Vom Chorknaben zum Westentaschentenor und wieder retour zum Brüllaffen

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Wertes Forum, möchte hier meinen Werdegang bloggen, ev. findet der eine oder andere einen artverwandten Gedanken und kann sich daran orientieren oder mit Schauder davon abwenden.

Kurz zu meiner Geschichte, ich war der Bub der im Dorf immer gesungen hat (bei Begräbnissen und oder Hochzeiten, ...) danach Kantor und Organist in der Pfarre (bis 17), danach Studium (Mathe) nix mit Singen. Dann Rückfall mit Chorsingen, das sich steigert bis zu 4x pro Woche Proben in diversen Chören mit latentem Ehrgeiz zum Solisten. Beginn mit Gesangsunterricht, 10 Jahre später erste Konzertteilnahmen, danach einige selbst veranstaltete Konzerte (Klassik/Evergreens, ...) (finanziell trotz "Ausverkauft" immer ein Desaster), jetzt wieder Kantor und Hochzeits/Begräbnissänger (ca 50 pro Jahr).

Bei mir waren immer Ziele (Träume) vorhanden die ich versuchte zu erreichen. Je mehr Druck, desto schneller hat es dann geklappt. Nun war der Gedanke vorherrschend, dass ein Sänger (der sich auch zurecht Sänger nennen darf) nicht nur "seins" können sollte, sondern auch die Verpflichtung hat "andere" Gesangsstile zu erkunden und zu meistern um sich weiterzubilden. Hier kann ich bisher Obertongesang und Jodeln anführen, aber das "Screaming" (Growl, Taschenfalten, Vocal-Fry) hat mich nicht losgelassen.

So ging es vor wenigen Jahren beim Treff in Wien zum Screamseminar als Einstriegsdroge. Das war wie erwartet und ich 4 Tage heiser, aber es hat mich weiterhin fasziniert und ich habe begonnen mich zu beobachten ob ich im Alltag "Screams" von mir gebe, welche das wann sind und wie ich diese beherrschen lernen kann. (Gewichtheben, Niesen, Rufen, Emotionsausbrüche, ...). Dann war auf fb wiedermal eine Einladung für eine online-scream-workshop (gleiche Adresse wie beim Treff) das gab mir dann den nötigen Druck auch mit sowas wie "gezieltem Üben" zu beginnen (ein Song war vorzubereiten). Beim Seminar was gelernt, nächstes Seminar 6 Wochen später, 3 Songs vorbereiten. Wieder etwas "gezielt" geübt, vor allem mit dem Hintergedanken nix zu ruinieren.

Bis jetzt kann ich berichten, mein größtes Problem ist das "rauslassen", "loslassen", wenn ich versuche den (Taschenfalten-) Scream zurückzuhalten oder zu kontrollieren (weil so furchtbar schrecklich), dann geht das auf die Bänder. Aber Freiheit kann man sich nicht erdenken, die muss man sich erarbeiten und erkämpfen, je öfter man sich konfrontiert, desto mehr Raum gibt es um loszulassen. In meinen "lockdown-blog" gab es eh schon die ersten Kostproben (das war der Stand vor dem zweiten Seminar)

Hier nun mal was (für mich) völlig neues, aber auch wieder vertrautes, erinnert mich an Bach (zwei Themen werden vorgestellt und diese dann abgearbeitet):


Würde mich sehr über Rückmeldungen freuen, wie ist es euch Wien-Screamern bisher ergangen?
 
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Hallo FerdinandK,

möchte hier meinen Werdegang bloggen

wenn es ein Blog werden soll, ähnlich deinem Lockdown-Blog, wäre die Plauderecke nicht besser geeignet?

Oder - wenn es bei diesem einen Hörbeispiel bleiben soll - vielleicht doch eher die Hörproben?

Klar gibt es hier auch ein paar praxis-
Aspekte, aber ich sehe zunächst noch die persönliche Geschichte im Fokus.
 
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FerdinandK
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Dann bitte in die Plauderecke ...
 
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Huhu,

oha, da kenn ich mich nicht aus ... find es klingt schon extrem zerrig. Also, nein, ich kann das net. Bin kein Screamer. Ich singe "nur" raunig, das müsste dann etwas wie distorion, curbing oder was weiß ich sein. Taschenfalteneinsatz hat mal bei mir jemand vermutet.

Bis jetzt kann ich berichten, mein größtes Problem ist das "rauslassen", "loslassen", wenn ich versuche den (Taschenfalten-) Scream zurückzuhalten oder zu kontrollieren (weil so furchtbar schrecklich), dann geht das auf die Bänder.
Hmm... mit schrecklich meinst du, das du den Sound mental nicht aushälst, weil nicht so schön ist?

"Rebellisch bis ins Grab!"
 
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cracked_copper
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Würde mich sehr über Rückmeldungen freuen, wie ist es euch Wien-Screamern bisher ergangen?
Hab mir dein Beispiel noch nicht anhören können, aber bei mir persönlich ging leider nicht viel weiter (liegt aber daran, dass ich schon im Normalmodus viel mit meiner Stimme kämpfe, nach wie vor). Ich kann immerhin schon Phrasen am Anfang anzerren und (glaube ich) tonlos Taschenfalten-Growlen , aber von meinem Ziel von genereller Zerre in Songs und höheren Screams bin ich gefühlt genauso weit weg wie vor dem Workshop. Ich hab ja noch Zeit :ugly:.
 
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FerdinandK
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Hilft ja nix, es muss einfach mehr taschengefaltet werden.
@Ikone Aushalten werd ich es wohl müssen (man gewöhnt ich an alles), aber es ist sehr laut (also wirklich laut).
@cracked_copper die Jugend hat immer Zeit, bis die dann flieht (die Jugend).

 
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So ich hab mich jetzt auch mal getraut und mir Unmengen an Infos zu scream fry growls etc anzuschauen und zu lesen. Ich habs jetzt schon ne Zeit lang ausprobiert. Also seit 11.6 jeden Tag ca 20mins. Am Anfang ging das "fry" garnicht mehr von der Stimme runter. Also total überblasen und ermüdet. Irgendwie erzeuge ich das fry oft falsch. Gestern hatte ich jedenfalls ein kleine Erfolg. Ich muss da schon mordsmäßig viel Luft im Kasten halten, fast so wie als ob ich kacken müßte... aber jetzt komme ich mit der Stimme schon mal bis A4 und dabei bleibt es fauchig wie en Puma. Laut isses gegenüber brünstigem Schmettern leider nicht, aber dafür kratzt oder ermüden die Stimmbänder nicht. Vielleicht kommt die Lautstärke ja mit der Zeit, oder es ist halt so. Zugegeben der Melodieton ist jetzt nicht sooooo präsent, aber hörbar. Nur eben in zweiter Ebene "unter" dem Fry. Sobald ich die Melodie in den Vordergrund stelle möchte, wird die Stimme zwar lauter (Mix) aber das fry entfernt sich dann komplett :(

@FerdinandK Tiefe Screams sind zwar laut aber nicht mein Ziel. BTW: Hast Du da auch den Effekt das es an leichtes Würgen erinnert? Also nicht das ich tief überhaupt üben will.... nur interessehalber.
 
FerdinandK
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Ich kann nur aus meiner "Erfahrung" sprechen ...
Fry ist handzahm, wenn du mal etwas zu stark "andrückst" geht der fry verloren. Also in der Emotion, mit dem Druck des Müssens und der fry ist weg. Etwas Lautstärke kommt von Mundstellung, Übung und Resonanz, aber der wird nie "kraftvoll". Der Fry geht ewig und braucht (aus meiner Sicht) ganz wenig Luft. Beim "Eisbären" (eines der letzen im lockdown-thread) ist das "UAAAHhhh" Fry, das ist "in echt" leise, nur der Kompressor macht es dann so laut wie es sein soll. Könnte ich "unplugged" nicht verwenden weil zu leise.

Die Taschenfalten ("Verstopfungsdruck") sind viel "kraftvoller" aber es braucht Übung um nicht zu viel oder zu wenig zu machen. Beides beleidigt die Stimmbänder, aber es wird besser mit der Zeit. Nur 5min pro Tag oder alle paar Tage am Anfang, wenn die Stimme morgens passt, dann kann man langsam die Dosis erhöhen.

Dann gibt es noch den Growl, ganz viel Luft und Flanke, das ist zwar schonend für die Bänder, laut, aber nicht so leicht (wenn überhaupt) in der Tonhöhe zu kontrollieren. Für mich wird es dann ein Growl-Taschenfaltenmix (also der Not geschuldet) damit ich auch "singen" also noch einen (bestimmten) Ton bringen kann. Je tiefer desto mehr Growl, je höher desto mehr (oder nur mehr) Taschenfalte.

Bezüglich Lautstärke hat jeder andere Referenzpunkte, Lautstärke wird auch (selbst und von anderen) subjektiv wahrgenommen (also wenn unangenehm, dann klingt es lauter, ...). Meine klassische Singlautstärke ist 80-90db, das ist objektiv laut und kräftig, genug für Kirchenorgel mit fast vollem Programm. Wenn ich jodle ( volle Kopfstimme) dann sind es 100-110db, der Taschenfaltenscream (an meinem oberen Limit) liegt über der Lautstärke des Jodelns. Also Personen im selben Raum wenn ich übe sind nicht möglich, die halten das nicht aus. Es geht hier nicht um die absoluten Zahlen (weil mit Smartphone in 1m Abstand gemessen sagt wenig aus) aber die Relation stimmt schon.

Beim Singen gab es mal den Hinweis "gib alles her, halte nichts zurück" das bekommt beim Screamen eine ganz andere neue Dimension, weil da kann ich wirklich "all in" gehen, der Kompressor macht es dann schon erträglich (im Sinne von Lautstärke reduzieren). Vor allem wenn man im selben Lied Fry und Taschenfalten kombiniert ist da viel zu tun in der Mikrohaltung und oder für den Kompressor.

Der Growl klingt tief (bei Männern) wie das Bellen (hruff hruuf hruuuf) einen Hundes. Nun gibt es verschiedene Hunde, bei mir es möglicherweise aktuell näher beim Bernhardiner als beim Labradudel. Bin mir sicher dass sich das noch bei entsprechender Übung verändern wird, aber Würgen als mechanischer Auslöser sollte nicht dabei sein.

Zur Zeit nehme ich mir immer ein Lied vor, das bereite ich vor, übe und irgendwann nehme ich es dann auf, nicht weil perfekt, aber weil im Moment genug und das nächste schon wartet. Ich brauche aber viel länger zum üben als bei "normalen" Liedern auch weil die Zeit in den Screams noch limitiert ist.

Dieses Video ist auch sehr interessant: es geht darum den "Bruch" zu nutzen um zu screamen zu kommen. Ich meine, dass ist nicht das was ich bei den Taschenfalten mache für mich ist das Vollstimme mit aktivieren Taschenfalten, aber das gleiche "im Bruch" scheint wesentlich schonender zu sein, ich hab aber noch nicht versucht es strukturiert zu üben:

 
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FerdinandK
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Man dankt, man dankt - "Jugend" war ich schon länger nicht mehr :cool:
Das wird aber wieder besser... ;) Ich bin ja jetzt längst jenseits von Gut und Böse, aber ich habe mich bis 45 immer schon "alt" gefühlt, bis ich ab da dann anfing zu denken: "Ach, für dein Alter noch ganz okay."

Mich würden auch die Growl-Fortschritte der anderen zumindest aus der Ferne und theoretisch interessieren, mir ist übrigens nicht in Erinnerung, dass du auf dem VocalsTreff heiser klangst, @FerdinandK. Die Hörprobe klingt für mein Growl-ungeschultes Ohr aber ziemlich professionell. Ich hatte vor kurzem beruflich mit diesem Herrn hier "zu tun", der kam in einer von mir übersetzten Tracks-Folge vor und hat mich sehr beeindruckt (das Genre heißt "Dark Ambient"):

 
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Vali
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Sorry, dass ich mich so spät erst melde. Finde ich richtig cool, dass du deine Brüll Fortschritte teilst! Natürlich geht's noch besser, aber schon amtlich was du da hinbekommst! Bleib dran!
Ich wollte das ja schon immer lernen und nach dieser tollen Starthilfe in Wien habe ich immer wieder geübt. Death Growl geht schon einigermaßen! Ich kann mittlerweile längere Passage growlen ohne zu ersticken, aber das mit der Stütze hat schon ziemlich gedauert. Es ist viel viel schwerer, den Atem zu dosieren bei dem immensen Luftverbrauch, den diese Technik erfordert. Jedenfalls braucht es meiner Meinung nach doch eine robuste Stimme, um sowas länger durchzuhalten. Meine Stimme ist nach ner halben Stunde growlen dann doch etwas mitgenommen, aber wer weiß, vielleicht mach ich es einfach auch noch falsch. Jedenfalls Respekt an alle, die ne ganze Tour mit diesem Gesang aushalten und dabei eine bombe Cleanstimme auch noch währenddessen haben!!
Leider kann ich immer noch kein Fry Scream. Komme bis dato immer noch nicht vom Cat Fry in den Grund Fry. Naja, ich bleib dran. Evtl. brauch ich dafür diesen Vertiefungsworkshop. Die Uschi bietet ihren Kurs schließlich auch online an. Ich hoffe, das Angebot online bleibt erhalten auch nach Lockdown-Zeiten.

Genug auf die Folter gespannt! So klingt es bei mir zur Zeit:


Bin gespannt wie weitere Workshop Teilnehmer nun klingen und vllt sogar andere sonst immer Clean SängerInnen!

EDIT: Für die die mich noch nicht kennen: Meine ersten Gesangsschritte waren als Teenie in einer Rock-Pop-Coverband ohne jegliche Ahnung von Gesangstechnik. Mein erster Gesangsunterricht war bei einer waschechten Klassikerin, die mir auch nur Klassische Gesangstechnik beibrachte. Ich hatte glaube ich 1-2 Jahre lang nur Klassischen Gesangsunterricht und konnte auch nur noch klassisch singen. Nachdem ich nach einer Kehlkopfentzündung komplett neu mit Gesang anfangen musste, habe ich mit Popunterricht angefangen, aber bei einer Lehrerin die selbst nur klassisch singt. Vor ca. 12 Jahren bin ich dann in meine erste eigene Metalband eingestiegen bei der aber nur Cleangesang gefragt war. Am Anfang sollte es nur klassischer Gesang sein, aber wechselte langsam mehr in die Rockschiene. Bin dann schließlich bei einer echten Popsängerin im Unterricht gelandet, bei der ich es dann endlich geschafft hatte den gewünschten Rockklang zu bekommen, unter anderem da auch Belting gelernt. Also bis zum Screaming Workshop in Wien hatte ich selbst nichts in die Richtung Screaming gemacht. Aber die Musik habe ich durchaus gehört! In meiner aktuellen Band werde ich aber wahrscheinlich trotzdem nicht screamen, das sollen wenn dann bitte welche machen die das besser können :LOL: Verwende meine Gröhlfähigkeiten also nur zum im Auto zum Song mitschreien 😁
 
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