre alten Thread wieder zurück nach oben holst :p.

Das geht doch auch nicht, dass nur Walross und Elephant vor dem Aussterben gerettet werden, wenn hier ständig Threads sterben!
 
Ich war auch ewig am überlegen ob ich den Sattel wechseln lassen soll.

Im Laden hat der verkäufer dann gemeint, dass es sich kaum lohnt (Epi LP Std). Das will schon was heißen, denn immerhin hätte er dafür rund 60€ genommen.
 
Im Laden hat der verkäufer dann gemeint, dass es sich kaum lohnt (Epi LP Std). Das will schon was heißen, denn immerhin hätte er dafür rund 60€ genommen.

... Na ja es lohnt sich auch bei einer Epiphone Les Paul Standard kein Austauschen der Bünde, weil es den Zeitwert einer Epi übersteigt. Trotzdem heißt das noch lange nicht das es nicht irgendwann mal nötig wäre.

Grüße
 
Es gibt keine Gitarrensättel aus reinem Graphit, denn das wäre viel zu weich.
Band-O-Lero

Ganz genau genommen stimmt das so nicht. Graphit ist knüppelhart. Es ist ja nichts anderes als Kohlenstoff und damit aus dem gleichen Element wie ein Diamant. Allerdings unterscheidet es sich in der Gitterstruktur vom Diamanten. Der Diamant ist von allen Seiten gleich fest. Graphit muss man sich eher wie so einen dicken Stapel Druckerpapier vorstellen. Wenn ich da von oben mit der Faust draufhaue kann ich mir richtig weh tun, wenn ich aber von der Seite schiebe reicht schon der kleine Finger und ich kann ein paar Schichten Papier wegschieben. Und weil das so ist kann man mit einem Bleistift auch so toll schreiben. Bei einem weichen Bleichstift lösen sich einfach mehr Schichten als bei einem harten.

Als Gitarrensattel ist es ungeeignet, weil durch die Härte ganz leicht brechen würde.

EDIT: Der Diamant bricht natürlich nicht. Dazu muss sich einfach nur den Druckpapier Stapel als Holzblock vorstellen den kann ich nicht einfach so durchbrechen. Der Stapel Druckerpapier lässt sich dagegen einfach knicken, und wär das Papier eben nicht so weich, würde es einfach durchbrechen, wie das Graphit. (Hoffe das erklärt alles.)

Aber danke für die anderen Infos, ich werd mal bei nächsten Seitenwechsel einen Grafitechsattel anbringen... hab ja jetzt ein tremolo und möchte auch ordentlich tremolieren :)
 
Zuletzt bearbeitet:
....

Als Gitarrensattel ist es ungeeignet, weil durch die Härte ganz leicht brechen würde.....

Äh falsch. Reines Graphit ist mit einer Mohshärte von 1-2 sehr weich.
http://de.wikipedia.org/wiki/Graphit
In der Kunst werden Stifte mit reiner Graphitmine verwendet; wer so einen Stift mal in der Hand hatte, der weiss, wie weich reines Graphit ist :)
Weil Graphit so weich ist, wird Graphitpuder ja auch als Schmiermittel benutzt.
Bei Gitarren sind "Graphitsättel" daher, wie bereits erwähnt, immer ein Gemisch aus härterem Material und Graphitstaub (ähnlich wie in Bleistiften übrigens).
 
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