Kompromissbereitschaft innerhalb einer Band - ein schmaler Grat?

von Graf_von_f-Strich, 25.08.20.

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  1. dr_rollo

    dr_rollo Mod Musik-Praxis Moderator HFU

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    Erstellt: 16.09.20   #101
    Das widerspricht auch meinem professionellem Verständnis, denn ohne dass ich tatsächlich Profi bin, also nicht von der Musik lebe, habe ich doch den Anspruch, professionell aufzutreten und abzuliefern, zumindest dort, wo ich einen Vertrag habe, und eine Gage vereinbart habe.
    Es gibt aber auch - gerade im Moment - Gigs, die ich just for fun spiele, z.B. gerade gestern eine kurzfristige und spontane Anfrage für einen Abend im Biergarten bekommen, weil das Wetter nochmal dementsprechend ist. Dort gibt's keine Gage, sondern der Hut geht rum, und da redet mir der Wirt auch nicht rein, was ich mache, welche Songs ich spiele, mit wem ich dort auflaufe, und wie lange ich spiele (abgesehen davon, dass meistens um 22.00 Schluss ist, wegen Nachbarn und so...)
    Ich hab das in den letzten Wochen/Monaten jetzt ein paar mal gemacht, meistens mit einem guten Kumpel, der aber leider gestern keine Zeit hatte, und ich daher jemanden anderen gefragt hab. Für Vorbereitung war nicht viel Zeit, und obwohl wir vorher noch nie zu zweit auf der Bühne gestanden haben, sind wir trotzdem dort hingefahren und haben den Gig gespielt. Ich hab aber auch genügend Selbstvertrauen, dass ich weiß was ich kann, und dass ich das auch nur mache, wenn ich ein gutes Gefühl dabei habe. Und es war cool. Ist aber - wenn man ehrlich ist - im Moment auch nicht so schwierig, weil die Leute alle auf Live-Musik-Entzug sind, und sich sowieso über jede Form von Live-Musik freuen und das positiv annehmen. Das zeigt auch immer der Inhalt des Huts im Anschluss, der zwar i.d.R. nie an die Gagen rankommt, die ich bei Tanzmucke bekomme, aber dafür ist auch der Aufwand, sowohl Zeit als auch Equipment, nicht so hoch. Weniger auffahren, schneller auf- und abgebaut, und 1-2, max 3 Stunden Musik.
     
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  2. SlapBummPop

    SlapBummPop Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.09.20   #102
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  3. InTune

    InTune Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 18.09.20   #103
    Bei weltanschaulichen Kompromissen/Themen ist das IMO sehr vielschichtig und immer von Fall zu Fall auch unterschiedlich.
    So hatten wir mal einen sehr religiösen Menschen in der Band, der kategorisch abgelehnt hat, Songs zu spielen die in irgendeiner Form den Teufel, das Böse, oder eben (seine eigene betreffende) Religionskritik zum Thema hatten (was in der Rockmusik eben nicht die grosse Ausnahme ist...) also keine Sympathy for the Devil, kein High Way to Hell, schon Paint it Black wurde grenzwertig gesehen... nichtsdestotrotz hat mir das jetzt nichts groß ausgemacht. Es gibt gefühlt 100000 tolle Stücke, die es alle wert wären, in eine Setliste aufgenommen zu werden. Da findet man immer Alternativen.

    Wie schon an anderer Stelle geschrieben, ist es bei politischen Haltungen und Ansichten viel schwieriger. Hier sind die "Schmerzgrenzen" wohl auch total unterschiedlich und auch das muss "toleriert" werden.
    Dabei möchte ich noch einen Aspekt erwähnen, weil ich auch das selbst schon erlebt habe: Man kann natürlich als Band auf dem Standpunkt stehen, dass man ja "nur" zusammen Musik macht und da kann/sollte ja jeder meinen und denken, was er will. Zum Problem kann das aber werden, sich da jemand z.B. in Sozialen Medien entsprechend äussert und präsentiert. Veranstalter schauen sich das Infomaterial, das Bands ihnen liefern, durchaus auch an und googeln dann auch mal durch die Gegend und schwupps ist die ganze Band plötzlich in Sippenhaft... aus der Nummer kommt man als Band dann nur sehr schwer wieder raus! Das kann man jetzt auch wieder finden wie man will, aber für bestimmte Veranstalter ist man dann als Band einfach gestorben.
     
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  4. dubbel

    dubbel Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.09.20   #104
    was genau hat ihn denn an „paint it black“ gestört?
     
  5. Tattertastenmann

    Tattertastenmann Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.09.20 um 16:51 Uhr   #105
    Ich bin erstaunt, wie politisch es heutzutage in Musikerkreisen zuzugehen scheint. War bei uns damals nie Thema. Ging immer nur um Sex, Drugs n RocknRoll. Ulkigerweise war sogar mal so dass ich als Rockproll mal inner Beatrockband vorspielte. Drei Vorspielproben später teilte man mir mit ich sei dabei. Auf meine Frage warum und ob man sicher sei, dass mein Stil zur passe war die Antwort: "Weil wir das was du da machst interessant finden." Und mir gings genau so mit den anderen.

    Gesinnungstests finde ich wenig kunstfördernd. Andererseits wollte ich auch in keiner Reggae Band mehr spielen, weil ich a) die Musik langweilig finde und b) die dort üblicherweise ausgehandelten Themen, ich sach ma, auch nicht sonderlich interessante finde.

    Denke es hat auch viel mit Erwartungen zu tun, wie immer.


    Du bekommst meine Stimme bei der Wahl zum Wort des Jahres.
     
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