Um ein Haar

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Um ein Haar

Das Lachen klingt um ein Haar echt,
nur seine Flügel tragen schlecht;
sie können ihren Kurs nicht wählen,
wo Gefühle fehlen.

Das Mienenspiel wirkt eingeübt,
der Blick macht mit Kalkül beliebt;
die Augen können’s nicht verhehlen,
wo Gefühle fehlen.

Der Mund, er redet virtuos
und tönt wie eine Schelle bloß;
nichts kann das Herz von sich erzählen,
wo Gefühle fehlen.

Die Träume, wunderbar und tief,
vermodern im Geheimarchiv,
aushauchend sich aus Geisterkehlen,
wo Gefühle fehlen.

Die Liebe trägt zu keinerlei
tatsächlicher Erfüllung bei;
ihr Wert – wie festgezurrt an Pfählen,
wo Gefühle fehlen.

Die Außenmauern – wie geleckt,
mit tausend Selbstportraits bedeckt;
das Werden wartet stumm in Höhlen,
wo Gefühle fehlen.

Der Puls – wie eine Pendeluhr,
er registriert das Leben nur;
Wahrhaftigkeit, sie würde quälen,
wo Gefühle fehlen.
 
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mh Worum geht es im Text? Bekomme ein Bild von einer Person die äußerst unauthentisch lebt und der wiederkehrende Vorwurf "wo Gefhle fehlen" prangert das offensichliche an.
Beiden Perspektiven Mangelt es an tiefergreifender Empathie, ist das so gewollt? Wirkt Insgesamt kalt und kritisch ohne konkret zu werden - so gewollt?
Hier und dar blitzt etwas hervor, was mögliche Hintergründe beleuchten könnte (Jemand der seine Gefühle nicht kennt, kann nicht wissen was ihn wirklich glücklich macht).
Mehrmals durchlesen hilft mir aber jetzt doch, um es besser zu greifen - bleibe aber darbei, der Text ist nicht so schnell zu verdauen.
Mir gefallen die entstehenden Bilder gut.

Grüße,
Wüstensturm
 
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@Wüstenstaub Der Text ist das Resultat meiner Lektüre eines Psychologiebuches. "Der Verrat am Selbst" von Arno Gruen. Sehr lesenswert. Ich hab noch keinen richtigen Abstand dazu, wollte erst mal warten, ob überhaupt Reaktionen kommen.
 
Wüstenstaub
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@Wüstenstaub Der Text ist das Resultat meiner Lektüre eines Psychologiebuches. "Der Verrat am Selbst" von Arno Gruen. Sehr lesenswert. Ich hab noch keinen richtigen Abstand dazu, wollte erst mal warten, ob überhaupt Reaktionen kommen.
Ein wirklich komplexes Thema, um es in einen Text zu verwandeln...

Im Kern geht es oft um eine wachsene Unzufriedenheit, weil die verfolgten Ziele (zB. Macht/Status) unauthentisch erlangt werden und nur kurzfristig abhilfe verschaffen und vorallem etwas verhindern wollen (zB. Abwertungen von anderen / ausgeliefert sein), langfristig aber die authentischen Bedürfnisse (oft Liebe, Verbundenheit, Wertschätzung) immer mehr frustriert werden (was man doch eigentlich erreichen möchte). Nicht selten ein Resultat von frustrierenden Kindheitserfahrungen.
Um es mal ganz verdichtet anzuschneiden ;)
 
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Ich hätte vielleicht ein LD zu Hilfe nehmen sollen, über das ich schreibe. Kann ich ja noch machen. :)
 
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Hmmm - ich habe es als Beschreibung eines anderen Menschen gelesen ... denn es steht nicht "Mein Mund, er redet virtuos" sondern "Der Mund, er redet virtuos". Tatsächlich kann es aber auch eine Selbstbeschreibung aus Distanz sein.
Nur: woher sollte bei einer Person, die so beschrieben wird, die Fähigkeit der Einsicht kommen, dass die eigenen Gefühle fehlen, das Mienenspiel eingeübt wirkt etc.?
Möglicherweise in einer Krise. Aber würde eine solche Person nicht eher mit der Außenwelt hadern statt mit sich?

Nichtsdestotrotz ein detailliertes Portrait eines Menschen, der so darauf trainiert und aus ist, anderen zu gefallen, dort seine Rolle zu spielen, zu glänzen etc., dass er lieber sein eigenes Ich, seine eigenen Gefühle opfert als zu registrieren, dass das Leben, das er führt, zutiefst unbefriedigend und unerfüllend ist.

Ambivalentes Gefühl meinerseits zur Form:
Gleiche Struktur aller Strophen mit der gleichen Endzeile ohne Refrain und Perspektivwechsel. Einerseits konsequent, andererseits eintönig und eindimensional - wenn auch gewollt, so doch leicht ermüdend. Eher ein Gedicht als ein songtext? Andererseits: kann eine passende musikalische Untermalung oder Umsetzung gerade die Spannung, gepaart mit Leere, die Verzweiflung gepaart mit der Gleichgültigkeit seinem inneren Selbst gegenüber, die ewige Wiederkehr des immer gleichen gepaart mit der Unruhe antrainierter Selbstoptimierung transportieren, die der Text formal und inhaltlich Außen vor läßt ...

Ich weiß nicht, wann es anders war
in jeder Ruhe liegt Gefahr

x-Riff
 
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Hi,

die Distanziertheit nehme ich so ähnlich wahr wie Wüstenstaub - vielleicht liegt es auch daran, dass das zugrunde liegende Thema "Wo Gefühle fehlen" schon von vornherein sozusagen als "Diagnose" feststeht und sich im Verlauf der Strophen nicht verändert, sondern nur in verschiedenen Ausprägungen beschrieben wird - das hat einerseits etwas Statisches, andererseits aber auch den Charakter einer Aufzählung von Merkmalen, die ein Außenstehender mit kühler, wertender Distanz in Worte fasst.

Was mir formal auffällt: Ich finde oft die jeweils erste Zeile sehr prägnant und gut getroffen, und das wiederkehrende "wo Gefühle fehlen" am Ende gefällt mir auch, weil die Aussage so klar ist und sich durch die Wiederholung auch irgendwie einhämmert wie ein Mantra. Aber dazwischen sind immer wieder Zeilen, wo ich das Gefühl habe, die holpern noch, weil entweder das Sprachregister nicht so richtig zum Rest passt (altertümlichere Wortwahl oder sperrige Bilder, die sich einem nur schwer erschließen) oder es so wirkt, als hätten die strikten formalen Kriterien wie der gesetzte Reim der vorletzten Zeile und die Kürze der Zeilen der Formulierung etwas im Weg gestanden. Sprachlich und vom Erzählfluss her wirkt es für mich dadurch noch nicht so ganz rund und als Einheit.

LG
Swingaling
 
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Vielleicht sollte ich ein paar Strophen rausschmeißen und lieber einen Zwischenteil schreiben, der eine Geschichte erzählt. Danke erst mal für eure Gedanken.
 
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Ein erster Versuch, den Text konkreter zu machen. Ein ERSTER Versuch, wie gesagt. Die Strophe mit der Liebe muss raus. Ist momentan nur ein Platzhalter.

Arbeitsfrühstück

Sein Lachen klingt um ein Haar echt,
jedoch die Flügel tragen schlecht;
sie können ihren Kurs nicht wählen,
wo Gefühle fehlen.
Der Puls – wie eine Pendeluhr,
er registriert das Leben nur;
Wahrhaftigkeit, sie würde quälen,
wo Gefühle fehlen.

Er speist mit seinesgleichen.
Geredet wird von Leichen.
Gemordet wird ab jetzt nach Plan.
Wozu gibt es die Eisenbahn!

Sein Mienenspiel wirkt eingeübt,
der Blick macht mit Kalkül beliebt;
die Augen können’s nicht verhehlen,
wo Gefühle fehlen.
Sein Mund, er redet virtuos,
ein wortgewandter Gernegroß.
Das Herz kann nichts von sich erzählen,
wo Gefühle fehlen.

Er speist mit seinesgleichen.
Geredet wird von Leichen.
Gemordet wird ab jetzt nach Plan.
Wozu gibt es die Eisenbahn!

Die Außenmauern – wie geleckt,
mit tausend Selbstportraits bedeckt;
das Werden wartet stumm in Höhlen,
wo Gefühle fehlen.
Die Liebe trägt zu keinerlei
tatsächlicher Erfüllung bei;
ihr Wert – wie festgezurrt an Pfählen,
wo Gefühle fehlen.

Er speist mit seinesgleichen.
Geredet wird von Leichen.
Gemordet wird ab jetzt nach Plan.
Wozu gibt es die Eisenbahn!
 
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Interessante Variante - bin mir aber nicht sicher, ob meine Assoziationen in die richtige Richtung laufen bezüglich Eisenbahn.
 
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Richtung Wannseekonferenz.
 
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Dann ist das doch richtig.
 
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Das finde ich spannend und folgerichtig, glaube allerdings, dass für mich einige Stellen noch nicht ganz passen.
Das lasse ich noch mal sacken.
 
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Du hast vollkommen recht. Ich muss den Text entweder rausnehmen oder noch mal überarbeiten. So richtig in Ordnung ist er (noch) nicht.
 
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Man merkt, dass Du Teile übernommen hast, finde ich. Manches passt sehr gut, einiges nicht so.
 
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Das ist wahr. Aber ich brauche erst mal eine Nacht Abstand. Der Text ist zu schnell entstanden.
 
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Bei mir auch - erster Eindruck, erst mal sacken lassen ...
 
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Der Text ist das Resultat meiner Lektüre eines Psychologiebuches. "Der Verrat am Selbst" von Arno Gruen.
Arno Gruen ist, so weit ich weiß, ein psychoanalytischer Autor, der den Zusammenhang zwischen natürlicher Empathie einerseits und abstrakter Wahrnehmung (Kognition) von Gefühlen andererseits analysiert!

Während Mitgefühl auf der Akzeptanz eigener Schmerzen und Ängste basiert, bauen abstrakte Emotionen auf moralische Gebote und Verbote dominierender Fremder (Eltern, Lehrer, Politiker, Medien). Es geht bei ihm oft darum, ob wir Posen verkörpern oder selbstbestimmt handeln!

Im wesentlichen fordert Grün eine Kindererziehung Tag für Tag und Seit an Seit mit den Eltern. So lernen Kinder nicht nur Sicherheit kennen, sondern auch Schmerzen und Ängste (inklusive ihrer Überwindung)! Durch die allgegenwärtige Vermeidung von Gefahren lernen die Kinder nicht die natürliche Vielfalt des Lebens kennen, sondern eher nur die Forderungen und Paradigmen der Erwachsenen. So kommen Kinder zwar als Originale zur Welt, entwickeln sich aber allmählich zu Kopien!! Diese Weltsicht (die ich teile) kommt mE in deinem Text nur sehr verwaschen zum Ausdruck!

Du beschreibst mE nur willkürlich und oberflächlich einige antrainierte „Posen‘, ohne deren Alternativen anzudeuten. So entsteht bestenfalls der Eindruck, als ob deine LIs narzisstisch veranlagt seien,

Tatsächlich aber stellt Grün die kognitive Erziehung der gesamten modernen Zivilisation in Frage, benennt als Alternative einige Phänomene sogenannter primitiver Stämme, wo einerseits individuelle Empathie und andererseits komplexe Weltsicht viel häufiger Hand in Hand gehen.

So gesehen verstehe ich zwar sehr gut, dass dich Arno Gruen positiv inspiriert - kann (und will) dir aber auf diesem konkreten Stand nicht widerspruchslos folgen.

Oft beziehe ich meine Meinung ja lediglich auf den Text, In diesem Falle hier klingt die Schilderung der Posen allerdings nach einer monströsen Ausnahmeerscheinung, mit der ich als Leser nichts anfangen kann!

Dein Bezug auf Gruen wiederum führt mich zu ganz anderen Bildern.

Lg
 
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@Jongleur Danke für deine profunde Wortmeldung. Das Ganze war ein Schnellschuss, und das darf es eben nicht sein. Bei diesem Thema sowieso nicht. Mal sehen, ob ich noch etwas gutmachen kann. Ich sollte mir allerdings Zeit geben. Mit meiner nervösen Hektik hab ich mir noch nie einen Gefallen getan.
 

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