Unterricht für Kinder - Materialtips gesucht

von Fastel, 12.09.20.

  1. Fastel

    Fastel Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    11.04.04
    Zuletzt hier:
    27.10.20
    Beiträge:
    6.316
    Ort:
    Tranquility Base
    Kekse:
    19.360
    Erstellt: 12.09.20   #1
    Hi,
    ich unterrichte in der Familie Schlagzeug. Ich selbst bin kein Schlagzeuger und - ja - man sollte zu einem "richtigen" Lehrer gehen usw. Jedenfalls wird das aus Gründen nicht passieren => ich wurde gefragt ob ich "der Kleinen" zeigen kann wie das geht => und nun gehts los.

    Ein Kinderschlagzeug haben wir schon und der erste Backbeat funktioniert (in selbstgewählten, schwankendem Tempo). Aber ich habe manchmal doch Probleme die richtige Didaktik und vor allem Methodik zu finden. Prinzipiell bin ich ein okayer "DoItYourself" Lehrer und die Ambitionen sind nun auch nicht gigantisch. Aber ich komme nunmal vom Saiteninstrument und habe da so meine Metahpern, Lehrwege, Methodik und mein Repertoire.

    Ich möchte das trotzdem machen und es gerne mit einem "begleitenden" Buch probieren. Also suche ich ein gutes Schlagzeug-Lernbuch (oder Youtube Workshop - egal), das uns begleitet. Ich kann mich an den Übungen orientieren und wie gesagt eine gewisse Didaktische Erfahrung habe ich ja.

    Bin für Hinweise und Empfehlungen dankbar. Vielleicht hat auch jemand Erfahrung im Unterrichten eines Kindes (7) Jahre und Lust sich über einen längeren zeitraum auszutauschen.

    Rythmische und Timingsicherheit versuche ich über Bodypercussion (jedesmal ca 30% des Unterrichts) zu vermitteln. Auch da könnte ich Kindgerechtes Begleitmaterial gebrauchen.

    Danke :)

    ps: ja ich bin kein Schlagzeuger kann aber Rock/Pop spielen. Also Vormachen ist kein Problem.
     
  2. nickatall

    nickatall Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    05.06.20
    Zuletzt hier:
    19.10.20
    Beiträge:
    66
    Ort:
    Grafschaft
    Kekse:
    0
    Erstellt: 13.09.20   #2
    Aus eigener Erfahrung mit meinen Kindern weiß ich: Das schwierigste ist mit völlig anderem Ansatz an das Kind heran zu gehen, als man es selbst machen würde.

    Wir Erwachsenen haben ein Ziel im Kopf, machen uns schlau, schauen was wir zuerst üben müssen, bzw schaffen eine Prioritätenliste, der zu erlernenden Fähigkeiten, schaffen die Voraussetzungen, und setzen uns dann stundenlang hin und üben. Unsere Motivation speist sich in der Regel über ein Ziel, was wir im Kopf haben und erreichen wollen.

    Bei Kindern geht die Motivation in der Regel über den Spaß und über die Bestätigung, die sie von den Erwachsenen erhalten.

    Das muss man, aus meiner Sicht ganz vorne im Blick haben. Denn nichts ist schlimmer als ein Kind, übertrieben gesagt, viermal die Woche zum Schlagzeuglehrer zu prügeln und es jeden Tag zu 3 Stunden üben zu verdammen und am Ende jemanden zu haben, der ein paar Sachen sehr gut spielen kann, aber mit 16 absolut kein Bock mehr hat, Musik zu machen.

    Wenn man das hinbekommt, kann man mit ganz einfachen Dingen anfangen, bzw versuchen Lieder mit den Kindern zu machen, an denen Sie Interesse haben.

    Und das ist verdammt schwer. Meine Tochter will mit vier Jahren, dass ich ihren Gesang zu einem Lied aus "die Eiskönigin" aufnehme. Das ist natürlich ohne vorheriges Tonleitern üben und Takt können, mehr oder weniger unmöglich.

    Also habe ich mich hingesetzt und es aufgenommen. Klar haben wir das nicht im Ansatz hinbekommen. Aus meiner Sicht war die Schwierigkeit ihr zu sagen: "Du kannst das nicht, du musst das erst lernen" ohne ihr die Motivation zu nehmen, weil es für Menschen immer schlimm ist wenn man ihnen sagt: Dass sie etwas nicht können. Aber für Kinder kann es aus dem Mund der Eltern nahezu traumatisch und absolut schlimm sein, wenn man ihnen sagt: Dass sie etwas nicht können.

    Da kommt es extrem auf das "wie" an.
    Also erkläre ich der Vierjährigen immer wieder, dass es normal ist, dass sie etwas nicht kann, weil sie ein Kind ist und das was Papa und Mama können, diese auch als Kinder nicht konnten und erst gelernt haben.

    Aus meiner persönlichen, natürlich völlig unbedeutenden Sicht, denn jede Situation und jedes Kind ist anders, muss als oberstes Ziel immer das "Erhalten der Motivation" stehen.

    Und das geht aus meiner Sicht nur, wenn man dem Kind prioritär zeigt: Welche Spaß Musik machen bringt und wie viel Bestätigung man dadurch bekommen kann. Das liegt vor dem Erlernen von musikalischen Fähigkeiten.

    Und wenn sich rausstellt, dass das Kind kein Interesse hat und es nicht will, auch dann muss man das einfach akzeptieren.

    Mein inzwischen 14-jähriger Sohn hat ein Instrument gelernt, hat aber überhaupt kein Interesse an Musik.

    Aber ansonsten, denke ich sollte man einfach mal zählen anfangen, Viertelnoten spielen, sich ganz einfache Lieder suchen, die vom Geschwindigkeit und Komplexität spielbar sind, Noten lernen, dann 4tel,8tel, triolen, 16tel spielen. Und dann mit Rudiments anfangen. Aus meiner Sicht braucht man da keine Bücher.

    Youtube ist dein Freund...

    In der Hoffnung dass du meine Antwort nicht oberlehrerhaft findest, wünsche ich dir Erfolg. Denn nichts ist wertvoller, als die Fähigkeit erlernt zu haben Musik zu machen.

    LG Ralf
     
    gefällt mir nicht mehr 1 Person(en) gefällt das
  3. drumtheater736

    drumtheater736 Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    19.01.09
    Zuletzt hier:
    14.10.20
    Beiträge:
    1.244
    Kekse:
    2.049
    Erstellt: 13.09.20   #3
    Hi,

    ich habe erfahrung weil ich ein kind seit ihrem 7 lebensjahr unterrichte. wenn du schon ein kinderschlagzeug anschafftst zeigst du doch , daß die sache völlig falsch angehst. das ist spielzeug. und kein instrument.

    wenn du damit arbeiten willst dann vergiß es. du spielst doch ein instrument frag dich mal ob du da auch ein kinderspielzeuzg nehmen würdest. ne gitarre die man nicht stimmen kann. auch wenn man erfahrung hat in der musik und die 4 grundlagen kennt
    bedeutet das noch lange nicht, daßman jedes instrument spielen kann oder weitervermitteln kann. was weißt du über die hand- und fusstechniken , wie hält man den stock, wie benutzt man das pedal .
    gerade die pedals von diesen kinderschlagzeugen verdienen die bezeichnung nicht.

    ich habe erstmal versucht sie langsam an die übungen heranzuführen. erstmal die takte zählen dann habe ich die downbeats geklatscht sie dann die backbeats dann umgekert dann gemeinsam down und backbeat und wenn sie darin sicher war ging es an set. die technik spielt natürlich auch eine rolle deshalb haben wir auch 5-10 minuten am pad singel doppel parradiddle geübt und dann weitere variationen etc.

    oder einfach mal musik hören und dazu klatschen damit sie ein gefühl für die rhythmik bekommt. bei den schlagtechniken hilf vielleicht youtube da gibt es gute videos wie man den stock richtihg hält.

    schau anch einem richtigen schlagzeug, das kann auch was ganz billiges sein, mit neuen fellen später bestückt und wenn man das blech von zeit zu zeit austauscht geht das gut. oder bau was bischen holz und gummi und einem vernünftigen pedal erreichts du damit mehr als bei ein kinderschlagzeug.

    LG

    DT
     
    gefällt mir nicht mehr 1 Person(en) gefällt das
  4. der dührssen

    der dührssen Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    24.02.08
    Zuletzt hier:
    28.10.20
    Beiträge:
    3.321
    Ort:
    Offenbach
    Kekse:
    9.338
    Erstellt: 13.09.20   #4
    Moin! Es hängt halt immer auch davon ab, welcher Lerntyp das Kind ist. Je nachdem ist es mehr oder weniger sinnvoll, mit einem Buch zu arbeiten. Wobei es dir ja hauptsächlich darum geht, eine Art Unterrichtskonzept und "Reihenfolge" der Inhalte zu erhalten, richtig?

    Es gibt spezielle Schlagzeugbücher für Kinder, die sind mir persönlich aber immer etwas zu "albern" (nicht abwertend gemeint).
    Ich arbeite, auch mit Kindern ab sechs Jahren, mit eigenen Noten und einer Mischung aus Stick Control, Modern Drumming und Syncopation for the modern drummer, sowie je nach Schüler und Fortschritt einigen anderen Büchern.
    Bisher hatte ich nicht den Eindruck, dass das Kindern zu langweilig wäre.

    Unabhängig des Lerntyps versuche ich die Basics immer wie folgt aufzubauen, natürlich ergänzt von ein paar Kleinigkeiten:
    - einfache Handsätze, auch aufgeteilt zwischen Füße und Füße/Hände
    - Viertelnoten zählen und spielen (später Achtelnoten), das selbe mit Pausen
    - einfache Beats mit Bass- und Snarevariationen
    - Spielen zu Metronom und Liedern

    Das ist normalerweise Material für 6-12 Monate und mehr, je nach Schüler und Zeit. Ob es das gesammelt in einem Buch gibt habe ich nicht auf dem Schirm, ich ziehe eben immer aus meinen Büchern, was ich grade brauche.
    Aber ich würde sagen, mit das anteilig "kompletteste" Buch dafür ist "Modern Drumming" von Diethard Stein. Wenn man gut erklärt, ist das auch für Kinder kein Problem.

    Kleine Anmerkung noch, wo du von "Kinderschlagzeug" sprichst und das drumtheater736 schon völlig richtig angemerkt hat: Sollte es wirklich ein "Spielzeug" sein, kauft bitte zeitnah ein richtiges in passenden Größen, sonst ist der Spaß bald wieder vorbei.
     
    gefällt mir nicht mehr 1 Person(en) gefällt das
  5. Fastel

    Fastel Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    11.04.04
    Zuletzt hier:
    27.10.20
    Beiträge:
    6.316
    Ort:
    Tranquility Base
    Kekse:
    19.360
    Erstellt: 14.09.20   #5
    Hi Danke für Eure Antworten

    Ich wollte eigentlich keine Grundsatzdiskussion, deswegen habe ich am Anfang geschrieben "ich mach das jetzt halt". Es ist ein Kompromiss. Es gibt hier Situationsbedingt niemanden sonst, der das machen kann und thats it. Ich kann das machen oder eben keiner. Ich weiß nichts besonderes über Hand und Fußtechniken, da ich nie einen Lehrer hatte. Ich kann eine Band begleiten und zu einem gewissen grad alle "normalsterblichen" Songs spielen. Die Familie des Kindes nimmt es an und jetzt überlege ich nach dem besten Weg. Ich glaube, dass ich wie gesagt unterrichten kann - immerhin erkenne ich meine Probleme. Da habe ich schon ganz andere Lehrer erlebt.

    Ich denke meine Fragen sind eher grundsätzlich und betreffen typische Lernprobleme. Zum Beispiel "Wie bekomme ich ein Kind dazu auf das Playback / den Click zu hören?" - ist irre wie die anfangs zum Click spielen und dann sowas von abdriften ohne dass es ihnen auffällt. Am E-Bass habe ich mir Dinge dazu überlegt. Diese lassen sich aber nicht aufs Drumset übertragen. "Wie lehre ich das Notenlesen?" ... solche Sachen.

    Ich möchte hier gar nicht nach Antworten für solche Fragen suchen, sondern habe halt nach dieser Art Lehrmaterial gefragt. Ein "Lehrbuch für das Lehren mit Kindern". Das muss gar nicht speziell für's Schlagzeug sein, allerdings sind in dem Themenbereich viele wissenschaftliche Sachen auf dem Markt, die mir nicht unbedingt helfen. Ja ich weiß es gibt diese Schülertypen, Visualierungen ist hilfreich, Kinder brauchen Bewegung und dann kommt immer noch Sigmund Freud dazu usw. Ein Traum wären halt gesammelte Anregungen für den Schlagzeugunterricht - konkrete. Wenn ihr sowas nicht kennt - okay ich frag ja nur :)

    Ich werde nochmal bei Youtube gucken. Vielleicht kennt ihr da ganz konkrete Kanäle zu diesem Thema? Ich google das auch aber Eure Meinung und Erfahrung nehem ich gerne an.

    Beste Grüße

    Ps: "Kinderschlagzeug" ist übertrieben. Wir haben zuerst an meinem Schlagzeug gespielt aber Snare/Hocker/Pedal haben sich einfach nicht für ihre kurzen Beine einstellen lassen. Also haben wir ein E-Drumset bestellt das sich gut justieren lässt. Es ist klein "eingestellt" aber auch irgendwie ein "normales" im LowBudget Bereich.
     
  6. der dührssen

    der dührssen Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    24.02.08
    Zuletzt hier:
    28.10.20
    Beiträge:
    3.321
    Ort:
    Offenbach
    Kekse:
    9.338
    Erstellt: 15.09.20   #6
    Moin! Spezielle Youtube-Kanäle für Unterricht mit Kindern kenne ich jetzt nicht.
    Und das Problem mit dem "Abdriften vom Clicktrack" kenne ich zu gut. Ich lasse das oft einfach mal laufen, lache ein bisschen in mich hinein, und frage dann irgendwann "Merkste was?" - woraufhin dann kommt "Nö, wieso?" :D
    Tatsächlich würde ich das mit dem Metronom anfangs nicht zu sehr forcieren - je nach Schüler kann das echt frustrieren (beide Parteien) und den Drive rausnehmen.
    Oft kommt das Verständnis für Time nach einiger Zeit ganz allein.

    Bis dahin kannst du aber folgendes machen:
    1. Einfach mal mit dem Kind zusammen zählen und z.B. auf bestimmte Zählzeiten klatschen.
    2. Ein Lied anmachen und dem Kind sagen, dass es dazu klatschen soll - ganz intuitiv nach Gefühl. Oft funktioniert das überraschend gut und das Kind findet den Puls von ganz alleine. Bestenfalls nimmt man natürlich einen seiner/ihrer Lieblingssongs.
    Falls nicht, zurückgehen zu 1.
    3. Click anmachen und dazu zählen und klatschen - dabei die Wichtigkeit der betonten eins hervorheben und immer mal wieder gezielt abbrechen, damit das Kind neu anfangen muss zu zählen (und somit übt, auf die eins zu zielen)
    4. Wenn 3. geht, stattdessen in Wechselschlägen dazu auf der Snare spielen. Das kann man nach und nach ausbauen, indem man zusätzliche Instrumente dazuholt und irgendwann z.B. den Grundbeat dazu spielt - dann ist es zum Lied nicht mehr weit

    Notenlesen ist eigentlich recht easy zu vermitteln, wenn das grundsätzliche Verständnis für Time und Zusammensetzung eines Beats erlangt wurde.
    Das klappt bei meinen Schülern (beschränkt auf Bass/Hihat/Snare) eigentlich meistens in 5-10 Minuten.
    Ich habe Arbeitsblätter mit verschiedenen Basic Beats in Viertelnoten erstellt, in denen sich immer nur die Bass leicht verändert, so kann der Schüler - sofern er weiß wie sich der Grundbeat zusammensetzt - oft auch selbser kombinieren, wo was sein muss.
     
  7. drumtheater736

    drumtheater736 Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    19.01.09
    Zuletzt hier:
    14.10.20
    Beiträge:
    1.244
    Kekse:
    2.049
    Erstellt: 15.09.20   #7
    Hi,

    das würde ich so unterschreiben, was mein vorredner geschrieben hat, so ging das damals auch bei meiner "schülerin" wirklich gut. wir sind damals 2 gleisig gefahren also rhythmik übungen mit zählen und klatschen wie oben beschrieben
    und dannoch technik übungen auch so 5 min am übungspad. die idee es so zu machen war, daß ich so den focus nur auf einen teil setzen konnte und sie so nicht überfordert war.

    es kann für kinder schon schwiereig sein wenn zuviel auf eienmal kommt. Also auf die stockhaltung achten und dazu zählen und aufs metronom hören. aber das muss man sehen. die stockhaltung kannst du dir selbst auch beibringen und es ihr dann zeigen und wie gesagt es macht auch viel spaß zusammen zu üben.

    Lg

    DT
     
mapping