Der gerade Weg geht schief

von Jongleur, 05.02.19.

?

Wirkt der Text modern, besitzt er Zeitgeist?

  1. eindeutig

  2. nein, er wirkt eher lyrisch versponnen, unverbindlich

  3. ja, aber eher im Sinne früherer Jahrzehnte

  4. Berührt mich nicht

Eine Auswahl mehrerer Antworten ist erlaubt.
Das Ergebnis kann erst nach Abgabe einer Stimme betrachtet werden.
  1. Jongleur

    Jongleur Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.02.19   #1
    Mal' einen Park - im Januar
    dazu eine Bank - mit einem Paar
    er dreht sich ab - sie zu ihm
    Hände verkrampft - Köpfe voll Sinn

    Hochglanzpapier - sinnlos schön
    tanzt überm Damm - in der Luft von Berlin
    bis es der Wind - auf Frontscheiben klebt
    Dem Himmel sei Dank - Frau überlebt

    Halb und Halb
    Muss die Kugel Scheibe sein
    Halb und Halb
    ist schöne Kunst primitiv
    Halb und halb
    Muss das Meer auch Tropfen sein
    halb und Halb
    geht der grade Weg schief

    und wenn die Frau - endlich erwacht
    ist ihr Kind tot - und Nachmittag
    Draußen vorm Fenster . stehen sie da
    im ewigen Nebel - die Bäume im Park

    Das Paar ist verschwunden - die Schule aus
    Glückliche Stunden - für Dealer auch
    und ich sitze hier - und denke mir
    mal dir einen Tag - im Januar

    Halb und Halb
    Muss die Kugel Scheibe sein
    Halb und Halb
    ist schöne Kunst primitiv
    Halb und halb
    Muss das Meer ein Tropfen sein
    halb und Halb
    geht der grade Weg schief

    Halb und Halb
    Muss die Kugel Scheibe sein
    Halb und Halb
    ist wahre Kunst primitiv
    Halb und halb
    Muss das Meer ein Tropfen sein
    halb und Halb
    geht der grade Weg schief
     
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  2. drowo

    drowo Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.02.19   #2
    3/4 Takt und Grönemeyer :hat:
     
  3. Jongleur

    Jongleur Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.02.19   #3
    Danke, lieber @drowo , wenn du hier Grönemeyer hörst, dann hoffe ich, dass mein Text gut in diese Zeit passt. Willst du nicht oben noch eine Wertung abgeben?

    -----

    Den 3/4 höre ich hier nicht! Lass dich nicht von dem daktylischen (Xxx) Versfüssen irritieren. Die (fertige) Musik hat 89 bpm und die Bindestriche markieren in etwa 2 Viertel eines 4/4- Taktes. Ich wähle im Kopf immer ein Tempo beim Texten, in welchem noch 16tel gut und verständlich klingen.

    Um es mal grafisch zu zeigen: Du liest vermutlich

    xXxxX - XxxX......

    aber mein Rhythmus geht

    xX Xx X - X Xx X....

    Die beiden aufeinander folgenden Hebungen (XXx), der sogenannte Hebungsprall, sind quasi ein 8tel und zwei 16tel. Vastehste mia? ;-)

    lg
     
  4. FerdinandK

    FerdinandK Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.02.19   #4
    Spannende Geschichte mit großer Sprungweite. Dein Rhythmus gibt dem ganzen noch eine Dimension Surrealität hinzu die aber wiederum Spannung erzeugt weil es nicht surreal ist.
    Ob es den Zeitgeist trifft oder modern ist kann ich nicht beurteilen, weil ich nicht weiß was modern ist oder dem Geist der Zeit zuträglich. Das Hochglanzpapier ist schon fast ein Hauch von gestern sowie die Windschutzscheibe, auch die Bäume im Nebel im Park sind möglicherweise schon mehr Märchen als die Realität einer App, aber das Gefühl ist echt und zeitlos.

    Der Refrain ist vielschichtig und drängt zu vielen Assoziationen, wenn man das Lied (den Text) oft hört entdeckt man immer wieder neue Facetten.
     
  5. Jongleur

    Jongleur Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.02.19   #5
    Auch an Dich, lieber @FerdinandK , herzlichen Dank. Naturlich freu ich mich über Zustimmung. Noch dazu von Textern, deren Werke ich auch mag. :-)

    Ich lese regelmäßig überregionale Wochenmagazine. Daher mein Verweis auf Hochglanzpapier. Ich habe bei diesem Attribut ebenfalls gezögert - aber es ist MEIN Text und so habe ich bisher meine altmodische Vorliebe im Text gelassen...;-)


    Deine Zustimmung betrifft genau DIE Gestaltungselemente, die ich in diesem Text forcieren wollte. Der Sänger hat eine natürliche Weichheit in der Stimme. Um so wichtiger erscheint es uns, mit lakonischen Texten seinen ehrlichen Anspruch zu verdeutlichen. Gleichzeitig haben wir überlegt, wie man Komplexität, Verständlichkeit und ggfs. Ironie verbinden kann, ohne zu überdrehen. Leichter gesagt als getan.

    Denn eins ist klar: Seit dem Siegeszug des Internets verändert sich alles. Früher konnte ein gestandener Künstler mit 50 ernte, was er vorher säte. Heute muss er vermutlich bis zum letzten Atemzug fürchten, den Zeitgeist (wenigstens seiner Generation) nicht mehrbprägnant oder authentisch genug zu treffen.

    Das Internet bringt die Generationen vom Ästhetischen schneller und näher zusammen. ich beispielsweise habe bemerkt, dass ich Rap und Hiphop verstehen muss, damit meine Stimme weiterhin etwas durch die Internetwogen dringen kann. Persönlich bin ich überzeugt, dass mich diese hartnäckige Auseinandersetzung in Kopf und Psyche klarer werden lässt. Aber da jeder dazu neigt, sich zu überschätzen .... ;-)

    Also danke, liebe Freunde :-)
     
  6. drowo

    drowo Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.02.19   #6
    Das tut er, Wertung habe ich auch schon abgegeben - auch wenn ich kein Freund von diese Kategorisierungen bin.
    Ah, OK! Musik steht schon. Würde mich natürlich interessieren wie die Vertonung klingt.
    Ja, kann ich mir vorstellen.
    Es ist immer wieder witzig, auf wieviel unterschiedliche Weisen man einen Text interpretieren kann. Deine Betonungen dürften eine ziemlich treibende Wirkung haben, meine 3/4 Interpretation geht ins verträumte, mit viel Agogik.
     
  7. Jongleur

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    Erstellt: 06.02.19   #7
    Kann ich nur bestätigen. Den Text habe ich bewusst auf eine eher ironisch swingige Musik geschrieben. Abschliessend legte ich den Text probeweise an ein anderes, fast depressives musikalisches Layout des Projektes an und war überrascht, dass und wie intensiv auch diese komposition Wirkung auf mich wirkte.

    Ich mag diesen Text bereits vor der eventuellen Produktion. Und das ist sehr selten.
     
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