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[Workshop] Projekt "Oktav-Geige" - Eine Geige für die tiefen Töne
Universal Music Co. - Model 100 (Stradivari Copy) als Oktavgeige ...eine Schwester für mein Model 1000
Dies ist mein 150stes Review in Form eines Workshops und ich darf euch in ihm etwas ganz besonderes vorstellen: Eine OktavgeigeVor- Vorgeschichte
Die Vorgeschichte vor der Vorgeschichte ist etwas länger. Ihr könnt sie gerne hier nachlesen:Thema '[REVIEW] Universal Music Co. - Model 1000 (Stradivari Copy) inkl. Mods'
Vorgeschichte
Die Vorgeschichte für den Kauf dieser Geige ist etwas kürzer.Durch viele Verkettungen und "Führung von oben" darf ich seit Ende 2021 eine sehr schöne Geige mein Eigen nennen!
Es ist eine Südkoreanerin aus Seoul, hört auf den Namen "Nr. 1000" und ist eine Stradivari-Copy von Universal Music Co.
Ich habe ihren Steg optimiert (Klick) , einen Piezo unter den Steg geklemmt (klick), eine Kinnstütze mit einer 6,3mm-Stereoklinke montiert (klick), ein Lanzenmikrofon montiert (klick) und einen neuen Saitensatz aufgezogen (klick).
Das ist nun gute vier Jahre her und in dieser Zeit ist sie sehr schnell meine "Lieblingsgeige" geworden.
Trotz gleicher Mensurlänge und eingebautem Sender kam meine E-Geige nur noch selten zum Einsatz, da sie klanglich, vom Handling und der Ansprache her, einfach nicht mithalten konnte.
Meine "alte A-Geige" wurde testweise, aus einer Laune und aus Neugier heraus, zu einer "Oktavgeige" umgebaut (klick). Damit konnte ich ihr sehr celloähnliche Töne entlocken, was mir gut gefiel! Da ihre Saitenlage und Mensurlänge aber weiterhin sehr schlecht waren, fiel mir ein Wechsel zwischen "Nr. 1000" und ihr sehr schwer, da ich meinen Griffabstand jedes Mal wieder umstellen musste.
Zwischenzeitlich überlegte ich, ob ich nicht meine E-Geige als "Oktavgeige" verwenden sollte, verwarf den Gedanken jedoch wieder, als ich sie kurz vor Heilig Abend 2023 bei der Probe für den Gottesdienst spielte und merkte, dass das Handling, trotz gleicher Mensurlänge, nicht so gut war und mir das Spielen lang nicht so leicht fiel und die Intonation nicht genauso gut war wie bei der Stradivari Copy Nr. 1000.
Deshalb nahm ich damals auch sie an Heilig Abend und war begeistert, wie toll und mühelos sie sich spielte!
Am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertages '23 sagte ich zu meiner Frau, dass es einfach klasse wäre nochmal genau die selbe Geige zu finden und sie dann als Oktavgeige umzubauen, weil sie einfach so viel besser wäre als meine E-Geige!
Sie sagte nur: "Dann schau doch mal, ob du eine findest!"
Also suchte ich nach "Universal" und "Stradivari Copy" und fand tatsächlich eine Geige!
Geige violine 4.4 Stradivari Copy Universal
Das 4.4 bedeutete sicherlich 4/4 und die Begriffe "Stradivari Copy" und "Universal" konnten eigentlich nur vom Zettel in der Geige abgeschrieben worden sein! Es lag also nahe, dass es eine Geige der selben Firma sein könnte.
Ich wurde ganz aufgeregt, schaute mir die Bilder immer wieder an und sagte: "Das muss so eine sein! Die ist zwar nicht ganz so dunkel, aber sie könnte echt ähnlich sein!"
Der Kauf "auf Verdacht"
Also entschieden wir kurzerhand den aufgerufenen Kaufpreis von 150€ anzunehmen und sie zu kaufen!Natürlich passierte über die Feiertage erstmal nichts und erst danach kam die kurze Nachricht "Geige ist versendet".
Unboxing
Sie kam in einem großen Umzugskarton an. Sie war sehr gut verpackt. Da war jede Menge Luftfolie in dem Karton und in der Mitte kam dann ein alter, vorne abgesägter, Geigenkoffer zum Vorschein, der mit Stretchfolie umwickelt war.Darin lag wohlbehütet eine schöne Geige.
Mein erster Blick galt dem Zettel in ihrem Inneren. Dort stand:
Universal
Stradivari Copy
Model Nr. 100
4/4
Ich war überglücklich!
Es war zwar nicht das selbe Model, aber die Geigen kamen aus einem Haus und waren von der Bauform, der Halsgestaltung und vom reinen "Klopftest" her seeeehr ähnlich!
Die Saiten waren für den Transport etwas entspannt worden, aber der Steg stand zumindest, wenn auch an einer falschen Stelle. Trotzdem verhinderte er durch die Übertragung des Saitendrucks auf die Decke, das versehentliche Umfallen der "Stimme" im Inneren.
Als ich dann den Steg an die korrekte Position zwischen den beiden inneren Eck-Markierungen der beiden F-Löcher stellte und die Saiten vorsichtig in Stimmung brachte, riss mit die etwas betagte A-Saite. Also holte ich eine ausrangierte, gebrauchte A-Saite aus meinem Fundus, zog sie auf und stimmte sie.
Der erste Klangtest
Der erste Klangtest der gestimmten Geige war vom Klang her nicht wirklich schön, aber ausbaufähig:Ich wusste ja aus der Erfahrung mit meiner Stradivari Universal Model 1000, dass erst nach der Überarbeitung des Steges und dem Aufziehen neuer Saiten deren Klang zum Vorschein kam.
Begutachtung des Steges
Da der Steg wieder beidseitig abgeschrägt war und mir seine Form gar nicht gefiel, entschloss ich mich diesmal einen komplett neuen Steg aus einem Steg-Rohling zu erstellen.Dafür nahm ich einen vorhandenen Steg aus meinem Fundus.
GEWA Teller Violinsteg 4/4
Bereits im Jahr 2016 hatte ich mir im April und November zwei Stegrohlinge bei Thomann bestellt. Ich zahlte damals jeweils €2,40. Heute kostet er €2,60:Teller No.06 Violin Bridge 4/4
Das ist nicht teuer, deshalb machte ich mich auch relativ schnell mit meinem Schnitzer und einem scharfen Stechbeitel daran diesen Rohling auf die korrekte Höhe und Dicke zu bringen. Er wurde natürlich nur einseitig, auf der nicht beschrifteten Seite, von mir verschlankt. Leider sind alle meine Bilder aus der Zeit, durch einen Absturz des Betriebssystems meines Handys und einer nicht entdeckten Selbst-Abschaltung der Cloudsicherung, weg. Deshalb gibt es hier leider nur meine Beschreibung und ich kann euch nicht mehr zeigen, wie ich das damals gemacht habe. Wie man so einen Steg bearbeitet könnt ihr aber ganz gut in diesem Video von Daniel Schranz sehen:
View: https://youtu.be/eUUGmNbEFXw?si=X1-uA7Bf2pYYD8kl
Mangels eines kleinen Geigenhobels nach ich meinen breiten Stechbeitel. Ich hatte mir an ein Unterlagebrett eine Kante angeschraubt und den Stegrohling auf das Brett gegen diese Kante gelegt. Dadurch konnte ich mit dem Stechbeitel sehr gut gegen diese Kante schnitzen und den Steg auf diese Weise verschlanken.
Wichtig ist für solche Arbeiten auch ein scharfer, gut in der Hand liegender Schnitzer. Ich hatte meinen damals aus einem alten Küchenmesser erstellt, als ich den Steg für mein Modell 1000 bearbeitet hatte (klick).
Es war mein erster Steg und es war wirklich nicht ganz einfach, aber nach einiger Zeit hatte ich den Steg aus dem Rohling dann soweit geschnitzt, dass er mir gefiel und meinen bisherigen Erkenntnissen einer guten Stegform entsprach.
Ich stellte ihn dann auf das Modell 100, zog die Saiten drauf und prüfte den Klang.
Und wie nicht anders vermutet klang das jetzt nach einer völlig anderen Geige! Der Klang war offen, voluminöser, klarer, weniger verhalten und ich merkte wie wichtig es ist, dass der Steg schnell und agil vibrieren, federn und agieren kann und wie viel Unterschied das macht!
Die Geige klang zwar nicht genauso gut wie das Modell 1000, aber doch durchaus annehmbar und viiiiieeeeeel besser als mit dem alten Steg!
Ich prüfte natürlich auch die Mensurlänge und war froh, dass ich bei Modell 1000 und Modell 100 die angestrebte Mensurlänge von 327mm exakt einstellen konnte und in beiden Fällen der Steg an der vorgesehenen Stelle auf der Decke zwischen den inneren F-Markierung der F-Löcher stand.
Ich war überglücklich, denn das war ja das Ziel gewesen!
Die neue Basis für meine Oktavgeige war bereit
Nun war das Model 100 gut genug um die Oktavsaiten, den Piezo, das Lanzenmikrofon, den Feinstimmer-Saitenhalter und die Kinnstütze mit der angeklebten Buchse von meiner alten Geige zu übernehmen.Und genau das waren die nächsten Schritte. Auch hier verweise ich auf mein Review vom 1000er Modell (klick).
Als Mikrofon verwendete ich jedoch nicht mehr die Kapsel des Sennheiser ME-3, sondern ein kleineres Mikrofon mit 6mm Durchmesser aus einem alten Smartphone.
Natürlich war ich gespannt, wie sie mit den Oktavsaiten klingen würde und ich wurde nicht enttäuscht! Sie klang sogar noch besser als mit "normalen" Geigensaiten. Wahrscheinlich war da der etwas dickere Korpus und das etwas schwerere Instrument sogar von Vorteil!
Und sie klang für mich auch deutlich besser als meine alte Geige mit Oktavsaiten!
Es hatte sich absolut gelohnt und ich merkte wie meine Wünsche immer mehr in Erfüllung gingen und dankte Gott für alle Führung und alles Gelingen!
Der erste Einsatz auf der Bühne
Natürlich wollte ich bei nächster Gelegenheit beide Geigen im Wechsel auf der Bühne spielen.Ich schloss dazu ein TRS-Y-Kabel an meinen HD500 an. Der Piezo ging per 6,3mm-Klinke in dessen AUX IN-Eingang und das Mikrofon über meinen IMG-StageLine EMA-40-Phantomspeiseadapter in den Mikrofoneingang, da er mit der Batterie speisen kann und keine 48V aus dem Mikrofoneingang benötigt (die dieser leider nicht liefert). Diese beiden Eingänge sitzen beim HD500 hinten sehr nah beieinander und der GUITAR IN bleibt zudem für meine Gitarren frei.
Beim Erstellen der beiden Presets stellte ich schnell fest, dass der K&K BigShot und das 6mm-Mikro der Oktavgeige (Modell 100) viel mehr Pegel lieferten, als die Kapsel des Sennheiser ME-3 und der Shadow SH-SV1 der normalen Geige (Modell 1000). Entsprechend unterschiedlich musste ich das jeweilige Preset im HD500 einstellen und durfte natürlich nicht vergessen beim Geigenwechsel das Preset auch umzustellen!
Leichter Wechsel zwischen Geige und Oktavgeige dank gleicher Mensur und ähnlicher Haptik
Und was soll ich sagen: Ich konnte nahezu mühelos zwischen Geige und Oktavgeige wechseln, da ich durch die gleiche Mensur meinen Fingerabstand nicht mehr zwischen den Geigen anpassen musste!Ich war echt glücklich, denn nur so konnte ich wechseln und "sauber in tune" weiter spielen!
Die Suche und der ganze Aufwand hatten sich absolut gelohnt und die tiefen Töne gefielen sowohl der Band, als auch den Zuhörern! Es war eine schöne Ergänzung für manche Songs und konnte auch die tiefen Töne liefern wenn man z.B. nur Gesang, A-Gitarre und Oktavgeige als Besetzung hatte.
Ich setzte sie 2024 dann einige Male auf der Bühne im Lobpreis ein.
Aufnahme beider Geigen
Zur Aktion "Das Musiker-Board spielt Weihnachtslieder -- Edition 2024" wollte ich natürlich auch beide Geigen zusammen einsetzen.meinen Beitrag mit der Entstehung der Aufnahme findet ihr hier: GeiGit's Beitrag im Thema 'Das Musiker-Board spielt Weihnachtslieder -- Edition 2024'
Die dort zu hörende Aufnahme von "Stille Nacht", stelle ich der Vollständigkeit halber hier nochmal rein:
GeiGit's "Stille Nacht" mit Konzertgitarre, Geige und Oktavgeige
Und auch letztes Jahr hatte ich nochmal eine Aufnahme für das Weihnachtsspiel gemacht.
Den Beitrag zur Entstehung der Aufnahme könnt ihr hier lesen: Beitrag im Thema 'Das voll gestimmte - äh - stimmungsvolle Weihnachtslied 2025'
Die dort zu hörende Aufnahme von "Ich steh an deiner Krippe hier" stelle ich der Vollständigkeit halber ebenfalls hier ein:
GeiGit's "Ich steh an deiner Krippe hier" mit Konzertgitarre und Oktavgeige
Bilder meiner Oktavgeige
Fazit zum Projekt "Oktavgeige"
Es hat sich absolut gelohnt ein ähnliches Geigenmodel zu suchen, zu kaufen und umzubauen um die genialen Oktavsaiten von d'Addario jederzeit im Wechsel zur normalen Geige spielen zu können.Die Oktavgeige ist ein tolles Instrument und eröffnet einem auf der Geige die Welt der tieferen Töne ohne Cello lernen zu müssen. Noch ist sie ein Geheimtipp, aber das muss ja nicht so bleiben!
Ich hoffe euch hat der Workshop gefallen! Vielen Dank für Euer Interesse! Wenn ihr Fragen dazu habt, dürft ihr sie mir gerne hier im Thread stellen!
Ich wünsche ich euch weiterhin viel Spaß im Musiker-Board!
Seid gesegnet und bis bald! Euer GeiGit
...wer noch mehr von mir lesen möchte, darf gerne durch meine Reviews und Workshops stöbern.