Gitarrennoten für Akkordeonspieler als Sprungbrett in die klassische Musik

von Bernnt, 24.03.17.

  1. Bernnt

    Bernnt Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.03.17   #1
    Meine Lehrer haben mir Akkordeon in den 70ern beigebracht. Unterrichtet wurde nach der Holzschuh-Schule. Gespielt habe ich im Diskant nach Noten, aber nach Buchstaben im Bass. Den Bassschlüssel lernte ich nicht zu lesen. Dass ich das nicht kann, hat kein Lehrer je gemerkt. Genau das aber hat sich später als ernstes Hindernis herausgestellt. Um in der klassischen Musik weiterzukommen, muss man Bassnoten können.

    Wie damit umgehen? Man könnte den Bassschlüssel lernen. Das wäre wohl das zielführendste. Aber man kann auch darauf verzichten und es einfach mit Noten von anderen Instrumenten versuchen. Den zweiten Weg bin ich anfangs gegangen. Als Ausgangsmaterial für den Ausflug in die klassische Welt dienten Gitarren-Noten. Denn sie enthalten Melodie und Bass in einem Notensystem mit einem Violinschlüssel, den ja die meisten Akkordeonisten können.

    Wie in die klassische Welt eintauchen? Mir fällt das Menuett in a-Moll von Johann Philipp Krieger ein, mit dem auch viele klassische Gitarristen in die Welt der Barockmusik einsteigen. Ich denke, dass das auch ein guter Einstieg für Akkordeonspieler sein kann. Hier zwei Links - einmal im üblichen Erscheinungsbild mit zwei Zeilen für das Piano und einmal mit einer Zeile für die Gitarre:

    Piano-Version: http://imslp.org/wiki/6_Musikalische_Partien_(Krieger,_Johann) (die einseitige Version unten nehmen)

    Gitarrenfassung z.B.: http://www.stretta-music.com/index....1a22f00dd93381ee8d6&cl=details&anid=1618&dl=0 (auf das Notenbild klicken, daruntern Gitarrenaufnahme)

    Probiert es doch einfach mal aus. Ach übrigens - Ich finde die Sache nach wie vor reizvoll. Man kann darüber diskutieren, wie man Asturias von Isaac Albeniz auf dem Akkordeon gestaltet. Nimmt man das Piano-Original als Vorlage für eine Akkordeonfassung oder bietet sich die Gitarrenfassung mit ihren Rasgueados nicht eher an, weil man die mit Bellowshakes aufhübschen kann?

    Wenn jemand auch Gitarren-Noten verwendet, freue ich mich hier auf Beiträge und Anregungen.
     
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  2. maxito

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    Erstellt: 24.03.17   #2
    ja, so hab ich das auch gelernt - ist ja wohl auch die am meisten verbreitete Methode beim Akkordeon... mit denn gleichen Folgen wie bei dir.

    Ich hab den konsequenten Schritt nach vorne gemacht und mir den Basschlüssel lesen angeeignet. Für Akkordeon (Standardbass) mach ich das dann meist so, dass ich die Noten lese und nach bewährter Methode in Buchstaben drunterschreibe.

    Sobald ich aber Klassik spiele, habe ich die Buchstaben konsequent weggelassen und lese auch konsequent den Bassschlüssel. Ganz einfach, weil ich da mit MIII spiele und die Noten ja über mehrere Oktaven gehen können.

    -> Drum meine Empfehlung:

    Wenn schon nicht die Buchstaben drunterschreiben, dann würde ich nicht noch irgendwelche anderen Umwege lernen, sondern konsequent den Basschlüssel lesen lernen - man muss ja nicht vom Blatt spielen wollen, dann kommt man schnell auf ein brauchbares Level.
     
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  3. Bernnt

    Bernnt Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.03.17   #3
    Umwege können interessant sein. Zum Beispiel lernte ich jede Menge gute Gitarrenmusik kennen und fand Wege, sie auf das Akkordeon zu übertragen. Mein Verständnis für die Möglichkeiten des Akkordeons hat sich schließlich genauso erweitert wie mein Repertoire.

    Ich hatte dabei den Eindruck, dass dieser Weg leichter ist als mit den Notenbüchern des Holzschuh-Verlags, die sich an fortgeschrittenere Spieler wenden. Das o.g. Menuett ist so einfach, dass man die Ornamentik der Barockmusik praktisch ausprobieren kann.

    Schlussendlich hast du natürlich Recht: Ab einem gewissen Level geht ohne die Kenntnis von Bass-Noten nichts. Manche aber erreichen dieses Level nicht. Für die kann die Methode hilfreich sein.
     
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  4. lil

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    Erstellt: 24.03.17   #4
    bei mir war es genau das gleiche: immer Bass nach Buchstaben gespielt. Bis es mich selbst genervt hat. Um mich zum Bassschlüssel-Spielen zu zwingen, übernahm ich für ein Jahr (ok, am Ende waren es fast zwei, hat aber auch nciht geschadet) im Orchester den Bass. Und setzte mich hin und radierte und tipp-exte sämtliche von Vorgängern hineingeschriebene und auch vom Verlag hineingedruckte Buchstaben aus. Nach ungefähr einem halben Jahr ließ ich das herausradieren bleiben, spielte aber trotzdem konsequent nach Noten. Ok, mit einer Ausnahme: da ging es bei ein paar Takten mehrere Hilfslinien über das System hinaus. Da erlaubte ich mir, die (nicht von mir) hineingeschriebenen Buchstaben zu verwenden. Es hörte sich allerdings ziemlich ... äh ... seltsam an und ich erntete jedes Mal böse Blicke vom Dirigenten. Bis ich mich mal hinsetzte und die Hilfslinien auszählte. Da bemerkte ich dann, dass die Buchstaben falsch waren ... :igitt:

    Das ist allerdings ungefähr 10 Jahre her, und da in der Standardbass-Literatur öfter als nicht die Buchstaben dastehen und der Mensch (bzw. vor allem ich) faul ist, habe ich es im Laufe der Zeit wieder schleifen lassen. Und da ich mich derzeit durch den Umstieg auf Knopfgriff stark auf den Diskant konzentrieren muss, gibt es inzwischen wieder ein Stück, in das ich komplett die Buchstaben hineingeschrieben habe und ein paar weitere Stellen, an denen das auch passierte. Einerseits schade, andererseits ist es mir da wichtiger, einigermaßen fehlerfrei (rechts und links) Musik machen zu können als konsequent zu sein und herumzumurksen ...
     
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  5. Tobias_1973

    Tobias_1973 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.03.17   #5
    Das war auch eines meiner ersten Stücke auf dem Cembalo. :-) Schade, dass in der Partitur die Hinweise zu den Verzierungen fehlen. Diese spiele ich inzwischen zwar intuitiv, aber wenn man neu im Barock ist, ist das nicht immer so einleuchtend.
    Eigentlich eine witzige Idee, das mal auf dem Akkordeon zu probieren. Werde ich machen.

    Viele Grüße,
    Tobias
     
  6. Bernnt

    Bernnt Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.03.17   #6
    Viel Erfolg dabei, Tobias. Ich behaupte, dass sich das Stück definitiv lohnt. Wenn man die Barocksche Ornamentik ausprobieren will, lohnt sich als Inspirationsquelle übrigens Johann Sebastian Bach. Er machte im "Clavierbüchlein" seines Sohn Wilhelm Friedemann eine Aufstellung, wie man Barockmusik verschönern kann und welche Zeichen er dafür benutzt (siehe Anlage).

    Wo man mit dem "ornamentistischen" Weg landen kann, demonstriert Mariekte Grotenhuis anhand eines Menuetts von Bach, das wir Klassikdilettanten auch schaffen können, wenn wir mit den Bachschen Ideen experimentieren:



    Alternative Noten von Johann Philipp Kriegers Menuett, die in Frage kommen, lassen sich übrigens auch schön ergoogeln (Stichworte: Krieger, Menuett, Ansicht: Bilder oder pdf). Für manche ist vielleicht auch die Blockflötenfassung geeignet. Die hat nämlich auch zwei Violinschlüssel :-)
     

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