Peavey T-40 Bass

GothicLars
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Peavey T-40


Als Liebhaber alter und besonderer Bässe musste ich irgendwann zwangsläufig auf einen T-40 stoßen. Und an diesem Bass ist wirklich alles irgendwie besonders die ihn bis heute zu einem beliebten Instrument machen.
Es gab ihn in den Farben Natural, Black und Sunburst, seltener in White, Red, Blue und Burgundy. Leider wurde das Modell zwischen 1978-1988 nur in den USA angeboten und ist dementsprechend selten hier zu finden aber einige Modelle haben es, vor allem in den letzten Jahren, dann doch über den großen Teich geschafft. Meiner ist laut Seriennummer von 1982.

T40.jpg


Spezifikationen

Die technischen Daten hören sich erstmal ganz normal an, aber an diesem Bass ist wirklich alles ein wenig anders:
  • Body: Ash
  • Neck: Maple
  • Fretboard: Maple
  • Nut: Steel
  • Scale Length: 34" (864 mm)
  • Pickups: 2x Blade Humbucker
  • Electronic: 2x Vol, 2x Tone, PU-Wahlschalter, Out-Of-Phase-Schalter
  • Hartschalenkoffer
Was als allererstes auffällt wenn man ihn in die Hand nimmt ist das Gewicht von satten 5,3 kg bei meinem Exemplar. Man braucht sich aber keine Mühe zu machen einen leichteren zu finden, die Teile sind tatsächlich alle so schwer (und da fängt es schon an mit den Eigenheiten).
Das Bodydesign ist nicht “aufregend neu” aber durchaus eigenständig und ergonomisch. Besonders gefällt mir die gewölbte Decke, auch nicht ganz alltäglich.
Sehr schön: am vierpunkt verschraubten Hals lässt sich mittels Inbus der Halswinkel einstellen.
Die Bridge hat enorme Ausmaße! Eine große dicke Grundplatte mit einem richtig fetten Block und großen massiven Reitern, sowas habe ich noch nicht gesehen. Die Saiten werden durch den Korpus gefädelt. Diese beiden Merkmale kommen sicherlich dem Sustain zugute.
Eine weitere Besonderheit ist die Elektronik. Jeder Humbucker hat seine eigene Höhenblende. Sind die voll aufgedreht, laufen die Humbucker aber als Single Coils, wtf?!? Dreht man die zurück, regelt man stufenlos die zweite Spule hinzu und der Ton wird zunehmend fetter. Echt jetzt?!? Wie geil ist das denn? Etwa bei 7 hat man dann den vollen Humbucker. Dreht man noch weiter zurück, wird der Ton wie gewohnt durch einen Kondensator gefiltert. Kennt man das noch von anderen Bässen?
Zum Lieferumfang gehörte auch ein Koffer der recht stabil ist. Deswegen ist der Bass auf dem Gebrauchtmarkt auch heute noch mit einem Koffer zu finden.

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Verarbeitung

Der T-40 war der erste Bässe die komplett CNC gefertigt wurden. Alles ist wirklich sehr sauber und genau und es gibt keine große Serienstreuung.
Eine weitere Besonderheit ist, dass der Hals kein aufgeleimtes Griffbrett und keinen Skunkstripe hat. Hier wurde stattdessen der Hals im 90° Winkel zum Griffbrett in der Mitte durchgesägt, der Halsspannstab eingesetzt und zwei verschiedene Teile wieder zusammengeleimt. Es gab aber auch durchaus Modelle mit einem Rosewood Griffbrett.
Die Bünde sind vermutlich aus Edelstahl (hat man auch nicht bei jedem Bass), nach all den Jahren sehen die immernoch aus wie neu und zeigen keine Spielspuren.

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Spielgefühl

Wie bereits erwähnt, ist der T-40 nicht gerade leicht. Stundenlanges Proben kann damit schon anstrengend werden, wenn man es nicht gewohnt ist. Einen Auftritt kann man aber mühelos machen, da hat mich das noch nie gestört. Dafür hängt er aber auch äußerst stabil am Gurt, von Kopflastigkeit keine Spur. Wäre ja auch noch schöner..
Der Hals hat eine angenehme D-Form und liegt gut in der Hand. Dank der guten Einstellmöglichkeiten, stabilen Halskonstruktion und gut abgerichteten Bünden ist eine flache Saitenlage ohne Weiteres möglich. Auch bei den Bodykonturen, die zwar eigen sind aber einem bewährten Rezept folgen, hat Peavey alles richtig gemacht. Hier ist nichts im Weg oder stört, alle Lagen lassen sich gut erreichen. So soll es sein!

Sound

Bei meinem Modell von 1982 wurden schon die Single Magnet Blade Humbucker verbaut, davor waren es Dual Magnet Toaster Pickups, bei denen die Blades nicht sichtbar waren, sonst aber identisch aussahen. Die Toaster sollen etwas wärmer klingen während die Blades mehr Attack und Gain haben. Und davon haben die tatsächlich jede Menge, die liefern einen wahnsinns Output! Da kommt auch so manch aktiver Bass nicht mit.
Auffällig ist die tiefe Resonanz und dazu ein “ringing Sustain”, was tatsächlich ein wenig an Rickenbacker Bässe erinnert (es gibt dazu auch Vergleichsvideos auf YT), die längere Mensur lässt den T-40 aber schneller ansprechen. Irgendwie schlagen die beiden Bässe aber in dieselbe Kerbe, weswegen ich auch schonmal die Bezeichnung “Budget-Rick” gelesen habe, insgesamt kommt der T-40 jedoch etwas spritziger daher.
Wenn ich etwas von tiefer Resonanz schrieb, heißt das nicht, dass der Bass irgendwie weich oder gar dumpf klingt. Im Gegenteil, voll aufgedreht liefern der einen sehr knalligen Sound mit sehr prägnanten Obertönen. Im Humbuckermodus klingen die Pickups entsprechend wuchtiger, aber weit weg von matschig. Die liefern immer noch eine Menge Höhen.
Die Elektronik lädt zum Experimentieren ein. Besonders gut gefällt mir den Hals PU als Humbucker und den Bridge PU als Single Coil: knalliger Attack mit fettem Sustain.
Der Out-Of-Phase Switch macht den Sound nasaler und dünner, was man jetzt nicht unbedingt braucht aber eine interessante Option sein kann. Man kann damit aber z.B. den Sound echt gut in Richtung 4001 drücken, wenn man den Steg-PU am Vol-Poti etwas herunterregelt.
Trotz aller Vergleiche, klingt der aber T-40 durchaus eigenständig und vor allem vielseitig.

Fazit

Der Peavey T-40 ist, trotz seines Gewichtes, ein echter Player. Gebaut um einen Atomkrieg zu überstehen und mit einem weiten Soundspektrum, immer mit einem besonderen Charakter. Der knallige und brillante Sound wurde von Big Black im Post Punk Hit, “Kerosine”, verewigt.
Ich liebe auch all diese Details die diesen Bass so einzigartig und interessant machen.
Leider hat der T-40 in den letzten Jahren eine Renaissance erfahren und die Preise sind mächtig gestiegen (für mich ja gut, ich habe ja einen). Mittlerweile muss man dafür schon 800-1.000 € bezahlen, doch dafür bekommt man einen hervorragenden Bass und einen Klassiker den eben nicht jeder spielt. Aber auch wer gerade keinen neuen Bass sucht, sollte einen T-40 mal antesten wenn sich die Gelegenheit bietet, die Teile machen einfach Laune!

Pro
  • Vielseitige Sounds
  • Einzigartige Ausstattung
  • Interessante Elektronik
Contra
  • Gewicht
 
Eigenschaft
 
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Cadfael
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Ich kenne den T-40 auch noch aus meiner Jugend. Der T-40 war die gehobene Alternative zum Ibanez Blazer Bass. Ein gutes Stück preiswerter als die Fender Bässe, aber ihnen ebenbpürtig (wie auch der Ibanez Blazer). In "Natur" hatte er einen wunderschönen Esche Body.

Die Schaltung des Peavey T-40 findet sich auch in meiner Schaltungssammlung. Das sieht man, dass das Volume Poti einen High-Pass hat (Höhen beim leiser drehen also nicht beschnitten werden). Die Tone Regelung ist auch "besonders", da es einerseits ein normaler Bass-Cut ist, dann aber aus dem Humbucker einen single Coil macht.
 
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mjmueller
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Hallo auch! :hat:

Deinen kleinen Lobgesang (den ich tatsächlich sogar noch etwas euphorischer hätte ausfallen lassen) auf den T-40, habe ich zum Anlass genommen noch mal etwas genauer im Peavey-Forum nachzuschauen und konnte meinen T-40 (ohne Lackierung, naturally) auf 1981 datieren. 40 Jahre! Nicht schlecht.
Deiner sieht aber besser erhalten aus als meiner. Und meiner hat vor ein paar Jahren ein "Update" bekommen (der Metallsattel wurde durch einen Knochesattel ersetzt und die arg bespielten Bundstäbe gegen schmalere ausgetauscht, zudem wurde das Griffbrett plan geschliffen - das hat echt noch mal einen deutlichen Gewinn fürs Spielgefühl und den Sound gebracht).
Was ich auch sehr bemerkenswert finde, sind die Mechaniken. Bei mir sind es noch die Originalen und die laufen butterweich und stabil wie am ersten Tag.
Ein toller Bass.
 
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