Erfolg im Musikbusiness eine Frage der Persönlichkeit?

von Ullrich-Wickert, 10.06.10.

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  1. Ullrich-Wickert

    Ullrich-Wickert Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.06.10   #1
    Hallo ständig beschäftigt mich die eine Frage. Was ist an den Musikern die in der Medienlandschaft so besonders, ich mein warum ist es bloß einigen wenigen Auserwählten vergönnt erfolgreich zu sein und von dem was sie lieben, nähmlich der Musik, leben zu können. Was unterscheided die von uns Forumsmitglieder. Ist es eine Frage des Mutes, der eigenen Einstellung voll auf Risiko sein eigenes Ding durchzuziehen um entweder erfolgreich zu sein oder von Almosen zu leben. Und was treibt diese Menschen selbst durch lange Durststrecken an. Ich stell dabei immer Vergleiche zu mir an. Ich hätte es nicht drauf nur ein, in der heutigen Zeit zugegebenermaßen illusorisches Ziel verfolgen mit der Hoffnung doch irgendwann groß raus zu kommen. Ich weiß man kann hierzu viel philosophieren. Ich bin gespannt auf eure Gedanken, Ring frei!;)
     
  2. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 11.06.10   #2
    Hat eigentlich so gaaaaar nichts mit Recht zu tun - es sei denn, du verwechselst Recht mit "Gerechtigkeit" ...

    Zunächst finde ich erstmal nicht, dass sich heutzutage nur "einige Wenige" in der Medienlandschaft tummeln. Im Gegenteil: für mich sind es einige zu viel.

    Anonsten gibt es da nicht viel zu philosophieren:

    Die Schlüsselworte zum Erfolg sind: Ehrgeiz, Glück, Hartnäckigkeit, Geltungsdrang, Zufall, Zeitgeist, Charisma, Networking / Marketing und mitunter auch mal Qualität / Talent.

    Das ist nicht zingend entweder / oder. Es kann eine Mischung aus allem sein oder auch eines davon. Oder von dem einen mehr und von dem anderen ein ganz bißchen.

    Nehmen wir als Beipiel Bohlen: er wäre das Parade-Exemplar für Hartnäckigkeit und Zielstrebigkeit. Der Mann hat einfach so lange an den Türen der Plattenfirmen gekratzt, bis es keiner mehr ertragen konnte man ihm seinen ersten Job als Schlagerproduzent verpasst hat. Nicht, weil er gut war, sondern einfach weil er auch das hundertste "NEIN" nicht akzeptiert hat. Heute braucht er das nicht mehr.

    Nehmen wir als anderes Beispiel eine Band wie Wir sind Helden: das ist eine Mischung aus mehreren Faktoren. Einmal als Vorraussetzung das fleißige Clubtouren - also Spaß an der eigenen Sache und ein gewisser Ehrgeiz, aber ohne die Verbissenheit eines Bohlen. Gut - Touren machen viele Bands. Das allein kann es nicht sein. Hinzu kommt ein also Charisma. Denn jeder, der die Band einmal gesehen hatte, fand die Holofernes sofort sau-symphatisch, obwohl sie keine große Sängerin ist. Hinzu kommt der ZUFALL, das Glück, mit der Musik eine Lücke, einen Zeitgeist getroffen, der viele Menschen angesprochen hat. Fünf JAhre früher oder später hätte es vielleicht nicht geklappt. Weiterhin Social-Networking. Ich bekam zum Beispiel schon unaufgeforderte Newsletter von WSH, noch lange bevor sie ihre erste CD aufgenommen hatten. Da kannte die noch kein Mensch. Die haben einfach die Gästebücher irgendwelcher Musiker-Websites aufgesucht und die E-Mailadressen in ihren Verteiler gepackt. Auch das ist eine Form von Marketing... die aber wohl nicht mehr so gut klappen würde.

    Drittes Beispiel die "Blitzkarriere" von Lena Meyer-Landruth

    • Glück für Lena, dass Stefan Raab damit beauftragt wurde, ein neues menschenwürdigeres Castingformat zur Rettung des ESC zu gestalten. Bei DSDS oder POPSTARS hätte es vielleicht nicht geklappt oder sie wäre nicht hingegangen.
    • Ehrgeiz ... ene Medienkarriere strebte sie schon vorher an.
    • Charisma, dass viele Leute sie sofort mochten, obwohl ihre Gesangfähigkeiten auch gerne mal in Frage gestellt werden.
    • Marketing durch die Castingshow
    • Zeitgeist, dass sie auch anderere Länder für sich gewinnen konnte. Was wiederum auch mit dem Sympathiezuwachs und dem neuen Selbstbewusstein, das Deutschland seit der Fußball-WM 2006 erfahren hat, zusammenhängen könnte. Lena wird ja gern mal als Symbol für ein neus, junges Deutschland bezeichnet.

    Das sind drei unterschiedliche Karrieretypen. Auch wenn nicht alles im Detail so stimmen muss: die Wege zum Ruhm sind vielfältig und oft gar nicht genau zu ermitteln. Voraussetzung ist aber sicher bei vielen Künstlern eine ausgeprägtere Sucht nach Anerkennung. Und zwar nicht die einer einzelnen Person wie Lehrer, Ausbilder, Professor oder Eltern, sondern die einer Masse. Das Gefühl, von vielen bewundert zu werden ist eben ein anderes, als von seinem Professor für seine gute Diplomarbeit gelobt zu werden. Und das ist für viele Künstler eine Antriebsfeder.

    Wenn ich die Top 3 nennen müsste, würde ich sie folgendermaßen staffeln:
    1. Marketing
    2. Zeitgeist
    3. Charisma
     
  3. wuiii

    wuiii Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.06.10   #3
    Nun ja, ich glaube, es gibt einige Boarduser, die von Musik leben, nur hat das nichts mit Superstardasein, sondern mit Arbeit zu tun. Da gibt es Musiklehrer, Alleinunterhalter, Musiker in Coverbands, Musiker in Regional bekannten Bands, Ton- und Lichttechniker, ...
    All diese Leute bestreiten ihren Lebensunterhalt mit Musik. Natürlich verdienen sie keine Millionen, machen dafür aber einen Job, den sie (hoffentlich) gern machen.
    Ich beschränke meine Antwort jetzt einmal auf Lebensunterhalt verdienen durch spielen in einer Band, denn ich glaube das ist es, worauf alle hier im Board hinauswollen: Das wichtigste hierfür ist, dass man sein Handwerk, also sein Instrument, beherrscht. Das nächste ist, dass man gute Musik macht, die auch andere Leute hören wollen. Dazu gehört in gewissem Sinne auch, dass man sich verkaufen muss, denn wenn ich überzeugter, aber nur mittelmäßiger Grindcorer bin und daher auf meine Konzerte immer nur die gleichen 5 Fans kommen, wird das wohl nichts mit dem "von Musik leben".
    Wenn man dann einmal gut ist und Musik macht, die auch jemand hören will, heißt es Bekanntheit steigern und das ist mit sehr sehr sehr sehr sehr viel Arbeit verbunden. Da bringt es dann nichts, im Proberaum zu sitzen und auf den Anruf des Veranstalter/Plattenbosses zu warten. Da heißt es dann Demo aufnehmen, diese an Veranstalter verschicken, bei den Veranstaltern anrufen, noch einmal bei Veranstaltern anrufen. Eine schicke Homepage und Myspaceseite basteln. Mit andern Bands zusammen selber Gigs organisieren. Die Demo auch einmal an Locations weiter weg veschicken, dann beim dortigen Veranstalter anrufen, Album aufnehmen und verkaufen, Merch herstellen und verkaufen, wieder einmal bei den ersten Veranstaltern anrufen, Musikblogs/Musikzeitungen/Webradios/Radios/... bemustern, ...
    Wer dann einen Namen hat und wöchentlich überregionale Konzerte gibt sollte davon leben können. Wenn man dann noch eine gehörige Protion Glück hat, bekommt man noch einen Plattenvertrag, und wenn man dann noch viiieeel mehr Glück hat landet man einen (oder mehrere) Hit(s) und wird zum Rockstar, wobei in Deutschland und Österreich wahrscheinlich die Chance größer ist vom Blitz getroffen zu werden, während man gerade im Lotto gewinnt, als wirklich Musikmillionär zu werden.

    Wer sich mit weniger zufrieden gibt, kann natürlich auch Musiklehrer werden, der nebenbei mit seinen Bands durch die Clubs tingelt. Auch Alleinunterhalter schaffen es mit ~3-5 Auftritten/Woche zum Lebensunterhalt. Das ist dann halt wirklich eher Arbeit als Rockstardasein, aber wem es gefällt...
     
  4. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 11.06.10   #4
    Ach so. Ich bin bei der Frage jetzt vom "Pop/Rockstar" ausgegangen, nicht vom normalen Berufsmusiker. "Von der Musik leben" ist natürlich ein ganz anderes Thema.
     
  5. wuiii

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    Erstellt: 11.06.10   #5
    Das habe ich auch so verstanden, doch da die Chance Rockstar zu werden sehr gering ist und man neben den von dir genannten Faktoren jede Menge Glück braucht, wollte ich eine etwas konventionellere Karriere vorschlagen.
    Ganz davon zu schweigen, dass man im deutschsprachigen Raum auch als anerkannter Künstler hart für sein Geld arbeiten muss. Selbst wenn man es in Österreich zu 10 Platinschallplatten bringt (20.000 verkaufte Stück) und als Künstler mit einem Euro pro CD beteiligt ist (was kein Künstler ist), hast man erst EUR 200,000 verdient. Da ist noch nicht viel mit Traumvilla.
    Da muss man sich dann schon die Seele aus dem Leib Touren, um auf gute Umsätze zu kommen...
     
  6. ambee

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    Erstellt: 11.06.10   #6
    hintergrundwissen, erfahrung und ein gutes produkt voraussgesetzt, hat auf dauer erfolg, wer beständig, zuverlässig und fleißig arbeitet, und immer dran bleibt. eigentlich so wie sonst überall auch.
     
  7. Löwe

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    Erstellt: 11.06.10   #7
    Formel: --> Zur richtigen Zeit mit der richtigen Einstellung und den richtigen Fähigen mit dem richtigen "Produkt" oder der richtigen Idee mit den richtigen Kontaktleuten am richtigen Ort sein...

    Sprich: Neben Können und Wollen gehört auch eine ganze Menge Glück dazu. ;)


    Gruß - Löwe :)


    [PS: Das bezieht sich letztendlich auf alles Mögliche.]
     
  8. Ullrich-Wickert

    Ullrich-Wickert Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.06.10   #8
    Also können wir das schon ma soweit eingrenzen das Persönlichkeit (Charisma, Geschmack, Ehrgeiz) zwar mitreinspieln aber ohne das Quäntchen Glück noch kein Erfolgsgarant sind. Das mit Bohlen und seinen unerschöplichen Ehrgeiz lass ich mal außen vor weil ich denke sowas funktioniert heut nich mehr egal wie sehr man gegen anrennt.

    P.S Wollt den Threat eig. nich bei Recht reinstelln. Kann meinetwegen gern verschoben werden
     
  9. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 14.06.10   #9
    Warum nicht? Hartnäckig und Zielstrebigkeit funktionieren eigentlich immer. Nur, dass diese Fähigkeiten - so stark ausgeprägt - einfach nicht jedem gegeben sind. Die meisten würden nach der 100sten Ablehnung - vermutlich nicht ganz zu unrecht - wahrscheinlich resignieren und was anderes anfangen. Nur wenige kratzen weiter an den Türen und putzen Klinken...
     
  10. toxicity21

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    Erstellt: 14.06.10   #10
    Berühmt werden kann man heute mit einen guten Marketing, mehr benötigt man nicht, wobei dieses Marketing einschneidender ist als alles andere was man versuchen kann.
    Dir wird vorgeschrieben was du spielen sollst, wie du aussehen sollst, dein Privatleben wird künstlich gestaltet (zumindest das was du in Interview verrätst).

    Für mich persönlich ein Weg den ich niemals einschlagen könnte, ich möchte individuelle Musik machen, und mir ist es dabei egal ob nur eine Minderheit es hört, Musik der Kunst willen, etwas was man heute in den Charts nicht finden kann.
     
  11. ohaufe

    ohaufe Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.06.10   #11
    Top Anwort, da kann man wirklich nichts mehr hinzufügen.
    Die richtige Mischung aus den Top 3 gepaart mit dem eigenen Ehrgeiz es durchzuziehen ist es..:D Man kann auch dazu sagen, dass es oft "ein zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zu sein" ist. Lena war eben zum richtigen Zeitpunkt bei Stephan Raab und die Zuschauer mochten Ihre Ausstrahlung. Den Rest könnnen wir in jeder Zeitung lesen:) Der Song traf den momentanen Musikgeschmack und das Markting hat den Rest besorgt:D
     
  12. wilbour-cobb

    wilbour-cobb Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.06.10   #12
    Leider nein, und schon gar nicht als Musiker.

    Es gibt viele so schön genannte C-Promis, die sich meist durch schlechtes Selbstmarketing immer wieder in die Schlagzeilen bringen, aber das würde ich nicht als berühmt bezeichnen.

    Die Musiker, die den Song, dem du deinen Benutzernamen entliehen hast, geschrieben haben, sind berühmt. Die haben sich extrem gut vermarktet, musikalisch ist das nix, was den Mainstreamgeschmack trifft, es ist aber wieder nix neues oder was besonderes - ich persönlich finde die Musik von System of a Down stink langweilig - aber es ist wieder frisch und neu genug um eine bestimmte Lücke zu füllen.
    Aber durch ihr sehr geschicktes Marketing und die ausgeklügelte Strategie ihres Labels haben sie es geschafft, wirklich berühmt zu werden. Aber ohne ihre Musik wären sie das nie. Da hast du recht, geschicktes Marketing macht was aus - aber nur geht einfach nicht.

    Es hat noch niemand die "Start-Formel" entdeckt. Es haben so viele versucht, was habe ich nicht schon in den letzten 10 Jahren an garantierten Hits hören müssen von Menschen, die es garantiert nach ganz oben schaffen. Hat nie geklappt.

    Lies dir noch mal Löwes Post durch, da steht, wie man berühmt wird.
     
  13. toxicity21

    toxicity21 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.06.10   #13
    Wieso denn soll ich den Namen von dieser Band haben?

    SOAD hat aber bewusst den Zahn der Zeit gewählt, ein bisschen Nirvana, ein bisschen Metallica, dazu ein Tröpfchen RATM und das vermischt mit ein wenig armenischer Folklore und Rap.
    Sie haben sich also bewusst oder unbewusst für Einflüsse entschieden die berühmt waren/sind.

    Vielleicht war auch früher Marketing nicht so groß aber heute ist es das Hauptmerkmal im Musikbusiness.
     
  14. ohaufe

    ohaufe Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.06.10   #14
    Es gibt viele Wege berühmt - oder bekannt zu werden. Es ist eben nicht alles "Schwarz" und "Weiss". Neben den hier aufgezählten fällt mir durch noch etwas ein.

    z.B.
    Etwas total verrücktes machen, noch nicht da gewesenes machen. Es sollte nur extrem Medien wirksam sein.

    Es gibt schon eine Art-Formel um schneller berühmt und erfolgreich zu werden...

    a) Finde jemanden der bereit ist ein paar Millionen in deine Karriere zu investieren (den zu finden ist Glück)
    b) Der Rest ist ganz normale konstante Arbeit - am besten als Team
     
  15. wilbour-cobb

    wilbour-cobb Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.06.10   #15
    Wieso nicht?

    In gewisser Weise ja. Früher hatten die Labels viel mehr Einfluss auf die Käufer, da konnten tatsächliche noch Hits gemacht werden. In den 70ern gab es in Deutschland zwei Möglichkeiten, Musik kennen zu lernen, entweder über das Radio oder über ein bis zwei Musiksendungen im Fernsehen. Das war die Hitparade und vielleicht noch ein sich abwechselndes, jüngeres Format. Auf diese Weise konnte man noch Hits nach Marketing-Prinzip schreiben, also Zielgruppe definieren, Produkt optimieren, Kampagne erarbeiten. Zu dieser Zeit war extrem populär, englische Hits einfach mit deutschen Texten von Deutschen Interpreten singen zu lassen - das englische Original kannten die Leute ja nicht und konnten es auch nicht kennen lernen. Also war die Chance, dass der Song auf deutsch auch ein Hit wurde, wenn er schon in England oder US funktioniert hat, um so größer.

    Das geht heute nicht mehr. Man erinnere sich an das nervige "dragostea din tei", produziert von irgendeiner Moldavischen Popgruppe, der niemand - das Business denkt immer noch in Landesgrenzen - einen internationalen Hit zutraute. Also wurde für den restlichen europäischen Markt eine neue Gruppe zusammengeschustert und die Rechte für USA an eine bekannte Künstlerin verkauft, die daraus mit einem Sample einen R'n'B Hit konstruieren sollte, denn an das Potential des Songs glaubten die Machen scheibar. Und siehe da: Es hat nicht funktioniert: Die originale moldavische Band war überall in Europa und Übersee erfolgreich. Den anderen Krempel hat keiner gekauft.

    Marketing ist wichtig, ja! Alles, was eine Band macht oder nicht macht, ist Marketing, ihre Songs, wie sie sich geben und ihr Image. Sowas kann man konstruieren, klappt meist aber nicht, nur in wenigen Fällen. Wenn das alles stimmt, ist es meist die originäre Mischung, die eben das besondere der Band ausmacht. So wie System of a Down oder die von dir zitierten Meshuggah, die sich sehr bewusst aus Marketing-Gründen für eine Fokussierung auf den Japanischen Markt entschieden haben - und erfolgreich waren. Beide Bands haben auch ein Image und bei beiden wird es von ihnen eingesetzt, um sich zu vermarkten.

    Also ja und nein: Aufgrund der Fülle an Bands und des Machtverlustes der Labels ist es für eine Band heute um so wichtiger, sich gut zu vermarkten und ein funktionierendes und homogenes Image und Surrounding aufzubauen. Die Zeiten, in denen das ein Label nach Marktforschungsgesichtspunkten für einen Künstler gemacht hat, sind aber lange vorbei.
     
  16. Fastel

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    Erstellt: 15.06.10   #16
    Das klingt immer so, als sei das reines Glück... den Lottogewinn kann man sich nicht erarbeiten. einen Plattenvertrag schon eher.

    Man kann sich doch richtig und falsch verhalten. Ergo gibt es bestimmte Mechanismen die uns an die "star-formel" ran bringen. Man findet sicherlich für jede Situation ein Beispiel um seine Argumente zu untermauern. Im großen und ganzem glaube ich aber nicht daran diese Dinge nur übers Glück erklären zu lassen...
     
  17. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 18.06.10   #17
    Wie ich schon sagte, ist es eine Mischung aus allem - manchmal reicht auch nur eines davon.

    Dass allein gutes Marketing der goldene, immer funktionierende Weg zum Erfolg ist, ist ein Trugschluss, dem leider viele unterliegen. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Konsument ein willenloses Geschöpf ist, dem man alles verkaufen kann. Und da wird er aber tatsächlich unterschätzt.

    Wir sehen und hören immer nur von denen im TV / Radio, bei denen es geklappt hat. Ich selbst kenne aber zB eine Band aus meinem Stadtteil, die in den 90ern einen Majordeal (Mercury) hatten, in die Geld reingesteckt wurde, deren Video bei MTV wochenlang in Heavy-Rotation lief (diese neue Rotation-Kategorie wurde m.W.n. extra für die Band geschaffen, um den Song noch häufiger zu platzieren ) und die sogar wirklich ganz gut waren. Denn alle - wirklich alle glaubten an diese Band: die Plattenfirma, die Sendestationen, die Musikkritiker. Sie waren erfolgreich Supportband von Bon Jovi. Die CD wollte trotzdem kaum jemand kaufen. Der große, geplante Durchbruch blieb aus, obwohl sie es sogar verdient hätten.

    Wohlbemerkt war das zu Zeiten, in denen Musikdownloads für viele noch ein Fremdwort war und MTV noch trendsetzend als Musiksender war.

    Dank Internet kann man diese Band noch sehen. Und? errinnert ihr euch?

    http://www.focus.de/panorama/boulevard/boulevard-jon-bon-jovi-hat-es-gefallen_aid_175899.html

    http://www.youtube.com/watch?v=H7PZkhFJOtw

    http://www.amazon.de/Mellow-Sirens/dp/B000023XTN

    Warum genau der Band der Durchbruch versagt blieb, weiß ich nicht. Und ein einzelnes Beispiel ist sicher noch kein Beweis. . Ich gehe aber davon aus, dass es viele Bands gibt, die trotz Majordeal und Marketing nur "fast berühmt" wurden. Der "menschliche Faktor", der den Konsumenten zum Kaufen bewegt, ist eben nur telweise kalkulierbar.

    Oder man muss eine neue Frage in den Raum werfen: Was ist gutes Maketing? Wie lange, auf welche Art und wie intensiv muss ein Produkt vermarktet werden, damit es der Käufer annimmt? Und dann kommen eben doch wieder die Begriffe Trend, Zeitgeist, Glück und Ausdauer ins Spiel. Denn die gelten nicht nur für den Künstler - sondern auch für die Marketing- Strategen.
     
  18. Ullrich-Wickert

    Ullrich-Wickert Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 20.06.10   #18
    Also wenn ich das hier richtig raushöre ist man ohne Marketingmaßnahmen von den Majorlabeln also garnicht markttauglich. Aber was ist wenn man das Label von sich überzeugt hat, von denen aber kein zielgruppengerechtes Image aufgeschneidert haben will?. Ich meine ich find es schon bischen tragisch das sich jetzt bei der Lena alle die Augen gerieben haben und nicht glauben konnten, dass es noch solche authentischen Künstler noch gibt. Manche behaupten gar immer noch Sie sei bloß ne extrem gute Schauspielerin. Ja ich vermisse in der neuren Zeit ein bischen die Substanz bei den modernen Rock-Acts. Ich meine hätten sich z.b Guns n' Roses oder, um mal im deutschen Raum zu bleiben, die Toten Hosen sich so vermeintlich medientauglich glattbügeln lassen wären sie bestimmt nie so erfolgreich gewesen. Aber das war ja noch ne andre Zeit
     
  19. wilbour-cobb

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    Erstellt: 21.06.10   #19
    Dafür haben sich aber beide medien- und schlagzeilentauglich "unangepasst" gegeben. Das hat man in Deuthschland nicht so mitbekommen, aber die Mitgleider von Guns'n'Roses waren "Promi-Luder" erster Kajüte, die keine Gelegenheit ausgelassen haben, sich bei den zahlreichen US Veranstaltungen blicken zu lassen. Axl Rose war der klassische Typ, der berühmt werden wollte, zur Not auch mit Musik.

    Gute Labels schneidern dir kein Image auf. Du bringst eins mit, das kann man dann ausbauen und nutzen, aber wenn es nicht authentisch ist, klappt es nicht. Das sieht man dann wieder an den vielen schlechten Labels, die es mit aufgesezten Images versuchen und damit meist scheitern.