[Gitarre] Epiphone SG Custom Maestro 1963 „Inspired by Gibson Custom Shop“

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Epiphone SG Custom Maestro 1963 „Inspired by Gibson Custom Shop“

Epiphone entzückte die Fangemeinde nach dem Führungswechsel im Jahr 2020 mit an Gibson angelehnten 3+3-Kopfplattenformen. Diese ließen die Modelle wesentlich erwachsener und ästhetischer erscheinen. In den letzten ca. 2 Jahren trieb Gibson diesen Trend weiter, indem sie die „Inspired by Gibson Custom Shop“ erschufen. Hierbei handelt es sich um Gitarren, die genau wie die ab 1998 (nach dem Auslaufen der Orville-Reihe) hergestellten Epiphone mit der originalen Gibson-Kopfplatte versehen wurden. Entsprechend noch authentischer zum großen Vorbild aus den USA. Die Orville- als auch diese Epiphone stammten übrigens aus Japan.

Epiphone SG Custom 01_K.jpg


Das Original, die Gibson SG Custom erschien im Jahr 1963 und wies wie ihre mittlerweile aus dem Programm genommenem Schwestermodell Les Paul Custom alle Insignien des Top of the Line-Modells auf, als da wären Ebenholzgriffbrett, Perlmuttinlays, Kopfplattenbinding und großem Perlmutt Split-Diamondinlay. Auch die drei Humbucker entstammen von der Les Paul, denn diese gab es, wenn auch seltener, als die zwei Humbuckervariante in dieser Ausführung. Statt dem hier & da anzutreffenden Bigsby-Tremolos verwendete man entweder ein Maestro-oder Sideway-Tremolo, das jedoch nie besonders beliebt war. Das Maestro fand man häufig bei der Gibson Firebird. Beide Tremolos können nur bei Gitarren mit flachem Top verwendet werden. Im Gegensatz zur Les Paul entschied man sich bei der Farbgebung gegen schwarz (das Les Paul favorisierte) für ein unschuldiges weiß. Gerade wegen dem o.g. pompösen Erscheinungsbild stehe ich auf die Custom, egal ob Les Paul oder SG. Ich kann es nicht anders sagen, aber ich bin ein Custom-Mann. Es war schon immer so, dass sie mich deutlich mehr anzog, als vergleichbare Standard-Modelle. Weswegen auch Custom von Gibson, Orville und Epiphone zu meinem Fuhrpark gehören.

Die SG hatte ich natürlich immer irgendwie im Auge. Sollte man auch, immerhin war sie ab 1961 als Nachfolgerin der Les Paul angedacht. Die Story kennt Ihr ja zu genüge: die Les Paul verkaufte sich auch mit neuen Farben (Sunburst) nur schleppend und etwas Frisches musste her. So frisch, dass Les Paul (die Person/der Musiker) nichts von ihr wissen wollte. „An den spitzen Hörern spießt man sich noch auf!“, so oder so ähnliches soll er über das Design der SG geäußert haben und zog prompten seinen Namen für die SG zurück. Man munkelt, die Scheidung von Mary Ford hatte auch noch etwas damit zu tun. Aber wir sind ja nicht hier zusammengekommen, um über alte Familiekamellen zu lesen.

Kurzerhistorischer Abriss zur SG Custom
Die SG wurde wie oben beschrieben 1961 als Nachfolgerin der Les Paul präsentiert. Sie sollte mit ihrem Doublecutaway den Kampf mit der erfolgreichen Fender Stratocaster aufnehmen und einen ungehinderte Zugang zu allen 22 Bünden gewährleisten. Außerdem sah sie für eine Gibson recht modern aus, nicht futuristisch wie die Explorer oder Flying V von 1958, aber zumindest mal modern. Vielleicht war ja auch die altbackene Form der Les Paul ein Dwontuner für die Gitarristen der wilden 1960er. Von Fender gab es viele neue Modelle, darunter besagte Stratocaster, Jazzmaster und Jaguar. Und von Gibson, tja, die Les Paul. Die Gibson Firebird erschien übrigens im gleichen Jahr wie die SG Custom. Da nutzte es ihr auch nichts, dass es sie in unterschiedlichen Varianten und Preisklassen gab. Funfact: die am häufigsten verkauften Les Pauls waren die günstigeren Modelle.

Gibson ist und bleibt eben Gibson und so präsentieren sie eigentlich nur eine halbe neue Gitarre. Den wirklich anders war nur der Body. Man könnte sagen, es handelt sich ein wenig um eine verfeinerte Version der Les Paul Junior DC. Zumindest sehe ich da ein paar Anleihen. Die Halsform, die Anordnung der Tuner usw. blieben gleich. Ja, zu Beginn ihrer Karriere hießt die SG sogar noch Les Paul. Der Name war jedoch von der Mitte der Kopfplatte auf das Trussrodcover gewandert. Aber sie hieß eben noch so. Bei der Custom befand sich der „Les Paul Custom“-Schriftzugs wegen dem großen Splitdiamondinlays sogar zwischen dem Halspickup und dem Hals selbst. Manchmal auch nur „CUSTOM“. Hier & da auch auf dem Trussrodcover.

Look& Feel:
Die SG Custom befindet sich schon ewig im Epi-Programm. Damals jedoch noch mit klassischem Stoptail. Wie viele aktuelle Epiphone besitzt die Custom ebenfalls ein Slim Taperhalsprofil. So berichtet zumindest die Epi-Homepage. Normalerweise sagt mir das nicht sonderlich zu. Nimmt an die SG jedoch in die Hand und kennt sich ein wenig mit den Gibson/Epiphone-Halsprofilen aus, bemerkt man schnell, dass dies hier kein wirkliches Slim Taper ist. Es fühlt sich deutlich fetter an und damit gar nicht so anders, als das meiner Epiphone Les Paul Custom Bonamassa. Genau wie bei meiner Orville SG habe ich sogar das Gefühl, dass der Hals breiter, als bei einer Les Paul zu sein scheint. Ich kann nicht sagen warum, ist aber so.

Ich muss gestehen, dass ich von der Mattlackierung des Bodies und des Necks etwas enttäuscht bin. Zudem bilde ich mir hier auch einen leichten Grünstich ein. Schöner wäre die Farbgebung der ersten Epiphone SG Custom Serie in glossy gewesen. Die wäre auch für den Halsrücken und dessen Spielgefühl förderlicher. Jedoch wird sich das beim Vielspiel verändern, wenn der Lack mit der Zeit glatter wird.

Als echte Schwachstelle machte ich beim aktuellen Modell den Toggleswitch aus, denn das ist bereits die zweite SG der neuen Serie, die ich testete. Bei der Ersten fiel der TS bereits nach ca. 2 Stunden komplett aus, sprich, kein Tone mehr in der Mittelstellung und dann später auch noch an der Bridge. Der der Zweiten macht auch bereits Mucken, wenn es auch noch kein Totalausfall gibt. Werde wohl einen neuen stabileren einbauen lassen. Dann jedoch zusammen mit einer Änderung der Pickupanwahl. Der Mittlere soll dann über das obere Volumepoti in allen Schaltpositionen zumischbar sein. Auf diese Art lässt sich auch die klassische Kombination Bridge- und Neckpickup verwirklichen. Leider und vielleicht zur Unterscheidung verwendet Epiphone auch bei diesen Modellreihen einen Kopfplattenwinkel von 14 statt der 17° bei Gibson.

Modifikation:
Und was macht man mit einer neuen Gitarre? Richtig, her-und auf die eigenen Bedürfnisse einrichten. Da jedoch die Basis der SG stimmt, begrenzten sich diese Arbeiten und der gefälligeren Optik wegen auf den Austausch der Grover mit Milk Bottlebutton gegen welche mit Keystone. Vielleicht folgt später noch eine ABR-Bridge ohne Rappelfeder von Faber. Immer eine gute Investition.

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Tone
Bzgl. der Humbucker schöpfte Epiphone aus dem Vollen. So versehen insgesamt drei Gibson Custombucker ihren Dienst. Einzel gekauft, beläuft sich ihr Wert aufsage und schreibe 749 € und das bei einem Gesamtpreis von etwas unter 1.200 € für die ganze Gitarre incl. stabilem Formkoffer (da kann ja für den Toggleswitch nicht viel übrigbleiben). Die Potis stammen von CTS und es wurden auch anständige Kondensatoren von Mallory und nicht diese billigen Keramikdinger verbaut. Die befinden sich tatsächlich im E-Fach.

Nach kurzer Zeit war ich bereits größtenteils mit der Einstellarbeit durch, so dass der Klang schon recht nahe an meine Vorstellung heranreichte. Der Rest würde in den nächsten Tagen folgen, wenn man sich mit der Gitarre ein wenig näher beschäftigt hat. Interessanterweise wussten in beiden SG´s der Neckpickup ohne jegliche Einstellarbeiten zu überzeugen. Er ist schon mal der erste große Leckerbissen dieser Gitarre.

An der Bridge sind die Höhen nicht schrill und grell vordergründig und der Bass schön vollmundig, das Ganze garnierte mit ausdrucksstarken Mitten. Clean erklingt es mitunter ein wenig hohler, aber das ist eben die Charakteristik dieser Position. Schaltet man den mittleren Humbucker dazu, wird das Gehörte etwas dicker, ohne dass sich das Gesamtbild groß verändert. Der Neck-PU zeigt hier ein ganz anderes Bild. Durch seine versetzte Position um den 24. Bund gerät der Pickup nicht so bassig wie bei einer Les Paul und somit ein wenig schlanker in der Tonegestaltung. Ich gehe davon aus, dass sich die Pickups in ihrer Ausgangsleistung nicht groß unterscheiden. Insgesamt erklingt die SG nicht so voll fett wie meine Custom, dies ist jedoch auch bauart- sowie massebedingt und auch der grundsätzlichen Klangcharakteristik einer SG.

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Fazit
Ein Trademark der Firma Gibson im Gewand der günstigeren Epiphone für einen Bruchteil des Preises. Mit zum Teil hochwertigen Komponenten und der Aura einer ganz Großen. Das ist die Rezeptur selbst für einen Nachbau eine eigene Faszination und Historie zu erschaffen. Wenn jetzt noch die ein oder andere Hardware auf dieses Niveau gehoben wird und man sich von dieser kunstästhetischen mattierten Lackoberfläche verabschiedet, müssen sich die Wenigsten Gedanken darübermachen, ob sie für eine Gibson so viel mehr Geld ausgeben wollen/müssen. Aber ob das im Interesse von Gibson sein wird?

Gitarren mit goldener Hardware, egal ob schwarz oder weiß sehen einfach edel aus und da macht natürlich die SG keine Ausnahme. Auch mit ihr kommt Epiphone der großen Mutter von den Ausstattungsmerkmalen sowie Komponenten her so nahe wie nie zuvor. Bei ihr zeigt sich die eindeutige Steigerung der Qualität gegenüber den Vorjahren. Das gilt meiner Meinung nach allerdings nicht nur für die „Inspried by Gibson Custom Shop“-Reihe. Meine Empfehlung lautet daher, nicht nur auf Grund meiner Erfahrung mit der SG hier, schaut Euch die Epiphone einmal genauer an. Bin gespannt, was sie in Zukunft noch präsentieren. Gut, die Preise dieser IBGC-Gitarren sind nicht ohne, aber man muss auch sehen, was dafür geboten wird. Und sind wir mal ehrlich, jeder, der auf Gibson steht, aber bei Epiphone landet, freut sich über solche Dinge, wie das open book Kopfplattendesign und im Rahmen der Custom auf echtes Perlmutt im Griffbrett. Es schwingt vielleicht immer der Gedanke „hätte ich mich doch nur für die mit der Gibson Kopfplatte entschieden!“ im Hinterkopf mit. Nun gut, mir geht es jedenfalls so...

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