Exkursion - Carillon St Joseph Bonn-Beuel

Die Glockenstube ist zur reinsten Schallschluck-Kabine geworden, schade wenn man bedenkt, daß Glocken ja möglichst weit reichen sollen ... eigentlich :eek:

Ich wohne seit 20 Jahren praktisch im Schatten dieser Kirche und hätte ich diesen Thread früh genug entdeckt, wäre ich gerne mit auf den Turm geklettert.

Ich kann versichern, dass man auch trotz "Schallschluck"-Maßnahmen das Läuten der Glocken sehr laut und deutlich hören kann. Ob wirklich am Wochenende morgens um 7 Uhr die Bauern vom Feld zum Gebet gerufen werden müssen? Da habe ich Zweifel und könnte sehr gut darauf verzichten.

Das Glockenspiel um 11 und 17 Uhr finde ich dagegen erfrischend. Wenn sich daran Anwohner gestört haben, ist das an mir vorbei gegangen (was aber leicht passiert).
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
Hallo @murmichel

... wäre ich gerne mit auf den Turm geklettert

Das lässt sich irgendwann nachholen. :)

@Old Boy
Zum Thema Schallluken oder Schallläden fand ich bei Grassmayr ein interessantes Statement:

Der Glockenturm als „Ressonanzraum“ prägt auch das Klangverhalten einer Glocke. Ein und dieselbe Glocke erklingt in einem alten gemauerten Turm angenehmer als in einem Betonturm. Schalläden verstärken das „Vermischen der Glockentöne“ im Turm bevor sich diese auf das Umfeld übertragen. Die hohen Teiltöne lösen sich auf, die tieferen Teiltöne verbreiten sich.
Ein wesentlicher Vorteil von Schalläden ist die Reduktion der Klangintensität in der nahen Turmumgebung durch Lenkung der Klangfrequenzen auf weitere Entfernungen. So können oft auf einfache Art „Konflikte“ mit Nachbarn gelöst werden.
Richtig konstruierte Schallläden verhindert zudem das Eindringen von Tauben- und deren Verschmutzung des Turmes- sowie von Regen und Schnee.

http://www.grassmayr.at/index.php?id=94


Weitere Fundstellen zum Thema Schallluken und Schallläden:



---------------------------------------
>>> Inhaltsverzeichnis
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
...
Ich kann versichern, dass man auch trotz "Schallschluck"-Maßnahmen das Läuten der Glocken sehr laut und deutlich hören kann. Ob wirklich am Wochenende morgens um 7 Uhr die Bauern vom Feld zum Gebet gerufen werden müssen? Da habe ich Zweifel und könnte sehr gut darauf verzichten.
...

So ist die "Sichtweise" eben immer auch vom Standort abhängig ...
ich kann da ja gut nörgeln, denn "unsere" Kirche darf nur noch an hohen kirchlichen Feiertagen die Klöppel schwingen lassen :engel:

Vielleicht sollte ich mir die Idee mit der Carillon-APP ja vorsichtshalber "schützen" lassen :engel:
Danke @Lisa2 für deine ergänzendes "Lesefutter" ... erstaunlich, was man so alles NICHT weiß :embarrassed:
Aber ich bin ja noch lernfähig :great:


Also muß ich meine Kritik bezüglich der "geschlossenen Fensterläden" in ein Lob umwandeln.
Optimierte Klangabstimmung zum Wohle der Gesamtakustik ... und der Nachbarschaft :great:


---------------------------------------
>>> Inhaltsverzeichnis
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: 2 Benutzer
So, liebe Leser. :)
Heute habe ich ein paar Ergänzungen eingeflochten. Vielleicht mögt Ihr ja nochmal zurück blättern.
Die Fortsetzung ist schon vorbereitet. Aber jetzt muss ich leider ein paar Tage Sendepause machen und dafür sorgen, dass Geld für die Stromrechnung rein kommt. Sonst gehen hier die Lichter aus und dann ... Uuuups! :w00t: :guilty:

Also dran bleiben.
Fortsetzung folgt. :)

Gruß
Lisa
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 4 Benutzer
Moin zusammen! Sonntagszeitung gefällig? :)

Wo waren wir stehen geblieben?

Am Ende der Stiege gelangt man auf eine Art Empore, auf der wir ein paar Minuten Rast machten, um in Ruhe fotografieren und Gedanken austauschen zu können.

Da machen wir jetzt weiter.


full


Vor dem Erreichen der Empore, noch ein Blick zur Seite. Hinter den obersten Diagonalstreben des Glockenstuhls kam die erste Glocke der 3. Läuteebene immer näher. Könnt Ihr die Inschrift erkennen? Sie lautet "Sancto Francisco"
Das ist, wie ich jetzt aus der in der Zwischenzeit erhaltenen Festschrift erfuhr, die Glocke St. Franziskus von Assisi. Unter dem Schriftzug schmücken die Glocke zwei Wappen, die auf den Fotos leider nur vage zu erahnen sind. Das linke Wappen enthält wieder das quer gestreckte Kreuz und runde Symbole das rechte das Beueler Fährschiff.

full

Die Baudiele hat sich der Wartungsdienst da hin gelegt, um die Läuteglocken und das ganze Drum und Dran besser erreichen zu können.

Auch der Boden der Empore besteht aus Baudielen. Der Platz reicht für eine ganz kleine Gruppe. Also bitte nicht busseweise Einlass begehren! ;-)

full

Hier stehen wir auf gleicher Höhe mit der dritten Läuteebene,
in der eine Glocke mehr hängt als in den Ebenen 1 und 2.​

full


Das "Geländer", an dem ich mich festhalte, ist der obere Abschluss des Glockenstuhls.​

full

Die vier starr montierten Carillon-Glocken unter der Decke sind an Holzbalken befestigt. Vielleicht die untersten Balken des Dachstuhls? Das Vierkantrohr oder Eckprofil (?) aus Metall hält Flacheisen mit Ösen, in denen die Züge für die Klöppel der Carillon-Glocken eingehängt sind.

Hier sieht man sie ein wenig besser.

full

Anders als die Läuteglocken haben Carillon-Glocken keine Namen.​

Der "filigrane" Glockenstuhl aus Stahl gewährt einen relativ freien Durchblick in alle Richtungen.

full




Links hängt die beim Treppenaufstieg fotografierte Glocke "Sankt Franziskus von Assisi", zu erkennen an der Inschrift "Sancto Francisco". Die Diele unter der Glocke liegt in der zweiten Läuteebene.

full

Schwierig, beim Fotografieren die richtige Senkrechte zu finden. Habe mich beim Nacharbeiten entschieden, die Glocke senkrecht zu hängen. :)

full

Unter der Francisco-Glocke hängt die Josephs-Glocke, von der auf dem oberen Bild nur das Schwungrad zu sehen ist. Auf dem nächsten rückt sie dann aber ganz ins Bild. So einigermaßen jedenfalls.

full


Und weiter unten in der 1. Läuteebene hängt die Marien-Glocke. Sieht jemand die kleine Ecke davon? Auf den Fotos in der Läuteebene 1 haben wir sie leider auch immer nur am Rand erwischt. :nix:


Rechts neben der Franziskus-Glocke hängt die kleinste der schwingenden Glocken, die Antonius-Glocke mit dem Schlagton c''. Das ist der Grundton einer Sopran-Blockflöte. Leider kann ich den Größenvergleich zwischen der Dreifaltigkeitsglocke mit Schlagton c' und der Antonius-Glocke mit Schlagton c''nicht bildlich darstellen. Daher lasse ich Zahlen sprechen.
Obwohl ich es kaum für möglich gehalten hätte, ist der Durchmesser der Dreifaltigkeitsglocke mit 1534mm gerade mal etwa doppelt so groß wie der der Antonius-Glocke, die laut Glockentabelle (in der Festschrift zu finden) einen Durchmesser von 761mm hat. Dieses Verhältnis von etwa 2:1 ist das bekannte Verhältnis z.B. der Saitenlängen am Monochord, von Grundton und Oktave. Auch der Längenunterschied von Tenor-Blockflöte und Sopran-Blockflöte einer einheitlich gebauten Modellfamilie weist in etwa dieses Verhältnis auf.
Die Gewichtsunterschiede sind mit 2534kg : 285kg allerdings immens! (aus aktuellem Anlass auf neudeutsch übersetzt: voll krass ey ;) :D )
Angaben über die Höhen der Glocken konnte ich noch nicht finden.

Mit dem Gewicht und den Maßen der Glocken ist das allerdings so eine Sache. Eine größere Glocke ist nicht zwangsläufig schwerer und eine (etwas) kleinere Glocke hat nicht zwangsläufig den helleren Ton. Darüber mehr an anderer Stelle.

full

Auch die Antonius-Glocke (rechts im Bild) wird von mindestens einem Wappen geziert. Auf der uns zugewandten Seite konnte ich auf einem der Fotos wieder dieses Wappen mit dem quer gestreckten Kreuz erahnen.

Hier zwei verschiedene Perspektiven auf die Antoniusglocke:

full


... mit Blick auf den Klöppel ...


full


... und mit Blick auf Anschlaghammer und Seilrad.

Zu unserer Rechten die Glocke, die den Namen der Patronin des Carillons trägt: Adelheidi
bzw. Adelheid von Villich.

full



Die Inschrift lautet: Beatae Adelheidi Virgini

full



full


Anschlaghammer der Adelheidi-Glocke

Auf den Fotos sehen die Glocken einander sehr ähnlich. In Natura ist das Betrachten und Vergleichen der Glocken viel interessanter, weil man dann die Größenunterschiede erkennen kann und die kleinen Unterschiede der Rippenformen, Schlagränder und anderer Details besser sieht.

full


Das Wappen der Adelheidi-Glocke, das auf mehreren Glocken zu sehen ist
und dessen Deutung mir bislang noch nicht gelungen ist.

Noch ein Blick in die Tiefe. Unter der Adelheidi-Glocke hängt die viertgrößte Läuteglocke "Sankt Peter und Paul" mit Schlagton g'. Die weiter unten in der ersten Läuteebene hängende Dreifaltigkeits-Glocke (c') wurde von meinem Blitz nicht erreicht.

full

An der rechten Wand steigt neben den Zugvorrichtungen für die Hämmer die Getriebestange vom Uhrenboden auf. Vielleicht entdeckt sie jemand auf dem Foto.

Der interessante Vortrag von Herrn Strauß zu verschiedenen "Glockenthemen" (Glocken stimmen, Partialtonaufbau, Teiltöne, Klangspektrum, klangbildende Elemente, Glockenformen) wurde vom Rauschen des um die Kirche brodelnden Verkehrslärms und nervigem Gehupe "untermalt". Der drang auffällig laut durch die Schallluken zu uns in den Turm herein.

Mitten im Gespräch plötzlich die Vorwarnung: In einer Minute schlägt es die Zeit. Da müssen wir aufpassen. - Auf was? - Auf die Ohren natürlich! Während der Fortsetzung seines Vortrags behielt Herr Strauss nun die Sekundenanzeige seiner Armbanduhr im Blick. Wenige Sekunden vor dem Schlag dann das Komando zum Ohren schützen "Achtung!" Schon rasselten leise die Züge des Schlaghammers und dann erscholl das laute

Donnnnnng! Donnnnnng!​

Mist! Ich war so auf die interessanten Erklärungen konzentriert, dass ich vergessen habe zu fragen, auf welcher der Glocken denn nun die Viertelstunden geschlagen werden. Dann hätte ich das schön beobachten können. Hach! Verpasst!

Der Glockenschlag erinnerte uns daran, dass seit unserem Aufenthalt am Uhrenschrank schon wieder eine Viertelstunde vergangen war. Die Zeit verflog nur so!


Hier eine grafische Übersicht der Glocken, an der abgelesen werden kann, wie das Gewicht der Glocken verteilt ist und wie die größten Carillon-Glocken die Tonfolge der Läuteglocken ergänzen. Die Durchmesser werden in Millimeter angegeben. Mit "Innenansicht" meine ich die Perspektive von unseren Standpunkten auf Treppe und Empore.

full


Allen einen schönen Sonntag!
Lisa





---------------------------------------
>>> Inhaltsverzeichnis
 
Grund: Immer diese Tippfehler ... ;-)
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: 5 Benutzer
Hallo @Lisa2,

das war wieder so ein "Vortrag" von dir, wie ich sie mag, nichts bleib unberücksichtigt!
Wenn diese "Serie" zu Ende ist, kann jeder, der aufmerksam mitgelesen hat, sich sein eigenes Carillon zusammenstellen... zumindest virtuell :great:

Vieles entdecke ich erst jetzt beim Lesen, da ich beim Besuch mehr auf die konstruktiven/mechanischen Dinge geachtet habe und mir die "musikalisch/klanglichen" Aspekte meist weniger sagten.

Schön, wenn man so eine Exkursion nicht alleine vornimmt, im Nachhinein kommt dann noch eine Menge Wissenswertes zu Tage :)

PS
Was mir auf dieser Ebene spontan in den Sinn kam:
"Junge, hier möchte ich aber nicht zum Wartungspersonal gehören! Ohne alpine Grundkenntnisse, was Seilsicherung angeht, hast du hier verloren :engel:"
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: 2 Benutzer
Wenn diese "Serie" zu Ende ist, kann jeder, der aufmerksam mitgelesen hat, sich sein eigenes Carillon zusammenstellen... zumindest virtuell :great:

Es gibt Glockenfans, die stellen sich zumindest ihr eigenes Geläute ganz real zusammen. Als ich das bei meinen Recherchen kürzlich entdeckte, habe ich nicht schlecht gestaunt!









An dem Lego-Glockenstuhl habe ich den meisten Spaß! :-D







---------------------------------------
>>> Inhaltsverzeichnis
 
Grund: Link zum Inhaltsverzeichnis eingefügt
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: 2 Benutzer
"Jeder Jeck is anders", sagen die Kölner.... OK, andere haben 75 Blockflöten :embarrassed:


Aber bei der LEGO-Version hab ich sofort an deine große Kiste mit Glocken gedacht...

Das wäre doch mal was für deinen Unterricht: Wir bauen uns ein Carillon :great:
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
Du wirst lachen, das habe ich schon öfters gemacht. :-D Allerdings deutlich weniger aufwändig. Zuerst waren alle Glocken auf den Sitzteppichen verteilt. Dann wurde gebimmelt und gehorcht ... welche klingt heller ... dunkler ... sortieren ... in der richtigen Reihenfolge die Lederschlaufen über eine lange Stange gehängt und schon konnte mit einem Holzschlägel eine Melodie gespielt werden.

Meinst Du ich hätte die Glocken nur als Regalbeschwerer da liegen? :engel:








---------------------------------------
>>> Inhaltsverzeichnis
 
Grund: Link zum Inhaltsverzeichnis eingefügt
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
Großes Lob für Umfang und Art des threads!
Wer zu dem Thema Autokran und Kirchenglocken was einmaliges sucht, kann ja ma nach 'Gloriosa' googlen.;)
Daß Glockenläuten mittlerweile in diesem Land sogar in 'gutkatholischen' Städten wie Bonn zur Lärmbelästigung zählt, sagt eigentlich viel über den kulturellen Werdegang aus.:rolleyes:
Interessanterweise gehört es in unserer beschaulichen Provinzmetropole auch bei konfessionslosen Mitbürgern zur Identifikation.
"Wie soll denn nun Sylvester sein, wenn die Gloriosa nicht läutet?"
Probleme in der Zeitung mit der neuen Läutordnung(zum Schutz der Glocke)
 
Vielen Dank für das Lob! :)

Daß Glockenläuten mittlerweile in diesem Land sogar in 'gutkatholischen' Städten wie Bonn zur Lärmbelästigung zählt, sagt eigentlich viel über den kulturellen Werdegang aus.:rolleyes:

Naja, in der näheren Umgebung gibt es halt ruhebedürftige Nachbarn. (Krankenhaus, Tonstudio) Da muss man sich um des lieben Friedens Willen irgendwie arrangieren. Grundsätzlich dürfen Carillonkonzerte ja sein. Sie müssen nur halt eben angemeldet werden, damit sich die Nachbarschaft darauf einrichten kann.
Die Stundenglocke hat ganz normal geschlagen.
Was es sonst noch so an "Läut-Gepflogenheiten" gibt oder aufgegeben wurde, haben wir nicht hinterfragt.

Dass das Carillon den Bürgern von Beuel oder zumindest einem Teil davon sehr wichtig ist, wird durch den Umstand bestätigt, dass sich der Schifferverein von Bonn-Beuel für die Sanierung des Glockenspiels eingesetzt hat und die Beueler Bürger dafür so fleißig gespendet haben, dass die erforderliche Summe deutlich früher zusammen kam, als erhofft und die Sanierung 2 Jahre vor dem Zieltermin abgeschlossen war. Und wenn ich das richtig gelesen habe, gelang das ganz ohne Kirchenkollekten!

Hier im Rheinland sagt man "Levve un levve losse" und "nit nur nemme och jünne künne"

Schon vor 20 Jahren musikalisch umgesetzt von den "Höhnern" mit einem Text, der mir heute aktueller denn je erscheint:




http://hoehner.com/songtexte/levve-und-levve-losse/

Zum besseren Verständnis

Einfach levve un levve losse
dennd mr sitze he all em selve Boot.
Nit nur nemme – och jünne künne,
dann köm keiner von uns he je ze koot!

Einfach leben und leben lassen,
denn wir sitzen alle im selben Boot.
Nicht nur nehmen - auch gönnen können,
dann kommt keiner von uns hier je zu kurz!

Bis die Tage!
Einen guten Start in die Woche! :)
Lisa


---------------------------------------
>>> Inhaltsverzeichnis
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
:D Danke für die Übersetzung. War aber nicht nötig, denn BAP-Lieder spielen können war in unsern Kreisen Pflicht in dem Land aus dem ich komme.;)

Ansonsten ist das ein weites Thema, wie man hier auch gerade medial merkt. Es gibt einen Verein, die eine Moschee neu bauen wollen. Am Rande der Stadt in einem Gewerbebereich. Größtes Geschrei, usw......
Von wegen Muezzin vom Minarett und so.
Wenn man dann darauf hinweist, daß z.B. das volle Geläut zum Gloria in der Osternachtsfeier, wenn diese um 5:00 Uhr Sonntagmorgen beginnt, auch nicht unbedingt die Zustimmung aller Anwohner findet, lernt man auf einmal vormals glühende Atheisten als Verfechter der christlichen Kultur des Abendlandes kennen.:rofl:


OK, schnell noch was, was gerade so on topic sein dürfte: Wir ha'm so was auch. Man beachte den Einweihungsanlaß!:whistle:
Bartholomäuskirche (Erfurt) – Wikipedia
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
Kleine Anmerkung:
Die Inschrift lautet: Beatae Adelheidi Virgini
In der Inschrift ist der Dativ des lateinisierten Namens der Adelheid (Beata Adelheidis Virgninis) verwendet; also in dem Sinne "der Adelheid gewidmet", "für Adelheid".
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
Mensch @Ralinem , ein echter Lateiner unter uns ... salve :hi5:

Du mußt mir unbedingt bei ein paar Kreuzworträtseln helfen, ich krieg die nicht fertig, hätte doch besser aufpassen sollen, in der Penne!
Aber hab ich damals gewußt, daß ich mehr als 1/2 Jahrhundert später diesen Kirchturm erklimmen würde und die Inschrift eigentlich hätte korrekt übersetzen müssen?
Peinlich! Nur gut, das meine alten Lehrer schon lange tot sind und mein Elend nicht haben ertragen müssen :opa:
Danke für die korrekte Übersetzungshilfe :great:


Spontan fiel mir da der nette Spruch ein: "Man gewöhnt sich an allem, sogar am Dativ!"
Zugegeben, das ist natürlich vollkommen OffTopic... aber ich mußte den Ball einfach annehmen :embarrassed:
 
Da ist sie wieder, die Sonntagszeitung. ;-)
Hat etwas gedauert. Aber es gab sooooooooo viel zu lesen!



Banner 08 Glockentöne - Carillon St Joseph Bonn Beuel Foto 20161021_112243.jpg




Die ohrenbetäubenden Schläge platzten mitten in unser Gespräch über Glockentöne rein. Sehr passend! :) So wurde zur theoretischen Betrachtung über Partialtöne auch gleich das praktische Beispiel mitgeliefert. Gutes Timing! :great:

Als der Schlaghammer wieder still stand, nahm ich die Hände von den Ohren und lauschte, um diese Mischung aus verschiedenen Tönen genauer wahrzunehmen und sie mitzusingen. Das Auf und Ab zweier Töne im Abstand einer kleinen Terz war innerhalb des Gesamtklangs gut hörbar. Aber eigentlich klingen da noch viel mehr! Faszinierend, wie lange dieser Glockenton im Raum stand! Naja, eigentlich waren es ja mehrere! Also sagt man wohl besser Glockenklang.

Eine Glocke produziert mehrere deutlich wahrnehmbare Töne? Ja, klar! Das ist ja der Grund, warum der erste "Klangtest" nach der "Befreiung" der Glocke aus dem Lehmmantel immer so spannend ist. Da lauscht dann jeder Beobachter auf den Zusammenklang der Partialtöne und hofft, dass sie gut harmonieren. Wenn das der Fall ist, spricht man von einer guten Innenharmonie.

Zusammenklang der Partialtöne? Innenharmonie?

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Glockenform.
Naja, DIE Glockenform gibt es eigentlich nicht. Im Laufe der Jahrtausende entstanden ganz verschiedene. Die "Gotische Rippe" und der "Bienenkorb" sind nur zwei Beispiele von einer ganzen Reihe von Glockenrippen (https://de.wikipedia.org/wiki/Glockenrippe). Einen ersten Einblick zum Thema "Glockenformen in aller Welt" vermittelt dieser Wikipedia-Artikel: https://de.wikipedia.org/wiki/Glocke
Und in https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Bells_by_country kann man in Fotosammlungen stöbern.
Interessant ist auch https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Bells_by_function Da entdeckt man dann Alarmglocken, Tierglocken, Fahrradglocken, Bus-, Straßenbahn- und Eisenbahnglocken, Kirchenglocken, Handglocken, Schiffsglocken usw. usw. ...

Sowohl die Materialauswahl (Legierungen unterschiedlicher Art) als auch die grundsätzliche Herstellungsweise (gießen, Bleche schweißen) sind wichtige Entscheidungen für den späteren Klang der Glocke.

Ein Beispiel für geschweißte Glocken sind die scheppernden Kuhglocken, ...

Kuhglocken 100_4577a1Rsig.jpg


... die sich in manchen Gegenden im Rahmen verschiedener Bräuche rund um das "Winter Austreiben" auch die Schellenläufer umhängen.





Der Klang gegossener Glocken ist ganz anders. Ob der nun lang nachklingt oder eher schnell verebbt, hängt von der Metalllegierung ab. Im Glockenmuseum Grassmayr (Innsbruck) kann man das gut beobachten, wenn man in einem zum Experimentieren einladenden Raum Glocken aus verschiedenen Metalllegierungen anschlägt und vergleicht. Da erlebt man dann, dass eine Eisenglocke wesentlich kürzer nachklingt als eine Bronzeglocke.
Wie lang eine Bronzeglocke nachklingt, hängt vom Zinnanteil in der Legierung ab. Hier http://glocken-perner.at/glockeform/bronze.html wird erklärt, dass der Nachklang deutlich abnimmt, wenn der Zinnanteil unter 22% liegt.

Ich habe mal das Netz durchstöbert, um ein gutes Beispiel für ein Eisengeläut zu finden. Auf diesem historischen Tondokument ist der Charakter der Eisenglocken meines Erachtens gut hörbar.

Preisgünstigere Eisenglocken ersetzten in so manchem Kirchturm nach dem zweiten Weltkrieg die von den Nazis beschlagnahmten und eingeschmolzenen Bronze-Glocken. In der Zwischenzeit wurden davon viele durch schöner klingende Geläute ersetzt. So auch in Greetsiel, wo man die Glocken einer abgerissenen Kirche erwarb.


Zurück zum Carillon von St. Joseph in Bonn-Beuel.
Auch dieses Geläute hat eine wechselvolle Geschichte. Ursprünglich besaß die Gemeinde ein für seinen Wohlklang hoch gelobtes Bronze-Geläut, das wegen der gelungenen Harmonie als besonders wertvoll galt. Deshalb erhielt es nach Vorlage entsprechender Gutachten auch eine besondere Schutzklasse, als die Glocken in den Kriegsjahren abgegeben werden mussten. Die Hoffnung, dass die als schutzwürdig eingestuften Glocken eines Tages zurückkehren würden, erfüllte sich jedoch nicht. Bis auf die kleine Nikolaus-Glocke gingen alle großen Glocken in den Schmelzöfen der Rüstungsindustrie unter.

In den Nachkriegsjahren wurde dann ein Stahlglockengeläute angeschafft. Für Bronzeglocken reichte das Geld erst einmal nicht. Nun haben aber Stahlglocken einen viel härteren und metallischeren Klang als gut gelungene Bronzeglocken. Die Erinnerung an den Klang der alten Glocken trieb die Beueler dazu an, sich für die Anschaffung eines neuen Bronzegeläuts einzusetzen. Bis dieses dann auch tatsächlich im Glockenstuhl hing, ist eine lange Geschichte, in der die Idee eines zunächst kleinen und dann immer größer konzipierten Carillons geboren wurde. Der Wunsch nach einem Carillon führte dann dazu, dass zwei verschiedene Glockengießer mit dem Guß der Glocken beauftragt wurden und da der Carillon-Glockengießer mit dem Klang der Läuteglocken nicht zufrieden war, landeten fünf der sieben fertigen Glocken wieder im Schmelzofen. Die Details der Geschichte lesen sich in der Festschrift "Das St. Adelheidis-Spiel", Schiffer-Verein Beuel 1862 e.V. wie ein Kurzkrimi mit allerlei Verwicklungen.

Der Grund für das Einschmelzen der Glocken war die für ein Carillon nicht ausreichende Innenharmonie dieser Glocken. Was hat es damit auf sich?
Bronze-Glocken mit "Gotischer Rippe" sind kein ich nenne es mal "einheitlicher Klangkörper". Das ist kein Alleinstellungsmerkmal von Glocken. Denn auch mit anderen Metallinstrumenten können infolge ihrer Form, Unterschiede in der Wanddicke und anderer Details an einem einzigen Klangkörper unterschiedliche Töne erzeugt werden. Das kennt man z.B. von Steeldrums und Handpans. Wobei dort die unterschiedlichen Klangzonen durch die Bearbeitung mit dem Hammer entstehen, während die Klangzonen in der gegossenen Glocke von der Rippenform vorbestimmt werden und anschließend nur noch minimal durch "Abdrehen" verändert (tiefer gestimmt) werden können. Das ist das Besondere am Glockenguss. Der muss stimmen, damit die Glocke hinterher gut gestimmt klingt. ;-)
Die Form der Glocke, Höhe, Durchmesser und der Verlauf der Wanddicke zeigt sich am besten an einem senkrechten Schnitt durch die Glocke. Dann wird die Form der sogenannten "Glockenrippe" sichtbar.


Glockenrippen.jpg

Formtypen der Glocke
Quelle: http://www.glockenmuseum-stiftskirche-herrenberg.de/glocken/entwicklungsgeschichte-der-glocken/

guss01.jpg

mit einer errechneten Schablone zugeschnittenes Glockenprofil
Quelle: http://www.schenkenschanz.de/kirche/glockenguss01.html


Das unterschiedliche Schwingungsverhalten der verschiedenen Zonen lässt sich beobachten, wenn man die Glocke auf den Kopf stellt und im Laufe einer Serie von Experimenten mit unterschiedlichen Wassermengen füllt. Schlägt man die Glocke an, übertragen sich die Schwingungen des Klangkörpers auf das Wasser und erzeugen Wellenbilder, die an die "Chladnischen Klangfiguren" erinnern (Physiker Chladni (1756-1827) )



Je nach Höhe des Wasserstandes zeigen sich in der Glocke unterschiedliche Figuren bzw. Wellenformen, ein Hinweis auf die verschiedenen Partialtöne.
Da ich dafür kein Video finden konnte, hier ein anderes Experiment, das Schwingungsbilder im Wasser erzeugt:



Die Partialtöne hat man früher mit Hilfe von verschiedenen verstellbaren Stimmgabeln geprüft. Das lernt ein Glockengießer heute immer noch. Aber mit elektronischer Messtechnik geht das natürlich genauer.

Grassmayr_KR_3.jpg

Quelle: http://www.grassmayr.at/index.php?id=45

glockenmuseum_und_stadtmuseum_apolda_140315_10.jpg

Eisenzirkel für die Rippenkonstruktion / verstellbare Stimmgabeln
Quelle: http://www.radiomuseum.org/museum/d/glockenmuseum-und-stadtmuseum-apolda/.html


Zum Thema Teiltöne / Partialtöne stelle ich unten in der Linksammlung noch ein paar Links zusammen. Hier ein Video von einer Eisenglocke aus Koblenz-Pfaffendorf, 1924 gegossen. Per Anschlag mit einem Hammer werden Teiltöne hörbar gemacht.




Von einer guten oder ausgewogenen Innenharmonie der Glocke spricht man, wenn die Partialtöne einer Glocke gut miteinander harmonieren und dadurch einen wohlklingenden Dreiklang ergeben.

Wenn ich das richtig verstanden habe, werden bei vielen Geläuten kleine Abweichungen bei den Innenharmonien toleriert, solange der Klang des Geläutes insgesamt akzeptabel ist. Bei einem Carillon muss man da deutlich kritischer sein. Und da gingen wohl die Meinungen der beiden Glockengießer auseinander. Warum das aber sehr wichtig ist, dürfte einem Musiker sofort klar sein. Stimmt die Höhe der Partialtöne nicht, ist nicht nur die Innenharmonie der Glocke unausgewogen. Die schlecht gestimmten Partialtöne "reiben" sich obendrein mit den entsprechenden Schlagtönen und den Partialtönen anderer Glocken und dann klingt alles gruselig schräg.



zum Weiterlesen

Umfassendes Glockenwiki


Geschichte der Glocke
Glockenklang
Klangfiguren

Glocken nachstimmen

Glocke als Musikinstrument




---------------------------------------
>>> Inhaltsverzeichnis
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: 5 Benutzer
Mensch @Lisa2 ...

das wird ja inzwischen ein echtes LisaPedia , mit all den vielen Informationen, da hab ich ja Stunden zu forschen, da kommt keine Langeweile auf.

Danke :great:
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
Nach einem arbeitsreichen und musikalischen Wochenende kann es nun endlich weitergehen. :)

Heute geht es um Strippen und Zahnräder und wir nähern uns dem Herzstück des Carillons. :great:


full

Allmählich wurde es Zeit, die nächste Treppe hinauf zu klettern. Sie führte uns von der Glockenstuhl-Empore ...

full

... zum nächsten Deckendurchbruch.

full

Behende stiegen die Füße des Carilloneurs mit schlafwandlerischer Sicherheit auf den schmalen Brettchen nach oben. Die Hände rechts und links am Geländer folgte ich zunächst zügig. Als das rechte Geländer kurz nach dem Deckendurchbruch endete, war ich verunsichert und ich hielt mich mal lieber mit beiden Händen am linken Geländer fest. :rolleyes:

full


Am Ende der Treppe muss man erst einmal um einen schräg stehenden Balken herum, bevor man frei in den Raum treten kann. Dieser war nun deutlich enger als die Glockenstube unter uns. Wo waren wir den jetzt gelandet? :eek:

full


Jede Menge dicke Balken um uns herum und über uns! Das konnte nur die Basis des Dachstuhls sein. Aber da waren doch auch noch Mauern? Ähm ... Schnell fanden die Augen zwischen dem Gebälk wesentlich Interessanteres. Eine Tür?

full

Geht es da jetzt weiter? ... :gruebel: ... Nein.

Was war das? ... Die Strippen da in der Mitte!
Die hatten doch bestimmt etwas mit dem Carillon zu tun. Oder?

full

Ich zählte laut: 1, 2, 3 ... Das sind 11 Stück. Also die 11 Züge für die Schlaghämmer der Carillonglocken in der großen Glockenstube, aus der wir gerade kamen?
"Ja," bestätigte Herr Strauss, "das ist die Traktur für die unteren Glocken."

full

Die schräg eingeschlagenen Krampen, die verhindern dass die Zugdrähte beim Lösen der ineinander gehängten Ösen herunter fallen, sind nummeriert.

full

Die versetzt angeordneten Drahtschlaufen verbinden den oberen und den unteren Teil der Traktur.

full

Die unteren Abschnitte enden in einer Art Kasten, der die beweglichen Winkel schützt, über die die am Spieltisch verursachten Zugbewegungen in die Waagerechte umgelenkt werden.

full

Das Prinzip ist simpel. Der waagerechte Teil des Winkels wird vom senkrechten Draht hoch gezogen und kippt dadurch den senkrechten Teil des Winkels. Dieser
zieht infolgedessen am waagerechten Draht, der für uns unsichtbar am nächsten Winkel endet. Dieser leitet den Zug dann irgendwo vermutlich senkrecht weiter. Durch entsprechende Positionierung des Winkels ist es auch möglich, den Zug waagerecht um die Ecke zu führen. Dieses "Spiel" wird so lange fortgesetzt, bis der Anschlaghammer einer Carillonglocke erreicht ist.

full

Auf dem nächsten Foto sieht man, wie die 11 Züge durch die Decke kommen und teilweise durch einen Dachbalken geführt werden, bevor sie durch die Krampenbögen gehen. Der Carillon-Spieltisch befindet sich nun direkt über uns. Anscheinend ist da oben schon Licht! :)

full

Das Verteilergetriebe gehört zur Turmuhr. Es leitete früher die von der vom Uhrenkasten aufsteigende Getriebestange kommende Drehbewegung zu den Zeigern der Zifferblätter weiter.

Und jetzt wisst Ihr auch bestimmt, was es mit den großen, runden Fenstern auf sich hat, die auf den ersten Bildern so blenden. :)


Hier sieht man die von unten kommende Getriebestange, deren Drehung auf die Zeiger des nach Westen schauenden Zifferblatts und die zur Turmmitte führende Getriebestange umgesetzt wurde.

full

Dasselbe Getriebe von oben gesehen.

full


Während dieses Zifferblatt über die schmale Treppe erreicht werden kann, muss der Wartungsdienst bei den anderen Zifferblättern über Leitern zu Arbeitsrampen klettern, wenn z.B. Leuchtmittel ausgetauscht werden müssen.

full

Auf dem Fußboden sieht man den abgedeckten Teil des Kastens mit den waagerechten Zügen.

Während wir uns noch neugierig umsehen, steigt Herr Strauss schon die nächste Stiege hoch. Es macht ihm sichtlich Spaß, uns sein der Welt entrücktes Reich zu zeigen. :)

full


Wer sich nicht auskennt, muss gut aufpassen, wie er auf der um die Balken herum gebauten Stiege die Füße setzt und hier und da den Kopf einziehen.

full


full

Die nächste Zwischendecke ist schnell erreicht.

full


Die Stiege macht unter dem nun beginnenden Dach des Kirchturmhelms eine Kurve ...

full

Mauerbögen der Zifferblattgiebel



... und dann stehen wir endlich vor der Tür der Spieltischstube des Carillons! :juhuu:

full


Auf diesen Moment freute ich mich seit Wochen am meisten! :claphands:


---------------------------------------
>>> Inhaltsverzeichnis
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: 6 Benutzer
Du machst es ja wirklich spannend ;) :D
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
Bei Lisa gibts immer viel zu lernen und Neues an Alten Sachen zu sehen :great:.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer

Unser weiteres Online-Angebot:
Bassic.de · Deejayforum.de · Sequencer.de · Clavio.de · Guitarworld.de · Recording.de

Musiker-Board Logo
Zurück
Oben