Artikel: Lidl Qualitätsstandards

  • Ersteller Johannes Hofmann
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Ab Donnerstag auch bei uns auf der gruenen Insel zu haben. 7-Teile Set, Gitarre, Tasche, Kabel, Stimmgeraet, DVD, Buch und Plektrum.
Schlappe 79 €uronen.mimmerhin ist hier die Werbung ehrlich und sagt "basswood body". Wie wohl eine komplett Lindensperrholzgitarre mit dickem, schwarzem Kack, aeee Lack klingen mag?
 
Und ich kenne auch die Einkaufsverhandlungen der Lebensmitteldiscounter mit den IT-Herstellern ;) - und bin froh, dass ich da nix mit am Hut habe. :)

Dafür war/bin ich mitten drin. Das ist echt ein Krieg der seinesgleichen sucht :D


Aber generell: Natürlich könnte man sagen, der gute Einzelhandel hat eine gewisse Verantwortung und sollte richtig schlechte sachen nicht anbieten...
Man könnte. Aber die müssen auch leben, und wenn die Kunden eine billige Gitarre
wollen, dann kaufen die einige Billige Gitarre. Nur weil der Fachmann keine da hat,
werden die sich nicht davon abschrecken lassen. Mehr noch: Beim nächsten
mal werden die den Gang zum Fachhandel direkt meiden.
Dann doch lieber einen guten Verkäufer der einem gut erklären kann,
wieso die billige Gitarre auch wirklich billig ist :D Wenn die Leute sie dann noch kaufen,
ok :) Dann hat man die jedenfalls da und auch noch etwas Geld gemacht.
Ganz so leicht "die bösen verkäufer" ists ja nicht. Aber die "bösen Kunden" geht ja
genausowenig. Woher soll Oma denn wissen, dass ne Gitarre zu dem Preis nur scheisse
sein kann?! Die Beratung machts :great:
 
Mahlzeit,
also der Gewinn im Musikalienhandel hat nichts mit der HiFi-Branche zu tun. Im HiFi-Bereich kann man durchaus noch (für den Händler) gute Kalkulationen durchsetzen. Das ist im Musikalienhandel nicht soooo dolle. Die Praxis minderwertige Ware in den Osten zu schicken, ist leider Fakt: als ich bei dem damaligen Vertrieb für Steinberg gearbeitet habe und 1 Container mit Gitarren mit krummen (Graphit-) Hälsen ankam, wurden die eben nach Polen geschickt, in der Hoffnung, dass sich keiner beschwert. Hat sich keiner beschwert. Das war natürlich vor der Wende. Heute muss man wohl noch weiter weg schicken.
 
Tja die, die bei Lidl eine Gitarre mit "brilliant klingenden Stahlsaiten" kaufen ham halt wahrscheinlich nicht mehr Geld :gruebel:

Kurt Cobain hatte auch erst später eine Fender jagstang :D:D
 
Mittlerweile sollte doch wohl fast jeder wissen, dass es auch für so schmales Geld durchaus brauchbare Instrumente geben kann. Allerdings hat man es hier natürlich mit einer extrem hohen Qualitätsstreuung zu tun, ferner weiß man natürlich nicht, wie die Gitarre in einem Jahr aussieht. Nicht ordentlich durchgetrocknetes Holz verzieht sich halt u.U. ganz brutal.
Ist aber alles egal, für so wenig Geld muss man eben ein gewisses Risiko eingehen.
Was mir persönlich allerdings sehr viel mehr Kummer bereitet, sind die Arbeitsbedingungen, unter denen solche Instrumente gefertigt werden. Die Arbeiter in den Fabriken verdienen streckenweise vermutlich deutlich weniger als ein hiesiger Hartz IV Empfänger bekommt, stehen dafür aber vielleicht gar 60 Std. in der Lackierkabine oder so. Und obwohl die Lebenshaltungskosten in China, Vietnam, Taiwan oder sonstwo deutlich niedriger als hier sind, kann sich wohl kaum einer dieser Arbeiter einen annähernd hohen Lebensstandard wie unsereiner leisten, von irgendwelchen Sachen wie Arbeitsschutz und dgl. mal ganz zu schweigen. Biste krank ist der Job weg, so einfach geht das.
Allerdings muss man sagen, dass das bei den großen Firmen ja auch nicht wirklich deutlich anders läuft, die lassen ihre günstigeren Modelle auch samt und sämtlich in Fernost fertigen. Vielleicht werden da Dinge wie Arbeitsschutz gerinfügig größer geschrieben, aber im Endeffekt ist's der gleiche Scheiß in grün.

- Sascha
 
OT-Modus on:

Das mag man ja alles bedauern. Ist sicherlich auch richtig. Aber wenn es dann darum gehen sollte, für den gleichen Mist - allerdings unter hervorragenden Arbeitsbedingungen, mit sauber ausgehandelten Löhnen - plötzlich 1.000 € zu bezahlen, denke ich, relativiert sich das soziale Gewissen relativ schnell wieder.

Sei mir nicht böse, ich kenne auch Dein sonstiges Konsumverhalten nicht, aber glaubst Du nicht auch, dass es in der heutigen Welt - und auch bei unseren guten Einkommen - kaum möglich ist, einen "europäischen Lebensstandard" aufrecht zu erhalten, ohne dann und wann auch auf Kosumgüter der Dritten Welt oder aus sogenannten Schwellenländern zurückzugreifen?

Wie gesagt, das ist sicherlich nicht schön, aber muss ich mich deshalb jetzt einmal am Tag selbst kasteien? Oder reicht es, zur Erleichterung des schlechten Gewissens ab und an im Musiker-Board meine Bedenken auszudrücken?

OT-Modus off
 
Also die Meinung, dass billige Instrumente schonmal zum Anlocken/Anfixen reichen kann ich nicht teilen. Meine erste Klampfe war eine "Vision" Stratkopie. Krummer Hals, schlecht abgerichtete Bünde und grausame Tonabnehmer. Hat auch irgendwie um die 70 Euro gekostet, mit 15W Amp.

Und ich muss sagen, nachdem ich ein paar Monate rumgeklampft habe, hab ich schnell wieder enttäuscht aufgegeben.

Und dann hat es fast 5 Jahre gedauert, bis ich mir eine ordentliche Gitarre besorgt habe. Und seit dem geht es merkwürdigerweise mit dem Spielen. Klingt zwar immer noch grausam, aber jetzt merke ich, dass es an meinen Fähigkeiten liegt und nicht am Instrument. Hätte ich die fünf Jahre mit meiner Epi Paula oder geliebten Ivanov gespielt, wer weiß, wo ich jetzt schon wäre ;)
 
Mir ging es genauso. Meine erste E-Gitarre (mit 13 Jahren) war so ein billiger und miserabel bespielbarer Müll - aus einem Musikfachgeschäft! - dass mir nach drei Monaten die Motivation flöten ging. Ich fing erst mit 24 wieder an mit einer Ibanez GIO die dagegen wie ein Oberklasseinstrument wirkt. Die "The Animal" Stratkopie steht noch bei meiner Mom rum, und ich finde sie immer noch so grottenschlecht und schwer bespielbar, dass ich sie mir nicht einmal in die Wohnung stelle.

Darum finde ich, dass so ein Stück Brennholz durchaus die Motivation rauben kann - das mit dem "anfixen" mag durchaus klappen, falls man doch mal ein brauchbares Superschnäppchen in die Hand bekommt, oder eine überirdische Motivation hat. Wobei ich natürlich andererseits bei vielen Anfängern auch die Erfahrung gemacht habe, dass die meisten mit Guitar Hero wohl besser bedient wären, da sie einfach nicht das Interesse oder die Disziplin aufbringen sich ernsthaft damit zu beschäftigen.
 
emptypockets, ich bin keineswegs frei von Schuld, genau so wie vermutlich fast jeder Andere hier konsumiere ich Dinge, bei denen ich lieber nicht über den ethischen Hintergrund ihrer Erzeugung nachdenken möchte, ob das jetzt komischer Strom, fragwürdige Lebensmittel oder eben Musikinstrumente, an denen quasi Kinderhändeblut klebt, sind.
Ich finde aber dennoch, dass man sich dessen immer bewusst sein sollte. Und weil ich das meiner Meinung nach bin, treffe ich gelegentlich die ein oder andere für meinen Geldbeutel eher ungünstige Entscheidung, auch wenn mir das unterm Strich an sich keinerlei faktische Vorteile beschert. Passiert häufiger beim Lebensmittelkauf, ebenfalls mal bei Klamotten - und eben manchmal auch in punkto Instrumentarium.
Ich würde das gerne häufiger so handhaben, aber meine finanzielle Situation erlaubt es eben nur dann und wann. Jetzt könnte man natürlich anmerken, dass ich dann vielleicht lieber mal Verzicht üben sollte, anstatt billiges Gemüse oder Musikequipment zu erwerben - aber da bin ich eben schlicht und ergreifend Konsum-Sau. Finde ich auch nach wie vor nicht gut. Aber ich will mich eben nicht jeden Tag selbst kasteien, und dazu gehört leider auch, die Annehmlichkeiten unseres westlich-verwöhnten Lebensstils wahrzunehmen.
Mir persönlich ist es eben nur wichtig, mehr oder minder dauerhaft zumindest zu wissen, dass da nicht alles so ganz im Reinen ist. Und zumindest ab und an auch danach zu handeln, ob's jetzt den Erwerb einer heimischen Gitarre oder den gelegentlichen Verzicht auf Fleisch angeht - das ist an sich schon egal, ich möchte eben nur nicht das Bewusstsein dafür verlieren. Und dieser gelegentliche Verzicht ist auch keinesfalls als Beruhigung meines Gewissens gedacht, sondern tatsächlich als (wenn auch sehr sehr kleine) aktive Maßnahme. Mein Gewissen kann schon so lange nix mehr beruhigen, dass ich darüber glatt vollkommen gewissenlos geworden bin.

Und übrigens: Ich finde das keinesfalls OT.

Gruß
Sascha
 
Zuletzt bearbeitet:
ganz ehrlich: hab auch von der Oma (zum Spaß - Sie weiß schon, dass ich normalerweise in einer anderen Preisklasse meine Instrumente kaufe) eine Aldi (bei uns Hofer) Western bekommen.

tatata: die ist echt nicht schlecht! Auf jeden Fall besser als die Jasmine by Takamine Nachbau Gitarre um das 3-fache.

Also: Glück muss man haben :):p
 
Für eine alleinstehende Frau mit 3 Kindern , die von Harz4 lebt ist einfach auch nicht mehr drin. Wenn die 12 jährige Tochter nach einem halben Jahr kostenlosen Unterricht an der Schule nun auch endlich mal ihr eigenes Instrument für zu hause zum Üben haben will. Schön das der Lehrer dann noch darauf hinweist, dass unter einer Yamaha Konzertgitarre nichts geht, diese aber erst ab 100,- Euro anfangen. Da kann dann die Mutter nur noch sagen: "Neh, geht leider nicht" oder "Du bekommst jetzt nichts zu Weihnachten, aber dann zum Geburtstag dafür eine Gitarre", was dann ein halbes Jahr später wäre. Auch wenn sich das einige hier nicht vorstellen können. Es gibt durchaus eine Menge Leute, die sich als Geschenk gar nichts anderes Leisten können. Und es bleibt ja auch immer das Risiko, dass das Interesse dann doch noch plötzlich abnimmt. Dann ist so eine Investition ein schwerer Schlag.
 
Ich versteh den Sinnd des Threads nicht, wo ist das Bild? :gruebel::redface::mad:
 
Da kann dann die Mutter nur noch sagen: "Neh, geht leider nicht" oder "Du bekommst jetzt nichts zu Weihnachten, aber dann zum Geburtstag dafür eine Gitarre", was dann ein halbes Jahr später wäre. Auch wenn sich das einige hier nicht vorstellen können.

Ist bei mir gängige Praxis, dass das bei größeren Geschenken so läuft.
Wenn ich mir etwas wünsche, kann ich darauf auch warten.
 
I stimme Camelot zu.
Wir leben in einem Land in dem selbst ein Teil der Bundestagsbediensteten nicht von einem Vollzeitjob leben kann (nein; ich meine nicht die Politiker). Da ist es müßig sich über die Qualität zu unterhalten, wenn überhaupt eine Gitarre her soll. Und viele Leute kennen sich nun mal nicht aus, was Mindeststandards oder gute Bezugsquellen angeht. Häme ist da fehl am Platz ...
 
richtig. ich hab bspw. auf meine 3 Gretsch Gitarren mind. 15 Jahre gewartet und nu hab ich sie.
Gut, aber du hattest sicher in den 15 Jahren mindestens eine eigene Gitarre, um überhaupt spielen zu können. Darum ging es ja eigentlich dem Camelot.
 
Das Sache mit den Hartz4-Familien und dem Bildungsgutschein für kostenlosen Gitarrenunterricht macht die Sache komplex. :rolleyes:

Grundsätzlich ist das Angebot eines kostenlosen Musikunterrichts super, nur darf sich die Frage gestellt werden, ob das nicht nur dann gemacht wird, wenn es auch Leihinstrumente gibt.
Insgesamt beißt sich der Hund ja in den eigenen Schwanz wenn die Leute, die hier keine Arbeit haben, Waren kaufen, die hier bei uns auch keine oder kaum Arbeit generieren.

P.S.
Ich muss gerade auch an die Lehrer denken, die dann in den Genuss kommen, eine Klasse mit lauter Lidl-Gitarren-Schülern zu unterrichten. :D
Kennt Ihr den Gary Larsen Comic mit dem Komponisten, der in der Hölle ein Banjo-Ensemble unterrichten muss?
Das ist im Vergleich zur Lidl-Klasse ja fast noch himmlisch. :p
 
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