Aufnahmen aus den 80er und heute..Qualitätsunterschiede

von awos, 24.03.04.

  1. awos

    awos Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 24.03.04   #1
    ich habe mir heute eine alte CD von Metallica aus den 80er angehört(Right the lighting).
    Diese alte Sachen habe ich schon seit Ewigkeit nicht angehört.
    Ich musste feststellen dass der Sound ziemlich "dünn" und obwohl analog aufgenommen ziemlich "künstlich" ist. Dazu kommt noch das niedrige Lautstärkenpegel.
    Damals ist mir das nie aufgefallen und ich fand den Sound einfach Klasse weil ich mich damals noch nicht mit Recording beschäftigte. Erst jetzt bin ich für sowas sensibilisiert.

    Ich bechaupte dass man heute mit einem Harddiscrecorder , einigen guten Compressoren und ein bischen Erfahrung einen besseren Sound kreiren kann als der Metall-Sound der 80er.

    Was man damals in Milionen Dollar-teuren Studios und mit etlichen Toningenieuren für viel Geld produziert hat ist heute für wenige Tausend Euros möglich?
    Vielleicht habe ich das extrem dargestellt aber genauso empfinde ich das.

    Mit diesem Sound von damals würde man bestimmt nichts anfangen können.

    Eine Erkenntnis habe ich daraus gewonnen; Das Hören ist nur relativ..was heute geil klingt kann in 10 Jahren Shnee von gestern sein.
     
  2. .Jens

    .Jens Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 25.03.04   #2
    Ich würde mal annehmen, dass das "dünne" eine Folge der geringen Lautheit ist. So dünn sind die 80er-Scheiben eigentlich nicht, nur eben noch nicht so zu Tode komprimiert wie Charts-Produktionen seit Mitte der 90er.
    Nichts gegen Kompression (auch der Summe), aber dieses völlig übertriebene "Squashing", wie es heute Standard ist, versaut jegliche Musikalität und Dynamik eines Songs. Leider verbunden mit dem Problem, dass die, die sich dem verweigern, immer etwas "leiser" und dünner klingen als die anderen.

    Ohhh, Vorsicht. Vor allem das "Bißchen Erfahrung" ist der Knackpunkt... Spätestens, wenn du eine komplette Liveband vor dir hast und nicht mit programmierten Drums etc. arbeitest, brauchst du für einen wirklich guten Sound jemanden mit jahre- wenn nicht jahrzehntelanger Erfahrung.

    Lies mal nur das Blaue und ich gebe dir recht, auch wenn du in der Tat etwas übertrieben hast. Das, was heute ein schlichter PC mit einer mittelmäßigen Recording-Karte kann, dafür musste man damals noch etliche Zehn- oder Hunderttausende hinblättern. Andererseits: Gute Mikros sind immer noch teuer, genauso wie hochwertiges Outboardequipment - und manch ein Producer überspielt seine Spuren zwischendrin auch nochmal auf 2"-Band, um eine ordentliche Prise Bandsättigung zu erzielen...
    Zu dem Satz "und mit etlichen Toningenieuren " gilt das oben gesagte: Erfahrung kann man nicht kaufen oder in einen PC stecken. Somit wird sie auch nicht billiger, bleibt aber für den Erfolg einer Produktion enorm wichtig.

    Würde ich so nicht sagen... Es kommt sehr auf die Musikrichtung an, inwieweit sich die Ansprüche da so verändern. Und manchmal geht es auch "rückwärts": Die St. Anger zum Beispiel ist objektiv gesehen eigentlich mies aufgenommen (auch wenn es an Anmaßung grenzt, Bob Rock und Mike Gillies "miese" Arbeit zu unterstellen - die wissen schon wie's geht, nutzen aber in dem Punkt einfach ihre künstlersiche Freiheit, es auch mal "schlecht" zu machen). Trotzdem gefällt es vielen (mir nicht so). Allerdings glaube ich, dass Metallica in den Anfängen mit diesem Album als Demo vom Tisch gefegt worden wären. Sowas kann man dann eben erst machen, wenn man bereits den Namen hat...

    Da haste recht. Das gilt aber nicht nur für den "Sound" einer Produktion.... ;)
    Im übrigen erkennt man daran auch wirklich gute Produktionen: Wenn man nach 10 oder 20 Jahren (unabhängig von der Musik!) immer noch denkt "Fett!" - ist wie mit den unkaputtbaren Songs...

    Jens
     
  3. toeti

    toeti Keys Moderator

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    Erstellt: 25.03.04   #3
    Schön geschrieben Jens, wäre mir jetzt so nicht eingefallen, hätte aber inhaltlich das gleiche geschrieben.
    mfG
    Thorsten
     
  4. Seren

    Seren Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.03.04   #4
    Wie Jens schon geschrieben hat, du hast dir die Antwort auf deine nicht-gestellte Frage ja schon selbst gegeben: andere Hörgewohnheiten.

    Dazu kommen für mich noch drei Faktoren:
    Ob speziell "Ride the lightening" eine Multi-Millionen-Dollar-Produktion war, wage ich zu bezweifeln. Da waren Metallica noch nicht sooo bekannt. Ihr erstes Musik-Video war schliesslich erst "One" und das ist zwei Alben später.
    Damals wurde noch für Schallplatten und nicht für CDs produziert. Wenn nicht nochmals gemastert wurde, sind das immer noch die Vinyl-Einstellungen auf der CD. Im direkten Vergleich hört sich z.B. "Master of Puppets" auf Vinyl deutlich fetter an, als auf CD.
    Drittens hängt auch mit den Hörgewohnheiten zusammen: Die HiFi-Anlagen waren damals noch deutlich "schlechter". Der Bass-Fetischismus war schliesslich noch nicht ausgebrochen und die damaligen Anlagen waren meistens auch gar nicht in der Lage, so viel Bass wiederzugeben. Die Stereoanlage meiner Eltern von Anfang der 80er hatte auch noch keine Loudness-Taste :shock: und ich fand den Klang eigentlich immer waahnsinn. Zumindest bis ich mir 94 selbst ne echt gute Anlage gekauft hab und die spielt die meiner Eltern locker an die Wand ... ausser bei Schallplatten, die klingen auf der alten Anlage immer noch besser. Heute wird - finde ich - einfach alles nur noch auf Bass produziert, egal ob Musikproduktionen oder Stereoanlagen an sich. Braucht man sich ja nur mal im M-Markt oder so umgucken. Überall kleben Aufkleber wie "SuperBass" "BassBoost" und die Boxenhersteller geben mit tollen Basskonstruktionen an. Mittel- und Hochtöner werden in keinem Wort erwähnt. Gegen eine hochwertige HiFi-Anlage von heute würde meine wohl auch wieder abstinken, aber auch nur Bass ...

    Abgesehen davon: Meinst net, es ist normal, dass heutige Produktionen besser klingen (können). Wär doch echt n Armutszeichen, wenn die Entwicklung da stehengeblieben wäre.
     
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