Herrichten einer Geige

von Pott, 07.02.10.

  1. Pott

    Pott Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 07.02.10   #1
    Hallo,

    heute habe ich auf dem dachboden die alte geige meines opas gefunden. um meinen opa in ehren zu halten und als andenken an ihn, würde ich gerne seine alte geige wieder herrichten lassen.
    leider ist sie in sehr schlechtem zustand und da ich so gar keine ahnung von diesem instrument habe, wollte ich erst mal nachfragen, ob es möglich ist, das instrument wieder in seinen ur-zustand zu versetzen und wenn ja, ob mir jemand schon mal sagen könnte, mit was für einem preis ich dabei zu rechnen habe :)
    keine ahnung was das für eine geige ist, oder ob sie irgendeinen wert hat, ist mir eigentlich auch egal, es geht mir hierbei nur um das andenken an meinen opa.
     

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  2. fiddle

    fiddle Thomann-Streicher-Service

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    Erstellt: 07.02.10   #2
    Hi Pott,

    also: es ist keine Stradivari :D. Diese Geige stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus Sachsen/Markneukirchen (böhmischer Musikwinkel). Dort wurden um 1900 herum solche Instrumente in großen Stückzahlen gebaut. Sie hat echte Randeinlagen und, so wie ich das auf den Bildern erkennen kann, einen ziemlich spröden Lack (Schellack).

    Sie ist nicht besonders wertvoll und wird vermutlich auch keinen allzu großen Ton ausspucken.

    Einen Riß konnte ich auf den Fotos nicht erkennen. Wenn da was sein sollte, dann kann dieses entscheiden, ob sich eine Instandsetzung überhaupt lohnt, denn da kommt schon was zusammen.

    Was wäre zu machen? Hm, also so ziemlich alles.
    1. neues Griffbrett (das was da drin liegt ist wahrscheinlich gebeiztes Birnbaum. Weg damit.)
    2. neuer Obersattel
    3. neuer Saitenhalter (wäre schöner, kostet auch ned so viel)
    4. neue Wirbel
    5. neuer Steg
    6. neuer Stimmstock
    7. eine Lackretusche gegen die Macken. Außerdem kommt beim Polieren dann noch etwas weicheres
    Harz da drauf/rein was dem spröden Schellack nur gut tut.
    8. neue Kinnstütze
    9. neue Schulterstütze
    10. den Bogen kann man wahrscheinlich auch vergessen

    Dann könnte man wieder drauf spielen. Ich kann dir nicht sagen, was das alles kostet ich schätze
    einfach mal ganz grob: 300,- Euro ohne Bogen. (gaaanz grob geschätzt, gell?)

    Ich würde mal bei nem Geigenbauer vorbeischauen. Der sagt dir mehr dazu und ob es sich rentiert.


    cheers, fiddle
     
  3. suamor

    suamor Helpful & Friendly User

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    Erstellt: 07.02.10   #3
    Also ich habe mir spontan die Frage gestellt, ob die Geige denn auch gespielt wird, wenn Du sie wieder herrichtest. Denn nur zum an die Wand hängen, dazu sieht sie auch im minimal repariertem Zustand nicht gut genug aus.
    Also wenn ich die Geige reparieren würde, dann auch nur mit dem Ziel, das darauf wieder gespielt wird. Hast Du eine Vorstellung, wie die Geige mal geklungen hat ? das kann die Frag schon beeinflussen, ob Du sie herrichten läßt.

    Ansonsten sehe ich an der starken Abnutzung, daß die von Fiddle aufgezählten Punkte wirklich notwendig sind. Dem Zustand der Geige nach zu urteilen ist wahrscheinlich ein neuer oder anderer Bogen sinnvoller als Neubehaarung und evtl. Reparatur, dazu müßte man ihn aber mal in der Hand gehabt haben.

    Gruß
     
  4. Pott

    Pott Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 09.02.10   #4
    dass eine stradi"u"arius keine 400 jahre alt ist, habe ich mir schon denken können, vor allem da sie mit sicherheit damals nicht "made in germany" waren :D

    danke für die kurzen infos, jetzt habe ich schon mal einen anhaltspunkt. dann werde ich mal bei zeiten schauen wo sich hier in der nähe ein geigen bauer auftreiben lässt.
     
  5. fiddle

    fiddle Thomann-Streicher-Service

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    Erstellt: 09.02.10   #5
    Also an der Jahreszahl 174..7? gibts nichts auszusetzen. Der hat damals gelebt.
    Das ist die "goldene" Epoche, in der er seine hochwertigsten Instrumente gefertigt hat.
    Nur: deine Geige ist nicht von ihm. Solche Zettel wurden häufig reingeklebt.
    Man muß das so verstehen: "in Anlehnung an Stradivari"
    Sollte es eine Kopie sein, dann hätten sich die Erbauer schon deutlich mehr Mühe
    machen müssen. :D


    cheers, fiddle
     
  6. echse

    echse Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.04.10   #6
    Hallo miteinander,
    ich habe diese Woche auch so ein Stück (gleiches Papier eingeklebt) sozusagen vererbt bekommen und werde damit auch demnächst zum Geigenbauer gehen. Sieht optisch intakt aus - ich habe keinen Riß o.ä. entdecken können. Trotzdem würde mich noch einiges im Vorfeld interessieren, da ich von Geigen keine Ahnung habe:

    Was verstehst du unter "keinen allzu großen Ton"? (Mich interessiert natürlich nur eine ganz allgemeine Aussage über diese "Serie") - oder wurde dieser Zettel in verschiedene Qualitäten reingeklebt? Ist daraus der Hersteller ableitbar oder war das eine ganz allgemeiner "Beipackzettel"?

    Was spricht gegen ein Birnbaumgriffbrett?

    Soweit mal meine ersten Fragen.
    LG Manuela

    PS: Noch kurz zu meiner Person: ich hatte so in der 5./6. Klasse 1,5 Jahre Geigenunterricht, davon ist vermutlich nicht mehr viel übrig. Aber ich würde gerne wieder mit dieser Geige anfangen. Meine momentan bevorzugte Musikrichtung ist Weltmusik (klezmer, balkan,...). Bin da mit dem Akkordeon schon fleißig am Spielen.
     
  7. fiddle

    fiddle Thomann-Streicher-Service

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    Erstellt: 12.04.10   #7
    Kein Riß ist schonmal gut. Da wird vermutlich noch einiges zu machen sein und das wird auch etwas kosten..
    Bei den Zetteln ist es in der Tat möglich, die Herkunft, die Qualitätsstufe und das Alter abzulesen. Aber dafür muß man ein echter Super-Experte sein. Das ist aber garnicht so entscheidend. Der Geigenbauer weiß schon, ob da ein Granaten-Ton oder nur ein dünnes Gezirpe rauskommt. Das fühlt man, wenn man sie in die Hand nimmt. :D

    Birnbaum ist weich. Der Druck der Finger auf die Saiten macht Kerben ins Holz. Ebenholz ist (hmm) dreimal so hart wie Birne und bekommt trotzdem Kerben mit der Zeit.


    cheers, fiddle
     
  8. echse

    echse Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.04.10   #8
    Danke für die schnelle Auskunft!

    Das es was kostet ist mir klar, auch ein Geigenbauer möchte leben...

    LG Manuela
     
  9. FreshJuli

    FreshJuli Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.04.10   #9
    hallo. ich hab heute auch eine geige im keller gefunden, bei der der steg und alle saiten fehlen sowie die saitenhalterungen auf der seite wo man sie quasi am kopf trägt kaputt sind.
    ich hab dann eine saite aufgezogen die dabei war (bei der kaputten halterung einfach nen knoten rumgemacht und hält auch soweit und dann hab ich noch aus nem stückk holz so einen steg gemacht.
    wenn ich jetzt zupfe bekomm ich auch töne raus. sobald ich allerdings versuche mit dem bogen zu spielen kommt kein ton raus. Liegt das eventuell an dem Bogen, weil schon viele von den Haaren ausgerissen sind und das ganze auch recht fettig wirkt...:confused:
    Nunja ich würde das Ding auch ganz gern wieder herrichten, bin zwar eigentlich eher am keyboard unterwegs und spiel auch noch gitarre, aber würde gerne mal was neues ausprobiern :rolleyes:

    Sie hat auch keine Risse.
    Ich werde mal Bilder reinstellen und würd ganz gerne eure Meinung hörn ob sich das lohnt das wieder herzurichten, weil ich hab noch nie ein streichinstrument ausprobiert und meine Eltern zahln mir sicher keinen Geigenunterricht mehr^^

    Liebe Grüße
    Juli
     
  10. fiddle

    fiddle Thomann-Streicher-Service

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    Erstellt: 20.04.10   #10
    Hi Juli,

    ich finde ja diesen unverkrampften Basteleifer (speziell von Gitarristen) generell sehr erfrischend. Das deine Steg "aus m Stück Holz" keine Dauerlösung ist, ist dir bestimmt auch klar. Ich will mal erwähnen, daß Geigen etwas filigraner gebaut sind, als E-Gitten. Eigentlich bringt das momentan nicht sonderlich viel. Wenn man auf ner Kartoffelkiste Saiten aufzieht und anzupft, kommt da auch n Ton raus.

    Gibts keinen Bekannten, der Geige spielt? Ich tät mal fragen, ob du sein Instrument mit ihm zusammen anspielen könntest. Dann kriegst du mal n ersten Eindruck.


    cheers, fiddle
     
  11. FreshJuli

    FreshJuli Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 20.04.10   #11
    ja klar, das mit dem stück holz werd ich sicher bald ändern, nurmal so zum ausprobieren ob ich nen Ton rausbekomm.
    Könntedas auch am Bogen liegen?
    Ich werd mal in der nächstn Zeit in ein Musikgeschäft gehn, da kann ich das sicherlich auch ausprobieren.
    Liebe Grüße
    Juli
     

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