Eure Erfahrungen hinsichtlich Vertretung durch real existierende Musikergewerkschaften

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nurMitSax
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Hallo liebe Musiker
Die Fragestellung richte ich eher an die Hauptamtlichen, und dort eher an die Freiberufler, die einer Gewerkschaft oder sonstigen Vertretung angehören, oder mit dem Gedanken spielen. Natürlich weiß ich, daß es eine einheitiche Musikergewerkschaft explizit für Musiker und Musiklehrer in Deutschland nicht gibt. Die Aufgabe teilen sich (ohne dem Anspruch auf Vollständigkeit):
  • Die Tonkünstlerverbände der Länder
  • verdi
  • GEW (zumindest M.-lehrer)
  • Jazz Union
  • Pro Musik
  • unisono
  • DOV
und wahrscheinlich noch viele mehr. Ganz viele Gewerkschaften. Aber eben alle partikular, spezialisiert auf eine Gruppe. Orchestermusiker oder Elementarmusiklehrer haben andere Interessen an eine Vertretung als freischaffende Tanz- (gibt's die überhaupt noch ?) Jazz- oder Rockmusiker. Die Musiker, die ich kenne, könnte man vermutlich alle mehreren Gruppierungen zuordnen. Die Gesamtszene ist meiner Meinung nach zersplittert und unübersichtlich.Als Antworten würde ich mir vorstellen, daß man hier z.B. erzählt, mit welcher Vereinigung man Erfahrung hat, und ob die Vertretung einem schonmal genutzt hat. Oder auch, warum man keiner angehört, oder im schlimmsten Fall warum man es sowieso für sinnlos hält. Hat die Gewerkschaft tatsächlich eine Vertretung nahe des Wohn- oder Arbeitsortes (wie bei einer "richtigen Gewerkschaft zB IG-Metall), oder läuft der Kontakt nur online und beschränkt sich auf Hilfestellungen auf Online-Seiten (Gute Ratschläge), und haben die dann was genutzt (zB in Honorarverhandlungen). Also - Ich bin gespannt. Vielleicht andere ja auch.
 
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OK - dann weiß ich jetzt, daß eine Veröffentlichung hier vermutlich niemals gelesen werden wird. Probiere ich es also in einer anderen Rubrik mit direkterer Formulierung.
 
Probiere ich es also in einer anderen Rubrik
Äh ... nein!
Das wäre ein verbotener Crosspost (siehe Boardregeln).

Deinen Thread haben an die 200 User angesehen, wenn es keine Rückmeldungen gibt, ist das Interesse wohl hier nicht vorhanden.
Das mag daran liegen, dass die User hier im Forum wohl zumeist Hobby-Musiker und keine Berufsmusiker sind ...
 
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Ich bin Berufsmusiker und Mitglied im DTKV. Aber die Relevanz Deiner Fragestellung sehe ich für mich persönlich nicht gegeben. Deshalb habe ich hier bisher nicht geantwortet. Nützende Themen sind z.B. Herrenberg und Umsatzsteuer. Aber das haben wir im Board an anderer Stelle schon ausgiebig diskutiert.

Viele Grüße,
McCoy
 
Gewerkschaften machen halt naturgemäß viel Sinn, wenn viele Arbeitnehmer von wenigen Arbeitgebern "abhängig" sind.
Für Freiberufler, Handwerker und eben auch "frei" schaffende Musiker, ist daher eine "Interessenvertretung" von vornherein inhomogen und "schwierig".
Ist blöd, aber in der Sache IMO auch nicht groß änderbar. Nichtsdestotrotz gibt es natürlich die genannten Interessenvertretungen, ihre Attraktivität ist aber für Musiker rel. gering, weil der "Hebel" klein(er) ist.
 
... hatte mir eigentlich schon länger vorgenommen, zu dem Thema hier etwas zu schreiben, aber die Zeit ...

Selber bin ich seit meiner Studentenzeit Gerwerkschaftsmitglied, früher "IG-Medien" (wenn ich mich richtig an den alten Namen erinnere), schon lange "V.E.R.D.I." Ich komme aus einem Arbeiterhaushalt und seinerzeit war der gewerkschaftliche Organsiationsgrad ziemlich hoch, mein Vater war jedenfalls seine ganze Berufszeit Mitglied bei der Bau-Gewerkschaft. So war es für mich naheliegend, schon so früh Gewerkschaftsmitglied zu werden.
Größere Unterstützung, wie etwa juristischen Beistand bei einem gerichtlichen Arbeitsstreitverfahren, musste ich nie in Anspruch nehmen. Aber ich habe noch gut die ersten großen Sparwellen ab Anfang der 80-er Jahre in den Kommunen in guter Erinnerung - eigentlich eher schlechter Erinnerung, denn alle Nase lang wurde uns als öffentliche kommunale Musikschule unmissverständlich klar gemacht, dass wir eine "freiwillige Einrichtung" sind.
Die Situation wurde bei uns nicht brenzlig, aber hauptsächlich, weil wir im Kollegium immer gut zusammen gehalten haben und stark aufgetreten sind. Früher war zwar auch nur eine Minderheit in einer Gewerkschaft, von rund 60 Lehrkräften wohl nie mehr als vielleicht 20. Aber die sind mittlerweile alle in Rente, und wenn ich Ende des Jahres ebenfalls in die Rente eintrete, werden nur noch zwei im Hause sein, die in einer Gewerkschaft sind.

Von den nachrückenden jüngeren Kolleginnen und Kollegen wüsste ich keinen, die/der in irgendeiner Gewerkschaft ist. Im Gegenteil erlebe ich die Jüngeren vorwiegend eher als ziemlich unpolitisch. Sie sind froh, einen so tollen Job zu haben, zudem mit einem ´richtigen´ TVÖD-Vertrag. Aber was, wenn der Spar-Wind sich dreht und der Musikschule wieder mal heftiger ins Gesicht weht?
Da habe ich so meine Bedenken, ob sich wieder so eine tolle Solidarität einstellen wird wie damals Mitte/Ende der 80-er/bis Mitte der 90-er Jahre.

Ich selber war immer froh, über meine Rechte immer gut und aus erster Hand informiert gewesen zu sein. Und ganz gewiss hat mir das mitunter wirklich Ärger vom Hals gehalten, z.B. wurde wenn wegen einer mangelnden Warteliste mal Stunden nicht belegt werden konnten. Eine Rückstufung meines Vertrags deswegen stand bei mir nie zur Debatte. Ein frühere Kollege meinte mal zu mir: "Der Chef und die Kreisverwaltung werden dich in Ruhe lassen, die wissen, dass du keine Probleme damit hast, zum Arbeitsgericht zu gehen weil du in der Gewerkschaft bist. Und da würden die den Kürzeren ziehen".

Insofern habe ich die Gewerkschaft gerne über die vielen Jahrzehnte mit meinem Beitrag unterstützt. Ich hatte auf jeden Fall Vorteile davon.
 
Grund: Typo
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Bei @LoboMix Beitrag fällt mir auf, daß ich meinen ergänzen muss: Ich bin Freiberufler, habe keinen Chef, hatte nie einen und will auch keinen ...

Viele Grüße,
McCoy
 
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Ich mache Musik nebenberuflich, habe da aber keinen Arbeitgeber, sondern wechselnde Besetzungen, und ab und zu gebe ich etwas Unterricht. Mit einer Mitgliedschaft in einer musikalischen Gewerkschaft habe ich noch noch nie beschäftigt ... :unsure: Hätte das für Freiberufler überhaupt einen Sinn?
 
VERDI sieht sich auch als Interessenvertretung für Freischaffende/Selbständige. Da geht es dann um Dinge wie Verträge/Vertragsgestaltungen, Mindesthonorare, Absicherungssysteme wie die KSK, im Konfliktfall auch um juristischen Beistand bei Vertragsverletzungen/Nicht-Bezahlen von Honoraren, und ähnlichem. Es geht auch dabei um eine Solidarität der Kunstschaffenden, auch zusammen mit Schauspielern, Literaten usw.
Dabei gibt es aber Überschneidungen mit anderen Organisationen wie z.B. der DTVK, die ja auch eine Interessenvertretung vor allem für Freiberufliche Musiker ist, und die sich auch intensiv um Honorarfragen, Verträge und die KSK kümmert.

Im Unterschied dazu sind die Gewerkschaften aber die eigentlichen Tarifpartner der Arbeitgeber, im Hinblick auf die kommunalen Musikschulen die Kommunen und Kreise. Eigentlich hätten nur diejenigen, die Mitglied einer Gewerkschaft sind, faktisch ein Recht auf eine Tarifvertragliche Anstellung und Bezahlung, da nur sie zur Gruppe der Tarifpartner gehören. Dagegen spricht natürlich zum einen. dass nicht gegen die Grundsätze der Gleichbehandlung bei gleicher Tätigkeit verstoßen werden darf (die sich hier aber wahrscheinlich sogar begründen ließe). Zum anderen würde eine solche Handhabe dazu führen, dass sich praktisch alle Angestellten umgehend gewerkschaftlich organisieren und Mitglieder einer Gewerkschaft werde würden - was diese außerordentlich stärken würde. Und genau das ist natürlich nicht gewollt von den Arbeitgebern.

Die Gruppe bei denen tatsächlich die allermeisten (soweit ich weiß über 90%) gewerkschaftlich organisiert sind, das sind die deutschen Orchestermusiker. Die DOV ist eine der Gewerkschaften mit dem höchsten Organisationsgrad ihrer Klientel, wenn nicht die mit dem absolut höchsten Organisationsgrad. Da kommen sonst nur die Eisenbahner oder Metaller in die Nähe.
Das hat zum einen mit der Tradition bei Orchestermusikern zu tun, bei denen es seit der Gründung der DOV (zur Zeit der Gründung der BRD) schlicht zum "guten Ton" gehört, dort dabei zu sein, zum anderen sicherlich mit einem aus dieser starken Tradition erwachsenen gewissen Gruppenzwang.
Fakt dabei ist, dass die deutschen Orchestermusiker die Sparte mit den besten Tarifverträgen bei Musikern im öffentlichen Dienst sind mit den besten und lukrativsten Vereinbarungen, wie etwa Zuschüsse für Berufskleidung ("Frackgeld"), Überholungen und Reparaturen an ihren Instrumenten, "Blattgeld" bei Holzbläsern, Zuschläge für bestimmte Dienste und zusätzliche Instrumente (z.B. wenn ein Klarinettist auch mal Saxophon spielen soll), und anderes mehr (wobei im Laufe der Zeit dort auch der eine oder andere übertriebene Wildwuchs etwas eingedämmt wurde).
 
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