gitarrero!
Mod Emeritus
Hallo zusammen und "a guats Neis Johr a gsunds"
.
Seit einiger Zeit gibt es von dem japanischen Hardware-Tüftler Red Bishop ein Produkt namens Magik-Arm zum Nachrüsten von Vibratosystemen, passend für allerlei Varianten inklusive Ibanez EDGE / Lo-Pro EDGE. Da ich schon mehrfach wahre Lobeshymnen darüber gehört und gelesen hatte, u.a. auch hier im Board vom geschätzten Kollegen @Prospero, wollte ich das selbst mal ausprobieren und eigene Erfahrungen sammeln.
Seit jeher gibt es bei Vibratosystemen verschiedene Herangehensweisen, einen abnehmbaren Hebel mit dem Vibratoblock zu verbinden. Ganz klassisch, wie beispielsweise bei der Fender Strat, wird das per Schraubgewinde gelöst. Nachteil dabei: Es schlackert. Bei vielen Floyd-Rose-Systemen wird der Hebel gesteckt und mit einer Überwurfmutter arretiert. Nachteil: Die Mutter wird bei Benutzung oftmals wieder locker und der Hebel schlackert. Beim original Ibanez EDGE ist der Hebel auch gesteckt und die Gängigkeit wird mittels kleiner Kunststoffringe eingestellt. Nachteil: Das sind Verschleißteile und es beginnt irgendwann wieder zu schlackern - also greift man entweder ins Portemonnaie oder in die Trickkiste (@elmwood_3100 nutzt beispielsweise Schrumpfschlauch in den Nuten des Hebelfußes, andere pinseln Nagellack unter die Ringe, andere pressen mit dem Hebelfuß ein Stück Plastikfolie in den Hebelhalter, usw.). Beim Wilkinson VS-100 oder beim Gotoh GE-1996T ist der Hebel gesteckt und seine Gängigkeit wird mit einer Gummimanschette und einer Madenschraube justiert. Nachteil: Es geht nicht während des Spielens und man braucht Werkzeug.
Der Magik-Arm versucht die oben geschilderten Probleme zu lösen: Nutzung des Vibratos ohne Schlackern des Hebels und eine Einstellung der Gängigkeit ohne Werkzeug.
Also habe ich mir so ein Ding aus Japan kommen lassen, Kostenpunkt 41 US-Dollar für einen Satz (zuzüglich Versand + Zoll + Einfuhrumsatzsteuer).
Der Lieferumfang sieht so aus: Hebel + Hebelhalter + Werkzeugsatz + Anleitung (japanisch und englisch).
Der Durchmesser des Magik-Arm (unten) ist derselbe wie beim Ibanez-Hebel (oben), nämlich 6mm, und auch die Form der "Klinke" ist sehr ähnlich.
Als Versuchskaninchen muss meine Ibanez RG3120TW herhalten - verbaut ist ein Ibanez Lo-Pro EDGE.
Also muss zunächst das Lo-Pro EDGE raus aus der Gitarre; sprich, Federkammerdeckel wegmachen, Federn aushängen und System herausnehmen. Die Saiten habe ich einfach drangelassen.
Vom Hebelhalter muss die kleine Einklink-Feder abgeschraubt werden.
Mit dem mitgelieferten 10mm-Gabelschlüssel (oder meinem Standardwerkzeug hierfür, einem Steckschlüssel, mit dem geht's auch "in situ") wird die Mutter weggeschraubt.
(sorry für die Katzenhaare auf dem Schaumstoffkissen - das Zeug ist einfach überall...)
Mit dem ebenfalls beiliegenden Spezialwerkzeug - das ist eine Art Blechklinge mit 5,5mm Breite und 1,3mm Stärke - wird der Hebelhalter von oben aus der Grundplatte herausgeschraubt.
So ein Werkzeug habe ich mir übrigens schon immer gewünscht!
Dann kommt der Magik-Arm Hebelhalter dran. Auch hier muss zunächst die kleine Haltefeder entfernt und die Mutter mit ihrer Scheibe abgenommen werden.
Dann wird der neue Hebelhalter in die Grundplatte eingeschraubt. Sie hat sich ein bisschen gesträubt, also habe ich etwas Überzeugungsarbeit mit einer Kombizange und einem Lappen geleistet. (Genau so wird es übrigens in der bebilderten Anleitung vorgeschlagen).
Jetzt wird von unten die Mutter befestigt. Sie hat 12mm statt 10mm, aber auch hierfür liegt ein Werkzeug bei. Dabei sollte der kleine Schlitz für die Haltefeder gemäß Anleitung nach außen (wie im Foto) oder nach innen zeigen. Danach kommt die Haltefeder wieder dran.
Das war's mit dem Hebelhalter. Jetzt kann das System wieder zurück in die Gitarre, und die Federn werden wieder eingehängt.
Als Nächstes sieht man im Vergleich die Einbausituation vor und nach dem Umbau. Obwohl die Befestigungsmutter 2mm größer ist als beim Original, gibt es keine Platzprobleme in der Fräsung oder gar mechanische Interferenz mit dem Holz.
Fertig!
Wenn ich nicht nebenher ein paar Fotos geschossen hätte, wäre die gesamte Operation eine Sache von maximal zehn Minuten gewesen.
Das Ergebnis gefällt mir bestens! Die Form des Hebels ist exakt wie beim Original, von daher fühlt sich die Gitarre an wie vorher, allerdings mit dem Unterschied, dass es in der Tat keinerlei Schlackern mehr gibt; und mit der Überwurfmutter lässt sich die Gängigkeit stufenlos einstellen. Alle Versprechen bezüglich der Funktionalität werden eingehalten und die Qualität ist nach meinem Dafürhalten absolut top; ich würde daher sagen: Japanische Wertarbeit mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.
Da der Hebel so stramm in seinem Hebelhalter sitzt und keinerlei Spiel zeigt, gelingen Flattereffekte jetzt besonders gut, wie der folgende akustische Test zeigt. Das ist jedoch nur ein kleiner "Beifang" des Umbaus, wie ich finde.
Hier noch eine Demonstration der Gängigkeit - von locker bis fest.
Mein Fazit: Daumen hoch für den Red Bishop Magik-Arm.
Seit einiger Zeit gibt es von dem japanischen Hardware-Tüftler Red Bishop ein Produkt namens Magik-Arm zum Nachrüsten von Vibratosystemen, passend für allerlei Varianten inklusive Ibanez EDGE / Lo-Pro EDGE. Da ich schon mehrfach wahre Lobeshymnen darüber gehört und gelesen hatte, u.a. auch hier im Board vom geschätzten Kollegen @Prospero, wollte ich das selbst mal ausprobieren und eigene Erfahrungen sammeln.
Seit jeher gibt es bei Vibratosystemen verschiedene Herangehensweisen, einen abnehmbaren Hebel mit dem Vibratoblock zu verbinden. Ganz klassisch, wie beispielsweise bei der Fender Strat, wird das per Schraubgewinde gelöst. Nachteil dabei: Es schlackert. Bei vielen Floyd-Rose-Systemen wird der Hebel gesteckt und mit einer Überwurfmutter arretiert. Nachteil: Die Mutter wird bei Benutzung oftmals wieder locker und der Hebel schlackert. Beim original Ibanez EDGE ist der Hebel auch gesteckt und die Gängigkeit wird mittels kleiner Kunststoffringe eingestellt. Nachteil: Das sind Verschleißteile und es beginnt irgendwann wieder zu schlackern - also greift man entweder ins Portemonnaie oder in die Trickkiste (@elmwood_3100 nutzt beispielsweise Schrumpfschlauch in den Nuten des Hebelfußes, andere pinseln Nagellack unter die Ringe, andere pressen mit dem Hebelfuß ein Stück Plastikfolie in den Hebelhalter, usw.). Beim Wilkinson VS-100 oder beim Gotoh GE-1996T ist der Hebel gesteckt und seine Gängigkeit wird mit einer Gummimanschette und einer Madenschraube justiert. Nachteil: Es geht nicht während des Spielens und man braucht Werkzeug.
Der Magik-Arm versucht die oben geschilderten Probleme zu lösen: Nutzung des Vibratos ohne Schlackern des Hebels und eine Einstellung der Gängigkeit ohne Werkzeug.
Also habe ich mir so ein Ding aus Japan kommen lassen, Kostenpunkt 41 US-Dollar für einen Satz (zuzüglich Versand + Zoll + Einfuhrumsatzsteuer).
Der Lieferumfang sieht so aus: Hebel + Hebelhalter + Werkzeugsatz + Anleitung (japanisch und englisch).
Der Durchmesser des Magik-Arm (unten) ist derselbe wie beim Ibanez-Hebel (oben), nämlich 6mm, und auch die Form der "Klinke" ist sehr ähnlich.
Als Versuchskaninchen muss meine Ibanez RG3120TW herhalten - verbaut ist ein Ibanez Lo-Pro EDGE.
Also muss zunächst das Lo-Pro EDGE raus aus der Gitarre; sprich, Federkammerdeckel wegmachen, Federn aushängen und System herausnehmen. Die Saiten habe ich einfach drangelassen.
Vom Hebelhalter muss die kleine Einklink-Feder abgeschraubt werden.
Mit dem mitgelieferten 10mm-Gabelschlüssel (oder meinem Standardwerkzeug hierfür, einem Steckschlüssel, mit dem geht's auch "in situ") wird die Mutter weggeschraubt.
(sorry für die Katzenhaare auf dem Schaumstoffkissen - das Zeug ist einfach überall...)
Mit dem ebenfalls beiliegenden Spezialwerkzeug - das ist eine Art Blechklinge mit 5,5mm Breite und 1,3mm Stärke - wird der Hebelhalter von oben aus der Grundplatte herausgeschraubt.
So ein Werkzeug habe ich mir übrigens schon immer gewünscht!
Dann kommt der Magik-Arm Hebelhalter dran. Auch hier muss zunächst die kleine Haltefeder entfernt und die Mutter mit ihrer Scheibe abgenommen werden.
Dann wird der neue Hebelhalter in die Grundplatte eingeschraubt. Sie hat sich ein bisschen gesträubt, also habe ich etwas Überzeugungsarbeit mit einer Kombizange und einem Lappen geleistet. (Genau so wird es übrigens in der bebilderten Anleitung vorgeschlagen).
Jetzt wird von unten die Mutter befestigt. Sie hat 12mm statt 10mm, aber auch hierfür liegt ein Werkzeug bei. Dabei sollte der kleine Schlitz für die Haltefeder gemäß Anleitung nach außen (wie im Foto) oder nach innen zeigen. Danach kommt die Haltefeder wieder dran.
Das war's mit dem Hebelhalter. Jetzt kann das System wieder zurück in die Gitarre, und die Federn werden wieder eingehängt.
Als Nächstes sieht man im Vergleich die Einbausituation vor und nach dem Umbau. Obwohl die Befestigungsmutter 2mm größer ist als beim Original, gibt es keine Platzprobleme in der Fräsung oder gar mechanische Interferenz mit dem Holz.
Fertig!
Wenn ich nicht nebenher ein paar Fotos geschossen hätte, wäre die gesamte Operation eine Sache von maximal zehn Minuten gewesen.
Das Ergebnis gefällt mir bestens! Die Form des Hebels ist exakt wie beim Original, von daher fühlt sich die Gitarre an wie vorher, allerdings mit dem Unterschied, dass es in der Tat keinerlei Schlackern mehr gibt; und mit der Überwurfmutter lässt sich die Gängigkeit stufenlos einstellen. Alle Versprechen bezüglich der Funktionalität werden eingehalten und die Qualität ist nach meinem Dafürhalten absolut top; ich würde daher sagen: Japanische Wertarbeit mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.
Da der Hebel so stramm in seinem Hebelhalter sitzt und keinerlei Spiel zeigt, gelingen Flattereffekte jetzt besonders gut, wie der folgende akustische Test zeigt. Das ist jedoch nur ein kleiner "Beifang" des Umbaus, wie ich finde.
Hier noch eine Demonstration der Gängigkeit - von locker bis fest.
Mein Fazit: Daumen hoch für den Red Bishop Magik-Arm.