Akkordeonisten-Vorstellungsthread

Martin WPunkt
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Nachdem die Zahl der hier postenden Akkordeonisten schwindelerregende Höhen erreicht (>5 :D), möchte ich die Gelegenheit nutzen, einen dezidierten Akkordeon-Spieler Thread einzurichten.

In diesem Thread soll es weniger um die Hardware gehen, sondern um die Menschen dahinter. Also etwa so: Seit wann spielt ihr Akkordeon? Was spielt ihr? Wie oft? Wo spielt ihr? Welche Erfahrungen habt ihr bezüglich der einschlägigen Klischees über Akkordeonmusik gemacht? Welche Probleme habt ihr beim Spielen? etc....

Ich stelle mir das in etwa so vor, dass jeder Akkordeonist hier etwas über sich und sein Instrument erzählt und dass man sich so bezüglich Erfahrungen und Anschauungen austauschen kann.

Ich mache mal den Anfang:

Ich spiele nun seit fast zwei Jahrzehnten Akkordeon. Seit etwa zehn Jahren bin ich stolzer Besitzer einer Hohner Morino 454 CS, die ich leider z.Zt. viel zu wenig bespiele. Ich habe früher viel Orchester gespielt im örtlichen Verein, inklusive Wertungsspiele und als Höhepunkt zwei Mal beim Int. Akkordeonfestival Innsbruck teilgenommen.

Im Orchester habe ich fast ausschließlich Bass gespielt, was es mir ermöglicht hat, eine Saison lang im Landesjugendorchester Baden-Württemberg mitzuspielen. In diesem knappen Jahr hat sich meine Akkordeon-Anschauung radikal geändert, wir haben damals z.T sehr heftige zeitgenössischen Sachen gespielt. Mit einem sehr fitten Dirigenten und sehr fähigen Mitspielern war das eine wirklich unvergessliche Sache.


Nachtrag von maxito
Hier ein Link, auf dem man die User auf der Landkarte eingetragen findet (blaue Markierungen):

http://maps.google.de/maps/ms?msid=...ll=50.569283,11.206055&spn=11.536624,28.54248

die Landkarte wurde freundlicherweise von User Leonhard erstellt und von ihm auch gepflegt.

Wer ebenfalls ein Punkt auf der landkarte werden möchte, kann sich hier eintragen, dann wird er nach kurzer Zeit eingetragen:

https://www.musiker-board.de/akkord...-du-noch-oder-landkarte-akkordeonspieler.html
 
Eigenschaft
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Hallo!
Ich habe ein Musikgeschäft und führe in erster Linie traditionelle Instrumente (Steirische Harmonikas, Akkordeons, Hackbretter, Gitarren usw.)und Noten. Ich werde seit 15 Jahren von meinen Kunden viel gefragt und hoffe, zu einigen Themen von Euch Auskunft zu bekommen.
Aber wer spielt hier "Steirische"? :rolleyes:

Gruß
Xave1
(Musik-Stadl)
 
Hi,

ich bin Steffi aus Oranienbaum.
Ich bin auf der Suche nach Gleichgesinnten.
Ich spiele seit 15 Jahren Akkordeon und
nur im Orchester zu spielen wird langsam langweilig.
Also mal sehen, was ich hier für Tipps und Tricks erhalte
und vielleicht auch weitergeben kann.
 
Tach auch,

wollte mich auch mal vorstellen. Komme aus Stuttgart. Hab 5 Jahre Akkordeon gespielt und nach ein paar Jahren Pause wieder vor kurzem wieder angefangen. Über's Akkordeon gibts hier zwar nich so viel, aber bei den "Keys" hab ich schon echt interessante Sachen gelesen. Das Forum hier, ist echt gut.

Also bis denne
 
wollte mich nur mal eben ganz kurz vorstellen. habe mich heute registrieren lassen. ich spiele seit jahren akkordeon und gitarre.
so soll es erst mal reichen
winke, winke
 
Ich habe im zarten Alter von 8 Jahren begonnen und viele Jahre "Dorfakkordeon" gespielt, also Orchester, "klischeebehaftete Akkordeonmusik" einschließlich Innsbruck etc.. Durch Desinteresse bin auf ein anderes Instrument umgestiegen und nach langer Verletzung habe ich auch aus Interesse und weil es das einzige Instrument war, dass ich wenigstens anfangs bedingt spielen konnte, wieder angefangen.
Dabei war meine Intention, nachdem ich einige Aufnahmen am Akkordeon gehört habe, zu versuchen den Weg in die klassische Literatur zu finden. Nach einer Fortbildungswoche in der Musikakademie Remscheid bin ich schließlich auf Knopfakkordeon umgestiegen.
Spiele momentan eine Pigini Master 58B C-Griff Convertor und versuche durch viel üben dazuzulernen.

Ich denke das das Akkordeon vor allem in Deutschland extrem durch das "Volksmusik"-Klischee extrem heruntergewertet wird. Mittlerweile freue ich mich wieder diesen Weg gegangen zu sein, da es einem Spieler vielfältigste Möglichkeiten, auch an der Literaturauswahl, bietet.
Mein momentanes Ziel ist es "einfach", bedingt durch den Umstieg, ein Gefühl für das Instrument und die Musik zu bekommen und mich in das zweistimmige hineinzudenken, was doch schon nicht nur manchmal sehr frustriert.

Probleme habe ich vor allem zeitweise mit dem Rücken und der Leiste gehabt. Auf Grund dessen habe ich mich für dieses relativ leichte Instrument von Pigini entschieden.
So ich hoffe das ich einen kleinen Einblick geben konnte und freue mich auf Viele weitere Antworten.
 
ZAUBERBAER schrieb:
Ich denke das das Akkordeon vor allem in Deutschland extrem durch das "Volksmusik"-Klischee extrem heruntergewertet wird. Mittlerweile freue ich mich wieder diesen Weg gegangen zu sein, da es einem Spieler vielfältigste Möglichkeiten, auch an der Literaturauswahl, bietet.

Das kann ich voll bestätigen. Und es ist eigentlich noch schlimmer. Wo andere Instrumentalisten sich zwangfrei über Details ihrer Instumente oder Spieltechniken austauschen können, gibts bei den Akkordeonisten noch diese unsäglichen orthodoxen Hardliner, die alles verteufeln und ablehnen, was über Adolf Götz und Tschingderassabumm hinausgeht. Echtes Dorf-Niveau eben....:mad:

Auch in unserem Verein war das anfangs so. Dann kam ein neuer Dirigent und alles wurde anders. Wir spielten plötzlich Klassik-Bearbeitungen, neuere Originalmusik ala Stefan Hippe und mein Horizont begann sich zu weiten. Und wenn ich heute in Stuttgart in meinen Stamm-Plattenladen gehe, freue ich mich jedesmal, wenn ich wieder eine neue Anzelotti-Platte entdecke....:great:

Aber ein echtes Dilemma ist dieser ständige Rechtfertigungsdruck, insbesondere gegenüber auch vorgeblich gestandenen Musikerkollegen, die z.T. dermaßen in Klischees gefangen sind, dass jegliche Bemühungen vergeblich sind....
 
Martin WPunkt schrieb:
... die alles verteufeln und ablehnen, was über Adolf Götz und Tschingderassabumm hinausgeht ...
wer Götz und Jacobi (die beiden Neuerer der 70iger) spielt/gespielt hat, hat ja wengistens schon mal einen Schritt getan! Wobei ich (auch über viele ältere Stücke von) Würthner nix kommen lasse, der ja noch eher im "konventionellen" Bereich gewirkt hat.

Es gab einen deutschen Akkordeonisten namens Klaus Bruder (leider viel zu früh mit 38 an Krebs gestorben), nicht in Trossingen ausgebildet, er hat unheimlich viel fürs Image vom Akkordeon getan - neu erfunden hat er's nicht, aber gute neue Definitionen entwickelt. Ich hab hier Aufnahmen von ihm mit experimenteller Musik, u.a. wie es klingen kann, wenn sich das Akkordeon Jimi Hendricks annähert..., genauso hat er authentisch Musette und Jazz gespielt, hat Cszardas und Zigeunermusik gemacht und sich in den letzten Lebensjahren den fortschrittlichen Menschen in Trossingen angenähert. Seine Frau wohnt in Schallstadt bei Freiburg, vielleicht hat sie noch Restbestände an CDs/LPs zu verkaufen...?!

Mein momentaner Favorit ist ziemlich konkurrenzlos Richard Galliano, der auch in einer gewaltigen Bandbreite aktiv ist, von der Begleitung von Chet Baker, natürlich den Musette, dem er viel neues Leben gegeben hat, über Astor Piazolla bis hin zu experimenteller Musik von Solo bis Großformation...

Ich habe beide, Bruder + Galliano, vielfach live gehört, beiden haben ähnliche Spielanlagen, beide sind total kompromißlos - ...beide beweisen, daß das Akkoredon eines der vielfältigsten Instrumente überhaupt ist.
 
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Lite-MB schrieb:
wer Götz und Jacobi (die beiden Neuerer der 70iger) spielt/gespielt hat, hat ja wengistens schon mal einen Schritt getan! Wobei ich (auch über viele ältere Stücke von) Würthner nix kommen lasse, der ja noch eher im "konventionellen" Bereich gewirkt hat.

Bin selbst kein besonderer Götz-Freund, aber was Wolfgang Jacobi angeht, gebe ich dir völlig recht. Habe im ALJO BW damals seine "Fanfaren-Suite" gespielt: rhythmisch und von den Klangfarben her vom Feinsten, bedarf aber natürlich eines sehr guten Ensembles. Eine ganz andere Baustelle ist Fritz Pilsls "Cathedral": sehr konservative Anlage, aber orgelartige Registrierung und eine Dynamik von pp bis fff. Oder Paul Kühmstedts "Drei Impressionen": ursprünglich wohl für Blasensemble geschrieben, bringt ein gutes Akkordeon-Orchester einfach mehr Details und Dynamik rüber.

Ich bin wirklich froh, dass ich damals die Gelegenheit bekommen habe, einen Einblick in die "gehobenere" Literatur zu bekommen.

Es gab einen deutschen Akkordeonisten namens Klaus Bruder....

Bruder sagt mir was vom Namen her, gehört habe ich ihn nicht. Dafür aber den Österreicher Klaus Paier (oder Payer) vor einigen Jahren mit seinem Jazz-Trio (acc statt p). Einfach unglaublich, wie vielseitig ein Akkordeon ein Klavier ersetzen kann. Mehr noch: ein acc "singt" einfach, da brauchts kein Mitsummen mehr ala Jarrett: die ganze Musik beginnt zu "atmen". :great:

Mein momentaner Favorit ist ziemlich konkurrenzlos Richard Galliano

Mit Galliano bin ich noch nicht so recht warm geworden. Kommt vielleicht noch. Klingt mir irgendwie ZU sehr nach Musette und Tremolo. Dafür bin ich leidenschaftlicher Anhänger von Theodoro Anzelotti. Corelli, Satie oder Janacek(!) auf dem Akkordeon, von einem Meister seines Faches (Prof. in Freiburg?). Richtig, richtig gute Musik, insbesondere die Janacek-Platte. :great:

beide beweisen, daß das Akkoredon eines der vielfältigsten Instrumente überhaupt ist.

So isses! Wenn das mal die Gitaristen hier im Board mitbekommen....;) :D
 
Martin WPunkt schrieb:
... Bin selbst kein besonderer Götz-Freund ...
ich auch nicht! aber es war einfach ein frischer Wind in der Szene - ich kann mich noch sehr gut daran erinnern (könnte so um 1972-73 gewesen sein) als die Suite "Time for School" von Götz rauskam und sich die ersten "Senioren-Orchester" dran probiert haben, 5-6 Jahre später hat das fast jedes Jugendorchester gespielt, was war das für ein Aufstöhnen, diese Harmonik und dann noch ein Satz im 5/4-Takt...

meine Akkodeonerfahrungen der letzten 1-2 Jahre geht in eine ganz andere Richtung - in eine sehr interessante und sehr intensive...
Ich lebe hier in der Nähe einer Russen-Enklave, das komplette Akkordeongeschehen ist fest in russischer Hand, die Dirigenten sind Russen bzw. Russinnen, die Ausbilder sind Russen, die Top-Spieler in den Orchestern sind Russen, die Literatur ist russisch...
Durch Zufall bin ich mit einer der "Macherinnen" ins Gespräch gekommen und erhalte regelmäßigst Einladungen zu Konzerten, auch welchen, die eher privaten Charakter haben und ich bin tiefst beeindruckt, was hier bzw. richtiger in Russland in der Akkordeonszene abgeht, die haben viel konsequenter und folgerichtiger weiterentwickelt was hier in den 70iger Jahren angefangen wurde, haben die ganzen Entwicklungen, die sonstwo in der Avantgarde liefen mit integiert - es ist sehr hörenswert und so ganz anders, als vieles was man sonst so hören kann!
Leider kann ich jetzt nicht Namen nennen, da ich weder russisch verstehe noch lesen kann, die Konzerte sind musikalische Leckerbissen, die Solisten, die aus Russland regelmäßig hier gastieren sind vom allerfeinsten, technisch und musikalisch! Leider fast eine "geschlossene" Gesellschaft, da die Russen nicht sehr integrationswillig sind und auch sonst in der Bevölkerung nicht sonderlich beliebt... - schade drum!
 
Lite-MB schrieb:
ich auch nicht! aber es war einfach ein frischer Wind in der Szene - ich kann mich noch sehr gut daran erinnern (könnte so um 1972-73 gewesen sein) als die Suite "Time for School" von Götz rauskam und sich die ersten "Senioren-Orchester" dran probiert haben, 5-6 Jahre später hat das fast jedes Jugendorchester gespielt, was war das für ein Aufstöhnen, diese Harmonik und dann noch ein Satz im 5/4-Takt...

Das war dann doch deutlich vor meiner Zeit. Ich habe bei diversen Wertungsspielen Ende der 80er bis Mitte der 90er derart oft "Time For School" gehört, dass es mir aus beiden Ohren gleichzeitig rauslief. Echter Mainstream eben, tausendmal gespielt und dadurch auch irgendwie entwertet.

meine Akkodeonerfahrungen der letzten 1-2 Jahre geht in eine ganz andere Richtung - in eine sehr interessante und sehr intensive...
Ich lebe hier in der Nähe einer Russen-Enklave, das komplette Akkordeongeschehen ist fest in russischer Hand, die Dirigenten sind Russen bzw. Russinnen, die Ausbilder sind Russen, die Top-Spieler in den Orchestern sind Russen, die Literatur ist russisch...

Kann ich voll bestätigen. Die Russen habens fast ausnahmslos wirklich übel gut drauf. Egal, ob als Solist, Dirigent oder Ensemble. Die arrangieren auch kurz mal "Caravan" für sechsstimmiges acc-Ensemble. Und spielen das, als wenns kein Morgen gibt. Vorallem technisch phänomenal. Musikalisch sind sie mir oft eine Spur zu brutal und heftig, mit Ausdruck im mp scheinen sies irgendwie nicht so zu haben.

Leider fast eine "geschlossene" Gesellschaft, da die Russen nicht sehr integrationswillig sind und auch sonst in der Bevölkerung nicht sonderlich beliebt... - schade drum!

Das ist ein echtes Problem. Sie sind oftmals sehr gebildet, sehr zuvorkommend und sehr gesprächig. Aber es gibt bei ihnen m.E. eine unsichtbare Grenze, die man nicht berühren darf, geschweige denn übertreten. Da gehen dann die Rolläden runter und man kommt nicht mehr an sie ran. Selber schon erlebt. Reichlich seltsam....
 
Martin WPunkt schrieb:
... Ich habe bei diversen Wertungsspielen Ende der 80er bis Mitte der 90er derart oft "Time For School" gehört, dass es mir aus beiden Ohren gleichzeitig rauslief. Echter Mainstream eben, tausendmal gespielt und dadurch auch irgendwie entwertet ...
...noch viel schlimmer, Adolf Götz saß ja in dieser Zeit fast in jeder Jury bei Wertungsspielen - wahrscheinlich hat er sich so ein Zweiteinkommen gesichert?! Und ich denke mal, daß seine Werke durchaus auch aus Opportunismus gespielt wurden, um sich von ihm eine gute Wertung zu sichern...
Martin WPunkt schrieb:
... Musikalisch sind sie mir oft eine Spur zu brutal und heftig, mit Ausdruck im mp scheinen sies irgendwie nicht so zu haben ...
ich kann es nicht belegen, aber ich hatte schon öfters den Eindruck, daß das eher am Instrument liegt, die russischen Akkordeons klingen echt schei...benkleister, wenn da nicht genügend Luft kommt... - eventuell sind die Zungen nicht von entsprechender Qualität (Material und/oder Verarbeitung), daß die auch schon mit wenig Luft zu einen schönen homogenen Ton angeregt werden. Um dieses zu kaschieren, nimmt man das ganze halt etwas heftiger...
Martin WPunkt schrieb:
... Das ist ein echtes Problem. Sie sind oftmals sehr gebildet, sehr zuvorkommend und sehr gesprächig. Aber es gibt bei ihnen m.E. eine unsichtbare Grenze, die man nicht berühren darf, geschweige denn übertreten. Da gehen dann die Rolläden runter und man kommt nicht mehr an sie ran. Selber schon erlebt. Reichlich seltsam ...
Eine gute Beschreibung der Situation, ich gehe 7-8x pro Jahr zu diesen Konzerten, werde auch immer wieder (persönlich, telefonisch) eingeladen, die freuen sich auch wirklich, wenn ich komme - aber sehr viel weiter lassen sie keinen Kontakt zu...???!
 
Lite-MB schrieb:
ich kann es nicht belegen, aber ich hatte schon öfters den Eindruck, daß das eher am Instrument liegt, die russischen Akkordeons klingen echt schei...benkleister, wenn da nicht genügend Luft kommt... - eventuell sind die Zungen nicht von entsprechender Qualität (Material und/oder Verarbeitung), daß die auch schon mit wenig Luft zu einen schönen homogenen Ton angeregt werden. Um dieses zu kaschieren, nimmt man das ganze halt etwas heftiger...

Das könnte durchaus sein. Da fällt mir eine Geschichte ein....

Mein damaliger Verein hatte so um 1989/1990 einen damals noch "sowjetischen Akkordeon-Virtuosen" frisch aus Sibirien zum Konzert eingeladen. Ich glaube, die Stadt, in der er studiert hatte, hieß "Electrostahl" (so stands wenigstens im Begleitheft). In jedem Fall kam er aus dem tiefsten und finstersten Winkel der sich soeben selbst zerlegenden UdSSR.

Unser Erstes Orchester sollte ihn bei zwei kleineren Stücke begleiten, der Rest des Abends gehörte ihm allein. Den ersten Anblick dieses "Virtuosen" werden ich nie vergessen. Eher kleinwüchsig, stark untersetzt, trotzdem sehr schlank, etwas wirrer Blick, ebenso wirres, duch eine großflächige Glatze an die Ränder gedrängtes, pechschwarzes Haupthaar. Sein Anzug war zwei Nummern zu groß, so dass man die Hände kaum sah. Seine Hose war eher zu kurz, so dass aufgrund der sehr kurzen schwarzen Söckchen auch im Stehen die irgendwie sehr "sowjetischen" und stark behaarten Wadenansätze gut zu erkennen waren.

Viel "interessanter" war jedoch sein "Akkordeon", eine sichtbar hervorragende Leistung der Werktätigen in der UdSSR. Ein riesiges, mit zahlreichen Kinnregistern bepflanztes Ungetüm, dessen Gehäuse derart abgegriffen war, dass vor dem Konzert die vom Publikum einsehbaren Stellen mit schwarzem Edding "ausgebessert" wurden. Dann das Konzert. Insbesondere in den leisen Passagen war die gesamte Mechanik gut herauszuhören: die Kinnregister schnalzten, die Diskant-Knöpfe knackten besorgniserregend, die Bässe klapperten um die Wette, während der Balg sich unter Ächzen und Stöhnen hörbar widerwillig den Anweisungen des "Virtuosen" unterwarf.

Das unglaublichste war aber zweifellos die Musik, die dieser unscheinbare, sehr schlecht gekleidete, kaum des Deutschen mächtige und sehr, sehr schüchterne Mann mit seinem mechanisch besorgniserregenden und optisch unmöglichen Instrument zelebrierte. Dieses Konzert habe ich nie vergessen. Dieser Typ spielte die abartigsten polyphonen Koloraturen und Läufe mit einer derartigen Verve und technischen Brillianz, wie es nicht in Worte zu fassen ist. In der Mitte des Konzerts hatte er dann endgültig vergessen, dass ihm etwa 200 Leute zuhören. Völlig in seine Musik versunken und vollständig eins mit seinem Instrument malte er Klangfarben von einer solchen Intensität und Vielfalt, wie ich es seit dem nie mehr und von keinem Instrument erlebt habe.

Als sich die letzten Klänge mit dem unvermeidlichen Schnarren der Stimmplatten aus einem lupenreinen ppp ins Nichts verabschiedeten, war es minutenlang totenstill im Saal, bis sich die angespannte Begeisterung in tosendem Beifall entlud. Dem "Virtuosen" war es sichtlich peinlich, sich derart musikalisch und letztlich menschlich geöffnet zu haben. Erst als sein Dolmetscher die sehr passenden Worte unseres Dirigenten in seine Muttersprache übersetzt hatte, huschte ein sanftes, ehrliches Lächeln über sein schmales Gesicht.

Es ist sicherlich nicht übertrieben, wenn ich sage: seit diesem Konzert weiß ich, was Musik ist....
 
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:great: mit Interesse habe ich Eure Postings gelesen.

Ich ja auch wieder seit einiger Zeit angefangen. Bin lange noch nicht so informiert wie Ihr :eek:

Habe mir einige Eurer "Favoriten" aufgeschrieben. :D Komme mir ja echt bescheuert vor.

Ihr spielt alle im Orchester...ich spiele für mich alleine zuhause. Viell. wäre es für mich auch gut, mit anderen zu spielen....

Schönes Wochenende Euch
Darccord
 
darccord schrieb:
Ich ja auch wieder seit einiger Zeit angefangen. Bin lange noch nicht so informiert wie Ihr :eek:

Spiel mal zwanzig Jahre lang, dann redest du auch so allwissend....;) :D

Habe mir einige Eurer "Favoriten" aufgeschrieben. :D Komme mir ja echt bescheuert vor.

Na na, jeder fängt mal klein an. Wichtig ist nur, neugierig zu sein und zu bleiben. Der Rest kommt von selbst....

Ihr spielt alle im Orchester...ich spiele für mich alleine zuhause. Viell. wäre es für mich auch gut, mit anderen zu spielen....

Ich habe mal zwölf Jahre lang in diversen Orchestern gespielt. Seit ein paar Jahren spiele ich nur noch für mich selbst und ganz selten mal zusammen mit meinem Sopran für andere.

Orchester- oder Ensembleerfahrung ist meiner Meinung aber durch nichts zu ersetzen. Und man findet eigentlich immer eine Gruppe, die auf einem Level spielen, das einem passt.
 
spiele seit 8 Jahren etwa mit Pause im Orchester, möchte aber was anderes suchen, ensemble, band, auch gerne ohne weitere Akkordeons ^^. Es bringt auf jeden fall etwas, man lernt mit anderen zu spielen. Und Akkordeonorchester gibt es eigentlich über ganz Deutschland sehr verbreitet ^^, so lang es kein humpa humpa , auf die eins und auf die drei ... kann man richtig was lernen...
daher: ausprobieren
 
Huhu :)

angefangen bin ich mit dem Spielen als ich 12 Jahre alt war. Im Orchester oder dergleichen habe ich nie gespielt. Ich bin bis zu meinem 20 Lebensjahr artig zur Musikschule gegangen.

Ich mag das Akkordeonspielen. Mir macht es Spaß. Der Grund wieso ich mein Instrument (Hohner 120 Bässe Atlantik heißt es, glaube ich) lange nicht mehr angefaßt habe, weil ich von Ländler und Märsche geschädigt worden bin :redface: . Mein Studium hat begonnen. Zwischendurch habe ich Gitarre gelernt, auch schön.

Das Akkordeon habe ich dann wieder herausgekramt, nachdem ich rein Zufällig in der Stadtbibliothek die Akkordeon Noten "AkkordeonSpiel" von P.M. Haas entdeckt habe und mir einfach ausgeliehen habe. Aus diesem Buch übe ich z.Zt. und ich finde, dafür daß ich dieses Instrument in der hinterletzten Ecke meiner Wohnung verbannt habe, bin ich doch recht schnell wieder reingekommen.

Daher fehlen mir die Erfahrungen, die ihr im Laufe gesammelt hat. Es motiviert mich, was Ihr schreibt. Ich finde es toll, daß Ihr über die Jahre dem Instrument treu geblieben seid.

Auf Dauer wird das Alleinspielen mich nicht zufriedenstellen und werde mich mal nach einer geeigneten Gruppe oder einer Mitstreiterin :D umschauen. Für das Spielen in einem Orchester, ach ich muß zugeben, ich glaube, da fehlen mir die Fertigkeiten oder einige Fertigkeiten, viell. auch nicht...ich weiß es nicht.

Wie oft spielt ihr denn so im Durchschnitt?

Winke, winke
darccord
 
Habe ebenfalls einige Zeit das Akkordeon verbannt aus dem selben Grund wie du und habe mich dann dem Bass gewidmet. Wie geschrieben durch die Verletzung bin ich zum Akkordeon zurück gekommen, eher zwangsweise doch ich freue mich wieder auf das Spielen.
Momentan versuche ich so 1 1/2 h am Tag zu spielen, am Wochenende mehr, aber das kommt auch darauf an wie zeitintensiv gerade das Studium ist. Ich würde und versuche mehr zu spielen, da ich einfach weiter kommen möchte und manchmal davon träume Musik zu studieren, ich denke aber das es ein Traum bleiben wird.

so long
baer
 
So, dann werde ich meine Person auch mal näher beleuchten. Ich hab' mit 9 Jahren angefange, Akkordeon zu spielen (irgend ein kleines Hohnerchen ;) ). Mein Lehrer hat mit mir ein Buch namens "Spela Dragspel" (schwedisch) durchgemacht (so ca. 3-4 Jahre). Angefangen von Wechselbassübungen, bis hin zu Ragtime (Entertainer) war da so ziemlich alles drin. Danach habe ich auch einen Tango gespielt, einen spanischen Tanz, viel Klassik (das letzte Klassische war ein 5min langes Concertino von Wolfgang Jacobi...) und die Toccata in d-moll von Bach (MB3 :) ).
Nach einem Jahr Pause habe ich vor ca. einem Jahr wieder angefangen und wollte in eine ganz andere Musikrichtung gehen (an unserer Musikschule wird sehr konservativ "Klassik" unterrichtet): JAZZ.
Im Moment, mit inzwischen fast 17 Jahren, spiele ich hauptsächlich Blues und Funk (soviel zur Vielseitigkeit des Akkordeon!), was einfach unglaublich Spaß macht!
Das Klischee vom "Uff-da-da"- Akkordeon hat sich bei mir nie (!!) durchgesetzt, und ich bin auch ein verfechter des allround-Akkordeons :D .
Soviel erst mal, später vielleicht mehr.

felix
 
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Finde ich richtig gut, wie sich der Thread hier entwickelt. :)

Ich komme leider schon seit einiger Zeit nicht mehr dazu, meine Hohner 454 CS umzuschnallen: Studien-Endspurt und Jazz-Klavier fordern ihren zeitlichen und musikalischen Tribut. :(

Aber wenn ich das so lese, wie engagiert ihr mit euren accs Musik macht, dann macht mir das richtig Lust, mir wieder mehr Zeit für meine Cesi zu nehmen. Ist vielleicht etwas kindisch, aber haben Eure accs auch Namen?
 

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