Johnny Winter ist gestorben

  • Ersteller Rude Mood
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Ihr habt hier vielfach sehr kritisch über Konzerte der letzten Jahre geschrieben. Ich kenne da überhaupt keine Einzelheiten. War das wirklich so, dass er quasi "gezwungen" wurde aufzutreten obwohl er körperlich nicht mehr dazu in der Lage war oder wie muss ich mir das vorstellen?
Den Eindruck konnte man gewinnen, obwohl wir über die Hintergründe nichts wissen.
Vor einer Woche in Wiesen war er etwas besser beieinand', wirkte aber trotzdem irgendwie "abwesend".
Bin wirklich froh dass ich ihn nochmals live erleben durfte, auch unter diesen Umständen .....
 
Wieder einer der ganz Großen in den ewigen Jagdgründen :-(

Schade nur, dass man ihn im hohen Alter so derartig menschenunwürdig auf den Bühnen vorgeführt hat.

***, auch wenn ich die Auftritte in den letzten Jahren eher peinlich empfand, nicht für ihn, aber für die Leute, die ihn immer wieder auf die Bühne gezerrt haben. ***

ja, Ich habe ihn vor Jahren mal in Köln erlebt. Er wurde regelrecht auf die Bühne getragen und seine Darbietung und Musikalität hatte nichts mehr von meinem Idol. Ich habe lange gebraucht um darüber hinweg zu kommmen. ***

***
Ich weiß um die Diskussionen in den letzten Jahren über seinen schlechten körperlichen Zustand und dass er so eigentl. nicht mehr auf die Bühne gehörte ...
das unschöne Schicksal eines alten Musikers, den das Managament (und die Geldnot?) auf die Bühnen der Welt schob, um Geld zu verdienen, schade - aber kein Einzelschicksal.***

*** Der wurde aus dem gekühlten Tourbus geholt, auf die Bühne gestellt (hinlaufen konnte er kaum noch) und musste dann spielen. Anschließend wieder ab in den Bus.***

ich habe J.W. einige Male gesehen, zuletzt vor Jahren in Köln, als er -mit erheblicher Verspätung- auf die Bühne gezwungen wurde und mehrfach versuchte, wieder von der Bühne zu flüchten und sich letztlich der physischen Übermacht seines (sehr jungen) Bassisten und Drummers ergab.

Menschenunwürdig! - genau das habe ich dabei empfunden.

J.W. war nur noch ein Schatten seiner selbst, sein "Auftritt" war im Grunde eine erzwungene Selbstdemontage seines -zu Recht- guten Rufes als excellente Bluesrock-Ikone.

Diesen alten, schwer kranken Mann so auf der Bühne leiden zu sehen, empfand ich als tragisch, höchst bemitleidenswert und unanständig!

Deshalb habe ich auch nach der 4. oder 5. Nummer sehr nachdenklich das "Konzert" verlassen und ernsthaft darüber nachgedacht den Konzertveranstalter wegen Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung anzuzeigen.

Nun ist Johnny endlich von seinen Leiden erlöst, was ich ihm mehr als gönne.

R.I.P.
RJJC
 
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Oje, oje, so etwas ähnliches habe ich mit dem Jazzmusiker Dizzy Gillespie erlebt.
Der schien zwar auf den ersten Blick nicht krank, hat aber kaum noch die Trompete angesetzt, um sein dicken Froschbacken zu zeigen.
Eigentlich stand er nur dabei und hat so getan, als würde er dirigieren.
Das Konzert war EXTREM kurz und hintetrher hieß es, das würde mit Rücksicht aus Dizzys Alter gemacht.
Dabei stand er eh nur dabei ... :rolleyes:

So etwas ist verantwortungslos gegenüber Künstler und Publikum.
 
Deshalb habe ich auch nach der 4. oder 5. Nummer sehr nachdenklich das "Konzert" verlassen und ernsthaft darüber nachgedacht den Konzertveranstalter wegen Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung anzuzeigen.

Nun ist Johnny endlich von seinen Leiden erlöst, was ich ihm mehr als gönne.

R.I.P.
RJJC

Ja, das wird dasselbe Konzert gewesen sein, bei dem ich auch war. Auch ich habe das Konzert verfrüht verlassen.
 
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R.I.P. bro :(
 
Viele haben versucht, JW's Geschwindigkeit und Virtuosität nachzuempfinden, egal ob ein Jeff Beck, SRV, Joe Bonnamassa u.v.a. - geschafft hat's keiner.

Hoffe, sie drücken ihm keine Harfe in die Hand, RIP Johnny, be seeing you...
 
Hallo,

...auch wenn es nicht meine absolut bevorzugte Musikrichtung ist - ich habe ihn immer gerne gehört, weil er so authentisch und immer "unverbogen" und geradlinig 'rüberkam. Das war halt einfach echt... ein großer, großer Könner seines Fachs hat die Gitarre hier unten nun endgültig aus der Hand gelegt. Danke für die viele wunderschöne Musik - möge er nun nach einem Leben voller Höhen, aber auch voller Tiefen, seinen Frieden finden!

Viele Grüße
Klaus
 
Ich selbst habe schon so viel über geschrieben, dass ich mich wiederholen würde, um seinen Einfluss auf mich und meine musikalischen Vorlieben zu beschreiben.

Deshalb nur soviel: für mich ist kein weißer Musiker auch nur annähernd so tief in den Blues eingetaucht wie er. Leider waren seine letzten Jahre nicht seine besten, weil er den Fehler wie viele andere auch gemacht hat: nicht aufhören zu können oder zu woillen. Und leider ist auch mein sehnlichster Wunsch an ihn nicht mehr in Erfüllung gegangen: ein rein akustisches Album.
 
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Leider waren seine letzten Jahre nicht seine besten, weil er den Fehler wie viele andere auch gemacht hat: nicht aufhören zu können oder zu woillen.
Bei J.W. waren es leider eher wirtschaftliche Zwänge die ihn Verträge unterschreiben ließen die er auf Grund seines gesundheitlichen Zustandes kaum noch einhalten konnte. Ein Umstand der auf viele Musiker zutrifft die in die Jahre kommen und deren Musik -bad luck- gerade die letzten 2 Jahrzehnte nicht so ganz in Mode war. Übrigens, J.W. ist gerade mal 13 Monate früher geboren als Clapton und den wollen wir doch noch nicht aufs Altenteil schicken, oder?
 
Ihr habt hier vielfach sehr kritisch über Konzerte der letzten Jahre geschrieben. Ich kenne da überhaupt keine Einzelheiten. War das wirklich so, dass er quasi "gezwungen" wurde aufzutreten obwohl er körperlich nicht mehr dazu in der Lage war oder wie muss ich mir das vorstellen?

Ich kenne da überhaupt keine Hintergründe und weiß am Ende auch nicht, ob er spielen wollte oder nicht. So wie ich es geschildert habe, stellte es sich aber uns Außenstehenden dar. Das machte schon einen merkwürdigen Eindruck, wobei ich auch nur den Eindruck eines einzigen Konzertes schildern kann.
 
Übrigens, J.W. ist gerade mal 13 Monate früher geboren als Clapton und den wollen wir doch noch nicht aufs Altenteil schicken, oder?

Ich tue mich schwer damit, Eric Clapton und Johnny Winter in einem Atemzug zu nennen, weil sie einfach trotz ähnlichen Alters viel zu weit voneinander entfernt sind.
 
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Übrigens, hier hat jemand den Auftritt hier in Wiesen, 4 Tage vor seinem Ableben, ausschnittsweise mitgefilmt:




 
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Im ersten Wiesen Video spielt er diese hier:

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R.I.P. und vielen Dank für die Inspiration, die du uns gegeben hast.

Gruß
Martin
 
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Übrigens, hier hat jemand den Auftritt hier in Wiesen, 4 Tage vor seinem Ableben, ausschnittsweise mitgefilmt:

Oh!

Ich verstehe langsam, was ihr meint. Ich werde mal versuchen, mir einzureden dass er das alles selbst so wollte und gut fand. Ich weiß allerdings nicht, ob ich das schaffe.
 
Johnny Winter war alt und krank, einiges ist wohl schiefgelaufen. Er bleibt für mich weiterhin einer der Gitarristen schlechthin. Das was ihm im Alter widerfahren ist, gibt mir zu denken in Bezug auf meine eigene Zukunft. Dafür bin ich Johnny Winter noch mal so dankbar, denn das Leben ist unberechenbar, auch für mich.
Johnny Winter, ich werde dich immer in Ehren halten:hail:
 
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:great:

Eines der ersten Dinge, die mir mein Sohn erzählte, als ich aus dem Urlaub zurückkam, waren die beiden Todesnachrichten von Marky Ramone und Johnny Winter. Es ist schon erstaunlich "wie nah" einem Menschen sein können, die man überhaupt nicht persönlich kennt. Aber speziell mit diesen beiden verbinde ich eine Menge und Johnny Winter war auch für mich einer der Gitarristen, die mich am meisten beeinflusst haben.

Johnny Winter war alt und krank, einiges ist wohl schiefgelaufen.
Schief gelaufen ist überhaupt kein Ausdruck. Das fing schon mit Woodstock an. Auch sein Auftritt wurde gefilmt, erschien aber wegen Streitereien mit dem Management nicht im Film und auch nicht auf dem Doppelalbum.
Er bleibt für mich weiterhin einer der Gitarristen schlechthin. Das was ihm im Alter widerfahren ist, gibt mir zu denken in Bezug auf meine eigene Zukunft. Dafür bin ich Johnny Winter noch mal so dankbar, denn das Leben ist unberechenbar, auch für mich.
Jetzt sei mal nicht so pessimistisch. Es gibt auch genug Beispiele von Gitarristen, die auch noch im hohen Alter über die Bühne fegen. Sieh Dir mal Pete Townshend an :) Also, wenn ich mit über 70 noch so eine Energie haben sollte, wäre ich dankbar.
Nichtsdestotrotz hätte auch ich mir für Winter einen anderen Lebenslauf gewünscht.

Mit Jonny Winter und seinem "Jumpin Jack Flash" verbinde ich...
Vielleicht sogar eines der besten Stonescover überhaupt.

Ich habe Johnny durch die DVD vom Rockpalastauftritt von 1979 kennengelernt...
Diesen Auftritt habe ich damals live gesehen und war hin und weg. Das war überhaupt eine "scharfe" Rocknacht. Aber Winter war unglaublich.
Diesen Abe Lincoln-Look fand ich schon immer so dermaßen cool. Und dann diese krasse weiße Firebird. :eek: Johnny war einfach ein sensationeller Musiker mit hohem Wiedererkennungswert (optisch, wie auch musikalisch).
Vorallendingen mit einem relativ effektarmen Sound. Der war auch nicht sonderlich stark verzerrt. Ab und zu ein Phaser/Flanger dazu und feddich war die Laube. Den Rest mit seiner Daumenpicktechnik.

Ich tue mich schwer damit, Eric Clapton und Johnny Winter in einem Atemzug zu nennen, weil sie einfach trotz ähnlichen Alters viel zu weit voneinander entfernt sind.
Clapton ist sicherlich ein guter Gitarrist. Aber auch ich würde die beiden nicht in einem Atemzug nennen. Ist auch müßig, weil man eh Gitarristen schwer vergleichen kann. Und wir wollen uns ja wohl nicht hier (und schon gar nicht in diesem Thread) auf die Ebene vom Rolling Stone herablassen ;)

Es ist sehr traurig, dass Johnny Winter jetzt von uns gegangen ist, aber er hat uns wundervolle Alben und Gigs hinterlassen und er wird in vielen anderen Gitarristen weiterleben.

R.I.P. Johnny

Johnny B. Goode...
 
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Dass Johnny Winter gegen seinen Willen auf den Bühnen der Welt herumgeschickt wurde, kann man getrost für abwegig halten. Spielen war sein Leben war - ein anderes hatte und wollte er nicht. Schließlich war er ja auch im Kopf lange nicht so hinfällig wie körperlich. Dass er immer mal wieder trotzdem keine Lust hatte, ist auch in seinen jungen Jahren schon vorgekommen. Oder mal 2 Stunden zu spät angefangen, "weil er sein freundliches Wesen offenbar in Alkohol gebadet" hatte (Zitat Hamburger Morgenpost 1971).

"That's playin' the blues,"; he said. "I plan on doing that til the day I die.";

(Zitat aus einem Nachruf von ctnews.com: http://blog.ctnews.com/culturecache...ng-bluesman-and-easton-resident-johnny-winter)


Sein allerletzter Gig war nicht in Wiesen/A, wie das oben verlinkte Video behauptet, sondern 2 Tage später, am 14.7. auf dem Cahors Blues Festival in Frankreich: http://www.cahorsbluesfestival.com
 
Wie es um ihn stand, zeigt dieses Video, das aus diesem Jahr stammt, vielleicht am besten (es gibt auch eine längere Version):



und der Vergleich von obigem Video mit dieser früheren Version von Jumpin' Jack Flash lässt ahnen, was wir verloren haben.

 
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