Wie italienisch ist die italienische Oper?

von drowo, 15.01.20.

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  1. drowo

    drowo Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 15.01.20   #1
    Liebe Community,

    die Frage geht insbesondere an diejenigen die sich mit klassischer Musik, insbesondere italienischer Oper beschäftigen.

    Ich studiere derzeit ein paar Opernarien (für Bariton) ein. Neben den Noten versuche ich mir auch den Text selbst einzuprägen und dafür ist es von Vorteil zu wissen was man da eigentlich singt.

    Da ich kein Italiensch spreche helfe ich mir mit deutschen und englischen Übersetzungen, sowohl Sinngemäße als auch Wörtliche. Dabei ist mir aufgefallen, dass viele Worte so wie sie im Libretto oder Notentext stehen in den üblichen Übersetzungsmaschinen (Leo, Google) unbekannt sind. Meistens sind sie einfach nur anders geschrieben (z.B. Herz: cor statt cuore) und mit ein bisschen Kreativität kommt man schon dahinter was da gemeint ist.

    Die Häufigkeit dieser "Fehler" hat allerdings meine Neugier geweckt. Woher kommt das?
    • Ist das eine alte Form des Italienischen?
    • Ist das eine spezielle Form, sozusagen "Opern-Italienisch", um zum Beispiel (wie bei cor/cuore) Diphtongs zu vermeiden?
    • Waren die alten Meister einfach Schlamper? Quasi: "Ach, wen interessiert schon der Text? Oper ist auch nur Rock 'n' Roll ..." ;-)
    Vielleicht kann ja der eine oder andere gestandene Klassiker einen Quereinsteiger wie mich erhellen.

    LG Robert
     
  2. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 15.01.20   #2
    Ich bin zwar kein Klassiker, hatte aber auch schon damit zu tun.

    Das trifft mW zu, obwohl ich Antwort A nicht völlig ausschließe. Ich hatte damals in meinem Italo-Duo/Teiltrio auch ein paar Opernstücke im Programm und da ist mir ebenfalls aufgefallen, das dort völlig andere - und auch seltsam anmutende - Begriffe vorkamen als in den Italopop-Song.

    Ich weiß nicht, wie seriös die Quelle ist, aber zumindest wird meine Annahme bestätigt:

    https://www.operalingua.com/home-de/

    "Die Sprache der Libretti italienischer Opern unterscheidet sich oft in Wortschatz und Grammatik vom heute gesprochenen Alltags-Italienisch. Wer Arien verstehen und professionell singen möchte, muss das ganz spezielle Opern-Italienisch zumindest in Grundzügen beherrschen.
    Probleme bereitet auch die italienische Aussprache, besonders die offenen oder geschlossenen Vokale, die doppelten Konsonanten und die Konsonantenverbindungen.

    Herkömmliche Italienisch-Lehrbücher helfen hier nicht weiter, sie sind sprach-wissenschaftlich und auf Alltagssituationen ausgerichtet und beschäftigen sich nicht mit der Opern-Sprache."

     
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  3. drowo

    drowo Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 15.01.20   #3
    Wow, das ging aber schnell!! :eek:
    Danke dir, antipasti!
    --- Beiträge zusammengefasst, 15.01.20, Datum Originalbeitrag: 15.01.20 ---
    Echt? Würde ich bei Gelegenheit gerne mal hören! :)
     
  4. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 15.01.20   #4
    Wie editiert: "Alt-Italienisch" ist dennoch nicht ganz auszuschließen. Die Deutsche Sprache/Rechtschreibung hat sich seitdem auch stark entwickelt. Es könnte also sein, dass das Alt-Italienisch das heutige Opern-Italienisch ist. :)


    --- Beiträge zusammengefasst, 15.01.20, Datum Originalbeitrag: 15.01.20 ---
    Die Openstücke waren nur einmalig, da gibt es keine Aufnahmen von:

    "Va pensioro" (der Gefangenenchor) und "La ci darem la mano" aus Don Giovanni. Ich habe es aber nicht klassisch interpretiert. :)
     
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  5. drowo

    drowo Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 15.01.20   #5
    Oh schön! Das würde ich auch gerne auf meine Liste setzen, aber da brauche ich eine Duettpartnerin. Aus Don Gionvanni habe ich "Madamina, il catalogo" ausgesucht.
     
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  6. Jakari

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    Erstellt: 15.01.20   #6
    Wenn ich mich recht entsinne, sind die "italienischen" Opern an Sich auch gar nicht sooo "italienisch", Vorreiter davon gab es auch in Griechenland, Ägypten; sogar in Sumer ;-D

    Ich kann nur aus etymologischer Sicht versuchen zu antworten:
    Wie Antipasti schrieb, ist das sog. "Oper(a) italienisch" eigentlich eher eine Art Kunstsprache, die zum Teil (Laut) Verkürzte Schriftweisen verwendet (wie heute zB im Afrikaans), Lehnworte aus anderen Sprachen nutzt (Latein, griechisch), oder auch Onomatopoetische Elemente innehat.
    Du kannst es auch "Noblesse Italisimo" dazu sagen, ein Pseudo-"Hoch Italienisch" (Wenn Du berücksichtigst, für wen diese Opern vordergründig gedacht war...).
    Seh es als eine Art Pedant zum Shakespeare oder Poe English, die nutzen ähnliche Stilelemente.

    Ein "richtiges Alt Italienisch" kann man aufgrund der Sprachentwicklungsgeschichte ausschliessen, da diese auch eine Mischsprache ist.

    Vielleicht hilft das weiter?
    lg
     
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  7. drowo

    drowo Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 15.01.20   #7
    Aber sicher doch, danke! :)
     
  8. Silvieann

    Silvieann Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.01.20   #8
    --- Off topic ---

    Für La ci mache ich gern mit ;)
    - wenn ich wieder gesund bin.
     
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  9. scenarnick

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    Erstellt: 15.01.20   #9
    Ich empfehle aus eigener, leidvoller Erfahrung: Jutta J. Eckes "L'Italiano Musicale", erschienen bei Bärenreiter. In dem Buch und der Begleit-CD gibt es einige Antworten und Aussprachehilfen.

    "La ci darem la mano" macht Spaß ;) und ich hatte damals eine tolle Duett-Partnerin
     
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  10. drowo

    drowo Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 15.01.20   #10
    Danke, das bestelle ich mir umgehend :great: :great: :great:

    EDIT: ist bestellt.
     
  11. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 15.01.20   #11
    Ich auch. Aber wir haben daraus eine schmissige Countryrock-Nummer gemacht. Bietet sich geradezu an. :)
     
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  12. scenarnick

    scenarnick Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.01.20   #12
    Hätte ich gern gehört. Bei uns war es ein ziemlich klassisches Schülervorsingen in Anwesenheit des Chorleiters - als Casting für den Kammerchor... Da gingen solche Variationen nicht.

    @drowo: Viel Erfolg und Spaß!
     
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  13. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 15.01.20   #13
    Bei uns war es ein dreitägiges Festival in einem schmuddeligen Kellerclub in Anwesenheit von 300-500 Betrunkenen unter dem Motte "11. großer BrockHeinz of Music" - 60 Bands und Künstler spielen je drei Songs aus einem zugelosten Genre oder einer Epoche.

    Und wir hatten halt K wie Klassik.
     
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  14. x-Riff

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    Erstellt: 15.01.20   #14
    Und dann habt Ihr flugs ein K wie country draus gemacht?
     
  15. moniaqua

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    Erstellt: 15.01.20   #15
    Das sollte hier am Board ja das kleinere Problem sein...
     
  16. drowo

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    Erstellt: 15.01.20   #16
    Zum Aufnehmen ja, aber ich denke da momentan eher an meine Übungssituation.
     
  17. moniaqua

    moniaqua Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 16.01.20   #17
    Naja, wie halt immer - die andere Stimme mitsingen/mitdenken :nix: Evtl. zu einem Übetrack singen. Du hast ja bestimmt auch kein Orchester vor Ort.
     
  18. drowo

    drowo Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 16.01.20   #18
    ... aber ein Playback :)
     
  19. moniaqua

    moniaqua Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 16.01.20   #19
    Ja nu, dann lässt es Dir halt von einer Sopraneuse Deiner Wahl einsingen :) Wobei, so hoch ist es eh ned wenn wiki recht hat, das kriegt auch eine fähige Altistin hin.
     
  20. drowo

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    Erstellt: 19.01.20   #20
    Das Buch (L'italiano musicale) ist gestern angekommen. Zitat in der erste Lektion: Die italienische Opernsprache stammt überwiegend aus dem 17. und 18. Jahrhundert und klingt im Vergleich zum heutigen Italienisch antiquiert .... der freie Umgang mit Satzteilen ... Cor? Core? Cuore? Manchmal lassen Librettisten einfach Vokale weg.

    Somit kann man salopp sagen: Opernitalienisch ist zwar heute eine spezielle Fachsprache, wurzelt aber im altem Italienisch. Es beinhaltet viel dichterische Freiheit, insbesondere einen lockeren Umgang mit in der Satz-/Wortstellung und der Schreibweise.

    Somit treffen irgendwie alle drei Möglichkeiten aus dem meinem Eingangspost zu :)
     
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