Warum beeinflussen Leuchtstofflampen Audiosignale?

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In meinem Homestudio ist mir aufgefallen, dass in Produktionen, in denen Stille sein sollte, ein Brummen zu hören ist (Rauschen ist im Verhältnis nicht wahrnehmbar!). Dieses Brummen ist mir im Verhältnis (Signal-to-noise-ratio) wesentlich zu hoch!

Dieses Brummen ist abhängig davon, ob meine Röhrenlampen im Zimmer an oder aus sind. Ich konnte das Brummen auf eine alte Orgel, meine Elka X 50, in meinem Keyboardsetup zurückführen.

1. Warum stören Röhrenlampen Audiosignale?
2. Warum wird die Elka gestört, mein Nord Stage aber nicht?
3. Wie kann ich das verhindern?

nortnar

P.S. Mit meinem Bassamp kann ich teilweise ähnliche Erfahrungen machen: https://www.musiker-board.de/knowho...di-out-aufnahmeproblem-mit-roehrenlampen.html
 
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Hallo nortnar,

da sprichst du ein altbekanntes Problem in der Audiotechnik an: Einstreuungen aus diversen Störquellen.

1. Warum stören Röhrenlampen Audiosignale?
Wenn du mit Röhrenlampen die klassischen "Büro-" Leuchstoffröhren meinst, dann liegt das an den dort verwendeten Vorschaltgeräten bzw. der Drossel: http://de.wikipedia.org/wiki/Leucht...g_und_elektromagnetische_Vertr.C3.A4glichkeit
So eine Leuchtstoffröhre ist alles andere als ein ohmscher Verbraucher und erzeugt bekanntermaßen ziemlich viel "Dreck" zum einen in Form von elektromagnetischer Strahlung (durchaus auch im Audiobereich), als auch in Form von Rückwirkung auf das 230V-Netz - mit Wirkungen auf Geräte, die an denselben Stromkreis oder dieselbe Unterverteilung angeschlossen sind.
Prinzipiell das gleiche Problem, wenn auch oft nicht so gravierend, tritt übrigens bei den so genannten Energiesparlampen auf, die letztlich nichts anderes sind als die klassischen "Neon"-Röhren, nur in anderem Gehäuse.

2. Warum wird die Elka gestört, mein Nord Stage aber nicht?
Das kann vielerlei Gründe haben. Unterschiedliche elektronische Geräte reagieren unterschiedlich auf solche Einstreuungen. Besonders hart trifft es z.B. typischerweise Gitarren mit ihren elektromagnetischen Pickups, die im Prinzip gerade perfekte "Antennen" für diese Störungen sind. Aber auch bei anderen Geräten kann die Art des Schaltungs- / Platinendesigns, der Leitungsführung usw. einen riesen Unterschied in der Empfindlichkeit machen. Angefangen übrigens schon beim Material des Gehäuses: Die Elka in ihrem (Holz-?) Gehäuse scheint mir wenig Abschirmwirkung zu haben, Beim Nord ist soweit ich weiß der größte Teil des Gehäuses aus Metall. Wenn nicht, dann haben die Ingenieure von Nord zumindest einen besseren Job bei der Abschirmung wesentlicher Teile der Signalverarbeitung gemacht.

3. Wie kann ich das verhindern?
Ganz einfache Antwort: Leuchtstofflampen haben (zumindest eingeschaltet während der Aufnahme) in einem Studio nichts verloren. Diese Probleme sind altbekannt und du kannst als Keyboarder noch von Glück sagen (s.o.), dass du nicht mit magnetischen Pickups arbeitest (außer bei einer Hammond, einem Rhodes etc.).

Es kann etwas bringen, die Vorschaltgeräte in der Lampenfassung oder die Starter (das sind diese kleinen, zylindrischen Bauteile nahe an einem Ende der eigentlichen Lampe, etwa so groß wie eine Baby-Zelle) auszutauschen.

Besser ist es allerdings, auf eine alternative Beleuchtung umzustellen. Sinnvollerweise entweder die gute alte Glühlampe (ohne Dimmer!), oder 12V-Halogenlampen (ebenfalls besser ohne Dimmer) - oder gleich LED (da kann man auch ggf. einen Dimmer benutzen, die LED-Dimmer arbeiten i.d.R. auf der Niederspannungsseite und streuen nicht so heftig).

Jens
 
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Sehr informative Antwort, in der Tat waren diese Standard-Büro-Lagerhallen-Röhren gemeint.

Ich werde mir Gedanken zur alternativen Beleuchtung machen (Dimmer nutz ich nicht, mir schwebt eine Kombination aus kalten LEDs für Tageslicht und warmen Halogenstrahlern für Gemütlichkeit vor).
 
.Jens
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Wenn Halogen"strahler" in Frage kommen, solltest du auf jeden Fall eher bei den kleinen Reflektorstrahlern schauen:

GP-Lighting-Halogen-Reflector-MR16-50-Watt-Sockel-GU-53-.jpg


Nicht diese Stabförmigen Dinger, wie man sie häufig in Deckenflutern findet - die haben in der Regel auch wieder Dimmer / Vorschaltgeräte, die ziemlich viel Dreck machen:

015-rollad1-14494.jpg
 
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Meine Strahler an der Decke haben GU10 Fassungen, und es sollen auf jeden Fall Strahler des 1. Typs verwendet werden. Danke aber nochmal für den Hinweis.

Habe ich bei GlühlampenersatzLEDs Probleme zu erwarten? :)
 
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Nach allem, was man so hört, nicht. Ich habe bis auf zwei kleine "Schreibtischlampen" und div. Taschenlampen bisher keine LEDs im Einsatz.
 
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LEDs benötigen zwar auch netzgeräte bzw. strombegrenzer/stromquellen, aber da sie im gegensatz zu leuchtstofflampen mit gleichstrom arbeiten, glaube ich nicht, dass sie probleme machen. es gibt zwar auch schaltungen mit PWM-dimmer, vor allem die bunten dinger, aber selbst die arbeiten nicht über 100Hz und auch die ströme und spannung sind im gegensatz zur leuchtstofflampe sehr gering.

ich habe erst neulich in meinem zimmer die deckenbeleuchtung auf hochleistungs-LEDs umgebaut, hab dort bisher aber keine aufnahmen gemacht. vielleicht komm ich mal dazu.
 
Deltafox
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aber auch 100Hz wären doch störend, oder heißt das nicht, dass das Störsignal dann auch in der Frequenz liegt?
 
.Jens
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100Hz sind schon störend, wenn sie denn durchkommen. Das kommt aber immer drauf an, welches Bauteil wie abstrahlt und wohin. Eine normale Netzzuleitung führt 50Hz, und davon bekommt man in der Regel so wahnsinnig viel nicht mit bei üblichem Audio-Equipment (Brummschleifen und Gitarrenpickups mal ausgenommen). Der "Dreck" entsteht bei den üblichen Dimmern durch die steilen Flanken:

200px-Phase_control.svg.png


...weil dann die zeitliche Änderung des Stroms sehr groß ist, was nach Herrn Maxwell zu großen Magnetfeldern führt usw usf. Ähnliches passiert in den Vorschaltgeräten der LSL, wobei die Drosseln relativ gute Antennen darstellen. Wenn verhältnismäßig geringe Ströme geschaltet werden, muss das nichts zwangsläufig zu Störsignalen führen. Die ganze Materie ist bei genauerem Hinsehen sehr komplex und hängt von vielen Faktoren ab - pauschale Antworten sind hier selten machbar.
 
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